
Gedankentod
ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT
Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.
Die Zikaden kreischten. Die abendliche Sonne verbreitete noch einen letzten funken Wärme, währenddessen die Schatten an den Bäumen und Hauswänden allmählich größer wurden. Die Dunkelheit bahnte sich einen Weg, durch die engen Straßen und Gassen der Stadt. Zwischen maroden Hauswänden, Oberleitungen und überfüllten Müllcontainern, ging eine junge Frau durch die von Schatten durchzogene Gasse. Die junge Frau, war aufgrund ihrer Uniform als Oberschülerin auszumachen.
Der kurze Rock und die schwarz-rot gefärbte Bluse, schmiegten sich eng, an ihren trainierten Körper. Ihre langen, seidig-schwarzen Haare waren zu einem Pferdzopf gebunden. Zwischen der Bluse schmiegte sich ein Umhänge Portemonnaie. Auf der Oberseite konnte man den Schülerausweis ausmachen. Suzuki, Yuki. 17 Jahre alt und im zweiten Jahr der Tensai Oberschule in Tokyo. Seitdem Ihre Eltern vor drei Jahren bei einem Autounfall verstarben, lebte sie allein in einer kleinen Einraumwohnung.
Die Miete war mit fünfzehntausend Yen für Tokyo günstig, daher beschwerte Sie sich nicht. Yuki schlenderte weiter die enge Gasse entlang. Einige Fassaden der umliegenden Häuser wurden mit alten Werbeplakaten überklebt. Das dichte Netz aus Oberleitungen, zog sich wie ein Spinnennetz zusammen. Scharen von Raben machten es sich auf den Leitungen bequem, während die Aasfresser sich dabei an Lautstärke überbaten. Hunderte kleine Knopfaugen beobachteten argwöhnisch Yuki.
An einer kleinen Kreuzung hielt sie inne und setzte ihre schwarze Schultasche auf den Boden ab. Sie kramte an der Seitentasche und holte ein zerknittertes, in Plastik, gehülltes Yakisoba Brötchen raus. Vorsichtig öffnete Sie die Verpackung und brach den Inhalt in kleine Stücke. Diese verstreute Sie überall auf den Boden und schritt danach ihres Weges. Kaum außer Sichtweite, stürzten sich die Raben auf das neue Futter. Yuki bekam nicht mit, wie die kleineren, älteren Raben von den jungen und starken Artgenossen regelrecht zerfetzt wurden.
Nur die starken überleben, das gilt auch bei der Futtersuche.
Yuki ging gerade die letzten Meter zu ihrer Wohnung, als die Zeit einfror. Zuerst bemerkte Sie nicht, wie die Welt stillstand. Die Raben hinter ihr verharrten in der Bewegung, genauso wie die wenigen Wolken am Himmel. Es wurde ihr erst bewusst, als die Umgebung um Sie herum langsam verschwamm. Die Welt graute langsam aus. Sie stockte, blieb stehen und sah sich um. Ihr Herz raste, sie bekam fast keine Luft mehr. Angst überkam ihr, die Gänsehaut breitete sich langsam aus.
Sie wusste was dieses Phänomen bedeutete. Jeder wusste es. In der Schule gibt es dafür extra ein neues Unterrichtfacht.
Die Verwerfung.
Wenn eine Gedankenwelt mit der Realität verschmolz, wurde man aus dieser Dimension gerissen und landete an einem Ort, der von einem menschlichen Geist erschaffen wurde. Die Ängste und Albträume, die Böshaftigkeit eines Menschen erschufen eine surreale Parallelwelt in einer anderen Dimension. Dieses Phänomen trat vor zehn Jahren zum ersten Mal auf und verbreitete sich daraufhin weltweit. Bis heute weiß man nicht, weshalb oder wieso dieses Phänomen auftritt.
Führende Wissenschaftler sind sich darüber immer noch nicht im Klaren. Diese Gedankenwelten können allerhand Formen annehmen. Das beängstigende sind jedoch die Monster. Bösartige Gedanken, die eine Form erhalten und zum Leben erwachen. Ist ein Monster besonders stark, kann es die Gedankenwelt verlassen und in der Realität erscheinen.
Normalerweise war es die Aufgabe der Dimensionsbehörde solche Anomalien aufzusuchen und zu schließen. Doch auch die Behörde, hatte ihre Grenzen und bei acht Milliarden Menschen auf dem Planeten, konnte sich jederzeit und überall solch eine Gedankenwelt manifestieren. Die meisten solcher Gedankenwelten, verschwanden nach einigen Minuten automatisch.
Yuki schaute sich um. Sie befand sich in einem Zimmer. Der weiß-schwarz geflieste Raum maß ungefähr 5 Meter in der Länge und vier Meter in der Breite. Der gesamte Raum war von vorne bis hinten mit Kuscheltieren aller Art bestückt. Teddys, Puppen allerhand Plüsch war hier zugegen. Das beängstigende war jedoch, dass jedes Kuscheltier einen Defekt aufwies. Ein Teddybär hatte kein linkes Auge mehr, einer Puppe fehlte der linke Arm und ein anderer Teddy war in der Mitte durchgerissen.
Hinzu kam, dass die Szenerie von einem diffusen roten Licht umgeben war. Yuki schaute sich um, konnte in dem Raum jedoch keine Lampen entdecken. Auf der gegenüberliegenden Seite gab es eine bemalte rote Holztür. Kunstvoll war an der Tür das Abbild eines kleinen englischen Mädchens angebracht. Das Mädchen saß auf einem weißen metallenen Stuhl, und trank aus einer typischen englischen Porzellan Tasse Tee.
Ein Schauder ging durch Yuki. Es war so, als würden die gemalten Augen des Mädchen, Yuki regelrecht aufsaugen. Yuki fasste all ihren Mut zusammen und näherte sich vorsichtig der Tür. Ihre Schuhe traten auf den Boden auf, doch es gab keine Schrittgeräusche. Es war unheimlich still.
Yuki erreichte die Tür und näherte sich dem Türknauf. Sie verharrte, lauschte.
Stille.
Sie schluckte, und nahm dann mit der rechten, den Türknauf in die Hand. Der kupferne Beschlag des Knaufes war eiseskalt.
Ein Schauder überkam Yuki. Sie zögerte und drehte dann entschlossen den Knauf. Klack.
Die Tür öffnete sich einen Spaltweit. Ein warmer, süßlicher Gestank kroch Ihr in die Nase. Es roch nach Verwesung. Yuki kannte den Geruch. Letzten Sommer fand Sie im Mülleimer vor dem Haus, eine halb zerfressende Katze.
Yuki zögerte. Der Gestank trieb die Galle hoch. Sie kämpfte gegen die Übelkeit und zog Ihre Blus weiter nach oben. Sie öffnete die Tür vollständig und stand nun einem Gang gegenüber. Der Korridor, war wie das Zimmer mit schwarz-weiße Fließen bestückt. Die rote Tapete glitzerte feucht.
Yuki wurde klar, dass dies keine Farbe sei. Denn Ihre linke Hand streife die Wand und zurück blieb klebriges Blut an ihrem Handballen.
Sofort kroch der süßliche, metallene Gestank in Ihre Nase. Sie würgte, hielt sich den Bauch. Zwei, drei Sekunden verharrte Sie regungslos. Langsam nahm die Übelkeit ab. Sie schaute in den Korridor. Er war ungefähr 30 Schritte lang und endete an einer roten Tür. Es gab keine Fenster und Lampen, dennoch war der Korridor in rotes Licht getaucht.
Schritt für Schritt ging Yuki voran, bis Sie ungefähr fünf Schritte vor der Tür hielt. Sie hatte etwas gehört.
Angestrengt versuchte sie lauschen, hielt dabei den Atem an. Zuerst hörte Sie nur ihren eigenen Herzschlag, doch da mischte sich noch ein anderes Geräusch ein. Schritte. Nein, eher ein Schlurfen, das hinter der Tür kam. Yuki überlegte noch, was dies zu bedeuten hatte, als sich die rote Tür mit einem knarren öffnete. Spalt für Spalt öffnete sich die Tür. Yuki war bewegungsunfähig und schaute mit Entsetzen auf die Gestalt, die an der Tür stand.
„Wiiiiilst du spiiiieeelen?“ die krächzende Stimme des Ungetüms jagte Yuki eine Heidenangst ein.
Yuki wusste, dass Sie sterben würde.
Auszug aus einer Lokalzeitung:
„…laut Angaben der Polizei verschwand die siebzehnjährige Suzuki, Yuki vor drei Tagen auf dem Nachhauseweg. Dies ist bereits der dritte bestätigte Fall von spurlosen Verschwinden.
Hinweise aus der Bevölkerung können unter folgender Nummer…“