MittelRitualTod

Er spielt nicht

Warnung vor Creepypasta

ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.

Guten Tag. Fangen wir doch gleich mit dem
grundlegenden Kern dieses Berichts an und halten uns nicht mit Formalitäten wie
„Schöner Abend“ oder „Wie geht es dir heute“ auf, ja? Ich denke, damit sparen
wir Zeit und können uns wieder unseren primären Beschäftigungen in diesem Leben
widmen.

Zu Beginn jedoch: Dieses Dokument dient
nicht deiner Befriedigung nach Adrenalin, noch ist es religiöser Natur,
jedenfalls keiner Religion, die heute noch praktiziert wird. Ich hoffe um der
Menschheit Willen, dass du niemals dumm genug sein wirst, von diesem Text
Gebrauch zu machen. Solltest du ihn als letzte Möglichkeit für ein x-beliebiges
Dilemma in Betracht ziehen, mein Beileid, ernsthaft. Aber bevor ich abschweife,
lass mich erklären, was du gerade liest.

Dies ist die Zusammenfassung eines in
höchsten Maßen heidnischen Rituals, um die Kreatur, die der Laie als Sensenmann
bezeichnet, herbei zu beschwören, welche im Volksmund verschiedener Kulturen
auch unter anderen Namen wie „Gevatter“ oder „Thanatos“ oder subtil einfach nur
als der Tod bekannt ist.

Wenn du nicht zu der vor dem Smartphone
verdummenden RTL-II-Generation der Chantal-Tiffanys und Jason-Kevins gehörst
(solltest du Chantal-Tiffany oder Jason-Kevin heißen und über einen
Notendurchschnitt von 2,1 verfügen, möchte ich mich an dieser Stelle herzlich
entschuldigen), stellst du dir vielleicht die elementare Frage, welchen Zweck
es hat, die materialisierte Erscheinung des Phänomens zu beschwören, vor dem
das Leben seit seiner Existenz graut, außer vielleicht äußerst stilvollen
Suizid zu begehen. Kommen wir später dazu, und ja; das nervt dich
wahrscheinlich, aber damit ich diese Liste nicht vergesse, beginnen wir mit den
Objekten, die du brauchen wirst, wenn du wirklich dumm oder verzweifelt genug
bist, es zu wagen; das sollte auch in deinem Interesse sein. Du brauchst
folgendes:

1.  Einen Kessel oder
einen großen großen Kochtopf und vielleicht ein Gestell, um das ganze
aufzustellen.

2.  Salz, genug um
einen Kreis zu ziehen. (Ich weiß, ein Klischee). Ersatzweise geht auch ein
Gemisch aus Salz und Reis.

3. Lebende Maden.
Die solltest du im Anglergeschäft oder in der Zoohandlung finden.

4. Wasser, etwa so
viel, wie in den Kessel passt.

5. Die Feder eines Vogels
deiner Wahl. Dies ist kein notwendiges Item für die Beschwörung, manche
behaupten aber, es hätte eine verstärkende Wirkung, weil es irgendwie die vier
Elementen vereint oder so.

6.  Feuerholz.

7.  Feuer. Ob
Streichhölzer oder Feuerzeug ist egal, je nach Belieben.

8.  Tropfen deines
eigenen Blutes (schon wieder ein Klischee).

9.  Fleisch. Ich
überlasse dir, von welchem Geschöpf du es wählst und wie viel, hauptsache es
ist roh und schimmelt nicht allzu sehr.

10. Ein Friedhof ohne
Nachtwächter.

Kommen wir jetzt, wie versprochen, zu dem
Grund, Gevatter Tod einen Besuch abzustatten. Eigentlich ist die Antwort sehr
offensichtlich, wenn man sie einmal kennt: Quid pro quo. Der Tod ist nicht der
Teufel, mit dem solltest du gar keine Geschäfte machen, wenn es sich umgehen lässt.
Er spielt nicht mit den Leiden der Menschen und es ist ihm egal, wen er am Ende
holt, hauptsache die Schuld eines Lebens ist beglichen. Versteh mich bitte
nicht falsch, du wirst durch einen Deal mit ihm nicht ewig leben, aber du
könntest damit fünfzig bis hundert Jahre herausholen. Wenn du dieses Ritual
öfter betreibst, können es auch tausend oder zweitausend werden, aber fordere
dein Glück nicht heraus und sei auf keinen Fall zu gierig. Beschwörungen von
paranormalen Wesen und Erscheinungen können genau so süchtig machen wie
Videospiele und Alkohol, wusstest du das etwa nicht? Ach egal.

Vielleicht wäre es jetzt ganz hilfreich dir
zu verraten, wie du es tust. Hhm, ja, ich denke, es ist jetzt der richtige
Zeitpunkt dafür.

Es ist wichtig, wann und wo du beginnst. Das
Ritual wird nur in einem Monat funktionieren, der genau 31 Tage hat, also Mai,
Oktober, etc. Aus Sicherheitsgründen darf es an keinem Freitag, dem ersten oder
letzten Tag eines Monats und auf gar keinen Fall in einer Neumondnacht vollzogen
werden. Der Grund dafür ist nicht etwa, dass der Tod dir nicht erscheinen wird,
sondern, dass an diesen Tagen die Chance größer ist, eine andere übernatürliche
Kreaturen an seiner Stelle zu rufen, die sich als der Gevatter ausgeben wird um
dann mit dir, dem wertlosen Menschen, zu spielen. Das ganze ist KEIN Spiel, merk
dir das. Wenn du spielen willst, geh‘ zu andren Riten, wo du Pentagramme mit
Schweineinnereien auf den Boden schmierst oder erfolglos versuchst, einen Geist
in eine Puppe zu locken. Hier geht es nur um ein Gespräch und das ist schon
gefährlich genug.

Du musst um 0:00 bis aller spätestens 3:30
auf dem Friedhof erscheinen und all deine oben genannten Sachen dabei tragen.
Suche dir einen ruhigen Ort, aber stelle dein Lager niemals direkt bei einem
Grab auf, sonst wird das ganze hier von einer Todesbeschwörung zur
Totenbeschwörung und es tut ziemlich weh, wenn dir ein halb erweckter
Wiedergänger seine Zähne in die Brust schlägt, vom Geruch mal ganz zu
schweigen. Irgendwo wirst du schon was Geeignetes finden, vielleicht auf einer
Wegkreuzung oder so.

Das erste und wichtigste, was du tust, ist,
den Salzkreis zu ziehen. Er sollte möglichst rund und mit keinen unnötigen
okkulten Symbolen verziert sein, von denen du gehört hast, dass sie helfen.
Einfach einen schmucklosen, sauberen Kreis aus Salz, groß genug für zwei
Personen und den Kessel. Sobald der Kreis gezogen wurde, tritt ein Gesetz in
Kraft, das bis zum Ende bestehen bleibt: Du darf nicht reden, es sei denn, du
wirst dazu aufgefordert. Zum Reden zählt lautes Husten, Niesen, Seufzen und
alles wofür du deine Stimmbänder benutzt. Dies ist wohl die wichtigste Regel,
dessen Verstoß am härtesten bestraft wird. Warum und wie erkläre ich am Ende
des Textes. Halt einfach deine Klappe und tu, was ich dir sage, dann wird alles
gut.

Wenn der Kreis geschlossen ist und du dir
sicher bist, dass es ein Kreis ist, darfst du das Feuer anzünden und den Kessel
aufstellen. Fülle ihn mit Wasser und warte, bis es kocht. Obwohl ich oben
geschrieben habe, dass du so viel wie in den Kessel passt nehmen sollst, kannst
du auch weniger verwenden, wenn du feige bist und dir um die Zeit sorgen
machst. Dann wird jedoch euer Gespräch recht kurzweilig sein und vielleicht
nicht das erwünschte Ergebnis bringen (genaueres dazu später).

Sobald du hören kannst, dass Blasen im
Inneren des Topfes aufsteigen, gebe das Fleisch, dein Blut und gegebenenfalls
die Feder hinzu. Einige Leute sagen, es gebe noch andere Zutaten, die den Tod
schneller herbeilocken könnten als andere, z.B. menschliche Milch oder
gemahlene Knochen, aber mit Fleisch und Blut machst du nichts falsch und es
steht dir frei, zu experimentieren. Hier ist übrigens auch die letzte
Möglichkeit, das Ritual frühzeitig abzubrechen, indem du das Zeug auf den Boden
auskippst und damit das Feuer löschst. Für alle anderen Wagemutigen kommt nun
der Schritt, den zart besaitete Seelen womöglich als „grausam“ bezeichnen
würden: Die Hälfte der Maden muss in die Flammen geworfen werden, der Rest
kommt in das brodelnde Wasser. Wichtig ist, dass sämtliche Tiere dabei leben,
allein ein toter Körper könnte alles zunichte machen. Was, tu nicht so
schockiert, du wusstest, was kommen würde, als die Worte „heidnische
Beschwörung“ gefallen sind. 

Nun gilt es zu warten. Womöglich Stunden,
hängt von seiner Laune ab. Ich hoffe, du übst dich immer noch in
Schweigsamkeit, andernfalls… ach ja, später.

Falls du alles richtig gemacht hast, wird er
dir schließlich erscheinen. Wahrscheinlich kommt er nicht in der traditionellen
Robe, mit dem Totenkopf und der Sense, auch wenn das nicht ausgeschlossen ist.
Die Liste seiner Erscheinungsformen ist lang, er könnte zum Beispiel eine Witwe
mit schwarzem Schleier und ohne Gesicht sein, oder eine schreckliche
pervertierte Mischung aus einem Mensch und einem überfahrenen Tier. Er könnte
viele Augen haben, oder gar keine. Flügel wie ein Engel oder Zähne wie eine
Bestie. Wie gesagt, hängt von seiner Stimmung ab. Aber die Gestalt, die er
bevorzugt wählt, ist die eines blassen Mannes, ohne ein einziges Haar an seinem
Körper, eingehüllt in einem Nebel aus Schwarz mit Augen so tief wie das Weltall
und dunkel wie die Innenseiten deiner Lider in Lichtlosigkeit.

Er wird durch den Kreis schreiten ohne ihn
zu beschädigen und dir mit einer Handbewegung deuten, dich auf die Erde zu
setzen. Tu, was er sagt. Er wird zwei Tassen aus dem nichts zaubern, keine
Sorge, sie werden nicht aus Knochen bestehen, vielleicht nur etwas rostig sein.
Erst wird er sich und dann dir von der Brühe auf dem Feuer einschenken und du
wirst das Zeug trinken, auch wenn es widerlich schmeckt und glaub mir, das wird
es, nicht nur nach den Sachen, die du benutzt hast, sondern auch nach Fäulnis
und Erde und Schlimmerem. Wahrscheinlich wird er dir sogar noch nach schenken,
wenn deine Tasse leer ist. Das ist einer der Punkte, an denen die meisten
scheitern und ich will nicht lügen: In den Tagen danach wirst du ziemlich
schlimme Verdauungsprobleme haben. Aber denk daran: du wolltest diese Teestunde
mit dem Tod, er ist nur deinem Ruf gefolgt. Und hey: immerhin wird dein Leiden
sich auszahlen, wenn du alles richtig machst und er dir endlich, nach Minuten
die dir wie Tage vorkommen werden, die alles entscheidende Frage stellt mit
einer Stimme, so kalt wie flüssiges Eis und älter als die Welt selbst: „Warum
bist du hier?“

Antworte, so schnell du kannst und so klar
du kannst. Es muss ein ganzer Satz sein wie etwa „Ich möchte etwas mehr Zeit
haben“ oder „Ich will, dass du mein Leben verlängerst“. Der Tod wird nicken,
nachdenklich einen Schluck von der Suppe nehmen und dir eine Aufgabe geben. Das
kann alles mögliche sein, zum Beispiel einen langen Nagel unter die Heizung
einer bestimmten Bar zu platzieren oder Zigaretten einem Zwölfjährigen
anbieten. Sei dir aber bewusst, dass diese Taten das Leben eines anderen
denkenden, fühlenden Menschen beenden werden, vielleicht morgen, vielleicht in
fünfzig Jahren. Und du wirst daran Schuld haben, du allein. Allerdings wirst du
dann auch über die Jahre verfügen, die dieses Individuum noch vor sich gehabt
hätte, sowie ein guter Teil seiner Jugend. Traurig, aber alle Menschen sind in
ihrem Inneren Schweinehunde.

Der Tod wird dich nicht fragen, ob du die
Aufgabe annimmst, es wird auch nichts Schlimmes passieren, wenn du es lässt.
Aber diese Möglichkeit verjährt nach einer Woche und du bekommst nichts, wenn
du etwas danach erledigst. Nachdem er sein Angebot erklärt hat, wird der Tod
eine kleine Pause machen und dich dann fragen, ob du wegen sonst noch etwas
hier bist.

Vielleicht ist dir ein unnatürlich langes Leben
nicht ganz geheuer, aber das ist nicht schlimm, es gibt andere Sachen, die dir
nur der Tod geben kann.

Zum Beispiel eine übersinnliche Fähigkeit.
Ja, auch das kann er. Allerdings nicht die bekannten, coolen Superkräfte wie
Gedanken lesen oder fliegen. Aber es hört sich doch auch ganz interessant an,
mit Tieren sprechen zu können, oder? Zugegeben, nicht mit allen Tiere, aber
nach diesem Handel werden Vögel, Katzen und Ratten deine zusätzlichen Augen und
Ohren sein. Natürlich könnte es sein, dass einige von ihnen dich hintergehen
werden, das ist vor allem bei Spatzen wahrscheinlich, da diese wegen ihres
harmlosen Erscheinungsbildes beliebte Spione zwischen den Welten sind, doch
wozu gibt es andere, vertrauensseligere Lebewesen? Wenn du zum Beispiel eher
der Pflanzentyp bist, braucht es nur ein Wort beim alten Knochengesicht und
alles, was Photosynthese betreibt, wächst und zerfällt auf deinen Befehl. Wie
klingt eine Welt ohne Schlaf für dich? Oder die Fähigkeit, zehn Jahre ohne
Essen auszukommen? All das und noch mehr kann er dir geben, aber nicht umsonst.
Es wird immer das gleiche kosten und dieser Preis schreckt die meisten
Interessenten ab. Der Tod wird dir, nachdem du zugestimmt hast, eine Liebe
nehmen. Vielleicht eine, die dich seit deiner Geburt begleitet oder das Mädchen
deiner Träume, das du dann niemals treffen wirst. Der einzige Trost, der dir
bleibt, ist die Gewissheit, dass es schmerzlos war, jedenfalls für sie.

Nur eine Kraft wird er dir umsonst geben,
wenn du ihn darum höflich bittest, aber die treibt mehr Menschen in den
Wahnsinn, als irgendwas sonst, was du von ihm erwerben kannst. Er wird dich
davor warnen, wenn du es ins Gespräch bringst, und da das kein Spiel ist, wird
er es mehrfach versuchen. Diese „Gabe“ hat viele Namen, von denen einige nicht
mit deiner Zunge aussprechbar sind. Nennen wir sie der Einfachheit halber, „Das
Lesen“. Ich geb’s ja zu, ich war niemals besonders kreativ darin, Dingen Namen
zu geben.

Was auch immer, es funktioniert jedenfalls
wie folgt: Wenn du von nun an dein linkes Auge verdeckst, wirst du mit dem
rechten die Lichter der Menschen sehen können. Damit du dein eigenes nicht
erkennen kannst, erscheinen sie in der linken Pupille. Die von Kindern werden
(meistens) groß sein, von Erwachsenen (in der Regel) mittelgroß und die von den
Alten (fast immer) klein. Mit der Zeit entwickelst du vielleicht sogar ein
Gespür dafür, sodass du die Lichter auf ein Datum umrechnen kannst. Viele
Leute, die diesen Handel angenommen haben, beschweren sich später, dass sie
nicht bei jedem ein Licht sehen können, auch wenn diese Person noch Jahrzehnte
unter den Leben verweilt. Aber der Tod spielt wie gesagt nicht und er hat sich
an eure Abmachung gehalten: Du kannst die Lichter jedes Menschen sehen
und es ist ein Unterschied, als Mensch geboren worden zu sein oder sich nur
deren Haut anzuziehen, um sich als einer auszugeben. Was glaubst du wäre
schlimmer: In das linke Auge der Liebe deines Lebens zu blicken und weniger als
einen Funken zu sehen oder nichts als tiefste Schwärze?

Der letzte Grund, ihm einen Besuch
abzustatten, ist Rache. Lüg mich nicht an, ich weiß, es gibt diesen Menschen,
dessen Blut du sehen willst, wie es langsam über die Straße fließt. Und worum
geht es in diesem Ritual, wenn nicht um den Tod?

Sage einfach, wenn er dich fragt, warum du
hier bist, drei kleine Wörter: „Ich will Vergeltung.“ Er wird dich fragen,
warum und du wirst antworten. Erkläre ihm, warum du diese Person hasst und
warum sie es verdient hat. Die einzige Voraussetzung ist, dass du schon einmal
ein Wort mit diesem Menschen, den du hasst, gewechselt hast und dass du seinen
Namen kennst.

Der Tod wird wieder nicken, von diesem
ekelhaften Zeug aus dem Kessel trinken und dir kein Zeichen geben, ob er ihn
holen kommt. Das entscheidet er später, falls ihn deine Argumente überzeugt
haben. Auch deine Schuld wird er ein andern Mal eintreiben, in einer Form, wie
es ihm beliebt. Er könnte dir dafür zehn Jahre von deiner Zeit nehmen oder alle
deine Kinder werden in Zukunft tot geboren werden. Darum überlege dir
gründlich, wen du wirklich am allermeisten auf dieser Welt hasst.

Um das Ritual zu beenden, sage ihm bei
seiner nächsten Frage, dass du bekommen hast, wofür du gekommen bist (was
vielleicht nicht stimmen wird) und bedanke dich für seine Zeit. Er wird dich
noch ein letztes Mal ansehen, mit diesem Blick, voll Traurigkeit und
Finsternis, ehe er sich in Luft auflöst. Verlasse den Kreis erst, wenn du
sicher bist, dass dich die Sonne berührt hat, nicht nur Morgendämmerung, echte
ungefilterte Sonnenstrahlen. Nimm nur das mit vom Friedhof, was du am Leib
trägst, lass den Rest einfach liegen und mach dir keine Gedanken darum. Andere
unsichtbare Wesen werden sich darum prügeln, Dinge zu besitzen, die vom Tod
berührt worden sind. Ein anderer Weg dieser Konversation zu entkommen ist es,
zu warten, bis der Kessel leer ist. Dann wird der Tod sich bei dir für die
Mahlzeit bedanken und dich allein lassen. Auch hier gilt: Erst verschwinden,
wenn die Sonne da ist. Sollte euer Gespräch nach Sonnenaufgang noch bestehen,
dann… sagen wir einfach, dann kann dir nicht mal Gott noch gnaden.

Du hast dich sicherlich gefragt, was diese
ganzen Regeln bedeuten und was passiert, wenn sie gebrochen werden. Warum
sollst du nur reden, wenn du gefragt wurdest und warum darf die Sonne nicht
aufgehen und warum musst du dieses Brackwasser voll mit Blut und Ungeziefer
trinken? Mit einem Wort: Höflichkeit. Stell es dir so vor: Der Tod macht sich
die Mühe und erscheint dir, will dir ein paar Extrajahre für lächerliche
Botengänge geben und du plapperst ihm dazwischen, verweigerst das Essen, was er
dir gibt und strapazierst unnötig seine Zeit. Wenn du das machst, wird er
einfach gehen und seinen Körper zurücklassen. Dumm ist jetzt aber nur, dass
dieser Körper nun von den Wesen in Anspruch genommen werden kann, die draußen
warten, Salzkreis hin oder her. Versuch erst gar nicht, zu rennen, es wird dir
eh nichts nützen. Hoffe einfach, dass sie versehentlich eine große Arterie
treffen und dass es dadurch schneller vorbei sein wird.

Was? Du willst wissen, wer ich bin und warum
ich dir diese ganze Geschichte erzählt habe? Na ja, sagen wir, ich investiere
in dich. Ich investiere darauf, dass du die Zeit aus den Augen verlieren wirst,
darauf, dass du das Zeug in hohen Bogen ausspuckst, wenn du merkst, dass sich
die Maden in deinem Mund bewegen, darauf, dass du einer dieser Menschen bist,
deren Zunge schneller ist als ihr Verstand. Er spielt nicht, ich aber schon.
Und ich werde da sein, wenn er weg ist und wir werden eine Menge Spaß haben. Du
wirst vermutlich weinen, sobald das erste Blut fließt, aber keine Sorge, nach
dieser Nacht wirst du eine andere Definition des Wortes Schmerz haben. Schade,
dass du nicht die Gelegenheit haben wirst, anderen davon zu erzählen. Na los,
komm schon, warte nur, bis es dunkel wird und beweis mir das Gegenteil.

In diesem Sinne, mein lieber Freund, lass
mich diesen Bericht mit den Worten beenden, von denen ich denke, dass sie am
wahrscheinlichsten zutreffen werden:

Bis bald.

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