Mittel

Schmerzendestürkis

Warnung vor Creepypasta

ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.

Vorheriger Teil: Hoffnungsvolleslila

Der Griff war kalt, rau und von solch einer unangenehmen Essenz geprägt, dass Vincent keine Chance hatte eben jenem zu entgehen, ganz gleich wie bemüht seine Versuche auch waren. Kurz darauf brach eine eisige Kälte aus. So eisig und scharf, wie er selbst sie in seiner Erinnerung zu seinem damaligen Ereignis nicht verspürt hatte. Sie lechzte nach seinem Herzen. Diese unnatürliche, unvollkommene Kälte schritt in wenigen, langsamen, doch mächtigen und höllisch-schmerzenden Wegen voran, dass ihm jedwede andere Möglichkeit verwehrt blieb, sich gegen seine eigene Seele zu wehren. Selbstverständlich war ihm zu genüge bewusst, dass jedwede Liebe zu einer Seele nie entwickelt werden konnte. Es sei denn, man habe zum Geist des Sterblichen, gleich nach der oder (in den seltensten Fällen) auch währenddessen eine Bindung zu ihr aufgebaut. Vincent war klar, dass ein solches Bündnis zwischen ihm und May bestand – auch wenn er sich nicht zu Gänze bewusst war, ob sie dasselbe für ihn verspürte – doch hatte er bislang weder für den Jungen, welcher nun unter völliger Kontrolle Reginas stand, noch für eine andere Seele nach ihm etwas empfunden. Doch, warum in aller Welt kämpfte er mit all seiner erhabenen Macht um ihn? Was mochte es schon sein, das die junge Seele hatte, dass Vincent zum kämpfen ermutigte? Während er über all diese Sachen nachdachte und verzweifelt eine Antwort auf seine Fragen suchte, spürte er in kleineren, wärmer werdenden Abständen das Eis, welches sein Herz mittlerweile wie einen eisernen Ring fest und eng verschlossen hatte, splittern. Wie Adern, durchzogen immer wärmer werdende Risse jenes gefrorene, faustgroße Organ, während sich ein schriller, quälender Schrei inmitten der knackenden Geräusche mischte. Es war der Schrei eines jenen Kindes, welches eine unerträgliche Pein zu erdulden hatte und in eben jener durch einen Schrei die erleichternde, befreiende Zuflucht suchte, die es nie finden würde.

Von der Wärme sowie der gleichbleibenden Kälte, welche sich
wie zwei Tiere einen unermüdlichen, bitteren Kampf lieferten, sichtlich
geschwächt, nahm der junge Seelenwächter nur sehr verschwommen war, wie sich
inmitten der riesigen psycho-magnetischen Wand ein Bildnis abzeichnete, welches
(geführt von einer unsichtbaren Feder) mit jedem einzelnen Strich nach und nach
das Gesicht zu Lebzeiten des Jungen präsentieren musste. Sie alle hatten zu
ihrer damaligen Existenz Farbe. Farbe im Gesicht, Farbe in den Augen, Farbe in
ihrem Leben. Farbe, die sie nie wieder erblicken würden. Weder zum Zeitpunkt
ihres Todes, noch zum Zeitpunkt des Eintritts Animarums. Trotz all dieser
Couleur, nahm Vincent einen beißenden, rauchigen Geruch war, welcher sofort
seinem immateriellen Körper zu verstehen gab, dass es Feuer sein musste. Wenngleich
er, sowie auch die anderen Seelen und Seelenwächter durch ihre immaterielle
Gestalt nicht in der Lage waren Schmerzen oder jegliche andere Art von Reizen
wahrzunehmen, konnte er die Pein einschließlich der brennenden, heißen
Bestie, die sich wie ein loderndes Inferno verbreitete, verspüren und nur mit
äußerste Mühe einen gepeinigten Schrei unterdrücken, welcher gierig und
beständig seine Kehle hinaufkletterte. Dieses Monster geboren allein aus
lechzenden, rot-gelben Flammen, leckte genüsslich an dem Corpus des 9-jährigen
Jungen, ließ ihn in endloser, unerträglicher Qual seinem Dasein nur langsam ein
Ende bereiten, während er hilflos und nach ungesättigter Hilfe schreiend, an
einem Holzstamm festgebunden war und unter den knackenden Geräuschen des
Holzes, sowie das langsame Reißen der Seile frontal in das weitaufgerissene
Maul des Infernomonstrums zu fallen drohte, mit Zähnen aus glühend heißer
Kohle, eine Zunge bestehend allein aus spitzem, aufflackerndem Holz und Augen,
die das höllische, zerreißende verderben all jener wiederspiegeln, die in des
Monstrums Maul gefallen waren.

Nebst den gepeinigten Schreien, welche nunmehr einem rauen,
kratzigen und blutspuckenden Gurgeln nachkamen, hörte Vincent wütendende, sowie
hasserfüllte Zurufe, die aus den Sprechorganen der Sterblichen kamen. Brüllend
und heiß, verachtend und spuckend, züchtigten sie den Kleinen wegen Hochverrats.
Hochverrats, deshalb da sie in ihm keinen Menschen sahen, sondern ein Monster;
ein Wesen sondergleichen, das es nicht im Geringsten verdient hätte sein Leben unerlaubt unter den Menschen zu führen.

Sie spiegelt den Tod ihres Geliebten wieder, dachte der erfahrene Seelenwächter, derweil sein
Verstand in Hochtouren immer mehr die Form einer Vermutung annahm, die sich zu
seinem, wie auch zum Unwohl anderer als eindeutige und unvermeidbare Wahrheit
darstellte: Sie kontrolliert unsere Seelen, um sie nach ihrem eigenen Willen zu beugen. Sie ist es, die den neugeborenen Geistern ihre Erinnerung in ein nahezu unerkennbares Erlebnis manipuliert oder ihre eigenen zusätzlich in die der anderen hineinmischt. Kaum hatte sich eben jene Erkenntnis Vincent zu erkennen gegeben, hörte er die verräterisch-süße und
doch vor Boshaftigkeit triefende Stimme, welche seiner Herrin angehörte. Jener
Herrin, dessen Befehlen er über Epochen und unzähligen untergehenden Sonnen,
treu nachgegangen war. Stehts im guten Glauben daran, allen guten und
geretteten Seelen ein neues und gutes zu Hause gegeben zu haben. „Du bist ein kluger Junge, Vincent. Fast schon zu klug, scherzte sie mit einem
matten, trocknen Kichern in der Stimme, während sie in der sich wabernden Luft
zu erkennen gab. Ihr Bildnis war in einer noch viel schöneren und
verführerischen Form dargestellt, als Vincent es je zu Gesicht bekommen hatte. „So ein kluger und hübscher Junge“, raunte sie in sein Ohr, während sie ihm in nahezu
lasziven Bewegungen immer näher kam. Doch sie lief nicht, wie sie es unter
anderen Umständen getan hätte, nein. Sie schwebte.
Auch ihre Bekleidung wirkte trotz des eintönigem, trostlosen Aussehens,
schmeichelnd und sexuell anziehend auf Vincent, wenngleich er mit aller Macht
verhinderte eben jener Emotion zu erliegen und an die Liebe zu May, sowie an
die (mögliche) Bindung seines Jungen zu glauben.

„Vergiss sie!“,
zischte der scharfe Ton Reginas über ihre Lippen, während sie daraufhin einen
sanften und ungewohnt liebevollen Ausdruck annahm. „Vincent, mein lieber, kluger und wunderschöner Vincent“, fuhr sie
getrieben von den anhaltenden lasziven Bewegungen fort. „Sieh mich an. Sieh deine Königin an. Du darfst nicht an deine Seelen verfallen. Ich bin es, die dir gelobt zu existieren und mir zu vertrauen. Ich bin es, die du allein mit deiner innigen, heißen Hingabe lieben sollst. Dies ist kein Befehl mein Junge, nein. Es ist ein Wunsch. Ein Wunsch den nur du mir erfüllen kannst“, beendete Regina die liebevollen Worte einhergehend mit
ihrem dringlichen Wunsch und berührte zärtlich und in einer noch nie
dagewesenen Wärme des Seelenwächters Antlitz, während sie jenes näher an ihres
rückte, wodurch der Junge in der Lage war, ihr in ihre tiefschwarzen, vor Boshaftigkeit
geradezu pulsierenden Iris zu blicken.
Doch lag so viel Gutes und süßes in dem reizenden Ton seiner Herrin, dass er
gar nicht anders konnte, als sich ihr und ihrem Wunsch vollends hinzugeben. Ein
letzter Blick in das Bildnis des vom Inferno zerfressenden Jungen, dessen
Geschreie und Gekreische nicht ferner als ein murmeln in seinen Ohren war, und
seine Sicht verschwamm im gemeinsamen Takt seines langsam schlagenden Herzens
in Gestalt schwarzer, dichter Punkte, samt einer einzigen Phrase, welche von nun
an bis zu seinem bitteren, unausweichlichem Ende für alle Ewigkeiten in seinen
Gedanken widerhallen sollte:

„Ich liebe dich, mein
tapferer, mächtiger Wächter“.

~

Die gelb-goldene Sonne versank samt ihrer letzten, warmen
und hellen Strahlen im fernen Horizont, während May mit trüben Blick aus dem
riesigen, glasklaren Fenster starrte und ihren Kopf auf die Lehne der Couch
fallen ließ. Trotzdessen, dass der Himmel langsam in ein azurblau hätte eintauchen
sollen, kämpfte die Sonne mit aller Macht gegen ihr verschwinden an und
produzierte ein erstaunliches, ungewöhnliches Naturschauspiel vor einem
dunkeltürkisenen Himmel, welcher fast schon in den Augen eines jeden
Sterblichen schmerzen konnte. Sie hatte Vincent den gesamten gestrigen Abend
nicht mehr gesehen, was ihr ungeheure Sorgen bereitete. „Kommt Vincent denn noch, Mum?“, fragte Caroline May, während diese sich wieder aufrichtete und mit
einem mütterlichen Lächeln ihrer Tochter über den Kopf streichelte. Für die
Seelenwächterin war es trotz ihrer eindeutigen Emotionen, ziemlich
ungewöhnlich, dass ihre Seele sie als „Mum“ oder „Mumi“ bezeichnete, doch diese
Mutterliebe, die May zu Caroline verspürte (und umgekehrt) war so eindeutig und
so stark, dass sie sich schnell damit abfand und es nach einiger Zeit sogar zu
lieben gelernt hatte, wenn ihre junge Seele sie so bezeichnete. Für einen
kurzen Moment, ertappte sie sich dabei, wie schön und zeitgleich ungewohnt es
doch sein mochte, wenn sie und Vincent eine kleine Seele besäßen, die sie als
ihr eigenes Kind bezeichneten, wenngleich sie diese Vorstellung als einen
geheimen, erfüllten Wunsch ansah, den sie sich sicher (wie wohl wie viele
Menschen) zu Lebzeiten immer wieder erträumt hatte. „Ich weiß es nicht, mein
Schatz. Ich hoffe nur, dass ihm nichts passiert ist…“, mehr konnte und wollte
die Seelenwächterin nicht über ihre Lippen bringen. Zu groß war die Angst
und zu klein die Hoffnung, dass sie ihren Geliebten je wiedersehen würde. Für
all diese Gedanken biss sie sich argwöhnisch auf ihre Unterlippe. Wie konnte
sie nur so negativ sein? So hoffnungslos? So verzweifelt? Winzige Tränen aus
Teer, hinterließen schmale, schwarze Striche, welcher von ihren Augen an bis hinunter
zu ihrem Kinn abgebildet waren. Schnell wischte sie die gezeichnete,
unübersehbare Traurigkeit mit ihrem Arm hinfort, allen voran dem Willen wegen,
dass ihre geliebte Caroline es nicht sehen sollte. „Komm Liebes,“ begann sie
nun mit einem unterdrückten Schluchzen. „Es ist Zeit zu gehen. Lass uns auch
die anderen von ihrem Leid befreien“, erklärte May mit nunmehr gewillt,
stärkerer Tonlage und nahm die zarte, kindliche Hand ihrer Tochter. In den
Stunden über die Geschichte Animarums, wurde sie einst auch näher über die
Seelen sowie Seelenwächter gelehrt. Man hatte ihr erklärt, dass der Geist eines
geretteten Sterblichen nicht in der Lage war sich weiterzuentwickeln. Sie alle
würden in dem Erwachsenenstadium bleiben, in dem sie zu Lebzeiten waren. Wenn
es noch Kinder waren, die aus unterschiedlichen Gründen gerettet werden
mussten, dann blieben sie auch Kinder; wenn es Erwachsene waren, die gerettet
wurden, dann blieben sie auch als Seele Erwachsene und so weiter.

May drückte Carolines Hand etwas fester, bei dem Gedanken,
dass sie für immer „gezwungen“ war ein junges, 12-jähriges Mädchen zu bleiben. Ihr
war bewusst, dass ihre Tochter langsam lernte ihre und die Gedanken der anderen
zu hören und zu sehen, so wie sie
selbst es einst geschafft hatte, doch brachte dieses Wissen sie nicht aus der
Ruhe, um weiter daran zu denken. Gemeinsam gingen sie hinunter zum Brunnen und
May streckte eine Hand aus. Mit lauter, doch sanfter Stimme sprach sie eine
Phrase, die der Totensprache abstammte und zeichnete mit einem Finger eine Art
Tür in die Luft, die gleich darauf im grellen, gleißenden Licht erstrahlte und
ihre unsichtbaren Pforten auf den Weg in eine andere Welt und ein neues Ziel
offenbarte. Es hatte einige Übungsstunden, sowie die Hilfe Vincents gebraucht,
bis sie die Beschwörung der Tür beherrschte, welche die beiden nun auf die
andere Seite führte.

~

Eine warme, liebevolle Umarmung war es, was er zu allererst
spürte. Zusätzlich zu dem von süßen Kirschblühten bedeckten Duft, der willkommen
in seine Nase eindrang und seine Emotionen dazu verleitete jenen als eben
süßlich warzunehmen. Seine Sinne waren betäubt und seine Gefühle überschwemmt
von Liebe. Intensive, heiße Liebe, die wie eine glühende affektiert-brennende
Zange in seine Brust stach und ihn dazu bewegte, seiner Königin noch mehr
von dieser einzigartigen Emotion zu geben. Emotion, die so mächtig und
aufdringlich war, dass Regina ihn nahezu anflehte nicht damit aufzuhören. Seine
Hände schlangen sich fester um ihren wohlgeformten Körper, während ihre Zungen,
den wohl immateriellen, doch gierigen Tanz des Verlangens tanzten. „Meine
Gebieterin“, erhob Vincent nun das Wort, als sich nach eben vollführten
Kunststück ihre Zungen sich lösten. „Was ist, mein Geliebter?“, entgegnete
Regina wissend und zur gleichen Zeit teuflisch lächelnd, während sie in seine
nun trüben und müden Augen blickte. Einst waren seine Augen voller Leben und
Tatendrang und sie hatten gestrahlt. So schön gestrahlt, wie die Sehorgane
ihres vorherigen Geliebten, doch jetzt war nichts mehr von diesem „Leben“ in
seinen Augen zu sehen. Alles was sie sah war eine matte, graue Farbe in seiner
Iris, geschuldet ihrem eigenen Wunsch zu ihm für immer ihr anzugehören und sie
zu lieben. „Ich wollte Ihnen nur mitteilen, dass ich Sie liebe. Mehr als May
oder diesen Jungen.“ Vincents Blick wanderte zur verschlossenen Tür, hinter welcher
der Junge stand. Ruhig und mit seinen Gedanken immer noch in jener Erinnerung
gefestigt. Eine Erinnerung, die allein Regina angehörte und NICHT ihm, das
wusste Vincent ganz genau. Regina spürte, wie sich plötzlich eine von ihrer
starken Macht vergrabenen Emotion in Vincent regte und in pulsierender Form Anstalten
machte auszubrechen. Energisch zischte sie einen scharfen Laut aus, während sie
Vincents Gesicht mit ihren Händen nahm und durch einen langen, giftigen Kuss
jener Emotion die Macht entzog, sodass dieses unangenehme Pulsieren unter dem
Gift betäubt wurde. Unter dem Gift der Liebe und dem bestehenden Wunsch eben
jene auf alle Ewigkeiten gegenseitig zu geben und zu nehmen. „Schweige nun mein
Geliebter und vollführe für mich weiterhin den eben unterbrochenen Akt, der
unsere Bindung stärken soll!“, befahl Regina ihm, während der Angesprochene
freudig nickte und sie mit einem sehnsüchtigen, lustvollen Kuss in eine Ekstase
der gesteigerten Begierde führte.    

Nächster Teil: Liebendesrosa

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