
Dunkelheit und Wald
ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT
Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.
Dunkelheit und Wald
Langsam bahne ich mir meinen Weg durch den dunklen Wald, einzig und allein die Taschenlampe meines Smartphones erzeugt einen leichten Kegel von Licht und erleuchtet höchstens zwei bis drei Meter Waldweg vor mir. Neben mir: Unglaubliche Schwärze. Nur das Rascheln des Laubes unter meinen Füßen unterbricht diese belastende Stille. Die Atmosphäre in diesem Wald ist so bedrückend und ich frage mich wirklich, ob all diese Geschichten stimmen, die sie sich im Dorf hier erzählen. Von eigenartigen Geräuschen, Kreischen, seltsamen Kratzgeräuschen und furchterregenden Schreien ist die Rede. Ein paar Mal fanden sie hier sogar satanische Zeichen wie ein Pentagram aus Kerzen und mit roter Farbe bepinselte, handgemachte kleine Strohpuppen. Aber ich sollte jetzt nun wirklich nicht darüber nachdenken! Ich hätte nicht so lange auf diesem dämlichen Fest im Nachbardorf bleiben sollen. Jetzt wird es ganz langsam wieder hell. Ich war als Kind viel im Wald meiner Heimat. Flussläufe, die durch kleine Täler inmitten eines Meeres aus Bäumen fließen, sanftes Vogelgezwitscher, ab und zu ein Hase, welcher sich sogar recht zutraulich interessierten Wanderern zeigt… Eben einfach ein Ort der Stille. Doch dieser Wald ist… wirklich anders.
Es ist so still. So unglaublich still. Nicht viele Menschen, die ich hier kenne würden diesen Wald freiwillig betreten. Er ist ihnen einfach viel zu unheimlich. Früher bin ich ein paar Mal durch den Wald gelaufen, aber immer nur die selbe, kleine Strecke und niemals allein. Man betritt diesen Wald und er raubt einen förmlich den Atem, so bedrückend ist er. Egal wie gut man gelaunt ist, sobald man sich in dem Wald befindet, werden selbst aus den schönsten Gefühlen Trauer und Schmerz. Und nun muss ich ihn nachts alleine durchqueren. Aber es ist die schnellste Strecke!
Nie wieder lass ich mich auf sowas ein. Ich hätte mit meinen Freunden um 21 Uhr nach Hause fahren sollen, sie hätten mich mitgenommen. Aber nein! Ich wollte ja unbedingt länger bleiben.
Und nun ist es 3 Uhr! Ich gehe weiter diesen Waldweg entlang. Blicke ich nach oben, so sehe ich ein paar Sterne, deren Licht sich sanft aber durchdringend durch die Baumspitzen bahnt. Eigentlich wundervoll. So einen Sternenhimmel sieht man wirklich nur auf dem Land – ich wünschte, ich könnte ihn gerade genießen. Aber um ehrlich zu sein, habe ich große Angst.
Plötzlich geht der stumme Alarm meines Handys an, ich bleibe stehen. Der Bildschirm wird automatisch abgedunkelt und die Akkuanzeige zeigt nur noch 15 Prozent an. Verdammt! Ich kann doch jetzt die Taschenlampe nicht ausmachen, um Strom zu sparen! Ich sehe nichts!
Die Dunkelheit ist ein großer Gleichmacher, denn alles sieht gleich aus und ich hoffe, ich bin bisher richtig gegangen. Eigentlich kenne ich diesen Weg, ab und an bin ich ihn früher schon einmal gelaufen. Aber doch nicht nachts! Ich gehe also weiter, schneller als zuvor. Mein Handy hat diese Eigenart, dass es, je weniger Akku es hat, immer schneller Akku verliert.
Ich bahne mir also meinen Weg durch die Finsternis, bis ich plötzlich aus dem Augenwinkel eine eigenartige Verdickung an einem von dem äußeren Rand des Taschenlampenlichts schwach angeleuchteten Baum bemerke. Ich beschließe mich ohne groß nachzudenken umzudrehen und dies zu überprüfen. Und was ich dann sah, durchdrang Mark und Bein: Ein umgedrehtes Kreuz, welches an dem Baum genagelt worden war! Ich bin wie gelähmt. Diese Stille. Man könnte ein Blatt fallen hören, nicht einmal der Wind scheint sich in diesen Wald zu trauen.
Plötzlich höre ich es. Hinter mir, vielleicht ein paar Meter entfernt: Schritte. Man hört, wie Laub in der Frequenz von ruhigen, sanften Schritten in Bewegung versetzt wird. Ich drehe mich ruckartig um und beleuchte mit zittriger Hand den Waldboden und… Sehe Stiefel. Mit nahezu schmerzender Angst in meinem Körper bewege ich das Handylicht immer höher und erkenne in ca. 5 Meter Entfernung eine große Frau. Sie hat schulterlange schwarze Haare und ein langes schwarzes Kleid an, welches von dunkelbraunen Knöpfen und roten Akzenten an den Ärmeln geschmückt wird. Es ist, als würde mir eiskaltes Wasser durch die Adern laufen, ich möchte schreien, doch kein Ton verlässt meine Lippen, ich möchte weinen, doch keine Träne entweicht aus meinen Augen. Obwohl es eine recht warme Nacht ist, zittere ich am ganzen Körper als wäre es der tiefste Winter.
Sie schaut mich nur an und ich erwidere mit aufgerissenen Augen ihren kühlen Blick. Sie öffnet langsam ihren Mund und fragt mich mit einer sehr sanften aber kräftigen Stimme:„Was führt dich hier her?“
„Ich…Ich… War auf dem Dorffest im Nachbarort und…“
Plötzlich versiegt das Licht meines Smartphones. Der Bildschirm ist auf niedrigster Helligkeit und nur eine Anzeige offenbart sich auf dem Gerät: „Der Akku ist zu schwach für die Taschenlampe“.
Nun ist es vollkommen dunkel. Vor mir nur das tiefste Schwarz. Stille. Ich verfalle vollkommen in Panik und habe keinerlei Orientierung, doch bekomme keinen einzigen Ton heraus. Ich atme schneller, versuche mich halbwegs irgendwie zu beruhigen, doch dann… Vor mir, nur einen Katzensprung entfernt höre ich die selben Schritte wie zuvor. Erst entfernen sie sich, dann verstummen sie für einen kurzen Moment. Und obwohl ich rein gar nichts sehe, spüre ich, wie ich beobachtet werde. Ich halte mir den Mund zu und schließe meine Augen, sacke zusammen und möchte nur noch, dass ich aus diesem Albtraum erwache.
Plötzlich höre ich wieder Schritte, die sich eben noch ein wenig von mir entfernten. Noch zwei, drei Schritte, dann… Höre ich wie diese mit unglaublicher Geschwindigkeit auf mich zukommen. Ich reiße meine Augen auf und blicke nach vorne – Und durch die Schwärze ertönt ein furchterregender, weiblicher Schrei, welcher mit unglaublicher Macht in meine Richtung geschrien wird. Es ist der schrecklichste Schrei, den ich in meinem gesamten Leben jemals gehört habe…
…Und ich werde ohnmächtig.
Am nächsten Morgen wache ich auf. Ich liege auf einem Tisch, der provisorisch zu einer Liege umfunktioniert wurde, unter meinem Kopf ein Kissen, über meinem Körper eine Decke. Ich sehe meine Eltern, als ich die Augen öffne und komme langsam wieder zu mir, doch ich bin noch immer etwas schummrig, aber es ist okay. Ein paar weitere Menschen aus dem Dorf haben sich um mich versammelt, darunter zwei Jäger, die mich auf dem Waldweg, nicht sehr weit von hier mitten im Wald entdeckten.
„Wo bin ich?“ Frage ich und bemerke, dass ich mich im Gemeindehaus meines Dorfes befinde, welches sich unweit vom Eingang des Waldes befindet. „Wir haben dich vor etwa einer halben Stunde im Wald entdeckt“, entgegnet mir einer der Jäger. „Du warst ohnmächtig“.
„Vielen Dank“ sage ich noch etwas geplättet. „Ich war auf dem Weg nach Hause von dem Fest und mitten im Wald ging mein Handy langsam leer – Und dann war da diese Frau…“
Meine Mutter fragt mich: „Welche Frau?“ „Ich weiß es nicht. Doch sie schrie fürchterlich und ich bin vor lauter Angst ohnmächtig geworden.“
Der Bürgermeister tritt an den Tisch. „Wir haben da etwas an deinem Arm gefunden.“
Ich ziehe meinen Arm hervor und blicke auf etwas, das ich schon einmal sah.
Es gibt Orte auf dieser Welt, die man unter keinen Umständen betreten sollte. Für mich steht seit diesem Erlebnis jedenfalls fest, dass ich diesen Wald nie wieder betreten werde.