
Heldentat
ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT
Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.
Ich komme als Held zurück. Jeder kommt
aus diesem Krieg als Held zurück. Denn wir haben gekämpft. Jeder.
Bis zum Tod. Zusammen. Niemand möchte sich gerne an das
zurückerinnern, was wir dort erlebt haben. Aber wir haben es da
rausgeschafft und für unsere Liebsten gekämpft.
Und so werde ich begrüßt. Tränen
fließen, als ich vor unserem Haus stehe. Meine Frau fällt in meine
Arme, die Kinder schreien und lachen und weinen vor Freude. Der Hund
rennt um uns herum, bellt und jault. Sie haben mich so viele Jahre
lang nicht gesehen. Sie alle. Sie sind so froh, dass ich noch lebe.
Sie sind dankbar für dieses Wunder. Denn in der heutigen Zeit ist
jeder Überlebende eines Krieges ein Wunder. Über hundertfünfzig
Jahre nach der Erfindung der Atombombe werden sich immer kreativere
Wege ausgedacht, um ganze Völker mit einem Schlag zu vernichten. Die
Zukunft hat so viele Wege und Möglichkeiten geboten, so viele Türen
geöffnet – und das ist, was wir hinter ihnen gefunden haben.
Krieg, die Bestimmung der Menschen. Rache, Grausamkeit und
Bösartigkeit. Aber wenn die Welt so funktioniert, dann funktioniert
sie so. Und ich habe es da rausgeschafft.
Es ist wie in einem Traum. Wieder
zuhause. Wieder auf der Veranda sitzen, wieder meine Frau küssen,
wieder meine Kinder zu Bett bringen, auch wenn sie nun schon etwas
älter sind. Ich habe so viel verpasst.
Zum Abendessen sitzen wir da und lachen
und weinen und erzählen uns von den Jahren, die wir nicht zusammen
verbracht haben. Und mein Herz wird schwer. Ich hätte sie so gerne
miterlebt. Ich wäre so gerne bei diesen fünf verlorengegangenen
Jahre meiner Kinder dabei gewesen. Aber damit sie sie selbst noch
hatten erleben dürfen, hatte ich in den Krieg ziehen müssen. Die
Welt ist nur noch ein einziges Chaos, man kann niemandem mehr
vertrauen, kein Ort ist mehr sicher. Wir müssen alles tun, um die,
die wir lieben, zu beschützen.
Ich denke an meine Einheit. Jeden
einzelnen von ihnen. Ich denke daran, wie sie jetzt gerade bei ihren
Familien sitzen. Jeder Krieger im Land sitzt bei Tisch und erzählt
seinen Liebsten von seinen Heldentaten. Männer, die gestern noch mit
bloßer Hand ihren Feinden die Kehle aufgerissen hatten, streichelten
heute mit derselben Hand die Wangen ihrer Kinder. Denn sie hatten es
getan, um ihre Liebsten zu beschützten. Ein Lachen lag über dem
Land.. Jeder war beisammen. Jeder bei seiner Familie.
Wiedervereinigung. Nach so vielen Jahren. Siegreich heimgekehrt. Als
Helden.
Ein Stechen in meinem Kopf. Erinnerungen strömen über mich herein. An das, was ich dort gesehen
habe. Grausame Dinge, die wir anderen antun, die uns angetan werden.
Schreie, Blut, Bomben, Säure, Tod. Nein, keine Helden. Nur Menschen,
die in einer Notsituation überleben wollen, nicht für ihre Liebsten
kämpfen, nur selbst überleben. Ein Stechen in meinem Kopf. Schleier vor den Augen. Unsere Feinde nehmen uns gefangen und werkeln an
unseren Köpfen herum. Sie flüstern uns Dinge ein, Befehle, machen
uns von Feinden zu ihresgleichen. Ein Stechen in meinem Kopf. Ich bin
mit einer Mission aus meiner neuen Heimat zurückgekommen.
Ich stehe auf. Ich nehme das
Brotmesser. Ich ramme es meiner Frau in die Brust. Meine Kinder
schreien und rennen weg, doch ich renne hinterher. Meine Tochter erwürge ich. Meinen Sohn schlage ich tot. Der Hund versucht, mich daran zu hindern, doch mein Fuß zertritt seinen Schädel.
Ich richte mich auf und rücke meine
Uniform zurecht. Im ganzen Land haben die Zurückegekehrten bei ihren
Familien gesessen. Im Herzen haben sie die Mission aus ihrer neuen
Heimat getragen. Ich nehme meine Waffe, halte sie mir an den Kopf und
erschieße mich. Ich war vielleicht kein Held, als ich zurückgekehrt
bin, doch jetzt bin ich einer.