GeisteskrankheitKurz

Er kauft meine Ängste

Wir alle haben schon immer gedacht, dass der alte Mann im Krämerladen, am Ende der Straße, unheimlich ist – doch nichts davon schützte mich davor, ihm meine erste Angst zu verkaufen. Ich hatte nicht genug Geld für den Bus und er bot mir an den Rest zu bezahlen, wenn ich ihm dafür meine Angst vor der Dunkelheit verkaufen würde. Ach, was solls, richtig? Ich brauchte das Busticket, um mich mit meinen Freunden treffen zu können und Gott weiß, Mutter hatte nicht genug Geld. Er bewegte seine Hand vor meinem Gesicht ein paar Mal hin und her und sprach dazu irgendwelche Wörter, die ich nicht verstand. Danach hatte ich mein Ticket.

In dieser Nacht schlief ich fest wie ein Baby.

Schon bald hatte er mir noch mehr abgekauft. Meine Angst vor Spinnen gegen ein paar Kaugummis. Meine Angst vor Vampiren gegen ein bisschen Eiscreme. Meine Angst vor höher Gestellten gegen ein paar Feuerwerkskörper.

Die Käufe wurden größer als ich älter wurde und die Ängste wurden weniger banal. Meine Angst vor Krebs gegen ein paar Zigaretten. Meine Angst vor der Polizei gegen Bier. Meine Angst vor dem Gefängnis gegen ein Erwachsenenmagazin.

Wie nicht anders zu erwarten, freundete ich mich mit den falschen Leuten an und schließlich kam es zu den obligatorischen Drogen. Er gab mir ganze 100$ für meine Angst vor dem Tod.

Und als mir der andere Junkie das Messer in meinen Brustkorb stach, starrte ich ihn nur an und lächelte. Es war nichts beängstigendes.

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