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Haus der Gehirne

Warnung vor Creepypasta

ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.

In Dänemark des 19. Jahrhunderts erstreckte sich die Dunkelheit über das Land. Die Nächte waren kalt und nebelverhangen, und die Menschen erzählten sich Geschichten von übernatürlichen Ereignissen und geheimnisvollen Gestalten. In einem abgelegenen Teil des Landes, tief in einem dichten Wald, ragte ein altes Holzhaus hervor, das seit Jahren verlassen schien. Doch dieses Haus verbarg ein grauenhaftes Geheimnis. Viele, die dieses Haus betraten, wurden nicht mehr lebend gesehen.

Mein Name ist Christopher Andersen. Ich bin 35 Jahre alt und komme gebürtig aus Kopenhagen. Durch meine Vermählung mit meiner Frau Brigitte im Jahr 1865 bin ich ihr zu Liebe aufs Land gezogen. Unsere Ehe brachte 2 Kinder hervor. Einen Jungen und ein Mädchen. Nun leben wir seit 10 Jahren in Gadevang, ca. 45 km von Kopenhagen entfernt, und kommen nur noch selten in die Stadt. Wenn wir in die Stadt fahren, ist es meist zu festlichen Anlässen, wie den Geburtstagen meiner Eltern oder Weihnachten, bzw. gelegentlich auch mal Trauerfälle im engsten Freunde – und Familienkreis.

Ich schreibe dieses hier aus folgenden Gründen auf, so dass die Welt erfährt, was für unvorstellbare Dinge ich gesehen und erlebt habe. Ich möchte, dass ganz Dänemark erfährt, welches abscheuliche Grauen in den Wäldern von Hillerod vor sich geht. Was mit meinen Freunden und Nachbarn, Christian Pedersen und Holger Jensen, passiert ist, und ich möchte davor warnen, dieses verlassene Holzhaus im Hilleroder Wald nie zu betreten. Diese Erzählung beruht auf den von mir erlebten Geschehnissen von Donnerstag, dem 28.10.1875.

Gadevang (Dänemark), der 04.11.1875

Tief im Hilleroder Wald lebt ein verrückter Wissenschaftler namens Dr. Eldar Mikkelsen. Er ist bekannt für seine ungewöhnlichen Experimente zur Bekämpfung der Hysterie und zur Behandlung von epileptischen Krampfanfällen. Seine Faszination für das menschliche Gehirn begann schon während seines Medizinstudiums. Er studierte an der Universität von Kopenhagen und war sogar 2 Jahre im Deutschen Kaiserreich an der Medizinischen Fakultät der Charité der Universität in Berlin, für ein Auslandsstudium. Mikkelsen hat sich nach Jahrelanger Arztarbeit einen unheimlichen Ruf erworben. Seit einigen Jahren lebt er zurückgezogen, denn es wird gemunkelt, dass er Gehirne sammelt und in einem düsteren Haus im Wald versteckt.

Eines dunklen Abends beschlossen ich so wie meine Freunde und Nachbarn Christian Pedersen und Holger Jensen, diesen unheimlichen Gerüchten auf den Grund zu gehen.

Meine Frau Brigitte und unsere Kinder befanden sich zu dieser Zeit in einem Luftkurort, nahe der deutschen Grenze, zur Behandlung ihrer Asthmaerkrankung. Meine Freunde und ich hatten die letzten Jahre immer mehr Gerüchte über Dr. Mikkelsen gehört und uns ist nicht entgangen, dass Mitbewohner aus unserem Ort und aus den umliegenden Nachbargemeinden verschwunden sind.

Teils waren es Personen, bei denen die Diagnosen Epilepsie oder Hysterie bestätigt vorlagen. Aber auch kerngesunde Menschen verschwanden und waren wie vom Erdboden verschluckt. Alles in allem waren es 17 Leute, die in 3 Jahren auf seltsame Art und Weise verschwunden sind und nie mehr gesehen wurden. Zwar spielte Neugierde für uns auch eine große Rolle, aber wir wollten hauptsächlich herausfinden, was mit diesen Personen geschehen ist.

Es waren 4 Uhr 30 am Nachmittag, als wir uns mit unseren Jagdgewehren bewaffnet und mit Laternen auf den Weg in den Hilleröder Wald machten. Der Fußmarsch dauerte, von meinem Haus aus gesehen, etwa 1 Stunde. Es hatte an dem Tag geregnet und die Wege im Wald waren rutschig und schlammig. Das Herbstlaub tat sein Restliches zu Sache, sodass man aufpassen musste, nicht zu stürzen.

Wir gingen ca. 30 Minuten, bis wir den Waldrand erreichten und die Nacht langsam aber stetig hereinbrach. Der Wald lag stumm und schweigend vor uns. Es waren keine Vögel oder andere Tiere zu hören. Vereinzelt raschelte es noch durch die restlichen Blätter, die noch an Bäumen hingen und herab fielen.

Wir drangen immer weiter in den Wald vor und der große Hauptweg, der Richtung Kopenhagen führte, lag verlassen und düster dar. Die Spuren einer Pferdekutsche und Pferdehufe zeichneten sich im Schlamm ab. Vereinzelt zweigten kleinere Wege in den Wald hinein. Wir bogen in einen der kleineren Wege ein. Nach 10 Minuten ging der Weg in einen Trampelpfad über, der immer tiefer in den Wald führte. Die Bäume standen hier nahe zusammen und es roch leicht nach sich zersetzenden Blättern.

Vereinzelt konnten wir kleine Irrlichter erkennen, die auf und ab stiegen, sich teilten und die Farbe wechselten. Die Farben variierten dabei immer unterschiedlich. Mal leuchteten sie von Rot ins Orange übergehend, und dann gelb und weiß. Was allerdings erstaunlich war, war, dass diese Lichter sich immer weiter entfernen schienen, egal wie nahe man ihnen auch kam. Wir waren fasziniert von diesem Lichtspiel, aber auch gleichzeitig fanden wir dieses Geschehen ein wenig unheimlich.

Langsam wisch der Wald einer kleinen Lichtung, auf der das verlassene Holzhaus stand. Von Außen wirkte es marode und bedrohlich, und der aufkommende Wind heulte durch die knarrenden Balken. Das Dach schien noch intakt, aber die Fenster waren alle zersplittert. Die Tür, besser gesagt, was von ihr noch übrig war, hing schief in der Angel und war schon halb verrottet.

„Meine Freunde, wir sind an unserem Ziel angekommen“, sagte Christian und leuchtete dabei in den Wohnraum des Hauses. „Glaubt ihr, wir können dem Geheimnis auf den Grund gehen?“, fragte er Holger und mich.

„Ich hoffe doch sehr, dass wir dies können“, erwiderte ich. „Es sind schon zu viele Menschen in den letzten Jahren verschwunden, und alle Anzeichen, die auf ihr verschwinden, beziehen sich auf dieses alte Haus. Der Dr. muss damit zu tun haben. Wann wurde er zuletzt unter Menschen gesehen?“

Christian überlegte kurz und antwortete mit „Ich glaube, das ist jetzt fast 5 Jahre her. Wie zum Teufel ernährt der Kerl sich bloß? Ich meine, er muss doch auch Waren des täglichen Bedarfs wie Mehl, Brot, Eier und Milch ect. einkaufen. Wann macht er das? Nachts?“

„Da gebe ich dir Recht. Welcher Laden hat in der Nacht offen?“ „Keiner!“, bestätigte ich Christian.

„Lasst uns reingehen, es wird zunehmend kälter und es beginnt wieder zu regnen“, sagte Holger und betrat als Erster das Häuschen.

Ich und Christian folgten seiner Aufforderung. Als wir das Haus betraten und unsere Laternen es beleuchteten, fanden wir uns in einer Welt der Verwüstung wieder. Die Räume waren von Spinnweben und Staub bedeckt. Vorhänge hingen zerfetzt an ihren Gardinenstangen. Die Möbel waren teils zerstört und die Wände waren mit verblassten Tapeten geschmückt, die bereits schimmelten und sich auflösten.

In der Küche stand ein alter Herd, der zum Feuer machen einlud. Nur wenn man in diesem Herd Feuer machen würde, wäre das Haus in Flammen aufgegangen und man hätte den roten Hahn auf dem Dach.

In der Stube stand ein massiver Holztisch mit vier Stühlen. Auf dem Tisch lag eine halb vermoderte Tischdecke mit einem Kerzenständer in der Mitte. Ich glaube, wenn der Kerzenständer nicht da stünde, wäre die Tischdecke vor langer Zeit schon weg geweiht worden. In der elterlichen Schlafstube stand ein Bett, dessen Strohmatratze aufgerissen war und das Stroh darin schon längst vergammelte.

 „Lasst uns kurz eine Pause machen und ausruhen, bevor wir das Haus weiter erkunden!“, schlug ich den beiden vor.

Wir setzten uns an den Tisch mit den 4 Stühlen. Unsere Laternen beleuchteten den Raum gerade so hell, dass wir ihn ohne aufzustehen betrachten und begutachten konnten.

„Wer wohl hier gelebt hatte?“, fragte Holger und rieb sich dabei den Nacken. 

„Bestimmt, eine kleine Familie. Allzu groß ist das Haus ja nicht. Aber es würde für eine kleine Familie mit einem Kind schon reichen.“ , antwortete ich auf Holgers Frage. „Aber warum Sie aufgebrochen sind und Ihre Habseligkeiten hier zurückgelassen haben, versteh ich auch nicht.Wie wollen wir weiter vorgehen?“, fragte ich die beiden und lenkte das Thema wieder auf unser eigentliches Vorhaben.

„Wir müssen aufpassen, in welchen Bereichen das Haus so marode ist, dass wir nicht irgendwo einbrechen und uns dabei das Genick brechen. Wir trennen uns lieber nicht und bleiben besser zusammen“, sagte Christian und sah sich im Raum um. 

„Hat jemand von euch einen Aufgang zum Dachboden oder eine Tür zu einem Keller gesehen?“, fragte Holger.

Christian und ich verneinten dies.

„Wenn ich ehrlich bin, habe ich gar nicht darauf geachtet.“ „In allen Räumen, die wir bis jetzt betreten hatten, stand die Tür offen bzw. hatten keine Türen!“, sprach ich weiter zu den beiden. „Mich hat eher dieses Chaos hier fasziniert.“ Dabei habe ich gar keine Türen registriert, außer natürlich der Haustür“, beendete ich meinen Satz. 

„Ich schlage vor, wir schauen erst einmal im hinteren Bereich des Hauses, ob es dort einen Zugang zum Dachboden oder Keller gibt, und arbeiten uns wieder bis zu diesem Raum vor. Vorausgesetzt, ihr beide habt nichts dagegen“, sagte Holger.

Christian und ich hatten keine Einwände dagegen, und so begannen wir, den Rest der Räume im Erdgeschoss zu erkunden.

Im hinteren Bereich befanden sich noch 2 Räume. Eines davon war einmal ein Kinderzimmer. Das Bett darin war, wie schon in dem anderen Schlafzimmer, nicht im besten Zustand. Die Matratze war ebenfalls kaputt und das Stroh, das sich in ihr befand, war teilweise auf dem Boden verstreut und gammelte vor sich hin.

Ein kleiner hölzerner Kinderstuhl hing halb aus dem zerbrochenen Fenster und bewegte sich wie die halb zerfetzten Übergardinen leicht im Wind. Vogelkot befleckte die Fensterbank und die nach außen zeigende Lehne des Stuhles.

Verblasste Kinderzeichnungen hingen an der Wand und waren ebenfalls wie die Tapeten vom Zahn der Zeit zerstört worden. Ein Kleiderschrank lag umgeworfen, bäuchlings auf dem Fußboden. 

Der zweite Raum war ein Haushaltsraum. Dort stand ein großer Waschbottich, der mit altem, stinkenden Wasser gefüllt war. Vermoderte Kleidungstücke befanden sich noch darin. Das Waschbrett ragte halb heraus und rostete vor sich hin. An einer Wäscheschnur hingen sogar noch Kleidungstücke, die durch die hohe Luftfeuchtigkeit schimmelten und durch die Schwerkraft nach unten gezogen wurden.

Ein gusseisernes Bügeleisen stand auf einem selbst angefertigten Bügelbrett. Schränke standen offen, und der Inhalt lag zwischen Glassplittern und Scherben des zerschlagenen Fensters zerstreut auf dem Fußboden. Eine dicke, schwarze Spinne seilte sich gerade von der Decke ab.

„Man könnte meinen, hier sei ein Orkan durchgefegt“, sagte Christian, als er mit seiner Laterne in den Haushaltsraum leuchtete.

„Da stimme ich dir zu“, gab ich Christian Recht. „Es sieht echt verheerend aus und man muss aufpassen, wo man hineingeht, sonst kann Dr. Mikkelsen uns gleich mit verarzten!“, scherzte ich.

Ein Knarren war zu hören und jagte uns einen Riesenschreck ein. Wir gingen zurück in die Wohnstube und sahen, dass sich die halb ausgehobene Eingangstür im Wind bewegte und das knarren erzeugte.

Der Regen draußen nahm zu und machte die gesamte Kulisse noch unheimlicher. Wir durchsuchten einige Schränke und fanden nichts Nennenswertes. Das einzige interessante, das wir fanden, war ein grünes Familienstammheft, das noch im guten Zustand war und Rückschlüsse auf die Familie, die hier einst gelebt hatte, aufwies. 

Holger nahm das Buch aus dem Schrank und las laut vor. „Eigentum der Familie Hansen!“ Er blätterte darin und fand folgende Einträge:

Eheurkunde, so wie Geburtsurkunden. Die Ehe zwischen Magnus Hansen und Sofia Poulsen wurde am 24. 07. 1840 geschlossen und aus ihr ging am 31. 10. 1845 ein Kind mit dem Namen Emma hervor. 

„Also müsste Emma jetzt 30 Jahre alt sein“, sagte ich zu den beiden.

„Moment, es geht noch weiter!“ Unterbrach Holger mich. „Ein weiterer Eintrag einer Geburtsurkunde und ein Sterbeschein befanden sich noch in diesem Heft.“

Holger las weiter vor. „Das zweite Kind wurde 1848 geboren und hieß Matthias, verstarb aber 3 Tage nach der Geburt.“ Auf dem Sterbeschein ist die Diagnose Wasserkopfsyndrom vermerkt worden. „Ein trauriges Schicksal, das die Familie da ereilt hatte“, beendete er seinen kurzen, aber knappen Vortrag.

Ich konnte ihm nur zustimmen und sagte: „Es schaudert mich schon immer, wenn Kinder so früh sterben müssen, nur weil uns der Allmächtige Gott für etwas Strafen möchte.“ Und hatte dabei Tränen in den Augen. 

Holger legte das Heft bei Seite und wir schauten uns nochmals genau in der Wohnstube um. Im Herzen des Raumes, direkt unter dem Tisch, fiel uns eine Wölbung unter dem halb vergammelten Teppich auf. Christian und ich räumten die Stühle und den Tisch zu Seite und hoben den Teppich an, während Holger versuchte, uns mit 2 Laternen genug Licht zu spenden, was aber nur notdürftig gelang. Unter dem Teppich stießen wir auf eine alte Falltür im Boden. 

„Das muss der Eingang zum Keller sein!“, sagte ich. „Lasst uns lieber unsere Waffen scharf machen, wer weiß, was wir da unten finden werden!“ Holger und Christian stimmten mir zu und wir entsicherten unsere Jagdgewehre.

„Was, wenn sich da unten der Doktor gerade aufhält?“, fragte Christian und schaute uns an. „Ich möchte ihm nicht über den Weg laufen und eines seiner Opfer werden.“

„Dann hätte er uns bestimmt schon gehört.“, beantwortete Holger die Frage von Christian. „Schließlich haben wir ja schwere Schuhe an und auf dem Holzboden hört man unsere Schritte, und ich gehe davon aus, dass der Staub, den wir durch unsere Schritte lostreten, sich unten im Keller auch bemerkbar macht!“, merkte er an.

„Dem ist nichts hinzuzufügen!“, antwortete ich darauf und schaute dabei Christian an. 

Wir zögerten aber noch einen Moment, bevor wir uns entschlossen, die Falltüre zu öffnen. Mit einem lauten Knarren gaben die verrosteten Scharniere nach, als Christian die Tür an ihrem Gusseisernen Ring anhob. Holger und ich sicherten die Lage, in der wir unsere Gewehre in die Öffnung im Boden richteten. Ein starker, modriger Geruch stieg uns in die Nasen. Aber nicht nur diesen Geruch konnten wir wahrnehmen. Es roch auch nach Verwesung.

„Um Himmels Willen, stinkt das“, flüsterte Christian, der sich ein Taschentuch vor die Nase und den Mund hielt. „Das ist ja nicht auszuhalten.“ Was ist da nur unten?

Holger und ich taten es Christian gleich und hielten uns auch Taschentücher vor Mund und Nase.  „Ich weiß es nicht!“, gab ich als Antwort zurück. „Jedenfalls nichts Gutes!“ „Da riecht selbst jede Trissebude besser als das hier!“, bemerkte Holger noch dazu. Wobei wir in diesem Moment wohl alle an das Gleiche dachten.

„Seit ihr bereit?“, fragte ich die beiden und diese nickten nur als Antwort. „Seit auf der Hut!“, flüsterte ich Ihnen zu. „Passt auf, wo ihr hintretet.“ Wir stiegen vorsichtig die steilen, knarrenden Stufen hinunter. Holger ging mit einer Laterne in der Hand als Erstes, Christian hielt die Waffe schussbereit auf Anschlag und ich trug die beiden anderen Laternen.

Den Raum, den wir betraten, war düster und nur von unserem Laternenlicht erhellt. Der Geruch unten war allerdings auch nicht besser als oben. Wir schritten so leise, es ging vorwärts und wir schauten uns um. Ein Piepen war aus einer dunklen Ecke des Raumes zu hören und zwei bernsteinfarbene kleine Augen waren in der Dunkelheit zu sehen. Wir gingen langsam auf die sich reflektierenden Augen zu und sahen, dass es sich um eine Ratte handelte, die genüsslich an etwas nagte. Wir leuchteten dabei die Wände ab und fanden unweit der Ecke mit der Ratte eine weitere Tür, die geschlossen war.

„Christian, stell du dich links neben die Tür und Holger, kniest dich neben Christians Beine, so dass ihr mit den Waffen direkt in den Raum zielen könnt.“ Haltet eure Waffen schussbereit und ich öffne die Tür von der rechten Seite. Stellt eure Laternen, aber erst eine links und eine rechts neben der Tür auf. „Ich behalte meine in der Hand!“, flüsterte ich mit Nachdruck in der Stimme, den beiden zu. Beide nickten nur und positionierten sich, wie ich es Ihnen aufgetragen hatte. „Auf drei öffne ich die Tür. Haltet euch bereit.“

„1, 2, 3.“, Mit einem schnellen Ruck riss ich die Tür auf. 

Holger und Christian zielten mit ihren Waffen genau in den Kellerraum hinein. Besser hätten die beiden es nicht machen können. Es herrschte eine Todesstille. Wir nahmen unsere Laternen wieder auf und betraten den Raum. In der Mitte des Zimmers standen 2 Reihen von Regalen. Links und rechts an den Wänden standen ebenfalls Regale. Alle waren mit Vorhängen zugezogen und gaben keine Sicht auf deren Inhalt frei.

„Was zum Teufel ist das hier?“, hörte ich Holger leise sagen. „Warum macht sich jemand die Mühe und hängt in einem Kellerraum Vorhänge an die Regale?“, sprach er weiter.

„Lasst uns schauen, was sich dahinter verbirgt!“, sagte ich, aber vergaß dabei, leise zu sprechen. Eventuell ist es ja harmlos und soll nur vor Staub geschützt werden.“ „Sei leise beim Sprechen!“ Wir wissen nicht, ob hier jemand auf uns lauert“, hörte ich Christian leise fluchen. „Entschuldigung!“ gab ich nun wieder leise sprechend zurück. Er hatte ja Recht. Und wie konnte ich es auch vergessen, mich still und leise zu verhalten?

Wir gingen auf die Regale, an die Wände und in der Mitte zu. Ich an der linken Wandseite, Christian an der rechten und Holger in der Mitte. Ich schaute unter den Vorhang und erkannte einige leere große Gläser, die den Fruchtbonbongläsern aus einem Laden ähnelten. Christian fand genau das gleiche Bild vor, nur dass bei ihm eine Reihe von Gläsern standen, die aus einer Apotheke hätten sein können. Holger schob den Vorhang des ersten mittleren Regals etwas zur Seite und wir hörten nur noch ein.

Oh, mein Gott!“ von ihm.

Wir drehten uns augenblicklich zu ihm um und gingen hastig auf die beiden Regale in der Mitte zu. Holger stand wie angewurzelt dar und sein Gesicht hatte die Farbe gewechselt. Seine Augen waren groß und geweitet. „Was hast du gesehen, Holger?“, fragte ich ihn. Er zeigte stumm mit seinem Zeigefinger der rechten Hand auf den Vorhang und das Regal, das er eben untersucht hatte. „Bitte sag was, Holger!“, hörte ich Christian zu ihm sagen, als ich den Vorhang des Regals, auf das Holger deutete, öffnete.

Mir blieb buchstäblich die Luft weg und mir wurde von dem Anblick, der sich mir bot, übel. Ich war auf vieles gefasst, aber nicht auf das, was ich da sah.

Die Gläser waren mit einer klaren Flüssigkeit gefüllt und in jedem Glas lag ein menschliches Gehirn, perfekt konserviert in Formaldehyd. Es war eine Sammlung von Gehirnen, wie man sie sich nicht in seinen schlimmsten Alpträumen hätte vorstellen können. Jedes Glas war ordentlich mit einem Aufkleber versehen und beschriftet worden, auf dem eine Zahl, Namen und Diagnosen der Erkrankung des eigentlichen Besitzers standen.

Christian versuchte derweil, immer noch Holger zum Sprechen zu bewegen, hatte aber mit gutem Zureden keinen Erfolg. 

„Christian an Holger.“ Sag doch bitte endlich was! Was hast du da gesehen? Was ist in den Gläsern? Sprich mit uns!“, sagte er zu ihm und hatte keinen Erfolg damit. Das einzige, was ihm noch übrig blieb, war Holger eine Ohrfeige zu verpassen, um ihn wieder zu uns zurück zu holen.

Ich hörte nur ein Klatschen und drehte meinen Kopf in Richtung der beiden. Christian hatte Holger eine Ohrfeige gegeben, die ihn aus seiner Schockstarre erweckte. Tränen stiegen Holger in die Augen und rannen seine Wangen hinab. „Warum hast du mich geschlagen?“, fragte Holger nun Christian. Ein roter Handabdruck zeichnete sich auf seiner Wange ab.

„Du warst geistig total weg und in einer Schockstarre. Wir haben dich mit gutem Zureden versucht, wieder herauszuholen, aber hatten keinen Erfolg. Das Einzige, was mir noch übrig blieb, war dir eine Ohrfeige zu verpassen, um dich wieder in unsere Welt zu befördern. Es tut mir leid. Entschuldige bitte!“, sagte er zu Holger.

Derweil war ich selbst damit beschäftigt, nicht auch einen Schock zu bekommen, und ich brauchte einen Moment, um meine Fassung wiederzuerlangen. „Christian, komm mal her und schau dir das an!“, sagte ich in einem gefassten und ruhigen Ton. „Was ist dort?“, fragte Christian. „Schau es dir bitte selbst an!“, sagte ich im ruhigen Ton zu ihm. Er kam auf mich und das Regal zu und ich hob den Vorhang ein Stück bei Seite. Christian blieb abrupt stehen und seine Kinnlade klappte buchstäblich wie in Zeitlupe herunter. „Heilige Scheiße!“ waren die Worte, die aus seinem Mund kamen, als er sich wieder gefangen hatte.

„Das ist noch untertrieben und zu milde für das Hier!“, gab ich ihm als Antwort. „Holger, geht es dir wieder besser?“ Wir müssen schauen, ob in allen Regalen diese Gläser stehen. Dafür brauchen wir deine Hilfe, sprach ich im ruhigen Ton zu Holger. Dieser flüsterte mit erstickter Stimme ein, „Ja“, und nickte dabei mit seinem Kopf. Wir begannen damit und suchten alle Regale ab. Wir schoben die Vorhänge beiseite, und das Grauen, das sich uns darunter zeigte, war schwer auszuhalten.

Alles in allem zählten wir 98 komplette Gehirne in allen Regalen. Aber nicht nur das. In einigen Gläsern waren auch halbe Gehirne, Köpfe und Geschlechtsorgane in Formaldehyd konserviert worden. Holger, Christian und ich starrten entsetzt auf die makabere Ausstellung, die sich in den Regalen befand. Wäre es kein Kellerraum, sondern eine Universität oder ein Museum für menschliche Körperteile, hätte man wirklich mit dieser Sammlung eine Ausstellung machen können. Mir fiel ein großes Glas ins Auge und ich schaute es mir näher an. Darauf stand…

Gehirn Nr. 1: Matthias Hansen (Säugling), Geschlecht männlich, verstorben am 3. Tag nach der Geburt. Todesursache: Wasserkopfsyndrom

Daneben standen drei weitere Gläser unterschiedlicher Größe. Ich wollte es eigentlich nicht wissen, weil ich mir schon denken konnte, wessen Gehirne Sie enthielten. Aber die Faszination über das Makabere siegte. Ich las die Beschriftungen der Gläser.

Gehirn NR2: Sofia Hansen, geborene Poulsen, Geschlecht weiblich, verstorben mit 30 Jahren, Todesursache Kindbettfieber. 

Glas Nr. 3: Emma Hansen, Geschlecht weiblich, verstorben mit 6 Jahren. Todesursache: Erstickungstod (Mord durch die Hand des eigenen Vaters).

Glas Nr. 4: Magnus Hansen, Geschlecht: Männlich, verstorben mit 33 Jahren. Todesursache Suizid durch erhängen.

Das Entsetzen über das Gelesene ließ mir einen kalten Schauer über den Rücken laufen. Ich wusste nicht, was ich schlimmer finden sollte. dass der Vater seine eigene Tochter nach dem Verlust der Mutter und des jüngsten Kindes ermordet hatte, oder die Gehirne der ganzen Familie in den Gläsern zu sehen

„Ich weiß nicht, was ich sagen soll!“, räusperte sich Christian. Holger und ich schauten ihn an und sagten fast gleichzeitig dasselbe. „Wir auch nicht!“ „Die ganze Familie ist tot und keiner hat es je bemerkt, außer so, wie es ausschaut, Doktor Mikkelsen!“, sagte Holger und schluckte dabei schwer. Der Klos in seiner Kehle ließ seine Stimme gebrochen und kratzig klingen. „Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Leute in all den Jahren für dieses Schreckenskabinett ihr Leben lassen mussten“,sagte ich mit Traurigkeit in meiner Stimme.

„Mich würde interessieren, wo Ihre sterblichen Überreste abgeblieben sind“, sagte Christian. „In Luft können Sie sich ja nicht aufgelöst haben. Hat er sie verbrannt oder in einem Grab beerdigt oder gar Schlimmes mit den Leichnamen angestellt?“

Wir hörten ein leises Rascheln und ein knarren, und drehten uns erschrocken um. Aus dem Schatten tauchte Eldar Mikkelsen auf, gekleidet in einen langen weißen Arztkittel, der seine schmale Gestalt verhüllte. Seine hagere Gestalt wirkte zerbrechlich. Die Augen wirkten eingefallen und schwarze Ringe waren unter ihnen zu erkennen. Seine Hände waren lang und schmal. Die grauen Haare auf seinem Kopf standen in sämtlichen Himmelsrichtungen ab.

Unter dem Kittel trug er eine braune Lederschürze, dunkle Hosen und braune Lederschuhe. Ein Stethoskop hing um seinen dünnen Hals. Seine Haut wirkte blass und weiß. „Willkommen in meinem kleinen Reich der Wissenschaft!“, sagte Eldar Mikkelsen mit einem finsteren Lächeln. „Wissen Sie,- ich versuche die Geheimnisse des menschlichen Denkens zu entschlüsseln, indem ich die Gehirne studiere. Ihr seid nun die neuesten Probanden für meine Sammlung.“

„Sie sind doch wahnsinnig!“, sagte ich zu ihm und richtete mein Jagdgewehr auf ihn. Christian und Holger folgten meinem Beispiel und erhoben ebenfalls ihre Waffen.

„Mein Freund, das mag vielleicht sein, aber stellen Sie sich vor, was das für die Welt bedeutet, wenn ich meine Ergebnisse veröffentliche und dafür geehrt werde. Jeder Mensch wird wissen, wie unser menschliches Denken funktioniert. Und Sie, meine Herren, werden einen wichtigen Anteil daran haben. Ruhm und Ehre sind ein wichtiger Bestandteil des Glückes, und wir sind doch alle darauf aus, glücklich zu sein“, sprach er in einem angsteinflößenden Ton.

Hinter uns öffnete sich knarrend eine Tür, und ehe wir uns versahen, wurden wir von hinten niedergeschlagen und wurden bewusstlos. Als wir wieder erwachten, befanden wir uns in einem Operationsraum. Wir waren an hölzerne Rollstühle gefesselt.

„Aaaah, die Herren sind wieder aufgewacht!“, sagte Mikkelsen. „Ich heiße Sie recht herzlich in meinem Labor und in meinem Haus willkommen.“ Bitte entschuldigen Sie, dass mein Diener Ansger Sie bewusstlos geschlagen hat, aber wir mussten Sie ja irgendwie hier in mein Haus bringen, und da der Geheimtunnel der schnellste Weg ist und Sie bestimmt nicht freiwillig mit mir gegangen wären, war dies die einfachste Lösung.

Christian und Holger versuchten ihre Fesseln zu lösen, um zu fliehen, doch Mikkelsen hatte bereits vorgesorgt. Ansager betrat den Raum. In einer Hand hielt er einen schmutzigen Lappen und in der anderen eine braune Glasflasche. Er trat hinter die beiden, kippte ein wenig Inhalt der Glasflasche auf den Lappen und hielt ihn beiden vor Mund und Nase. Der Geruch, der von dem Lappen ausging, war unverkennbar. Es war Chloroform. Die beiden wurden auf der Stelle wieder bewusstlos. Ansager und Dr. Mikkelsen rollten die Rollstühle von Christian und Holger darin in einen verschlossenen Raum. Ich war gezwungen, dem Ganzen hilflos zuzusehen. Ich blieb alleine mit dem Dr. zurück.

Meine Blicke schweiften durch den Raum, und was ich sah, ließ den Ekel in mir aufsteigen. An Boden und Wänden klebten getrocknetes Blut und andere menschliche Substanzen. Reagenzgläser standen auf einem Schrank an der linken Wand des Raumes. Auf der rechten Seite stand eine über 2 Meter hohe Stahlwanne. Über der Wanne hingen 6 große Glasballons, die mit einer Flüssigkeit gefüllt waren. Die Glasballons waren mit einem Fallmechanismus verbunden und konnten gleichzeitig geleert werden.

Das Einzige, was in diesem Raum sauber schien, war die OP-Pritsche. Blutgetränkte Lappen und Verbände lagen rundherum auf dem Boden. Eldar Mikkelsen stand in all dem Dreck und Chaos und reinigte seelenruhig sein OP-Besteck und schwieg die ganze Zeit dabei. Die Stille im Raum war erdrückend und angsteinflößend.

„Was haben Sie mit den beiden vor?“, fragte ich ihn. Doch er antwortete nicht. „Lassen Sie uns bitte gehen. Wir werden keinem sagen, was wir hier gesehen haben. Wir informieren auch nicht die Polizei, wenn Sie uns lebend hier rauslassen“, sagte ich mit angsterfüllter Stimme und versuchte dabei, ruhig zu bleiben. Er schwieg weiter und fuhr fort, sein OP-Besteck zu reinigen.

In den folgenden Stunden wurde das Haus des Eldar Mikkelsen zu einem Ort des Grauens. Er führte grauenvolle Experimente an Christian und Holger durch. Erst holte er Holger aus dem verschlossenen Raum. Er war bestimmt erst seit ca 30 Minuten wieder wach und wurde erneut mit Chloroform betäubt. Erzog ihn nackt aus, legte ihn auf die OP-Pritsche und schnallte ihn fest. „Keine Sorge, mein Freund!“, sagte er zu mir. „Ihr Freund ist betäubt und wird keine Schmerzen spüren. Ich bin ja kein Unmensch“, sagte der Dr. und lachte dabei laut.

„Holger!“, hörte ich Christian hinter der Tür rufen. Was machen Sie mit ihm? Lassen Sie ihn in Ruhe.“, flehte Christian hinter der Tür weiter. „Ah, der Proband 99 heißt also Holger!“, sagte der Arzt boshaft und erfreut zugleich. Wie ist der Name vom Proband Nr. 100 hinter der Tür?“ „Christian!“ ,flüsterte ich leise.

„Wie bitte? Ich habe es leider nicht verstanden“, sagte Dr. Mikkelsen mit Wut in seiner Stimme. „Christian“, sagte ich nun lauter.  „Ah, das ist schon besser!“ Und wie lautet Ihr Name, mein lieber Freund?, sagte er zu mir und seine Stimme klang dabei ironisch und entzückt. „Christopher“, sagte ich und blickte ihm dabei fest in die Augen.

„Es freut mich sehr, Ihre Bekanntschaft zu machen. Haben wir doch eben total vergessen, uns gegenseitig vorzustellen? Das war nicht sehr höflich von mir. Entschuldigen Sie bitte mein Fauxpas. Aber wissen Sie, wenn man so lange alleine lebt wie ich, vergisst man ab und zu mal die höflichen Umgangsformen.“, sagte er ruhig. „Ich bin Eldar Mikkelsen.“ „Facharzt für Neurologie.“

„Was haben Sie mit uns vor? Frage ich nochmals und in meiner Stimme keimte nun Wut auf.“ „

„Bleiben Sie ruhig, mein lieber Christopher!“, antwortete Dr. Mikkelsen. Ihnen wird nichts passieren. Sie sind nur Zeuge eines Wunders der medizinischen Geschichte. Sie sind der erste, der mir zusehen darf, wie ich ein Gehirn mit einem anderen verbinden werde. Dafür brauche ich Ihre beiden Freunde.“

„Sie sind doch komplett irre und wahnsinnig!“, schrie Christian hinter der verschlossenen Tür und nahm mir quasi das Wort aus dem Mund. Holger lag immer noch ohne Bewusstsein festgeschnallt auf der Pritsche, als Dr. Mikkelsen sich umdrehte und ein langes Jagdmesser aus einer Schublade aus dem Schrank mit den Reagenzgläsern holte. Er ging auf Holger zu und stach das Messer genau mittig in sein Herz.

„Nein, tun Sie das nicht!“, schrie ich laut und Tränen füllten meine Augen. „Oh Gott, was haben Sie getan?“, schrie Christian nun hinter der verschlossenen Tür. Ich versuchte, meine Fassung wiederzuerlangen, und schluckte schwer. Mit mit Tränen erstickter Stimme sagte ich: „Er hat Holger Erstochen!“ „Christian, er hat Holger einfach eiskalt erstochen. Mitten in sein Herz hat er ein Jagdmesser gestochen. Ich fing an zu weinen und Christian brüllte wie gestört. Das Blut kam in einem großen Schwall aus der Wunde geflossen.

„Sehen Sie Christopher, ich habe Ihnen ja gesagt, er wird nichts davon spüren!“, sagte Dr. Mikkelsen mit eiskalter Stimme und blickte in meine Richtung. Er drehte sich wieder um und griff nach einem Skalpell. Fein säuberlich und mit einer ruhigen Hand begann er, Christians Haut kurz über den Augenbrauen zu durchtrennen. Er schnitt einmal um den gesamten Haaransatz herum und löste die Kopfhaut vom Schädel.

Er legte sein Skalpell zur Seite und griff nach einer Säge. Mit dieser zersägte er den Knochen des Schädels. Hirnwasser trat aus und ergoss sich auf den Boden.

Als er die Schädeldecke ganz entfernt hatte, nahm er vorsichtig das Gehirn aus Holgers Kopf und durchtrennte die Verbindung zum Rückenmark. Anschließend- legte er das Gehirn in eine Blechschale mit sauberem Wasser darin.

„Schauen Sie meinen Wertester. „Sieht das Gehirn Ihres Freundes nicht wundervoll aus?“, fragte er mich.

Ich war außerstande, zu sprechen. In meinem Magen machte sich ein gluckerndes Geräusch breit und ich übergab mich vor die Füße des Wissenschaftlers. Ansager betrat wieder den Raum und schnallte Holger von der Pritsche ab. Er nahm seinen leblosen Körper und warf ihn in die Eisenwanne. Seine Kleidung steckte er in einen Sack. Dr. Mikkelsen nahm keine Notiz davon und stellte Holgers Gehirn bei Seite, deckte es mit einem sauberen Tuch ab und bewegte sich Richtung der Tür. „Ansager, ich bräuchte gleich bitte deine Hilfe.“ Mein nächster Proband wird versuchen, sich zu wehren. Sei so gut und halte seinen Kopf fest.

Ansger nickte nur stumm.

Beide gingen zur Tür und der Dr. schloss diese auf. Christian saß nach wie vor gefesselt in diesem Rollstuhl. Er wirkte wie ein Häufchen Elend, und sein Gesicht war schweißgebadet und seine Augen vom weinen rot. Als er zu mir herauf sah, funkelten seine Augen auf und ein Keim der Hoffnung lag in ihnen.

Er wurde aus dem Raum herausgeschoben und versuchte sich dabei, sich wieder zu befreien. „Binden Sie mich und Christopher los. Ihr verdammten Bastarde. Ihr sollt in der Hölle schmoren!“, fluchte er vergebens.

Ansgar packte Christians Kopf links und rechts der Ohren. Der Dr. träufelte etwas Chloroform auf einen Lappen. Er drückte den Lappen an Christians Mund und Nase. Christian schaute mich verzweifelt an und seine Augenlider senkten sich. „Es tut mir leid!“, flüsterte ich zu ihm und sah, wie Christian seine Augen komplett und für immer schloss. 

Ansgar band ihn los, zog ihn komplett nackt aus und legte ihn auf die gereinigte Pritsche und verließ den Raum. Dr. Mikkelsen wendete die gleiche Methode wie bei Holger zuvor an. Erst stach er Christian das Jagdmesser ins Herz, durchtrennte fein säuberlich die Haut am Schädel und legte den Knochen frei. Zersägte die Schädeldecke und entnahm das Gehirn und legte es in eine zweite Schüssel mit klarem Wasser.

„Sehen Sie, mein lieber Christopher.“ „Auch ihr zweiter Freund musste nicht leiden.“ „Wie ich schon erwähnt habe, bin ich ja kein Unmensch.“ „Ansgar, kannst du bitte wieder hereinkommen?“

Ansgar kehrte ein letztes Mal in den Raum zurück, schnallte Christians Körper von der Pritsche ab und warf seinen Leichnam ebenfalls in die Eisenwanne. Christian‘ Kleidung steckte er auch in den Sack und warf ihn ebenso hinein.

„Danke, Ansger, das war sehr hilfreich von dir.“ Du kannst jetzt zu Bett gehen“, sprach Dr. Mikkelsen in zufriedenem Ton in seiner Stimme zu Ansger. Ansgar ging zur Tür, drehte sich um und nickte abermals, bevor er verschwand. Ich habe ihn danach nicht noch einmal gesehen. Ich war immer noch geschockt und versuchte, das gesehene zu verarbeiten. „Haben Sie keinen gewissen Eldar?“, fragte ich ihn. Was haben Sie mit den Gehirnen vor? Was geschieht mit den Leichnamen meiner Freunde?“

„Aber, aber, mein Lieber Christopher, so viele Fragen auf einmal?“ Ich habe Ihnen doch schon gesagt, dass ich die Gehirne zu Forschungszwecken nutze!“, sagte der Dr. seelenruhig, während er die beiden Gläser für die Gehirne von Holger und Christian vorbereitete und beschriftete.

Was mit Ihren Leichen geschieht, wollten Sie wissen? Dann passen Sie auf.“ Er ging zu der Eisenwanne mit den Glasballons darüber. Er zog an einem Hebel und der Inhalt der Glasballons ergoss sich in die Wanne. Augenblicklich begann es zu brodeln und zu blubbern, als sich die Körper sowie die Kleidung meiner Freunde in Säure auflösten. Tränen stiegen mir in die Augen, und ich musste mich zusammenreisen, mich nicht nochmals zu übergeben. 

„Ich hoffe, ich konnte Ihre Fragen beantworten!“, sprach der Dr. und begann damit, die Gehirne der beiden zu halbieren. In den folgenden Stunden entnahm er Teile ihrer Gehirne und setzte sie wieder zusammen, um die Funktionsweise des Denkens zu erforschen.

„Lassen Sie mich frei!“, flehte ich ihn immer wieder an. Er schwieg weiterhin und setzte seine Arbeit fort. „Sie werden nicht ungestraft davonkommen! Wenn die Justiz sie nicht richtet,- dann wird Gott dies tun.

„Es gibt keinen Gott!“, sprach er ruhig und legte dabei die beiden zerteilten Gehirne in ihre Gläser und goss das Formaldehyd über sie.

„Wissen Sie, Forschung ist ein weites Spektrum, und da hat kirchlicher Glauben keinen Platz darin. Sie sind Teil meiner Forschung und können bezeugen, dass ich nur zum Zweck der Wissenschaft gehandelt habe. Ansgar ist stumm und kann nicht sprechen, sie hingegen schon. Also lassen Sie das Gerede von Gott und sehen Sie alles, was Sie heute Nacht gesehen haben, als Fachwissen, das ich Ihnen zu Teil habe kommen lassen, an.“

Er schob meinen Rollstuhl ein Stück näher an die Gläser mit den Gehirnen von Holger und Christian heran. Hinter mir öffnete sich eine Tür. 

„Schauen Sie Christopher, ist es nicht faszinierend, als Außenstehender einmal ein echtes Menschliches Gehirn aus der Nähe sehen zu können?“, sagte er und es war das Letzte, was ich von ihm hörte.

Mir wurde wieder ein Lappen mit Chloroform in mein Gesicht gedrückt und ich verlor das Bewusstsein. 

Als ich wieder aufwachte, lag ich in einer schweren Decke, eingewickelt am Waldrand. Meine beiden Freunde waren tot und ich schwor ihnen, Rache an Dr. Mikkelsen zu nehmen, für das, was er ihnen angetan hatte.

 

Fortsetzung auf Wunsch…

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4 Kommentare

      1. Ja das war die letzten male mir auch aufgefallen.
        Ich habe dieses mal nicht schnell genug die Farbe wieder entfernt.

        Ich schaue mal das ich das irgendwie im Technischen Sinne verändere das es garnicht möglich ist das sowas passiert.

        Mal eine Frage Sven. Schreibst die Texte hier im Editor oder erst irgendwo anders (Word , OpenOffice ,etc ) und kopierst es dann hierher?
        (Kann mir halt vorstellen das es daran liegen könnte. )

        1. Sorry jetzt erst gesehen. ich schreib die zuerst in Words und kopiere sie hier dann ein. Aber jetzt klappt es mit der Farbe ja anscheinend. die letzten beiden Storys die ich hoch geladen habe, werden in korrekter Farbe angezeigt. in meinem Fall weiß, da ich den Dark Modus nutze.

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