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Kein Erwachen

“Blutdruck?”, ruft eine schroffe Männerstimme zwischen dem monotonen Piepen des Herzfrequenzmessers.

“118 zu 78”, antwortet eine eifrige Frauenstimme. Ein zustimmendes Seufzen war von der ersten Stimme zu hören, und anschließend wurde ich mir eines stechenden Schmerzes bewusst. Es ist, als würde mir jemand in die Brust bohren. Was zum Teufel ist hier los? Wo bin ich?

Das sich wiederholende Piepen beginnt sich zu häufen.

“Steigend…”, sagt dieselbe Frauenstimme.

“Nur noch eine Sekunde hier…”, antwortet die männliche Stimme. Ich spüre Nadeln in meiner Seite, so als würde jemand mit einem Fleischerbeil in meinen Unterleib schneiden. Der Schmerz ist immens und ich möchte schreien, aber ich kann nicht. Meine Stimme reagiert nicht und mein Körper ebenfalls nicht. Selbst meine Augen weigern sich, sich zu öffnen.

“Ahh, da haben wir es…” verkündet die männliche Stimme. Ich spüre, wie kalte Latexhände etwas aus meiner unteren linken Seite ziehen. Es fühlte sich an wie ein kleiner Wasserballon aus membranartigen Fasern und fühlte sich irgendwie gallertartig an.

Jetzt erinnere ich mich. Ich werde gerade einer radikalen Nephrektomie unterzogen. Ich habe Krebs in meiner Niere, aber warum bin ich wach? Ein paar Augenblicke vergehen mit den Geräuschen von Schlurfen und dem Klirren von Metallutensilien auf Tabletts.

“Also gut, machen wir ihn wieder zu”, meldet sich die Männerstimme. Dann spüre ich einen weiteren Druck auf demselben Punkt in meiner Seite. Ich fühle das wiederholte Einstechen in meine Haut und das anschließende Einfädeln von Garn dazwischen. Meine Haut wird langsam zusammengedrückt, und die ganze Zeit über sind die Schmerzen bis zum Wahnsinn zu dulden.

Der Arzt verschließt die Wunde und atmet tief durch. Einen Moment lang herrscht Stille, während mehrere andere Hände über mich fahren. Man hört im Hintergrund leise Gespräche von zahlreichen anderen Männern und Frauen. Als die Schmerzen abklingen, fange ich an, mich zu entspannen, weil ich weiß, dass meine Prüfung bald zu Ende ist.

“Also gut, dann holen wir jetzt die andere raus. Schwester?” sagt der Arzt.

Die andere?

Nein, diese Prozedur war nur für die eine Niere gedacht, warum nehmen sie die andere?

Lasst mich raus!

Die Pieptöne des Herzfrequenzmessgeräts steigen an, während die Panik einsetzt.

“Schwester, geben Sie mir 500 Milligramm Phentolamin”, befiehlt der Chirurg. Sekunden später spüre ich, wie mich eine Lethargie überkommt. Meine Gedanken und Reaktionen sind stark beeinträchtigt, und selbst in meinem gelähmten Zustand kann ich einen Unterschied in meinen kognitiven Fähigkeiten feststellen.

“Ist das Dialysegerät vorbereitet?”, fragt der Chirurg.

“Ja, Doktor”, antwortet eine andere Frauenstimme.

Während der Chirurg meine rechte Seite aufschneidet und beginnt, das Gewebe und das Fleisch zurückzuschneiden, kann ich gar nichts tun. Ich ertrage schweigend mehrere Minuten der Qual, bevor ich ein ähnliches Gefühl verspüre, als die Niere entfernt wird. Das Piepen wird wieder lauter, als das nasse Organ entfernt wird. Ich danke den Sternen, als der Arzt mein freigelegtes Fleisch wieder zusammennäht.

Er nimmt seine Hände weg und seufzt.

“Skalpell.” Befiehlt er. Moment, wozu braucht er das?

“Und jetzt das Herz.”

 

 

Original: zachariusfrost

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