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Ein wahrer Magier

Schottland 2002:

Es war seit Jahrzehnten schon Tradition in dem kleinen schottischen Dorf, das dort jedes Jahr ein Mittelalterfest stattfand.

Das Fest war jedes Jahr das absolute Highlight und so bekannt und beliebt, dass auch Menschen aus ganz Schottland und sogar aus aller Welt im September in das Dorf kamen

Das Fest bot den Besuchern Ritter, Händler, Feuerspucker und Magier.

Der achtjährige Elias war unglaublich aufgeregt. Er hatte erst vor kurzem Harry Potter im Kino gesehen und war nun von allem was mit Magie zu tun hatte fasziniert. Damit ging er seinem großen Bruder Brian ganz schön auf die Nerven. Der konnte mit Zauberei nichts anfangen. Mit sechzehn Jahren waren nur angesagte Dinge cool. Magie gehörte nicht dazu. Seit einem Jahr ging ihm sein kleiner Bruder auf die Nerven mit diesem bescheuerten Festival. “Gehst du da bitte mit mir hin Brian? Bitte, bitte?”, bettelte Elias täglich. Brian verdrehte die Augen und sagte dann sehr genervt:” Unter einer Bedingung. Halt jetzt deine Klappe!” Elias verstummte und sah kurz seinen großen Bruder ernst an. Brian dachte schon, er würde jetzt das Heulen anfangen, aber Elias sprang seinen Bruder an und umarmte ihn. “Danke Brian. Du bist der beste große Bruder auf der Welt.”

Am Abend brachen die beiden auf. Das Festival fand auf den nahe gelegenen Dorfplatz statt und zog sich bis in den Wald hinein, der zur Atmosphäre des Festes beitrug. Auf dem Dorfplatz waren Hütten aufgestellt, an denen Händler Waren aus dem Mittelalter anpriesen. Es gab einen Schmied, eine Kräuterfrau und einen Metzger. Elias fand das alles spannend, Brian lief gelangweilt neben ihm und hoffte, das keine seiner Freunde da waren, die ihn erkennen könnten.

Ein paar Meter weiter stand einige Menschen und schauten sich den Feuerspucker an, der eine tolle Show ablieferte. Elias klatschte in die Hände. “Das ist cool, Brian, als nächstes möchte ich bitte zu den Magiern.” “Also gut. Dann gehen wir schnell zu deinen blöden Magiern. Aber danach gehen wir wieder nach Hause und du nervst mich nicht mehr, klar?”, gab Brian seinen Bruder zu verstehen. Der hüpfte fröhlich weiter, in Richtung des Waldes.

Fackeln markierten den Weg. Elias rannte vorweg und Brian hinterher, er wollte zum Schluss nicht verantwortlich sein, wenn sein Bruder ihm verloren ging.Seltsam war, das sonst keiner der Besucher auch den Weg zu den Magiern aufsuchte. Die Fackeln führten die beiden auf eine Lichtung. Dort standen sie. Fünf Gestalten, die um ein Feuer in der Mitte standen. Vier von ihnen hatten braune lange Roben an und ihre Kapuzen tief ins Gesicht gezogen. Der fünfte von ihnen hatte eine edle rote Robe an. Er hatte keine Kapuze auf und Brian schaute den Mann genauer an. Er hatte schwarzes Haar und stechende blaue Augen. Irgendwie wirkte er sehr jung, aber gleichzeitig auch sehr alt. Elias stand am Rand und schaute staunend zu, was nun geschah.

Der Mann im roten Gewand hob nun seine Arme und rief etwas unverständliches in den Wald hinein. Dann begannen die anderen um das Feuer zu tanzen. Ihre Gewänder bewegten sich leicht im Wind. Sie begannen nun in einer seltsamen Sprache an zu singen. Dann tanzten sie schneller, der Gesang wurde intensiver. Brian bekam ein Kribbeln auf seiner Haut. “Elias, wir gehen, das gefällt mir nicht. Los!”, befahl er seinen Bruder. “Bitte lass mich das noch sehen!”, sagte Elias mit funkelnden Augen. Doch Brian fühlte sich nicht wohl in der dieses mysteriösen Mannes. “Das ist hier total bescheuert, Elias. So etwas wie Magie gibt es nicht!”, schrie Brian seinen Bruder aufgebracht an. Elias begann zu weinen. “Gut, dann geh ich! Ich will dich nie wieder sehen!”, Elias rannte den Weg zurück. “Warte, doch! Ich komme.”, rief Brian und wollte hinterher.

Plötzlich stand der Mann mit dem schwarzen Haaren direkt vor ihm. “Du hast mich ganz schön beleidigt. Weißt du das? Magie gibt es nicht? Soll ich dir mal das Gegenteil beweisen?”, flüsterte er. “Nein danke. Ich muss zu meinem Bruder. Lass mich jetzt durch du aufgeblasener Clown!” , rief Brian aus, bereute aber dann was er sagte. Er wollte nur nach Hause. Der Mann hob nun wieder seine Arme und sprach Worte die Brian nicht verstand. Dann war er verschwunden. Die Sonne ging auf. Es fühlte sich alles so merkwürdig an. Doch Brian war erleichtert. Er konnte nun zu seinem Bruder und sich entschuldigen. Er lief aus dem Wald heraus und staunte nicht schlecht. Es standen jetzt noch viel mehr Hütten aus dem Mittelalter da. Das ganze Dorf war nun wie aus einer Rittergeschichte. Die Hühner liefen auf dem Weg, es roch streng und die Wäsche hing an Leinen.

Da sah Brian nun auch Dorfbewohner. Ein ganzer Haufen. Sie waren alle mit alten Lumpen bekleidet und rannten mit Mistgabeln und Fackeln bewaffnet in seine Richtung. Sie wirkten wütend. Er hörte sie etwas rufen. “Hexer! Hexer!”, riefen sie. Brian bemerkte jetzt, das sie auf ihn zukamen. “Ergreift den Hexer! Verbrennt ihn” Brian stockte der Atem. Er musste von hier los. Doch die Dorfbewohner waren schnell und er konnte kaum rennen. Er war wie gelähmt. der Haufen erreichte ihn und dutzende Hände packten nach Brian und schleppten ihn davon. Brain schrie wie am Spieß:”Lasst mich los! Ich bin kein Hexer.”

Doch die Bewohner ignorierten es. Sie schleppten ihn zum Dorfplatz, an dem schon für ihn ein Scheiterhaufen bereitstand. Er wurde an einen Holzmast gefesselt und weinte und schrie pausenlos. Dann sah er einen Mann der eine Fackel in der Hand hielt. Schwarze Haare, blaue Augen. Er schaute Brian an während er den Scheiterhaufen entzündete. Brian hörte noch sein Flüstern: “Glaubst du jetzt an Magie?”. Während die Flammen zu ihm nach oben krochen schloss Brian die Augen und sagte:”Ja.”

 

 

 

 

 

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