KurzTod

Helheimr

Warnung vor Creepypasta

ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.

Schwärze umgab mich. Allein trockene Erde und verpestete Luft nahm ich durch meinen geschundenen Körper wahr und tastete mich langsam vor. Zwischen meinen Zehen spürte ich verrostete Klingen und verrottende Gebeine, wie gewollt zerissen sie mir meine Haut. Kalter Wind nagte an den frischen Wunden, nur langsam und gequält kam ich voran.

Je weiter ich ging, umso erleuchteter wurden meine leeren Augenhöhlen. Eine Wüste aus schwarzem Sand umgab mich wie ein Ring aus Elend, und in der Ferne erspähte ich einen güldenen Schimmer. Doch trotz meines wiederkehrenden Augenlichtes schaffte ich es nicht, mich den schmerzvollen Klauen des knöchernen Bodens zu entreißen. Vor Schmerzen wollte ich schreien, doch nicht einmal ein leises Flüstern entsprang meiner Kehle. Allein brannte sie wie Feuer, und im Anbetracht meiner ohnehin schon beträchtlichen Schmerzen ließ ich sie verschlossen. Die Zeit verging nicht, und mein Marsch zum jenseitigen Schimmer wirkte auf mich wie eine martervolle Odysee, wie jahrelange Pein.

Nach ungezählten Monden stand ich nun endlich vor dem Schimmer und erkannte seine Gestalt: Es war eine Brücke, die über einen weiten brausenden Fluss hinüberführte. Sie selbst war aus Gold, und glänzte wie die Sonne. Ihr Schimmer jedoch erleuchtete, trotz seiner immensen Strahlenkraft, nicht die Tiefen des sich windenden Flusses, der wie eine finstere Schlange vor meinen Füßen vorbeiströmte.

Wie eine monumentale Statue thronte vor der Brücke eine gewaltige Frau. Sie war schön anzusehen, wie ein Quell der Reinheit inmitten dieser Qualentundra. Mit bedächtigen Bewegungen senkte sie sich zu mir herab und fragte mich nach meinem Namen und meinem Geschlecht. Ich selbst hörte den Klang meiner Stimme nicht, spürte nur den brennenden Kehlenschmerz, doch sie schien alles aufgenommen zu haben. Mit einer kleinen Handbewegung deutete sie mir an, die goldene Brücke zu passieren.

Der Übergang dauerte lange, und das gleißende Schimmern der Brücke blendete meine ohnehin schon erbärmlichen Augen. Aus der Tiefe des Flusses nahm ich Leid und Schreie war, die sich, ebenso so schnell wie die Strömung, in ihrer Stimmlage und Intensität veränderten. Hypnotisiert starrte ich auf die Tiefen des dunklen Wassers, und spielte mit dem Gedanken, einfach hineinzuspringen und all dem hier zu entfliehen. Doch eine mir noch unbekannte Macht zerrte mich von den goldenen Rändern hinfort und geleitete mich an das andere Ende des Ufers. In der Ferne erkannte ich ein güldenes Tor, hochgewachsen und voll von Schönheit.

Erneut ging ich über die scharfe Dunkelheit dieses gottverlassenen Ortes, verlor all mein Gefühl für irdene Zeit, und kam nach einer Ewigkeit des schmerzvollen Marsches vor dem güldenen Tore an. Unter mir schien der finstere Fluss zu entspringen, dessen kühler Finsternis ich vor Zeiten noch so habhaft werden wollte, doch dieses Verlangen war nun fort. Allein fesselte mich dieses güldene Tor, so majestätisch wie ein König auf seinem Schlachtross.

Zu meiner Rechten befand sich eine breite Höhle. Widerliche Gerüche stiegen daraus auf, und ein eiskalter Frost überkam mich, noch kälter als der stetig wehende Schwingenwind dieses dunklen Reiches. Leuchtende Augen blitzten mir aus der Höhle entgegen, und im nächsten Moment befand ich mich im Zweikampf mit einem riesigen Hund, einer gewaltigen Bestie. Zorn brannte in seinen Augen, und seine blutverkrusteten Zähne zeugten von Grausamkeit.

Mein vergangener Körper brachte es nicht mehr zustande, sich gegen dieses Monstrum zu behaupten, und ich erlag dem zermalmenden Kiefer dieses Ungeheuers. Ich weiß nicht für wie lange, doch er trug mich weit, weit durch das Tor in das grässliche Reich hinein. Mit schnellem Schritt und gewandtem Lauf huschte er wie ein Blitz, mir mit jedem Tritt unsägliche Schmerzen zufügend, über die schwarze Wüste und schien sein Ziel so klar vor Augen zu haben wie einst ich den Schein der Sonne.

Nach gefühlten Äonen fand ich mich auf einem dreckigen Tisch in einem elendem Haus wieder, und bemerkte, dass mein Körper nur noch ein Haufen zerrissenen Fleisches und zerborstener Knochen war. Allein mein Kopf schien noch zu arbeiten, doch es war eine Qual, in diesem Zustand noch zu existieren.

Mit bedächtigen Schritten näherte sich von vorn eine groteske Gestalt. Ihre rechte Gesichtshälfte war erfüllt von Schönheit. Wallendes blondes Haar lief wie ein Fluss aus Weizen an ihr herab und rahmte ihr glänzendes Gesicht sowie ihr diamantenes Auge in formvollendeter Perfektion ein. Doch ihr linkes Gesicht war abstoßend und verdorben, blau-schwarz war es vor Verrottung schon geworden. Die vertrockneten Augenhöhlen standen leer, allein der breit grinsende Mund mit den scharfen Zähnen schien ihr dort noch vollkommen geblieben zu sein.

Die morbide Frau sprach kein Wort, sondern setzte sich nur zu meinen Füßen und begann, mit einer nie zuvor gesehenen Verschmachtung, meine Knochen aufzubrechen und das Mark herauszusaugen wie Blut aus einer Wunde. Die Schmerzen waren unerträglich, doch durch eine seltsame Fügung nahm ich sie mit einer traurigen Melancholie einfach hin und ließ die grässliche Verschlingerin von meinen Knochen zehren.

Verhältnismäßig schnell war sie mit mir fertig, und nachdem der grauenhafte Hund noch mein gebliebenes Fleisch verzehrt hatte, warfen sie mein Gerippe weit hinaus, über das güldene Tor und die glänzende Brücke, über die Riesin und den finsteren Fluss. Überall verteilt lagen nun meine Gebeine auf dem schwarzen Boden, und urplötzlich überkam mich ein gewaltiger Hunger nach Blut und Fleisch.

Wie wundervoll es doch ist, sich stetig am Leben neuer verfluchter Seelen laben zu können, die wie in Schwärmen nach Helheimr kommen. Das Reich des Todes und ewig währender Gefangenschaft.

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