MittelTod

Isoliert

Warnung vor Creepypasta

ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.

Der Raum ist karg und unpersönlich eingerichtet.

Ein Bett, weißes Bettzeug, ein weißer Nachttisch, ein weißer Schrank, weiße Vorhänge, ein Tisch, zwei Stühle. Keine persönlichen Gegenstände.

Auf dem Bett sitzt ein unscheinbarer, schlanker Mann. Etwa Ende 40. Er sitzt gebeugt. Hat die Hände neben sich aufs Bett gestützt und schaut dem großgewachsenen Mann mit der Halbglatze und der auffälligen Brille dabei zu, wie er auf dem Tisch seine Unterlagen ausbreitet, erste Notizen macht und sich dann dem Mann auf dem Bett zuwendet.

„Wie heißen Sie?“, fragt er mit einer ruhigen Stimme.

„Frank Hegmann.“, entgegnet der Ansgesprochene beinahe fragend und beobachtet, wie sich der Mann am Tisch Notizen macht.

„Sie sind geboren am 13. Mai 1963 in Essen?“, will der Mann am Tisch wissen.

„Jawohl.“, nickt Frank Hegmann.

„Zu ihren anderen biographischen Daten kommen wir später. Also Kindheit, Schule, Freunde.“, gibt der Mann am Tisch bekannt. „Wissen Sie, wer ich bin und warum ich hier bin?“

„Ich kenne Ihren Namen nicht. Mir wurde gesagt, Sie sind der Gutachter.“, antwortet Hegmann und guckt, ob der Mann am Tisch irgendwie besonders auf diese Frage reagiert. Doch der hat den Kopf gesenkt und notiert Dinge.

„Genau. Ich bin der Chefarzt der psychiatrischen Polykilink der medizinischen Hochschule und wurde vom Gericht bestellt zu begutachten, ob Sie Schuldfähig sind oder nicht. Achja… mein Name ist Dreyer. Siegmund.“ Siegmund Dreyer huscht ein sehr kurzes Lächeln übers Gesicht. Frank Hegmann nimmt es trotzdem wahr. Weil er nicht weiß was er sagen soll, nickt er einfach. „Dieses Treffen hier dient dem ersten Eindruck.“

„Warum sind Sie hier, Herr Hegmann?“, will der Chefarzt wissen und schaut de Befragten aufmerksam an. Der zuckt die Schultern und schüttelt den Kopf.

„Wissen Sie was man Ihnen vorwirft?“, fragt Dreyer weiter.

Hegmann schüttelt wieder den Kopf. „Die Polizei kam morgens. Man zog mir eine Augenbinde über den Kopf und brachte mich hier her. Seitdem bin ich hier, kann nicht mehr raus. Muss Tabletten nehmen, die mich langsam und müde machen.“

„Und warum kam die Polizei? Warum hat man Sie verhaftet?“, hakt der Gutachter nach.

Hegmann zuckt wieder die Achseln und schaut Siegmund Dreyer hilflos an. „Mit mir redet ja keiner. Die Pfleger nicht. Sie kommen nur und geben mir Spritzen. Es ist immer ein Wachmann dabei. Ein Anwalt war nur sehr kurz hier um mir zu sagen, dass er mich vertritt. Man sagt, ich bin gefährlich.“

„Und sind Sie gefährlich?“, will Dreyer wissen.

„Wie soll ich hier drin gefährlich sein? Ich bin ja die meiste Zeit eingeschlossen.“, meint Frank Hegmann und der Chefarzt bemerkt, dass er sich unbehaglich auf dem Sofa bewegt.

„Ihnen wird Mord, beziehungsweise Totschlag in fünf Fällen vorgeworfen.“, sagt Dreyer und beobachtet sein Gegenüber ganz genau. Der scheint nachzudenken schüttelt dann empört den Kopf, schränkt die Arme und schnaubt.

„Mord???“, ruft er aufgebracht. „Wen soll ich denn ermordet haben? Ich bin doch kein Mörder.“

Dreyer zieht einige Fotos aus der Tasche und legt sie vor Frank Hegmann auf den Tisch. Auf ihnen sind zwei junge Frauen, zwei etwa 14jährige Jungen und ein älterer Herr zu sehen.

Hegmann betrachtet die Bilder und zuckt kurz zusammen, als er eines davon betrachtet. Dreyer legt weitere Fotos auf den Tisch. Es sind Opferfotos. Blutverschmierte Körper, verrenkt auf dem Boden oder im Wald. Die Gesichter teils grauenhaft entstellt. Ihre Kleidung wirkt fehl am Platz. Unnatürlich lebendig. Sie geben der Leiche ein vergangenes Leben.

Hegmann wird blass, als er die Fotos betrachtet.

„Sie kennen sie?“, fragt Dreyer.

„Ja, aber nicht so. Sie sehen natürlich nur das Endprodukt. Wie sie daliegen und aussehen. Natürlich denken Sie da an Mord. Aber wer sagt, denn dass sie überhaupt gelebt haben? Wer sagt das denn? Dass das nicht nur sprechende Fleischpuppen waren?“ Hegmann redet aufgebracht und gestikuliert ausladend. Er schaut den Gutachter dabei direkt in die Augen. „Für Sie ist es ja einfach da von Mord zu reden, Sie gehören ja dazu.“

„Wozu?“, will Dreyer wissen und schaut von seinen Notizen auf.

„Zu …na zu denen halt. Die reden und Anweisungen geben und an einem vorbeigehen und Einfluss auf mein Leben haben.“ Frank Hegmann schüttelt den Kopf und lacht. „Ha!…zu wem, fragt er…“

Siegmund Dreyer schaut seinen Patienten aufmerksam an. „Und wo ist der Unterschied zwischen Ihnen und mir?“

„Sie müssen das fragen, das verstehe ich.“, sagt Frank Hegmann.

„Ja, für das Gutachten.“, erklärt Dreyer.

„Nein, wegen dem Programm oder so. Sie müssen das Fragen, weil Sie einfach so reagieren, wie Sie müssen.“, murmelt Hegmann.

„Erklären Sie mir das?“, fragt Dreyer und klingt dabei freundlich und versöhnlich.

„Die Antwort ist doch einfach…. ICH habe eine Seele. SIE vermutlich nicht.“, antwortet Hegmann heftig.

„Nicht? Was habe ich dann?“, hakt Dreyer nach.

Der Mann auf dem Bett schüttelt den Kopf. „Ich weiß es nicht. Wirklich. Ich würde es Ihnen gerne sagen. Sie sind wie eine Animation. Sie haben keine Seele. Sie sagen nur das, was Sie sagen sollen, weil es mein Leben beeinflusst. Sie haben keine Seele. Genau wie… die.“ Er nickt in Richtung der Fotos. „Oder wie die Hunde oder Katzen.“

„Sie glauben, Hunde oder Katzen haben keine Seele?“, fragt der Gutachter.

„Ich habe nachgesehen.“, antwortet Hegmann.

„Erzählen Sie mir davon. Wie hat das alles begonnen?“ Dreyer lehnt ich auf seinem Stuhl zurück, während er das fragt und schiebt die Notizen etwas von sich weg, „Wie alt waren Sie?“

„Ich war 9, als ich begriffen habe, dass ich sterblich bin. Dass ich existiere. Dass ich da bin. Hier.“ Hegmann gestikuliert um sich herum. „Es war so tiefgreifend, das zu erkennen. Ich bin da. In dieser Realität hier. Und alles hier ist sterblich und auch mein Leben wird enden. Ich habe an diesem Tag begriffen, dass irgendwann der Moment da sein wird, an dem ich sterbe.“

„Mhmh.“ nickt Dreyer. „Das war sicher ein einschneidendes Erlebnis.“

„Ja. Vorher dachte ich ja auch, ich bin genau wie ihr. Doch an dem Tag merkte ich, dass ihr zwar redet und da seid und so, aber ich sehe euch nur. Oder fühle euch, wenn ihr mich anfasst. Aber ich merke eure Seelen nicht.“, erzählt Hegmann weiter. „Nur mich.“

„Und sie glaubten, dass Sie der einzige Mensch sind, der eine Seele hat?“, fragt der Gutachter.

„Zumindest habe ich nur meine wahrgenommen.“, antwortet Hegmann.

„Wie war das für Sie?“, will Dreyer von seine Gegenüber wissen. „Hat es Ihnen Angst gemacht?“

„Ich habe mich alleine gefühlt. Abgeschnitten. Isoliert.“, antwortet der Gefangene.

„Ich verstehe. Und dann?“ Der Chefarzt merkt, dass er sich dem Kern nähert. Er weiß, dass viele seiner Begutachteten nicht so auskunftsfreudig sind. Frank Hegmann allerdings ist kooperativ. Der Gutachter möchte das nutzen. „Was war da mit den Hunden und der Katze?“

Hemann senkt den Blick. Der Gutachter bemerkt das. Es ist dem Mann auf dem Bett unangenehm darüber zu sprechen. Er weiß, dass die Menschen um ihn herum das verurteilen, was er gleich sagen wird.

„Ich…wollte ihre Seelen finden. Nachgucken, ob sie welche haben.“, sagt Hegmann leise.

„Wo hofften Sie, die Seele zu finden?“, fragt Dreyer.

„In ihrem Kopf? In ihrem Köper? Da wo meine auch ist.“ Hegmann flüstert fast.

„Und was haben sie getan?“ Dreyer kennt die Antwort, doch es ist wichtig, dass Hegmann es selbst erzählt.

„Ich habe dem Hund einen Hammer auf den Kopf geschlagen.“, gibt Hegmann zu.

„Was hat der Hund gemacht? War er direkt tot?“, fragt der Gutachter.

„Er fiepte. Taumelte. Versuchte zu laufen. Von mir weg. Er schrie. Aber ich habe ihn wieder zu mir gezogen. ich wollte es ja sehen. Ich habe ihn wieder zu mir gezogen und er versuchte nach mir zu beissen. Sein Fell war schon voller Blut und er leckte sich über die Schnauze und schrie. Er hatte wohl Angst.“, erinnert sich Hegmann. „Er konnte wohl Schmerzen spüren und hatte Angst, aber ich wollte ja die Seele finden. Darum habe ich ihm noch eines mit dem Hammer gegeben, aber nur halb getroffen. Und da habe ich etwas gespürt.“

„Was?“, will Dreyer wissen.

„Diese Energie. Diese Situation, die uns verbunden hat. Die Luft vibriert. Jede Faser deines Körpers vibriert und man atmet diese morbide Energie ein. Den Geruch des Sterbens. Er ist überall. Wenn du den Hund ….verstehen Sie…. ihn….naja…Sie wissen ja, was ich mit ihm gemacht habe. Er liegt vor dir und schreit und leckt sich das Blut von der Nase und weiß dass er gerde stirbt und ich weiß, dass ich ihn gerade…. Wir beide sind verbunden in dieser Situation und spüren beide diesen Moment. Dieser Moment des Sterbens ist wie eine Brücke zwischen dem Hund und mir. Er verbindet uns. Ich habe das Gespürt, aber ich konnte ihn nicht so lange leiden lassen. Ich habe ja gemerkt, dass er Schmerzen hat und habe ihn erlöst.“, erzählte Frank Hegmann.

„Und haben Sie die Seele gespürt?“, fragt Dreyer.

„Das ist es ja. Ich habe es so oft getan. So viele Katzen und Hunde. Tiere. Kaninchen. Sie verlöschen einfach. Gehen aus. Sterben. Währenddessen verspüren sie Angst und schreien so laut. Aber sie sterben einfach und liegen da mit ihrem Fell und leben einfach nicht mehr. Ich habe keine Seele gefunden.“, berichtet Hegmann.

„…Und fühlten sich weiter isoliert?“, hakt der Arzt nach.

Hegmann nickt. „Die Verbindung dabei war nur Energie. Eine Situation. Es war keine wirkliche Verbindung, sondern eher wie ein Verbindungskabel. Die Situation hat uns beide in einen gleichen Energiezustand gebracht, glaube ich. Darum habe ich auch eine Verbindung gefühlt. Aber verbunden war ich nicht. Ich habe weder eine Seele gesehen, noch gespürt. Aber man sagt ja auch, Tiere haben keine Seele.“

„Und darum haben Sie Menschen genommen?“, fragt Dreyer.

„Man sagt, Menschen werden leichter wenn Sie sterben. Dass wir im Gegensatz zu Tieren eine Seele haben. Dass man sieht wie Seele den Körper verlässt.“ Hegmanns Augen sind glasig und er wirkt aufgeregt.

„Und wo ist die Seele?“, will Dreyer von ihm wissen.

„In der Zirbeldrüse.“, erklärt Hegmann dem Arzt. „Ich muss Ihnen das sicher nicht erklären. Sie haben das ja studiert. Ich habe auch viel darüber gelesen. Über das Gehirn und die Zirbeldrüse und so.“

„Und sie hofften, die Seele bei ihr….“, Dreyer tippt auf das Bild einer jugen Frau, „…zu finden?“

„Was man sagt, ist alles übertrieben.“ Hegmann lächelt. „Ich bin ja nicht dumm. Natürlich war da wieder diese morbide Energie, als sie realisierte, dass sie stirbt, als sie erkannte, dass ich sie töte und dass sie schwer verletzt ist. Natürlich hat uns das wieder verbunden. Ihre Angst, meine Anspannung… Menschen sterben so anders als Tiere.“

„Wie sterben sie denn?“, fragt der Chefarzt.

„So intellektuell. Sie schreien und verhandeln versuchen irgendwie davon zu kommen, analysieren die Situation. Tiere sind da sehr viel tapferer. Sicher, sie schreien und fiepen und haben Angst, aber sie sterben viel tapferer und mutiger. Nicht so dramatisch wie Menschen. Ich habe versucht, sie langsam zu töten und sie dabei genau beobachten zu können. Wie sie stirbt, wie die Seele sie verlässt. “

„Und?“, fragt Dreyer.

„Da war nichts. Garnichts.“, sagt Hegmann beinahe enttäuscht. „Klar sieht man bei ihr besser als bei Hunden, wie das Leben aus ihnen herausfließt. Wie sie sterben. Wie ihre Augen blind werden und das Leben aus ihrem Gesicht weicht. Aber das sind einfach nur Muskeln die erschlaffen. Es ist nicht so, dass dort eine Seele dann den Körper verlässt. Der Körper erschlafft einfach und die Menschen sagen dann, die Seele entweicht.“

„Und deshalb glauben Sie, dass Menschen keine Seele haben?“, analysiert Dreyer.

„Ich schon. Die Frau halt nicht. Zumindest keine, die ich gefunden habe. Darum ist es auch kein Mord, oder? Wenn sie keine Seele hat? Ich habe dann weiter geforscht und bin auf diesen Aufsatz gestoßen, dass sich die Seele beim Tod auf die Quantenebene zurückzieht und dort quasi ein Jenseits existiert. Dann ist ja auch klar, dass die Seele den Körper nicht verlässt, sondern sich im Gegenteil in ihn zurückzieht.“ Hegmann Lacht. „Denkfehler.“

„Und was waren die Konsequenzen? Ich meine… Herr Hegmann, Sie wissen dass ich weiß, was passiert ist. machen wir uns nichts vor. Ich will es nur verstehen. Erklärt bekommen von Ihnen. Sie fühlten sich isoliert, alleine auf der Welt….alleine existierend und suchten nach anderen Seelen, weil Sie eine Verbindung zu anderen Menschen suchten. Und sie forschten an Tieren und an der jungen Frau und kamen zu der Erkenntnis, dass die Seele sich in die Zirbeldrüse zurückzieht, wenn Menschen sterben und dass sie von dort aus auf die Quantenebene zurückzieht. Sie trafen dann Abends im Wald auf Niklas… Und dann?“

Hegmann nickte. „Ich kenne ihn ja aus dem Dorf. Ich habe gefragt, ob er sich 20 Euro verdienen möchte, wenn er mir was tragen hilft. Und er ist mitgekommen.“

„Sie haben ihn mit dem Hammer getötet.“, sagt Dreyer leise.

„Nein. Er musste ja leben. Was nutzt er mir denn tot? Die Seele soll ja noch da sein. Ich habe ihn auf den Kopf geschlagen, bis er hab besinnungslos war und stammelte und die Augen verdrehte. Aber lebte ja noch. Er war verwirrt und wusste nicht was los war. Da habe ich nochmal zugeschlagen, da war er dann verwirrt und halb bewusstlos und dann…“ Hegmann stockte.

„Lassen Sie sich Zeit.“, Dreyer steht das Grauen im Gesicht geschrieben, aber er bemüht sich ruhig zu klingen. Er ist das aus zahllosen Befragungen gewohnt.

„Ich holte eine Säge und öffnete seinen Kopf.“, erzählt Hegmann weiter. „Die Flüssigkeit und Blut liefen heraus, aber er lebte noch. Zumindest zuckte er noch, aber ich glaube er hatte das Bewusstsein verloren. In die Hose hat er sich gemacht.“ Hegmann lachte. „In meiner Wohnung. … Das Gehirn… man hat gesehen, wie es lebendig war. Wie …. man hat es einfach gefühlt. Da war Leben drin. Energie. Aber ich wollte die Seele finden.“

„Und wie haben sie sie gefunden?“, fragt Dreyer.

„Ich habe sein Gehirn aufgeschnitten. Ich glaube da ist er auch bei gestorben. Aber ich weiß ja, dass Tote noch Gehirnaktivität bis zu einer Stunde nach dem Tod haben. Ich musste also nur schnell sein und habe vorsichtig das Gehirn aufgeschnitten und die Zirbeldrüse gesucht. Es ist anders in den Lehrbüchern, als in Wirklichkeit, wissen Sie.Man denkt immer, es ist eine feste Masse, aber es war glibberiges Gewebe. Wie Pudding. Die Drüse da zu finden war nicht leicht. Aber ich habe sie gefunden.“ In Hegmanns Stimme schwingt Stolz mit.

„Die Seele?“, hakt Dreyer nach.

„Nein die Drüse. man kann die Seele ja nicht sehen. Sie geht doch in die Drüse, ins Gewebe, auf die Molekülebene, auf die Atomebene und dann auf die Quantenebene. Es gab nur einen Weg, diese Seele wirklich zu spüren.“

„Welchen?“ Innerlich ächzt Dreyer. Er will die Antwort nicht hören. Er kennt sie.

Hegmann schweigt dazu. Er schaut den Gutachter einfach an.

„Sie haben die Zirbeldrüse gegessen, Herr Hegmann, oder?“, fragt Dreyer.

Frank Hegmann nickt. „So kann sie nirgends hin. Die Seele. Wenn es sie gibt. Sie ist dann in mir und ich habe ja auch eine Quantenebene und ich lebe ja noch. Die Seele bleibt dann in mir, weil ich ja nicht tot bin.“

„Sie sagen, Sie haben seine Seele gegessen?“ fragt der Gutachter und schaut seinen Patienten an.

Der nickt.

„Und haben sie sie dann in sich gespürt?“ hakt er nach. „Seine und die der anderen?“

„Warum fragen Sie das, Herr Doktor?“, lächelt Hegmann.

Dreyer schweigt. Er spürt ein merkwürdiges, drängendes Gefühl in sich.

„Sie fühlen es auch, oder? Diese Isolation?“, Flüstert Hegmann. „Diese Barriere zwischen sich und anderen? Dieses Abgeschnitten sein von der Welt der anderen? Haben Sie sich jemals gefragt, ob die anderen Menschen wirklich echt Sind oder nur Bilder, die für die projiziert werden? Fühlen Sie sich allein, Herr Dreyer?“

Der Gutachter schluckt. Sein Mund ist trocken. Er nickt.

„Das müssen Sie nicht. Es gibt Wege.“ Hegmann klingt beinahe liebevoll.

„Sie…. sie wollen meine Seele essen?“ Dreyer ist Fachmann auf seinem Gebiet. Umfassend ausgebildet, geschult durch viele Jahre Gutachtertätigkeit. Er hat viele intensive, faszinierende und verrückte Patienten gehabt. Er sollte distanziert und professionell sein. Doch dieses Mal ist es anders. Er ist aufgewühlt. Verunsichert, fasziniert und irgendwie….auf eine seltsame Weise erregt.

Er steht auf und geht. „Das reicht für heute, Herr Hegmann. ich komme wieder.“

„Ja, ich weiß.“, sagt Frank Hegmann und schaut lächelnd aus dem Fenster, während der Gutachter geht.

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