
DN-AGE Erinnerungen VI – Psychopaten Lachen Nicht
ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT
Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.
Hier die chronische Auflistung aller Pastas, die zu dieser Reihe gehören.
DN-AGE Erinnerungen (2270)
DN-AGE Erinnerungen I – Beauftragt
DN-AGE Erinnerungen II – Missbraucht
DN-AGE Erinnerungen III – Gebrochen
DN-AGE Erinnerungen IV – Gerettet
DN-AGE Erinnerungen V – Gefunden
DN-AGE Erinnerungen VI – Psychopaten Lachen Nicht
Containment Project 1 (2270)
Containment Project I – Dies sind die Worte von Publius Septimus Tertio
Containment Project II – The Greasemonkey Diaries
Containment Project III – EXIT
Containment Project IV – Gedanken
Containment Project 2 (2290)
CONTAINMENT PROJECT 2 Teil 1: Nora
CONTAINMENT PROJECT 2 Teil 2: Alexis
CONTAINMENT PROJECT 2 Teil 3: Caelia
CONTAINMENT PROJECT 2 Teil 4: Bromios
CONTAINMENT PROJECT 2 Teil 5: Lavender
Hallo.
Mein Name ist Patricia „Lavender“ Langley – und ich bin nicht geisteskrank.
Nicht klinisch. Nicht juristisch. Bevor ich zum Lifer wurde, hatte ich genug
Kurse in Psychologie besucht, um das zu wissen. Daher möchte ich euch zu Beginn
eine Frage stellen. Was ist die Definition von normal? Ich meine, für euch.
Ganz
gleich, ich fühle mich jedoch genötigt, über die…Annahmen des werten
Detectives mir gegenüber zu sprechen. Sagen wir einfach, dass alles von vorn
bis hinten absoluter Schwachsinn ist – nun, zumindest ein Großteil davon! Beginnen
wir doch einfach mit der Tatsache, dass ich nicht autistisch bin; und es auch niemals
war. Mein Verstand ist stets klar; nie benebelt.
Dann
ist da noch die Annahme, dass ich ihm und Marmalade…nachstellen würde. Nun,
zum Mitschreiben: seine Wenigkeit interessiert mich einen feuchten Scheißdreck.
Marmalade ist dabei mein einziges Anliegen und den Einfluss, den sie anfing,
über ihn zu haben. Wie kann ich mich am Deutlichsten ausdrücken? Ich hasse
dieses aufgeblasenes, selbstsüchtiges, selbstbesessenes, selbstgerechtes und
selbstbereicherndes Stück Scheiße wie die Pest! Sie interessiert sich nicht für
unsere Sache! Interessiert sich nicht für das, was man ihr angetan hat! Interessiert
sich nicht dafür, unseren gebeutelten Schwestern tatsächlich zu helfen! Leider
ist es jedoch so, dass die meisten unserer Schwestern nicht durch ihre Fassade
der „fähigen“ Anführerin hindurchsehen können – nicht einmal Catherine. Doch
ich schon.
Was
mich zu dem letzten Punkt bringt, welchen der werte Detective angesprochen hat:
mein psychologischer Schaden und meinen Missbrauch an meiner Schwester. Nun, es
stimmt schon, dass ich geistig komplett am Arsch war, bevor ich meine
Erinnerungen zurückerhielt. Doch als ich mich daran erinnerte, wer ich einst
gewesen war, schien es mir das Beste, dieses Verhaltensmuster beizubehalten.
Warum? Nun, wie immer führt uns die Antwort direkt zu Marmalade. Mir war ihr
wachsender Einfluss auf Catherine aufgefallen und mir gefiel es nicht!
Mir
gefiel es ganz und gar nicht!
Und
daher gedachte ich, weiterhin das traumatisierte, verwundete und missbrauchte Opfer
zu mimen in der Hoffnung, Cat wieder „zu meiner Seite“ zu bekehren. Und somit,
so glaube ich, habe ich alles gesagt, was die Annahmen des werten Detectives
angeht.
* *
„Vielleicht…können
Sie doch“, gab ich nach einer schweigsamen Pause von mir: „Gibt es einen Ort,
wo wir reden können? Allein?“
„Ja…sicher“,
nickte Zoe und schlug daraufhin ein Zimmer im oberen Stück vor. Ich nickte
ebenfalls, stand auf und wollte gerade mit meiner Gastgeberein nach oben gehen,
als Marmalade mich am Handgelenk packte und mir direkt in die Augen sah. „Bitte,
Lavender, mach keine Dummheiten“, bat sie und ich sah sie mit einem abneigenden
Blick an. Normalerweise würde ich das, was mir die selbstsüchtige,
selbstverherrlichende Schwätzerin zu sagen hatte, einfach ignorieren. Doch
dieses Mal nicht! Nicht jetzt, da ich so nahe dran war, meine Rache zu
bekommen. Ich starrte sie daher mit einem eisigen Blick an, riss mich von ihrem
Griff los und rief barsch: „Fass mich nicht an!“ Und ja…ich muss schon sagen,
dass es mich mit einer gewissen Schadenfreude erfüllte zu sehen, wie ihr
Gesichtsausdruck sich von Besorgnis zu Verwirrung wandelte!
Zoe
und ich liefen daraufhin ins Obergeschoss, wo sie mich gleich in ihr
Schlafzimmer lotste. Komische Wahl der Örtlichkeit, aber wie auch immer. Sie
redete auch nicht um den heißen Brei herum und fragte, was ich für sie tun
könnte – und was sie vielleicht für mich tun könnte. Für uns. Ich sagte nichts,
nahm sie an den Schultern und führte meine Gastgeberin zu ihrem Bett. Dort sah
sie mich verwirrt an, als ich anfing, mich vor ihr auszuziehen. Ein
Kleidungsstück nach dem anderen. „Was machst du da?“ fragte sie, nur um dann
festzustellen: „Das…das hier ist völlig falsch! Tut mir leid, wenn ich dir
einen falschen Eindruck vermittelt hab.“ Falschen Eindruck, was? Dachte sie
wohl, ich wollte mir ihr schlafen?! Zugegeben, das verärgerte mich ein wenig,
jedoch besann ich mich und zeigte auf eine Brandnarbe auf meinem linken
Schenkel und sprach laut: „Das hier war das erste Mal, dass ich misshandelt
wurde, nachdem man mich rausgeschmissen und vergewaltigt hat.“ Dann zeigte ich
auf eine große Schnittnarbe auf meinem unteren Bein und fuhr fort: „Das hat man
mir verpasst, kurz bevor ich in die Fick-Farm gebracht wurde. Hab‘ versucht,
mich zu wehren – is‘ für mich wohl nicht so gut gelaufen.“
„Es
tut mir so leid“, gab sie einfach zurück.
„Und
das hier“, erwiderte ich, während ich ihr den Rücken zudrehte und ihr die
zahlreichen Narben darauf präsentierte: „passiert mit dir, wenn du beim Spielen
etwas zu wild bist – oder nicht wild genug.“ Ich drehte mich wieder um und
ergötzte mich an dem Gesichtsausdruck meiner Gastgeberin. Ich sah, dass sie
tatsächlich schockiert war. Ich sah, dass sie tatsächlich tief bestürzt war.
Ich sah, dass sie absolut keinerlei Ahnung von unserem Leiden gehabt hatte.
„Aber“,
schluckte Zoe, nachdem sie sich wieder gesammelt hatte: „wieso zeigen Sie mir
das alles? Was ist der Sinn dahinter?“
„Weil
ich will, was Sie wollen!“
„Und
was will ich?“
„Sie
haben echt Lust, etwas zu töten!“ sprach ich, während ich mich wieder anzog:
„Oder sollte ich sagen: jemanden!“ Da es bereits klar war, dass ich den
fraglichen Brief gelesen hatte, lächelte Zoe nur und nickte. „Ich will meine
Rache. Für das, was mir angetan wurde. Für das, was UNS angetan wurde.“
„Und
was…beinhaltet diese Rache?“
Ich
erzählte ihr daraufhin von meinem Plan, an dem CEO von DN-AGE und der
Geschäftsführerin des Babelands Rache zu nehmen. „Es gibt da einen Schuppen“,
erklärte ich ihr: „Er steht isoliert, mitten im Wald, etwa fünf Minuten von
unserem Zufluchtsort entfernt. Keine Wanzen, niemand, der stört.“
„Und
wieso sollten Mr. Ashton und Mrs. Fieldman dem zustimmen? Was könnten Sie ihnen
versprechen, dass sie dazu bewegen würde, sich mit Ihnen treffen zu wollen?“
„Weil
wir herausgefunden haben, wie man uns zurückverwandeln kann!“ brach es aus mir
heraus und ich sah daraufhin, wie sich der Gesichtsausdruck meiner Gastgeberin
innerhalb weniger Sekunden mehrere Male veränderte – zunächst war es Verwirrung,
dann Erstaunen, dann etwas, das ich nur als Hoffnung bezeichnen kann. „Nun,
zugegeben, wir haben es noch nicht getan, aber wir wissen wie es in der Theorie
funktioniert.“
„Ich…“,
gab Zoe zurück: „Ich weiß nicht, was ich sagen soll!“ Ich griff die Gelegenheit
beim Schopf und grinste: „Sie könnten Ja sagen.“ Zoe erwiderte indem sie mich
fragte, weshalb die Anderen zustimmen sollten, sich an diesem, speziellen Ort,
zu treffen. Ich argumentierte, indem ich auf das Gewicht unserer Namen einging;
Zoe als erster Lifer, Maxwell als einflussreicher Geschäftsmann, das Ansehen
des Detectives – und natürlich mit uns als Opfer dieses Verbrechens.
„Wenn
Sie es so ausdrücken“, gab Zoe zurück: „dann könnte das tatsächlich
funktionieren.“
„Dann sind wir uns also einig?“ schoss es aus mir heraus, als
ich ihr meine Hand entgegenstreckte. Zoe stand auf, lächelte und erwiderte:
„Also gut. Ihr CEO für meinen Onkel.“
* *
Es
ist vollbracht. Es ist endlich vollbracht! Und ich kann es selbst kaum glauben,
dass es so einfach gewesen war!
Wie es der Zufall so wollte, hatte der CEO von DN-AGE seine 19-Jährige Tochter dabei. Hatte gemeint, sie bräuchte etwas…handfeste Erfahrung, wenn sie eines
Tages die Firma übernehmen sollte. Zudem hatte Zoe sich endlich mit ihrem Onkel
in Verbindung gesetzt und mir nach langem Zaudern zugestimmt, ihn, sowie Emily,
beim Treffen dabeizuhaben.
Wie
angenommen, hatte das Gewicht unserer Namen den CEO von DN-AGE und der
Geschäftsführerin des Babelands tatsächlich davon überzeugt, zur besagten Hütte
zu kommen, in welcher Catherine, Fiona, Marmalade und ich ihnen von den Entdeckungen
des Professors berichteten. Wie man den Lifer-Prozess umkehren und wie es der
Öffentlichkeit verkauft werden konnte. Irgendwann kam ich dann auch zu meinem
Schlusswort – an welchem Punkt ich die Falle zuschnappen ließ. Nachdem ich
fertiggeredet hatte, warf ich meinem Publikum das höhnischste, boshafteste und
bösartigste Grinsen zu, zu dem ich imstande war und meinte: „Doch leider wird
keiner von Ihnen erleben, wie es geschieht.“
Es
genügt zu sagen, dass alle recht verwirrt waren. Zoe nutzte die Gunst der
Stunde, um Rache an ihrem Onkel zu nehmen. Während unserer Präsentation hatte sie
sich langsam aber stetig in seine Richtung manövriert und den Anwesenden dabei
Dokumente mit Dellingers Entdeckungen gegeben. Und nun, da sie hinter ihrem
Onkel stand und die Schlagwörter gesprochen waren, zog sie ein verstecktes Messer
hervor und schnitt ihm die Kehle durch. Das Blut spritzte nur so heraus, als
die anderen voller Entsetzen zusahen. Natürlich wollten sich die verbleibenden
drei „Gäste“ der Situation so schnell wie möglich entziehen, kamen jedoch nicht
sehr weit, da eine Gruppe Helix-Töchter bereits draußen auf sie warteten. Man
trieb sie wieder in die Hütte hinein und zwang sie wieder Platz zu nehmen, als
ich einen Laptop bereitstellte, auf dem eine Diashow abgespielt wurde.
Was
für eine Show war das? Nun, wenn ihr den zweiten Bericht des Detectives gelesen
habt, dann erinnert ihr euch bestimmt, wie wir das Tattoo von dem toten Lifer
geschnitten und ein Bild von der Leiche gemacht hatten. Genau das war in der
Diashow zu sehen – doch dabei handelte es sich nicht nur um ein Bild. Oder
zwei. Oder drei. Ich rede hier von vielen von ihnen – hunderte von ihnen!
„Wie
ich bereits sagte“, sprach ich, während sich unsere verehrten Gäste die Show
voller Entsetzen verfolgten: „Keiner von Ihnen wird erleben, wie wir uns
zurückverwandeln werden. Wie wir unsere Stärke wieder erlangen werden. Wie wir
altern werden. Stattdessen werde Ihr für die Vergehen an uns bezahlen. Bezahlen
für den Missbrauch an uns. Bezahlen für die Gewalt gegen uns. Sie mögen es wohl
nicht vorhergesehen haben – aber Sie verdienen es gleichermaßen.“ Daraufhin sah ich in Richtung einiger meiner
Schwestern und befahl: „Bringt sie nach Aleridge House!“
* *
Als
wir das große Herrenhaus erreichten, wurden der CEO und seine Tochter sofort
von der Besitzerin des Babelands getrennt und in zwei unterschiedlichen Bereiche
der unterirdischen Kammern gebracht, welche wir dem Detective bereits gezeigt
hatten. Und so wie der Detective es in seinem vierten Bericht über uns getan
hatte, werde ich die Schuldigen und ihre entsprechenden Bestrafungen einzeln
auflisten.
Die
Besitzerin des Babelands
Da
ich selbst nicht zu geben war, muss ich mich auf das stützen, was mir Fiona,
bzw. Buttercup, erzählt hatte. Kann sein, dass sie etwas übertrieben hat, kann
sein, dass sie etwas untertrieben hat. Ganz gleich, das Folgende ist laut ihr
passiert.
Nachdem
wir unseren Spaß gehabt hatten, stattete Fiona der Besitzerin im Keller von
Aleridge House einen Besuch ab. Sie erzählte mir, wie es sie gefreut hatte, die
Besitzerin in ihrer derzeitigen Verfassung zu sehen; nackt, verdreckt, an die
Wand gebunden, die Zunge rausgeschnitten. Fiona war allerdings nicht allein,
sondern wurde von zwei weiteren Personen begleitet. Wer die Zwei waren? Nun,
sie waren Teil der Bestrafung, welche sich Fiona ausgedacht hatte, während sie
sich mit unserer Gefangenen unterhielt.
„Ich
habe ihr gesagt“, erzählte Fiona mir: „dass ich fair zu ihr sein und ihr eine Chance
geben würde. Ich hatte zwei junge Mädchen mitgebracht und sie sollte erraten,
welche davon ein Lifer war und welche davon tatsächlich so alt war, wie sie
aussah. Riet sie richtig, würde ich ihr einen schnellen Tod gewähren. Keine Schmerzen,
keine Qualen.“ Aber natürlich gab es nie eine Wahl. Und dies wurde der
Besitzerin in dem Moment klar, als sie auf eine der Beiden deutete, beide
Mädchen ihre Ärmel hochkrempelten und ihre Lifer-Tattoos präsentierten.
„Du musst verstehen“, sprach sie weiter zu
mir: „die Idee dahinter war, dass es von Anfang an keine
Entscheidungsmöglichkeit gegeben hatte – ähnlich dem, was mir angetan wurde.“
Fiona ging dann dazu über zu beschreiben, wie die Besitzerin voller Schrecken
und Verwirrung zusah, als einer der „Zehnjährigen“ eine Nadel nahm, sich etwas von
ihrem eigenen Blut abzapfte und es Fiona gab, welche es daraufhin der
Besitzerin in die Venen spritzte, grinste und sprach: „Lustiger Fakt: unser
Zustand ist tatsächlich ansteckend und ich bin der lebende Beweis dafür. Nun,
Anna und Christie wurden natürlich unfruchtbar gemacht – aber Sie und ich, wir
sind etwas Besonderes! Allerdings habe ich da Gefühl, dass das Kinderkriegen
für Sie weitaus schmerzhafter sein wird, als es für mich jemals war. Man sieht
sich in einem Jahr.“ Und mit diesen Worten, so wurde mir von Fiona erzählt,
überließ sie die ehemalige Besitzerin
des Babelands ihrem Schicksal.
Der
CEO und seine Tochter
Kurz
nachdem man die beiden in ihre Zelle gebracht hatte, trafen sie auf ein
bekanntes Gesicht: Freckles, bzw. Robin O‘ Grear. Tagsüber war Robin an der
Rezeption im Hauptquartier von DN-AGE tätig gewesen und nachts fungierte sie
als Mr. Ashtons persönliche Sexsklavin. Wie wir sie herausbekommen haben? Nun,
während des Treffens in der Hütte hatten einige von uns ein Interesse an einer von
Robin geführten Tour vorgetäuscht und es geschafft, sie durch die
Abwasserkanäle unterhalb des Gebäudes und von dort aus nach Wyndon zu
schmuggeln.
Und
auch hier muss ich sagen, dass ich alles nur von Robin selbst mitgeteilt
bekommen habe und selbst nicht dabei gewesen war. Als Robin (welche sich zu
diesem Zeitpunkt bereits Helix unterworfen und das Blau angenommen hatte) und
der CEO wieder aufeinandertrafen, befand sich dieser in einer der zahlreichen
Zellen unterhalb des Anwesens. Robin erzählte mir, wie sie auf ihn zuging,
grinste und meinte: „Tja. Schätze mal, das Spiel ist aus. Und ich habe
gewonnen!“
„Was
habt ihr mit mir vor?!“ rief er, doch Robin blieb weiterhin höhnisch und
erwiderte: „Weißt du…als du es immer mit mir getrieben hast, hast du mich
immer dazu gezwungen, dich ‚Daddy‘ zu nennen? Das lässt einen schon nachdenken.
Ob du in Wirklichkeit immer Celine ficken wolltest?“ Natürlich wurde dies vom CEO
nicht bestätigt, jedoch brachte es Robin zum Grinsen und sein Schweigen als ein
Ja zu werten. „Tja, Mr. Ashton“, beendete sie ihren Gedankengang: „Heute ist
dein Glückstag, nehm‘ ich mal an.“ Zunächst verstand der CEO nicht, worauf sie
anspielte, verstand jedoch, als Robin ‚bringt sie rein‘ rief, die Tür sich öffnete und seine Tochter
gewaltsam in den Raum gezerrt wurde.
Robin
erzählte mir dann, wie sie die von Angst geschüttelte junge Frau, welche von
zwei Helix-Töchtern festgehalten wurde, wie ein Beute umkreiste und wie die
Augen dieser sich weiteten, als sie sah, wie Robin eine voll aufgefüllte
Spritze von einem nahen Tisch holte. „Weißt du, dein Papi hat mir den Scheiß
immer gespritzt, bevor er mich in den Arsch gefickt hat. Eigentliche ’n Wunder,
dass ich noch nicht an einer Überdosis gestorben bin. Allerdings frag ich mich
dann schon, wie viel von dem Dreck man nehmen muss, bis es einen tatsächlich umbringt“, sprach Robin, als sie die Spritze
direkt vor Celines Gesicht hielt: „Wird Zeit, das herauszufinden.“ Robin
berichtete mir dann, wie die Tochter versucht hatte abzuhauen, jedoch von eine
der Helix Töchtern festgehalten wurde. Wie Robin die Nadel in Celines Hals
gerammt und die Flüssigkeit injiziert hatte – und wie sie Celine daraufhin zu
ihrem Vater in die Zelle warf.
„Warum
tun Sie das?!“ rief der CEO während seine Tochter langsam aber sicher der
Wirkung der Droge unterlag und anfing, den einzigen Mann in Reichweite zu
beäugen. „Hast du mir nicht zugehört?“ fragte Robin herablassend: „Es ist Zeit,
deine Fantasie in die Realität umzusetzen!“
„Das
kann nicht dein Ernst sein! Ihr seid doch alle krank!“ rief er, als er
versuchte, sich vor den lüsternen Blicke seiner Tochter zu verbergen. „Du
kennst mich doch lange genug, um zu wissen, dass ich eine Aversion gegen Humor
habe“, gab Robin trocken zurück und erklärte: „Das Ganze wird jetzt so
ablaufen: Celine bekommt alle halbe Stunde eine volle Dosis Shaggy‑Fit und
dazwischen werden du und sie es miteinander treiben.“
„Und
wie lange soll dieses perverse Spiel gehen?“ fragte Mr. Ashton angewidert als
sich seine Tochter anfing vor ihm auszuziehen. „Was denken Sie denn?“ fragte
eine der Helix-Töchter spöttisch: „Ihre Kleine wird so lange stöhnen und von
ihnen gefickt werden wollen, bis sie nicht mehr stöhnen und ficken kann.“ Dann
wandte sie sich Robin zu und fragte höhnisch: „Wie lange denkst du, wird das
dauern?“
„Weiß
nicht“, grinste Robin und schaute zu dem CEO und dessen Tochter, welche sich
auf den kalten Steinboden gesetzt hatte und nun anfing, lustvoll vor allen zu
masturbieren: „Vielleicht drei Tage. Vielleicht eine Woche. Vielleicht einen
Monat. Wie gesagt, es hat noch niemand versucht herauszufinden, wie viele
Ladungen es braucht und in welchen Intervallen man sich das Zeug spritzen muss,
bis es einen umbringt. Falls es einen überhaupt umbringt.“
„Und
was, wenn ich sie oder mich umbringe?“ fragte Mr. Ashton mit dem letzten Mut
der Verzweiflung: „Schätze mal, dann lache ich als Letzter!“
„Sollte
dies der Fall sein“, erörterte die Helix-Tochter: „Dann werden wir Sie oder
ihre Tochter töten, zubereiten, braten und sie oder Ihnen vorsetzen.“ Robin
berichtete mir, wie sie, als sich das Gesicht des CEOs vor Ekel und Abscheu
verzerrte, nur kurz nickte und emotionslos meinte: „Auf Wiedersehen, Mr.
Ashton. Ich hoffe, unsere neue Produktlinie wird Ihnen viel Freude bereiten.“
* *
Nachdem
die Beschuldigten ihrer gerechten Strafe zugeführt worden waren, gingen Zoe,
Emily, Marmalade, Catherine, einige ausgewählte Helix-Töchter und ich hoch zu
dem, was einst die Bücherei von Aleridge House gewesen war, wo bereits einige
Gläser mit Sekt bereitstanden, um uns zu unserem Sieg zu beglückwünschen. Emily
nahm sofort eines davon vom Tisch und sprach: „Es ist also vollbracht. Wir sind
frei. Ein Hoch auf uns und eine –
hoffentlich – erwachsene Zukunft!“ Wir anderen nahmen unsere Gläser und stießen
an, ehe ich Zoe ansah, mir auf die Unterlippe biss und meinte: „Das mag wohl
wahr sein, aber ich frage mich immer noch, ob es das wirklich wert war.“
„Was
sagst du da“, gab Marmalade voller Unglauben von sich: „Natürlich war es das
wert!“ Selbstverständlich schenkte ihr ihrem Geschwätz keinerlei Beachtung und wandte mich direkt Emily zu: „Ich will
wissen, ob es wert war, unserer Leben zu riskieren, nur das Zoe mit ihrem
Schatzilein zusammen sein kann.“ Zunächst verstand Emily nicht, worauf ich
hinauswollte, weswegen ich mich mit einem verführerischen Unterton verbesserte:
„Ich meine, ich wollte sichergehen, dass du es wirklich wert bist!“
Glücklicherweise war Emily intelligent genug, um nun zu verstehen, was ich
wollte, stellte ihr Glas auf den Tisch und kniete sich vor mir hin.
Zugegeben,
zuerst musste ich mich etwas zusammenreißen, da ich noch nie zuvor eine andere
Frau geküsst hatte, doch letztendlich tat ich, was getan werden musste. Und
obgleich sie zugegebenermaßen sehr gut küssen konnte und obgleich ich es
zugegebenermaßen sehr genoss, als unsere Zungen miteinander spielten, konnte
ich diese Gelegenheit nicht verstreichen lassen. Und in dem Augenblick, als
dieser sich bot, verbiss ich mich hart und fest in Emilys Zunge, ehe ich
sie mit einem heftigen Stoß von mir weg schob und sie vor mir auf den Boden
fiel, wo sie unkontrolliert zu bluten anfing. Sofort nahmen zwei der Helix‑Töchter Zoe in Gewahrsam, welche schrie: „Was hast du
getan?!“
„Ich
bin noch nicht fertig mit ihr“, gab ich kalt und berechnend zurück, ehe ich
hinüber zu einem Regal lief und einen versteckten Baseballschläger hervorholte.
Schweigend lief ich zu meinem Opfer hinüber, welches sich voller Schmerz und
Qual wandte und ging dazu über, ihr den Schädel einzuschlagen. Einer. Zwei.
Drei Schläge – und zwei weitere, nur um sicherzugehen. Mit Blut und Hirnmasse
bedeckt, wandte ich mich den anderen zu und ein weites Grinsen breitete sich
auf meinem Gesicht aus, als ich beobachtete, wie Catherine Marmalade ansah und ihr klar
wurde, dass dies so nicht im Drehbuch stand!
Mit
dem Schläger auf meinen Schultern schenkte ich meine Aufmerksamkeit wieder Zoe,
welche nun im Angesicht des Verlusts ihres Spielzeugs zu weinen angefangen
hatte. „W‑warum tust du das alles?! Was hat sie dir getan?!“ schluchzte sie
nur. „Siehst du, die Sache ist die“, erklärte ich, während ich dabei auf Emilys
Zungenteil herumkaute: „Ich glaube dir, dass du uns nach meiner kleinen
Darbietung in deinem Schlafzimmer helfen wolltest. Und ich glaube dir, dass wir
dir nicht egal waren, nachdem du von den Fabriken und den Fick-Farmen erfahren
hast.“ Ich hielt inne, damit sich jeder im Raum meine Worte einprägen konnten,
ehe ich fortfuhr: „Allerdings warst du sowohl Familienmitglied wie auch
Liebhaber einer der mächtigsten Männer des Landes und du warst zudem die Erste
von uns. Daher find ich es schwer zu glauben, dass dein Wort kein Gewicht
hatte, oder du keinerlei Einfluss gehabt hast. Das deine Worte kein Gewicht
hatten, als man die Anti-Lifer-Gesetzte verabschiedet, oder man uns auf die
Straße geworfen hat. Dass du nicht
genügend Einfluss gehabt hast, etwas gegen unsere Misshandlung zu unternehmen,
nachdem dir diese bekannt waren.“ Mit schmerzverzerrtem Gesicht wimmerte sie: „Es…es
tut mir leid. Ich…ich wünschte, ich könnte es wieder gutmachen.“
„Und
ich hab mir immer eine Loft mit Aussicht gewünscht“, gab ich apathisch zurück:
„Schätze mal, wir sind wohl beide enttäuscht.“ Mit einem geschickten Handgriff
schnappte ich mir das Messer, welches Zoe zum Töten Maxwells benutzt hatte, aus
ihrer Hosentasche, ergriff ihr rechtes Handgelenk und zog es in meine
Richtung. „Bitte“, flehte sie: „tu das nicht. Ich verspreche, dass ich euch
helfen werde!“ Ich erwiderte nicht, sondern setzte das Messer einige Zentimeter
über Zoes Handgelenk an, was sie in Panik verfallen und noch mehr um ihr Leben
betteln ließ. „Ich will nicht sterben! Bitte, tu es nicht“, flehte sie doch ich
schüttelte nur meinen Kopf und erwiderte ruhig, während ich das Messer ihren
Arm hinunter, über ihre Handfläche bis zur Spitze ihres Mittelfingers schneiden
ließ: „Schhh. Ich weiß, ich weiß. Schätze mal, das will niemand. Aber Tatsache
ist, dass du uns bis zu dem Zeitpunkt egal warst, bis wir dich gebeten haben,
uns zu helfen. Und dafür kann ich dir niemals vergeben.“ Ich bat Zoe dann um
ihren anderen Arm und da diese bereits durch ihren hohen Blutverlust erschöpft
und geschwächt war, tat sie es ohne Widerworte zu geben. Der Schnitt, den ich diesmal
ausführte, war nicht so tief, wie der erste, jedoch tief genug, um ihr Blut von
ihrem Arm auf den Boden fließen zu lassen, zu welchem sie letztendlich auch
fiel.
Da
Zoe der erste Lifer gewesen war, muss ich zugeben, dass mir das Ganze schon
beinahe wie ein heiliges Opfer vorkam – sie gab ihr Leben, auf dass wir eine
ertragreiche Ernte genossen. Tatsächlich hatte ich zunächst auch mit dem
Gedanken gespielt, es zu kosten, oder es zu sammeln, um es als eine Art
Reliquie aufzubewahren. Doch als ich zu Marmalade und Catherine sah und wie sie
fassungslos dastanden, erinnerte ich mich, dass ich andere Verpflichtungen
hatte.
* *
„Was
hast du gemacht?!“ rief Marmalade: „Damit wirst du nicht durchkommen! Wayde und
Darryl werden davon erfahren! Und dann werden sie dir den Hals umdrehen!“
„Das
glaube ich weniger“, lächelte ich: „Ich meine, warum sind sie nicht hier?“ Mit
dieser Frage schien ich Marmalade etwas überrumpelt zu haben, da sie dem, außer
einem bloßen Anstarren, nichts entgegenzusetzen hatte. „Dass die beiden
nicht mit in der Hütte waren, das ist verständlich. Wäre zu auffällig gewesen.
Aber warum denkst du, dass die beiden nicht hier sind?“
„Was
hast du ihnen gesagt?!“ kam es aus Marmalades Mund geschossen: „Wie viel wissen
sie?“
„So
ziemlich alles. Ich habe ihnen erzählt, was ich vorhabe. Mit der Besitzerin des
Babelands, mit Mr. Ashton und seiner Tochter. Mit Zoe und mit Emily. Und was
soll ich sagen – ich kann eben sehr überzeugend sein, wenn ich es möchte.“
„Du…du
bist einfach nur gestört!“
„Psychopatisch
ist das Wort, dass du suchst“, erwiderte ich ruhig und besonnen: „Und hättest
du mir oder den Mädchen zugehört, dann wüsstest du das. Dann wüstest du auch,
dass ich einige der diagnostischen Kriterien einer Psychopatin erfülle. Aber
auf der anderen Seite, warst du eh nie gut im Zuhören, hab ich recht? Du warst
vielmehr eine Schwätzerin. Hast immer von deiner Mission geschwafelt. Deinen
Zielen. Was du erreicht hast. Du, du, du, du, du! Es ging immer nur um dich!“
„Was
sagst du denn da?“ fragte sie mich in einem bösartigen Ton: „Du und die anderen
sind mir nicht egal!“
„Doch,
sind wir“, schnauzte ich Marmalade an: „Und ich kann das auch beweisen!“ Ich
drehte mich daraufhin zu Marcy (Lifer-Name: Lilly-Belle) und fragte: „Marcy,
hast du mir nicht erzählt, dass du noch zwei jüngere Schwestern gehabt hast?“
„Jap,
hab ich“, gab Marcy zurück: „Wir haben uns alle drei entschieden, Lifer zu
werden.“
„Wie
gesagt“, fuhr ich fort, als ich Marmalade direkt in die Augen sah: „Du warst nie gut im Zuhören. Und deshalb hast du auch nicht zugehört, als ich dir
gesagt hab, dass wir die Möglichkeit hatten, wenigstens eine von ihnen zu
retten.“
„Ihr
versteht das nicht“, versuchte Marmalade zu erklären: „es gab zu dem Zeitpunkt
wichtigeres zu tun!“
„Zum
Beispiel?!“ rief Marcy und ein schadenfrohes Grinsen breitete sich auf meinem
Gesicht aus, als ich sah, wie Marmalade keine passende Ausrede einfiel. „Falls
es dich interessiert“, fuhr Marcy fort, nachdem sie ein Foto aus einer ihrer
Hosentaschen zog und es Marmalade übergab: „Sie sind jetzt tot. Und es ist alles
allein deine Schuld!“ Natürlich wusste ich, was auf dem Foto zu sehen war und
wieder grinste ich höhnisch, als Marmalade sich das Foto ansah und voller
Entsetzen ihre Hand vor ihren Mund hielt.
„Sieht
ziemlich beschissen für dich aus, hab ich recht?“ grinste ich höhnisch: „Aber
Geschwister waren ja nie dein Ding gewesen, stimmt‘s?“
„Das
ist Blödsinn und das weißt du genau!“ erwiderte Marmalade: „Ich hab‘ dich aus
der Fick-Farm geholt! Das sollte doch Beweis genug sein, dass ihr mir nicht
egal seid!“
„Ja,
aber das hast du nur dann gemacht, nachdem Catherine dir von mir erzählt hat“,
widerlegte ich und fügte dem hinzu: „Es war also nicht so, dass du dich selbst
irgendwann über mich erkundigt hast, nein. Stattdessen war es dir viel
wichtiger, dein eigenes Ego und deine Selbstverherrlichung auszubauen.“ An
diesem Punkt wurde Marmalade beunruhigt. Sie sah in die Augen der umstehenden
Helix-Töchtern und rief: „Eure Anführerin ist eine verdammte Psychopatin!“ Doch Marcy grinste nur: „Patricia hatte recht! Du bist wirklich verdammt mies
im Zuhören, dass muss man dir lassen!“ Marmalade sah Marcy verwirrt an, welche
weitersprach: „Hast du wirklich geglaubt, wir haben das nicht gewusst? Das war
eins der ersten Sachen, die Patricia uns erzählt hat!“
„Denn
Helix akzeptiert dich, wie du geboren wurdest, denn er hat dich erschaffen“,
rezitierte ich: „Aber der Glaube an Helix war ja nie dein Ding. Und selbst wenn
du eine Helix-Tochter geworden wärst – wie gesagt, du bist echt mies im
Zuhören.“
„A-aber
die Gedankenrekonstruktion!“ rief Marmalade, als ich das Messer säuberte und es
mit einem geschickten und unauffälligen Handgriff an Marcy übergab: „Die soll
doch alle Schäden der Misshandlung beseitigen!“ rief Marmalade verwirrt:
„D-deswegen entscheiden sich doch viel Lifer dafür!“
„Ähm,
ja“, gab ich zurück während ich mir die Stirn kratzte: „Was das angeht, das ist
genau der Punkt!“
„Ich
verstehe nicht.“
„Natürlich
nicht. Du verstehst ja nie etwas! Was ich sagen will, ist, dass ich von Grund
auf psychopatisch veranlagt bin. Soll heißen, ich war schon so, als ich
wirklich dreizehn war.“ Ich sah gelassen zu und schmunzelte, als sich
Marmalades Augen weiteten und ihr klar wurde, dass sie sozusagen unwissentlich
ein Monster entfesselt hatte. „Und was jetzt? Wirst du mich jetzt abschlachten
und dabei hysterisch anfangen zu lachen?“ frage sie und ich muss gestehen, dass
ich ob dieser lächerlichen Verzerrung tatsächlich das Lachen angefangen hätte.
Allerdings konnte ich es mir noch verkneifen und antwortete: „Nein. Heute ist
dein Glückstag. Ich werde dich nicht umbringen.“ Daraufhin ließ Marmalade einen
erleichterten Seufzer verlauten, ehe Marcy auf sie zuschnellte und ihr der
Messer mit voller Wucht in den Bauch rammte. Marmalade fiel zu Boden, hielt
sich die blutende Wunde. Marcy beugte sich über sie und stach noch fünf weitere
Male auf Marmalade ein, ehe ich nickte und mich zu unserer selbsternannten
Anführerin hinunterbeugte. Ich ließ meine Hand über ihre Wunden fahren, ließ
ihr Blut meine Finger benetzen und strich ihr mit der blutigen Hand über ihre
Wange. „Komisch, oder? Da betont man ein Wort in einem Satz anders – und schon
denken Leute, man will ihnen nichts Böses. Sprache ist eine lustige Sache.“
„B-bitte“,
flehte sie: „wenn ich schon sterben soll, dann bitte schnell.“ Ich sah hinauf
zu Marcy, welche das Messer noch fest in ihrer Hand hielt, sah wieder auf ihr
Opfer und sprach: „Tut mir Leid, das hab ich nicht zu entscheiden.“
„Und
ich gönne dir das nicht, Henrietta Chapman! Cäsar ist dreiundzwanzig Mal
abgestochen worden und erst nach zwei Stunden gestorben“, kam es von oben: „Bei
sechs Stichen wird das wohl etwas länger dauern.“
„Tja,
das Volk hat gesprochen“, schlussfolgerte ich und fügte dem hinzu: „ Und
übrigens; Psychopaten lachen nicht.“ Daraufhin übergab Marcy mir das Messer,
lief an Catherine vorbei und verließ den Raum, ehe ich wieder aufstand und mich
meiner Schwester zuwandte.
* *
„Dann
stimmt es also“, folgerte Cat als ich das Messer auf dem Boden warf: „Du hast
es damals also wirklich getan. Du hast ihn wirklich umgebracht.“ Ich antwortete
nicht darauf, sondern ließ sie weiterreden: „Dann war’s das also?“ fragte sie
mich: „Dann wirst du mich jetzt auch umbringen. Vier hast du ja schon umgebracht,
warum jetzt aufhören?“
„Vier?“
fragte ich verwirrt und sah noch einmal hinter mich, um die Opferzahl noch
einmal zu überprüfen. „Ich meine mit ihm
zusammen“, stellte sie klar, doch ich verneinte: „Nein. Du bist Familie. Und
der Familie könnt‘ ich das nicht antun. Außerdem könnte ich das nie vor Harold
und Joanne rechtfertigen.“
„Harold
und Joanne?“ fragte Cat verwirrt: „Wer sind die denn?“ Ich sah meiner Schwester
direkt in die Augen und erwiderte: „Niemand Wichtiges – jedenfalls nicht für
das große Ganze. Aber wir haben sie immer Mum und Dad genannt.“ Mit
Schadenfreude sah ich, wie sich ihr Gesicht vor Schock verzerrte und ich
hinzufügte: „Außerdem hab‘ ich dich ja schon umgebracht. Soweit es sie angeht,
bist du in der Gosse verreckt!“
„W-was?
Was redest du da?!“
Ich
erzählte ihr dann davon, wie ich unsere Eltern besucht hatte. Wie ich das Blau
aus meinen Haaren gewaschen und es durch eine anständige Frisur getauscht
hatte. Wie ich das Braun und das intakte Denim abgestreift und beide durch eine
zerrissene Jeans und ein grünes Tanktop ersetzt und wie ich sie zur Tea-Time
vollkommen überrascht hatte.
„Was
haben sie gesagt?! Waren sie uns noch böse?!“
„Nein,
sie waren froh, mich zu sehen. Das Komische war allerdings, dass das Erste, nach
dem sie fragten, dein Name war.“
„Und
dann hast du sie angelogen? Als du ihnen gesagt hast, dass ich tot bin.“
„Nein,
natürlich nicht“, grinste ich frech: „Zuerst hab‘ ich sie bezüglich der letzten
paar Jahre angelogen. Bezüglich den Fabriken. Bezüglich dem Missbrauch.
Bezüglich Wyndon – und letztlich sogar bezüglich Helix!“
„Und
dann hast du sie, was mich angeht, angelogen“, folgerte Cat: „Und was genau hat
sie überzeugt?“
„Ich
hab‘ ihnen das Foto gezeigt.“
„Welches
Foto?“
„Das
Foto von mir tot in der Gosse, das wir für diese Propagandakampagne gemacht
hatten, die nie realisiert wurde. Hatte mir schon gedacht, dass ich irgendeinen
Nutzen dafür finden würde.“ Cat hielt entsetzt die Hände vor ihren Mund während
ich sie einfach mit einem frechen Grinsen ansah. Ihr schockierter Ausdruck
wurde durch einen der Wut abgelöst, als sie rief: „Damit wirst du nicht
durchkommen! Ich werde ihnen alles sagen!“ Ich verschränkte lediglich die Arme,
hob eine Augenbraue und spottete: „Hast du das wirklich vor, ja? Und wie willst
du das machen, wenn du nicht mal mehr unsere alte Adresse weißt?“
„Was?“
fragte sie verdutzt: „Wovon redest du? Ich werd‘ mich doch noch an die Adresse
des Ortes erinnern, an dem wir circa zwanzig Jahre lang gewohnt haben!“
„Also
gut“, forderte ich meine Schwester heraus: „wie lautet die Adresse?“
„Sie
lautet…ähm…“, stammelte sie, während ich meine Arme verschränkt hielt und
weiterhin ein Grinsen aufsetzte: „Moment, ich hab’s gleich. Sie lautet…warte
mal.“ Cat versuchte sich noch ein paar weitere Male zu erinnern, ehe sie mich
voller Entsetzen ansah und mich fragte, was ich denn mit ihr gemacht hatte.
„Ich hab deine Erinnerung gelöscht. Natürlich nicht alles, nur das Bisschen“,
erwiderte ich kalt: „Ach und wenn du veruschen willst, die Info aus meiner Rübe rausquetschen zu wollen,
vergiss es. Ich hab’s mir auch löschen lassen.“
„Aber
warum? Warum hast du mir das Angetan?!“
„Weil
du es verdient hast!“ erwiderte ich giftig und warf ihr dabei einen
wortwörtlichen Todesblick zu: „Weil du es verdient hast, nach dem, was du mir
angetan hast!“
„Aber…Lifer
zu werden war doch deine Idee, nicht
meine!“ argumentierte sie, was ich ihr mit einer Backpfeife erwiderte und rief:
„Was?! Nein! So hab ich das nicht gemeint! Außerdem war das Lifer-Werden meine Idee – und zwar nur meine! Du hast dich doch nur
eingeklinkt, um mir das auch wegzunehmen – genauso wie alles andere auch!“
„Hör‘
dir doch mal zu!“ bat sie: „Ich bin zum Lifer geworden, um mich um dich kümmern
zu können!“
„Du
hast es getan, weil du niemandem etwas gönnst. Es ging ja sowieso immer nur um
dich, stimmt’s? Miss Catherine Moira Langley; Schulschönheit…Mami und Papis
Liebling…der der Jungs.“ Ich umkreiste sie dann wie eine Beute und machte sie
mit jedem meiner Schritte nur noch nervöser. „Du hast immer die tollen Kleider
bekommen, das neueste Telefon, die heißesten Typen – während ich immer die
gruselige Tussi war, die Anderen komische Psychofragen gestellt hat und
angeblich ihren ersten Freund umgebracht haben soll.“
„Darum
geht es dir? Du bist sauer, weil du all die tollen Dinge nicht gekriegt hast,
als wir noch jung waren? Und was sollte das ‚soll gerade? Du hast ihn umgebracht!“ Ich hörte zu
laufen auf, sah Cat direkt in die Augen und sprach: „Nein. Ich kann einfach nur
nicht glauben, dass du die Erste gewesen warst, an die sich Mama erinnert hat,
als ich dort war.“
„Wir
sind eineiige Zwillinge, Pat“, versuchte sie sich zu rechtfertigen: „Das is‘
eine fünfzig‑fünfzig Chance, dass man richtig liegt.“
„Und
trotzdem hat sie deinen Namen genannt“, gab
ich angewidert zurück, ehe ich die ausgewählten Helix‑Töchter ansah: „Aber
jetzt hab‘ ich eine Mission. Eine Berufung. Einen Sinn. Und du wirst mir das
nicht wegnehmen!“ Ich sah wieder in Cats Gesicht, dass sich zu einem verwirrten
Ausdruck wandelte, je länger ich sie anstarrte. Und dann, ohne ein Anzeichen
oder eine Warnung, langte ich an den Hals meiner Schwester und fing an,
zuzudrücken. Sie griff nach meinen Armen und versuchte, sich von mir loszureißen, doch ich ließ sie nicht.
Erst als sie deutliche Erstickungsanzeichen aufwies, ließ ich von ihr ab und
sie sank zu Boden.
„H…hast
du’s so ge…gemacht?“ keuchte Cat während sie zu mir aufsah: „Hast du Jason so
umgebracht?“ Ich kicherte leicht, sah zu meiner reizenden Schwester hinunter und
erwiderte: „Nein. Und ich hab‘ ihn auch nicht runtergestoßen, falls das deine
nächste Frage ist. Er fiel runter, ich nutze die Gelegenheit – und dann gab ich
ihm dem Abschiedskuss.“
„Ich
k…kann nicht glauben, dass du alle verarsch hast! Das du mich verarscht
hast!“
„War
ja nicht so schwer“, gab ich nonchalant zurück: „Hatte einfach ziemlich viel
Glück und der Rest war Impro. Aber jetzt spielt das wohl keine Rolle mehr, hab
ich Recht? Was getan ist, ist getan.“
„Und
was jetzt?“ fragte Cat, während sie sich wieder aufrappelte. Mit festem Griff
umklammerte ich ihre Schultern und meinte gelassen: „Wir tun, weshalb wir hier
sind. Was Helix uns befielt, zu tun. Unsere Schwestern zu retten und
uns an unseren Peinigern zu rächen.“ Ich ließ daraufhin von ihr ab und wollte gerade
den Raum verlassen, als sie rief: „Pat! Was ist mit dem Heilmittel?“
„Was
ist mit welchem Heilmittel?“ gab ich zurück: „Ich weiß nicht, wovon du redest.“
* *
Dies
bringt uns zu der eingangs gestellten Frage und ich denke, dass ihr annehmt, dass ich weit davon entfernt bin, normal zu sein – vor allem nach dem, was ihr gerade gelesen habt. Ihr wisst schon –
wie ich meinen ersten, festen Freund umgebracht hab‘ und so. Allerdings ist von
Frauen, die später im Leben zu Serienkillern werden, bekannt, dass (obgleich es ziemlich
selten ist) sie in sehr jungen Jahren bereits jemanden umgebracht haben. Unter
diesem Gesichtspunkt betrachtet, bin ich wohl ziemlich normal, denke ich.