
ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT
Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.
Ich hatte es geschafft. Nach langen Jahren der Lernerei und der schweißtreibenden Arbeit im Restaurant meines Onkels, konnte ich mir nun endlich meinen Lebenstraum erfüllen. Ein Jahr Work and Travel im fernen Kanada. Bis zu jenem Zeitpunkt hatte ich nur positive Erfahrungen in diesem wilden und wunderschönen Land sammeln können. Ich war gereist, hatte mich durch die Speisekarten sämtlicher Städte gegessen und hatte auf meinem bisherigen Weg viele neue Freunde gefunden. Doch nun war es Zeit für mich den nordamerikanischen Großstadtdschungel zu verlassen. Ich wollte endlich den Teil des Landes erforschen und bereisen, der mich am meisten interessierte: die Natur Kanadas. Aus diesem Grund entschied ich mich vor einigen Wochen meine bisher gewohnte Umgebung in Vancouver aufzugeben und machte mich auf den Weg zur Grenze nach dem Staat Alberta.
Meine Reise führte mich durch unzählige Nationalparks, Kleinstädte und Minijobs, mit denen ich mir meinen Trip finanzierte. Ich genoss meine neue Umgebung und ermöglichte es mir nach einigen weiteren Wochen einen kleinen Campingurlaub nahe der US – amerikanischen Grenze zu buchen. Aufgeregt und voller Neugierde machte ich mich auf den Weg, doch was ich fand trübte mein Gemüt in einem schnellen Tempo. Außerhalb der Großstädte und der freundlichen kleinen Vororte war Kanada ganz anders. Sicher, die Natur war unglaublich schön und bei der Erinnerung an die prachtvollen Ahornbäume und Wälder schleicht sich auch heute noch ein Grinsen in mein Gesicht. Doch Kanada hatte noch eine ganz andere Seite. Eine schmutzige, ja sogar ekelhafte. Rassismus. Rassismus gegen jene Menschen, die dieses wundervolle Land seit Jahrtausenden geprägt hatten. Hier im unteren Teil Albertas waren es die sogenannten „Kutenai“. Ein Zusammenschluss von indigenen Völkern Nordamerikas. Sie wurden beschimpft, gemieden und die Polizei scherte sich allen Anschein nach einen feuchten Dreck um die netten und offenherzigen Menschen dieses Stammes. Ich hatte nie verstehen können wieso sich Menschen immer hassen und anfeinden mussten. Doch was ich nun durchaus verstehe ist, dass es manche Dinge durchaus wert sind gefürchtet zu werden.
8:30 Uhr
An jenem Morgen als ich mein Zelt am Rande des Waldes aufschlug, war es kalt gewesen. Sehr, sehr kalt. Nach langen Internetrecherchen war ich in einem Forum für Campingfreunde auf eben jenen Campingplatz gestoßen. Das besondere an ihm war, dass dieser Platz den Kutenai gehört und jede Einnahme an deren Bildungseinrichtungen und Unternehmen gespendet wurde. Zu meiner großen Überraschung war es hier dennoch relativ leer. Dies konnte natürlich auch daran liegen, dass nur die wenigsten Camper noch Mitte Oktober hier draußen übernachten wollte. Immerhin konnte es hier Nachts um diese Jahreszeit bereits Minusgrade geben, doch das störte mich nicht. Ich schmunzelte etwas und erhob mich langsam. Ich war fertig. Mein Zelt stand nur wenige Meter von der Waldgrenze entfernt, welche durch den dichten Maschendrahtzaun nur noch mehr betont wurde. Hätte ich es nicht besser gewusst, so hätte man meinen können dass die Besitzer dieses Platzes sicher gehen wollten eine dichte Barriere zwischen sich und den Bäumen aufzustellen. Ich streckte mich nach diesem letzten Gedanken ausgiebig und entschied mich dazu mir einen heißen Tee am Kiosk zu holen, welcher direkt am Eingang des Platzes lag.
Dort angekommen klopfte ich sanft an die Tür des kleinen Häuschens auf derer mit Großbuchstaben geschrieben „Tea & Hot Dogs“ stand. Sie ging auf und eine alte Dame öffnete die Tür. Sie war schätzungsweise bereits Mitte 80 und schenkte jedem Gast ein freundliches Lächeln. Ich grüßte sie und fragte in englisch nach einer heißen Tasse Tee. Die Frau nickte langsam und gab mir mit einer Handbewegung zu verstehen, dass ich eintreten sollte. Im inneren des kleinen Häuschens befand sich eine alte Kasse, ein Herd und eine Hot Dog Maschine, auf der man Würstchen drehen konnte. „Zucker?“, ich nickte der alten Frau dankend zu und beobachtete, wie sie sich langsam an die Zubereitung machte.
„Sie sind nicht von hier, nicht wahr?“, sie hatte sich nun wieder zu mir umgedreht und schenkte mir erneut ein aufrichtiges und freundliches Lächeln. Ich nickte langsam und lächelte sie ebenfalls an. „Stimmt. Ich bin aus Deutschland.“, auch sie nickte als Antwort. „Dachte ich mir schon. Also dass sie nicht von hier sind. Sie sind ein nettes Mädchen.“, ihre Stimme hatte einen leicht kratzigen, aber dennoch angenehmen Unterton. „Danke. Das sollte sie Mal lieber meiner Mutter erzählen.“, ich lachte auf und nahm die Tasse entgegen, die mir die Alte nun entgegen streckte. „Wie gefällt es Ihnen bisher?“, ich nahm schnell einen großen Schluck, bevor ich zu meiner Antwort ansetzte. „Sehr gut. Die Natur hier ist wirklich unglaublich.“, die alte Dame grinste und klopfte mir leicht auf die Schulter. „Das freut mich zu hören. Es ist schön zu wissen, dass auch junge Touristen zu uns kommen.“, sie strich sich eine graue Haarsträhne aus dem Gesicht und blickte mir nun direkt in meine blauen Augen. „Waren Sie schon wandern?“, dieses Mal schüttelte ich den Kopf. „Nein, aber das wollte ich nachher noch. Können Sie mir vielleicht etwas empfehlen?“, die alte Frau bejahte dies in dem sie mir eine Broschüre in die Hand drückte. „Hier sind alle gesicherten Wanderwege aufgeführt. Bitte halten sie sich daran.“, ich nickte abermals und nahm die Broschüre dankend an mich.
14:15 Uhr
Ich hatte mir den Rat der alten Frau zu Herzen genommen und hatte meinen bisherigen Tag damit verbracht neue Wanderrouten auszuprobieren. In der Broschüre und auch auf der offiziellen Webseite des Platzes wurde darauf hingewiesen sich nur auf den gesicherten und aufgeführten Wegen zu bewegen. Anscheinend war dieses Gebiet heilig für die Kutenai und so standen nur einige wenige Routen für Touristen offen. Doch selbst diese waren mehr als genug und boten eine große Auswahl an Strecken durch die wunderschöne Natur Nordamerikas. Es hätte perfekt sein können, wenn da nicht diese Gruppe nervender Jugendlicher gewesen wäre, die sich schon einige Minuten lang in meinem Blickfeld aufhielten. Es waren vier Jungen und alle schätzungsweise im Alter zwischen 15 und 18 Jahren. Sie standen fern ab der Wege und waren nur durch ihre grelle Kleidung und die laute Musik zu erkennen, welche sie in voller Lautstärke abspielten. Zudem konsumierten sie eine ungewöhnlich hohe Dosis an Energy Drinks, die sie anschließend einfach auf den Waldboden fallen ließen. „Ekelhaft.“, ich schüttelte meinen Kopf und machte mich wieder auf den Weg.
16:30 Uhr
Gegen Nachmittag führte mich der große Rundweg den ich gewählt hatte wieder zurück zu meinem Zelt. Die Sonne ging bereits unter, was um diese Jahreszeit nichts außergewöhnliches war. Was jedoch durchaus außergewöhnlich war, war das krakeelen und das laute rülpsen, welches ich nur wenige Meter entfernt von mir wahrnahm. Die Jugendlichen waren wohl schon früher als ich auf den Platz zurück gekehrt und hatten ihr Zelt ca. 100 Meter von meinem entfernt errichtet. Mittlerweile tranken sie Bier, anstatt Energy Drinks. „Abwechslung muss wohl sein.“, gab ich leise und schnippisch von mir, ehe ich den Reißverschluss von meinem Zelt öffnete. Mir war kalt und ich wollte die grölenden Jungs nicht länger als absolut nötig beobachten.
23:30 Uhr
Mit einem dicken Flanellschlafanzug, drei Decken und einem Schlafsack bewaffnet, hatte ich es mir in meinem kleinen Zelt gemütlich gemacht. Auch die lauten Geräusche der jungen Männer waren endlich verstummt und das Einzige was ich noch wahrnehmen konnte war mein eigener Atem. Erleichtert zog ich mir die Decke noch etwas weiter hoch, bis kurz unter mein Kinn und entschied mich dazu meine Augen zu schließen.
03:00 Uhr
Von was ich um dieser Uhrzeit erwachte, kann ich bis heute nicht sagen. Alles was ich weiß ist, dass ich um 3 Uhr morgens widerwillig aus meinem Tiefschlaf gerissen wurde und ab da an hellwach in meinem Zelt saß. Anfangs schob ich das noch auf den vielen Tee den ich am Vortag konsumiert hatte und rieb mir dabei gähnend die Augen. Müde griff ich nach meinem Handy mit dem Vorsatz YouTube zu öffnen, doch… nichts. Kein Empfang. Weder Internet, noch mobiles Netz. „Komisch…“, murmelte ich leise in mich hinein und startete mein Handy neu. Gerade in dem Moment als mein Display hell aufleuchtete vernahm ich es: Schritte. Langsame, schleifende Schritte die sich nur wenige Meter von meinem Zelt entfernt bewegten. Mein erster Gedanke wanderte natürlich zu den Jugendlichen. Vielleicht waren sie schon wieder wach und auf der Suche nach der nächsten Untat. „Sind Sie wach?“, ich fuhr zusammen. Eine leise, fast schon summende Stimme drang an mein Ohr. Die alte Frau. Ich wartete einen Moment bevor ich antwortete. „J-ja. Kann ich Ihnen helfen?“, die Schritte kamen nun näher und ich konnte dank des hellen Lichtes meines Displays erkennen, dass jemand vor meinem Zelt in die Hocke ging. „Ja. Es tut mir leid Sie um diese Zeit noch zu belästigen, aber der Teekessel ist mir hinunter gefallen und ich habe mir dabei die Hand verbrannt.“, ich schluckte. Wer machte denn bitte um drei Uhr morgens noch Tee? „Ich komme gleich.“ gab ich dennoch erleichtert von mir und wickelte mich aus meinen dicken Decken aus. Anschließend robbte ich nach vorne und öffnete langsam den Reißverschluss.
Erneut machte sich Erleichterung in mir breit, als ich das Gesicht der alten Dame erblickte. Sie kauerte immer noch in einer tiefen Hocke, vielleicht 1- 2 Meter von meinem Zelt entfernt und hatte sich den rechten Arm mit dicken Geschirrtüchern verbunden. Wir erhoben uns beide fast gleichzeitig und ich musterte sie nun etwas genauer. Ihr graues Haar hing nun offen über ihre Schultern und anstatt eines freundlichen Lächelns, zierte nun ein schon fast comichaftes Grinsen ihr Gesicht. Ihre Augen waren weiter aufgerissen als am Morgen und es schien fast so als ob ein milchiger Schleier über ihnen lag. „Ist alles in Ordnung?“, die Frau nickte ohne dabei auch nur für eine Millisekunde ihr fast schon unnatürlich wirkendes Grinsen zu unterbrechen. „Ich brauche Hilfe. Der Teekessel ist mir hinunter gefallen und ich habe mir dabei die Hand verbrannt.“, erst jetzt fiel mir auf, dass die Frau nicht blinzelte. Irgendetwas war komisch. Nein, fast schon grotesk und je länger ich sie anstarrte, desto mieser wurde mein Bauchgefühl. „So ein quatsch. Die Frau steht nur unter Schock und braucht deine Hilfe!“, meine innere Stimme der Vernunft meldete sich und ich ließ entspannt meine Schultern sinken. „Natürlich. Gehen wir doch einfach in ihr Häuschen. Haben Sie dort Verbandszeug?“, die Frau nickte und drehte sich ohne ein Wort zu sagen um. Mit hochgezogenen Augenbrauen und einem unguten Gefühl in der Magengegend folgte ich ihr. Ihr Gangbild hatte sich ebenfalls verändert. Es wirkte unnatürlich steif und fast so als ob ein Zirkusclown versuchte einen Pinguingang nachzuäffen. Trotz alle dem schob ich es noch immer auf den Schock der alten Frau und folgte ihr ohne Widerrede zu dem kleinen Häuschen am Eingang des Platzes. Die Tür stand zu meiner Überraschung immer noch offen und sie drehte sich abermals zu mir um. Zu meinem großen Erstaunen war ihr Grinsen noch größer geworden und ihre Augen wiesen nun ungewöhnliche rote Ringen unter den Augen auf. Vermutlich weil sie noch immer noch geblinzelt hatte. Für einen Augenblick diskutierte ich mit mir selbst ob ich nicht einfach wegrennen sollte, doch abermals stellte sich meine Vernunft über mein Bauchgefühl. Es war nur eine alte Frau unter Schock, Nichts weiter.
Ich folgte ihr in das kleine Häuschen und schloss die Tür hinter uns. Sie ließ sich mit einem lauten Rums auf den kleinen Hocker fallen, welcher neben der Kasse stand und musterte mich ausgiebig. „Wo ist denn Ihr Verbandskasten?“, fragte ich vorsichtig, ohne auch nur für einen Moment den Blickkontakt zu unterbrechen. Sie erhob ihren linken Zeigefinger und deutete auf eine der kleinen Schubladen, welche sich neben den Herd befanden. Ich ging einen Schritt zur Seite und tat wie mir geheißen, doch ich behielt während der ganzen Zeit meinen Blick auf sie gerichtet. Von außen hatte dies bestimmt merkwürdig und seltsam gewirkt, doch irgendetwas sagte mir den Blickkontakt nicht zu lösen. „Sie sind ein nettes Mädchen“, gab die Frau plötzlich von sich und erhob sich einfach wieder, ehe sie in Richtung Tür ging. „M-moment mal. Ich dachte ich sollte Sie verbinden.“, doch die Frau schenkte meiner Frage keine Aufmerksamkeit. Im Gegenteil. Sie öffnete die Tür und drehte sich ein letztes Mal um. In ihrem Grinsen lagen nun spitze Zähne und ein merkwürdiger weißer Dunst sickerte aus ihren Augenhöhlen. „Scheiße“, entfuhr es mir und ich wich ein paar Schritte zurück. Die Frau öffnete ihren grinsenden Mund und sprach ohne die Lippen zu bewegen „Ekelhaft“. Ich erstarrte. Das war deutsch. Nein. Nicht nur das. Das war meine Stimme mit der sie sprach. „Was sind sie?“, flüsterte ich ohne Wortlaut und sackte langsam auf den Boden zusammen. In dem kleinen Häuschen war es mittlerweile entsetzlich kalt geworden und die Stimmung wurde von Sekunde zu Sekunde schlechter und düsterer. Mit entsetzen beobachtete ich wie sie ihren Kopf leicht schief legte und nun wieder mit den Worten der alten Dame „Sie sind ein nettes Mädchen“ sagte. Danach schloss sie die Tür und sperrte mich ein.
Ich wünschte ich könnte euch genau erklären was danach geschah, doch ich kann es nicht. Nach diesem Zeitpunkt erinnere ich mich nur noch an die Schreie der Jungs, die Kälte und an die Stimme der alten Frau die immer und immer wieder die Worte „ekelhaft“ von sich gegeben hatte. Manchmal in klaren Momenten bilde ich mir ein durch das Fenster im kleinen Häuschen ein Hirschgeweih und milchige Augen erblickt zu haben, doch mein Verstand weigert sich bis heute dies anzunehmen. Danach kann ich mich nur noch an das Krankenhaus und die unzähligen Fragen der Polizisten erinnern, die irgendetwas von einem Bärenangriff gefaselt hatten. Von der alten Frau hatte ich nie wieder etwas gehört und das musste ich auch gar nicht. Mir ist nun klar, dass sie nicht diejenige gewesen war mit der ich nachts gesprochen hatte. So viel ist sicher.