KreaturenMittelSchockierendes Ende

Gargoyles

Warnung vor Creepypasta

ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.

Über die Arbeit als Kirchenrestaurator lässt sich sicherlich vieles sagen, aber nicht, dass sie sonderlich spannend ist. Als ich zum ersten Mal davon hörte, meinem Onkel in den Sommerferien bei seinem Job helfen zu können, war ich allerdings hellauf begeistert. Ich war nicht gläubig, oder interessiert an Kirchen an sich, aber ich dachte mir, ein bisschen Taschengeld zusätzlich zu verdienen, könnte mir nicht schaden. Außerdem wurden bei Restaurationen zum Teil sogar Rätsel gelöst, und Mysterien aufzuklären hatte ich schon von Kindheit an vergöttert. All diese Geschichten – Legende oder Wahrheit. Mir war egal, worum es ging – Gräber, alte Schlösser oder verschollene Gemälde – hauptsache geheimnisvoll.

Daran dachte ich noch zurück, als ich aus dem klapprigen Van meines Vaters stieg. Die Tür des Wagens schepperte verräterisch, doch im Gegensatz zu sonst schenkte ich ihr diesmal keine Beachtung. Ich holte mir nur meinen Rucksack von der Rückbank, dann ließ ich das Auto hinter mir zurück. Mein Vater rief mir noch eine kurze Verabschiedung nach, aber ich war schon viel zu vertieft darin, die Kirche zu begutachten. Alt sah sie zumindest aus, stellte ich fest. Aber sie sah eben auch wie jede andere alte Kirche in der Gegend aus und daher entschied ich mich dafür, erst einmal nach meinem Onkel zu schauen, der sich ja irgendwo hier herumtreiben musste.

Das Rufen brachte mir äußerst wenig, denn wie sich bald herausstellte, war das Gelände größer als erwartet. Und mittlerweile war mir auch der Unterschied zu anderen Kirchen aufgefallen: Überall standen diese merkwürdigen Statuen herum – Gargoyles hießen sie. Furchterregende Kreaturen mit Reißzähnen am Oberkiefer und Flügeln mit Krallen am Ende – so hockten sie da auf ihren Sockeln und starrten einen mit lebensechten Augen an. Selbst ihre Füße waren mit scharfen Krallen besetzt und so wunderte es mich erst recht, warum eine Kirche, die ja nunmal ein Ort Gottes war, solche Monster aus Stein beherbergte.

Doch die Gargoyles waren da noch mein kleinstes Problem, also versuchte ich mich einfach weiter auf mein Vorhaben – das Ausfindig machen meines Onkels – zu konzentrieren.

Es war auf eine absurde Art und Weise eigenartig, ganz alleine in der Kapelle zu stehen, besonders, wenn ein leises Knarzen hinter einem ertönte, sobald die hölzerne Tür zufiel. „Hallo?“, probierte ich es mit einem Ruf, doch es kam nur das Echo zurück, das von den Wänden der Kapelle in alle Richtungen hallte. Gerade als ich mich wieder zum Gehen wandte, ertönte jedoch ein Scheppern hinter mir.

Zu meiner Erleichterung war es nur mein Onkel, der eine leere Farbdose umgeworfen hatte.

„Na, wenn das nicht meine Lieblingsnichte ist!“, rief er aus, als ich auf ihn zukam. „Hallo, Onkel Shawn.“, begrüßte ich ihn so höflich es ging. Ich war noch nie sehr gut darin gewesen, mit Erwachsenen zu sprechen. Und obwohl ich meinen Onkel gut kannte, fiel mir ein anständiges Gespräch teilweise schwer.

„Bist du bereit für deine erste Schicht als Restaurator? Na, am Besten zeige ich dir erst einmal alles!“, fuhr mein Onkel fort, ohne mich wirklich antworten zu lassen. Also folgte ich ihm einfach schweigend, bis wir ein kleines Büro hinter einer Seitentür betraten. Überall auf dem Boden lagen verstreut Dokumente und Bücher herum.

„Das hier ist mein derzeitiger Arbeitsplatz, der mir zur Verfügung gestellt worden ist.“ Als er meinen Blick über die Unordnung schweifen sah, huschte kurz ein Lächeln über seine Lippen. „Und im Moment ist es leider auch ein bisschen chaotisch.“

Dann führte er mich auch schon wieder in die Kapelle zurück, aus der wir gekommen waren. Mein Blick fiel wieder auf eine dieser schrecklichen Statuen – sie stand auf einem Sockel am Altar und zeigte mit ihrer krallenversehenen Hand auf die Reihen von Bänken, so als wolle sie die Menschen, die bei Gottesdiensten dort saßen, bedrohen. Der Anblick dieser Kreatur jagte mir einen Schauer über den Rücken, und so war ich erleichtert, von meinem Onkel aus der Kapelle und in ein kleineres Nebengebäude gebracht zu werden. Hier war ausnahmsweise keines von diesen Gargoyl-Abbildern aufgestellt worden, nur ein einfacher Jesus am Kreuz schmückte den Saal.

Schon kurz nach dem Betreten dieses Gebäudes hatte ich bemerkt, dass wir nicht alleine waren. Scheppernde Geräusche drangen an mein Ohr und ein undefinierbarer Schatten tanzte die Wände entlang. Ehe ich meinem Onkel Bescheid sagen, geschweige denn realisieren konnte, zu wem dieser Schatten gehörte, verschwand er auch schon wieder. Dabei erkannte ich allerdings noch, dass er unmöglich von einem Menschen stammen konnte: Die Konturen, die ich von dem etwas, das wohl für diese Erscheinungen verantwortlich war, erfasst hatte, deuteten darauf hin, dass diese Person einige Meter über dem Boden hätte schweben müssen.

Mein Onkel schien von der ganzen Sache nichts mitbekommen zu haben. Er sprach mich weder darauf an, noch wirkte er in irgendeiner Weise alarmiert. Ich überlegte kurz, ob ich es ihm erzählen sollte, aber dann schlug ich mir diesen Gedanken wieder aus dem Kopf. Am Ende würde über mich sowieso nur gelacht werden – oder aber es würde behauptet werden, dass ich mir alles nur eingebildet hätte. Vielleicht hatte ich das ja auch wirklich… Es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass meine Fantasie mit mir durchging.

Nach diesem kleinen Schockmoment beruhigte ich mich langsam wieder und wandte mich vorsichtig meinem Onkel zu. Der sah sich mittlerweile nachdenklich um, so als würde er jemanden suchen. Tatsächlich bewahrheitete sich meine Vorahnung und er rief nach einer anderen Person – einem gewissen Devin.

Ich überlegte kurz, ob ich diesen Devin vielleicht sogar kannte, aber der Name sagte mir rein gar nichts.

Auf den Ruf meines Onkels hin drangen einige raschelnde Geräusche aus einem anderen Teil des Saales. Schritte ertönten und kurz darauf erschien ein junger Mann hinter der kleinen Orgel, die in diesem Gebäude Platz gefunden hatte. Er schien nur einige Jahre älter als ich zu sein, hatte blonde, strubbelige Haare und trug verschmutzte Arbeitskleidung. Obwohl er einfach nur stumm dastand und bisher noch nichts getan hatte, war mir dieser Devin sofort unsympathisch. Wahrscheinlich lag es an seinem gelangweilten Gesichtsausdruck, mit dem er zu mir und meinem Onkel herüber sah…

Mein Onkel hatte mir inzwischen einen Arm um die Schulter gelegt und führte mich nun zu der Orgel nach vorne, wo sein Helfer immer noch mit belangloser Miene ausharrte.

„Devin,“ hob er mit einem fast stolzen Lächeln an, „das hier ist meine Nichte. Sie wird uns in den nächsten zwei Wochen etwas unter die Arme greifen.“

Ich nickte dem jungen Mann kurz zu und brachte ein unsicheres „Hi…“ heraus. Devin schien sich nicht sonderlich für mich zu interessieren und erwiderte meine Geste nur stumm, während seine merkwürdig leeren Augen durch mich hindurchstarrten, als befände er sich gerade gedanklich in einer Parallelwelt.

Mir lief eine Gänsehaut über den Rücken und ich wandte meinen Blick von ihm ab. Genauer wollte ich diesen Devin lieber nicht kennenlernen. Viel Zeit blieb mir dazu aber sowieso nicht, denn mein Onkel war bereits dabei, mir den – laut ihm – „schönsten Platz des gesamten Geländes“ zu zeigen.

Dafür mussten wir den kleinen Friedhof am Rande der Kapelle überqueren und noch ein Stück näher an den Waldrand, der sich dahinter befand. Hier war ein einzelner, großer Grabstein aufgestellt, auf dessen Vorderseite die Worte „Gestorben als Opfer der Teufelsepidemie 1853“ eingemeißelt waren. Hinter diesem Grabstein aber kam erst die wahre Verzierung dieses Grabes zum Vorschein. Auf einem Sockel thronte eine von diesen grässlichen Statuen – diesmal jedoch gab es einen entscheidenden Unterschied: Es waren zwei Figuren, die eng beieinander standen. Eine von ihnen war eine Frau mit vor Angst verzerrtem Gesicht, die Hände erschrocken an den Mund gepresst. Das andere Bildnis verkörperte einen Gargoyle mit aufgerissenem Maul und die Klauen nach der Frau ausgestreckt.

„Eine äußerst beeindruckende Statue, nicht wahr?“ Mein Onkel riss mich mit seinen Worten aus den Gedanken. Verwundert sah ich ihn an. Fand er diese Darstellung etwa auch noch gut?

„Sie stammt aus der Zeit der Teufelsepidemie. Als diese hier im Dorf um sich griff, gab es viele Tote. Die Krankheit war dafür bekannt, selbst die kleinsten Wunden, die die Opfer sich zuzogen, innerhalb kürzester Zeit verfaulen zu lassen. Außerdem kam es häufiger vor, dass Kranke Körperteile verloren, vergleichbar mit Lepra. Symbolisch wurde die Teufelsepidemie meist als solches Monster dargestellt, wie du hier eines sehen kannst.“

Mir stellte sich die Nackenhaare bei dieser Geschichte auf. Der Gedanke an Menschen, denen Körperteile aufgrund dieser Krankheit abfielen, war einfach nur abstoßend…

Nichts desto trotz zwang ich mich dazu, meinem Onkel zurück zur Kirche zu folgen. Er wollte mit seiner Arbeit fortfahren und mir währenddessen noch ein paar wichtige Dinge beibringen. Als wir uns jedoch gerade dort eingefunden hatten, stieß mein Onkel einen kurzen Fluch aus.

„Was ist?“, fragte ich alarmiert. Er schüttelte verärgert den Kopf. „Eigentlich wollte ich mir noch den Code des Grabsteins aufschreiben! Wir nummerieren alle Artefakte, die wir restaurieren, um immer genau zu wissen, woran wir noch arbeiten müssen. Aber ich habe mir die Nummer dieses Grabsteins noch nicht notiert. Sie steht nur auf dem Nummernkärtchen, das wir am Grabstein selbst befestigt haben.“ Mein Onkel sah mich bittend an und ich ahnte schon, was er von mir wollte. Ein Seufzen entfuhr mir.“Du möchtest, dass ich zurück gehe und die Informationen des Nummernkärtchens für dich aufschreibe?“ Er nickte lächelnd.

Um ehrlich zu sein, hatte ich nicht gerade das Bedürfnis, noch einmal zu diesem Grabstein und dem makabren Denkmal zurückzukehren. Andererseits wollte ich meinen Onkel auch nicht abweisen. Und so stapfte ich kurz darauf den Pfad entlang, der zu der Statue führte. Auf diesem Wege konnte ich zumindest noch ein paar Fotos davon schießen – immerhin war ich in meinem Bekanntenkreis nicht die einzige, die sich für Historik interessierte. Und vielleicht wusste ja auch jemand, was es mit dieser Teufelsepidemie auf sich hatte.

Als ich die Grabstätte erreichte, fand ich zunächst alles so vor, wie mein Onkel und ich es verlassen hatten. Deshalb hockte ich mich direkt vor das steinerne Monument und holte mein Handy aus der Hosentasche. Ich fotografierte sowohl die beschriftete Grabplatte, als auch die Statue, dann steckte ich es wieder zurück. Während ich mich langsam aufrichtete, meinte ich, aus dem Augenwinkel eine Bewegung wahrzunehmen. Doch bei genauerem Betrachten fiel mir keine Veränderung an der Statue auf. Ich zuckte ratlos mit den Schultern. Am Ende siegte meine Vernunft über meine zu lebhafte Fantasie.

Es war Zeit, von diesen Hirngespinsten abzukommen.

Ich nahm das Nummernkärtchen, das vor mir am Grabstein befestigt war zur Hand und begann, alles nötige auf einem losen Blatt Papier zu notieren. Immer wieder hatte ich das Gefühl, aus dem Augenwinkel etwas gesehen zu haben. Auch ein leises Knacken ertönte hier und da. Als ein besonders auffälliges Geräusch an mein Ohr drang, entschied ich mich dazu, für einen Moment aufzuschauen.

Eigentlich hatte ich mich noch ein wenig umsehen wollen, aber sobald ich den Blick hob, bemerkte ich, dass etwas nicht stimmte. Die Statue vor mir hatte sich verändert. Nur noch das Abbild der Frau stand dort – der steinerne Gargoyle war verschwunden…

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