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Halloweens Ende (Part I)

Die bittere Kälte der Nacht bedeckte seine graue Haut mit Gänsehaut, unter dem Schein des fahlen Mondlichts. Er atmet schwer durch den Mund, so als ob die Luft vergiftet wäre. Jede Bewegung war schwer und sein Körper schmerzte. Er erinnert sich daran, dass all dies nur vorübergehend sei und die Beschwerden des menschlichen Lebens würden bald enden. Immerhin muss er die Form nur für diesen Zweck nutzen und seine Zeit kommt schnell.

Er faltet seine großen perligen Flügel dicht an seinen Körper und steigt schwankend auf die Füße. Er verzog sein Gesicht, als er in der von Dunkelheit durchfluteten Gasse landet. Der Schmutz widert ihn nur an. Er riecht den Gestank des Lebens um ihn herum, von verrottendem Müll, menschlichem Schweiß und alles das zusammen ist zu penetrant. Die vielen Pfützen um ihn, halfen ihm die hohe Luftfeuchtigkeit zu erklären und warum der Geruch viel schlimmer ist als erwartet. Das letzte Mal, als er auf der Erde wandelte, ist eine Ewigkeit her.

Die Drohne der Klimaanlagen summt um ihn herum. Eigentlich möchte er nicht hier sein, aber seine Mission ist zu wichtig.

In der ferne hört er Rockmusik und die Kakophonie von Stimmen in Massen. Lachen, weinen und Schreie der Lust erreichen sein Ohr.

“Segne mich, Vater im Himmel, für den ich durch das Tal der Schatten des Todes gehe. Ich fürchte kein Unheil, denn du bist bei mir. Ich will dich nicht verlassen!”, sagt er mit festen Lippen und der geballten Faust an seiner Brust. Er beginnt am ganzen Leibe zu Zittern.

Das menschliche Leben ist so zerbrechlich, denkt er sich.

Lächeln, er fühlt sein Herz in der Brust pochen. Er weiß, dass er sich in der nähe von sterblichen befand, zumindest für eine Weile. Es ist eine lange Zeit her, als er es riskierte auf der Erde zu leben und es wäre in der Regel unnötig, wie er von oben, ohne das Risiko einzugehen, einen typischen Tod eines sterblichen zu erleben. Dies kann das Ende von ihm bedeuten, aber wenn es geschehen soll, dann würde er in einem neuen, gestärkten Leben wiedergeboren werden.

Sein Tod wäre ein kleiner Preis der zu bezahlen ist, nur um ihres zu retten. Die anderen sechs Erzengeln haben ihre eigenen Missionen auf der ganzen Welt, aber durch göttliche Intervention wurde er für diese Aufgabe auserwählt.

Sein lächeln verschwand sogleich auch wieder, als er das rascheln von Dosen, in einer nahe gelegenen Industrie-Mülltonne hört. Er greift instinktiv nach seinem Schwert des Lichts, dass an seiner Seite befestigt ist. Doch dann erinnert er sich daran, dass er nackt sei. Ihm ist bewusst, dass diese Reise voller Gefahren sein wird. Die Sehnsucht nach seiner ätherischen Rüstung überwältigt ihn, jedoch soll es so nicht sein. Zumindest weis er, dass er noch seine rasiermesserscharfen Flügel hat, die stärker als jeder von Menschenhand erschaffenen Stahl sind.

“Vater, höre mein Gebet. Schütze mich und errette mich von dem Bösen, amen.”

Er vernimmt eine verzweifelte, flehende Stimme aus der Dunkelheit. “Was zur verdammten Hölle bist du, du bist nicht von der Erde, oder etwa doch? Ich sah dich aus der Luft erscheinen und ich habe heute Nacht noch nichts getrunken. Also sag mir eines! Wer bist du? Was bist du?”

“Ich bin als Barachiel bekannt und aus der Hölle bin ich nicht.”

Ein alter, runzeliger Mann, beugt sich ehrfürchtig und näherte sich langsamen Schrittes. Der Mann war vollkommen mit Schmutz bedreckt und griff nach einem wollenen Mantel mit Kapuze.

Luzifer hätte mich schon durch die Augen dieses Mannes gesehen, in welchem Fall es nur eine Frage der Zeit ist. Es gibt eine Sache, die ich tun kann.

Er nähert sich dem alten Mann, legt eine Hand auf seine Schulter und lockerte seine Flügel um die beiden zu überdecken. Die Augen des Mannes weiteten sich und ein Grinsen mit offenen, zahnlosen Mund erstreckte sich über sein Gesicht. Der Alte streckte seine Hände. Aufgrund seiner vielen Narben, entlang seiner Arme, weiste es auf die vielen Selbstmordversuche hin.

“Oh mein Gott. Du bist ein Engel, oder? Ich hörte deinen Namen in den Schriften. Bitte, ich bitte Sie, nimm mich aus diesen Ort. Das Leben, das ich derzeit führe ist nicht mehr Lebenswert.”

“Die Schriften?”, sagt Barachiel langsam, fast in Verachtung, seine Stimme driftet weg als er sich an die Bibeln erinnert die in der Kirche verehrt werden. “Sind das die vielen Bücher der Menschen, die die Wahrheit nicht enthalten. Die, die im Namen Gottes geschrieben wurden, jedoch nur um eine Verhöhnung Gottes wahres Selbst zu ihrem eigenen Vorteil zu machen. Du bist nicht der für den ich hier bin, aber das Ende ist nahe und der Tag der Abrechnung wird kommen. Halte deinen Glauben und du wirst uns im Jenseits anschließen.”

Er war sich nicht sicher, ob er den Mann beruhigte, aber er konnte ihm nicht die ganze Wahrheit erzählen. Gottes Wahl für den Himmel wird nicht dadurch entschieden ob du in die Kirche gehst, die Bibel rezitieren kannst oder Berge an Geld zur Verfügung hast. Sondern durch das Herz und die Taten. Dieser Mann wird höchstwahrscheinlich für die Unterwelt bestimmt werden.

Nun, es ist nie zu spät, zu hoffen.

“Barachiel, ich wünschte, ich müsste nicht mehr warten. Aber von welchem Ende haben Sie geredet? Ich habe keine Anzeichen gesehen..”

Die Zeichen sind überall. Ignoriere, was du von den Predigern hörst und öffne deine Augen. Die große Schlacht um den Krieg zu beenden droht und diese Welt wird das Schlachtfeld sein.”

Das Glockenspiel des nahe gelegenen Glockenturms erinnerte ihn an seine Mission. Die Erde war nicht Zeitlos und der Sand in der Sanduhr rutscht weiterhin durch. Barachiel begann zu Zittern und klapperte mit seinen Zähnen. Es ist eiskalt und er muss schleunigst ein paar Kleider finden, schnell. Er blickte in die Augen des Mannes und konzentrierte sich.

Ein strahlend weißes Licht blitzte aus seinen Augen und der alte Mann steht nun still wie eine Statue. Sein Gesicht beginnt sich zu drehen und zu wenden. Die blutunterlaufenen Augen und die schwarzen Pupillen bestätigen das Schlimmste.

Eine dunkle Stimme ertönte aus den besessenen Mund. ” Ahh Barachiel, es war eine lange Zeit, oder etwa nicht? Ich weiß nicht ob du mutig oder doch dumm bist, dein Gesicht hier auf der Erde zu zeigen. Sag mir, bist du gekommen, um zu sterben?”

“Lucifer!”

Mit einer geschmeidigen Bewegung schwingt sich Barachiel mithilfe eines enormen Flügelschlags in die Luft. Er entreißt dem Mann den Kapuzenmantel und fliegt ans Ende der Gasse. Schnell setzt er die Kapuze auf und taucht in der großen Menschenmenge unter.

Die Wärme des alten Mantel ist eine willkommenen Abwechslung für seinen erfrierenden Körper, aber es war nicht genug.

 

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