
Wie man überall Freunde findet
ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT
Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.
Hi Leute,
mein Name
ist Bill, und um direkt mit der Geschichte anzufangen, ich hatte eine
wahnsinnig einsame Kindheit. Nicht einmal, weil ich jetzt ein besonders
verschlossenes oder schüchternes Kind gewesen wäre, das war ich eigentlich nie,
aber mein Vater hatte sich schon lange vor meiner Geburt entschlossen, eine
Karriere im Auswärtigen Dienst anzutreten, und diese musste natürlich genau
dann beginnen, Früchte zu tragen, als ich langsam vom Baby- ins Kindesalter
kam. Ganz nach Murphys Gesetz, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.
Wenn ihr mich fragt, dann ist Murphy ein ziemliches pessimistisches Arschloch,
aber dummerweise hatte er recht. Und so kam es, dass ich meine gesamte Kindheit
überall in der Welt verbrachte, immer in irgendeinem Konsulat oder einer
Botschaft, wohin meine Mutter und ich ihm halt folgten.
Und ja, ich
weiß was jetzt kommt, denn das höre ich meistens, wenn ich von meinen frühen
Jahren berichte. „Oh Gott, ich beneide dich ja so.“ „Das muss ja total
aufregend gewesen sein.“ „So eine Weltreise war auch schon immer mein Traum.“
Und mit zunehmendem Alter habe ich auch selbst einen anderen Blickwinkel
gewonnen, habe erkannt, welches Privileg mit eigentlich zu Teil wurde und wie
glücklich ich mich schätzen kann, mit so vielen verschiedenen Kulturen und
Eindrücken groß geworden zu sein. Aber als Kind sieht man die Welt nun mal mit
anderen Augen, und so kam mir mein Leben damals wie der pure Albtraum vor.
Ständig in einer anderen Stadt, einem anderen Land, in dem ich weder die
Sprache konnte, noch jemanden kannte, und immer, wenn ich gerade Freunde
gefunden hatte, mussten wir wieder weg, bis ich irgendwann aufhörte, mir
wirklich Mühe zu geben, welche zu gewinnen. So streunte ich, als ich so um die
sieben oder acht Jahre alt war, meistens allein durch die Gebäude, die überall
auf der Welt erschreckend gleich und doch unterschiedlich waren. Ich wünschte
mir einfach nur ein normales Leben, beziehungsweise was ich darunter verstand.
Mein Vater hatte in diesen Jahren kaum Zeit für mich, was ich ihm auch nicht
vorwerfen kann, schließlich hatte er ja keine Wahl und musste unsere ganze
Familie im Alleingang versorgen, woraus aber resultierte, dass ich den ganzen
Tag Zeit hatte, meine Mutter die Ohren vollzuquengeln. Unzählige Stunden muss
ich sie damit belagert haben, wie schön doch ein einfaches Leben an einem,
einem festen Ort wäre. Und jedes Mal erklärte sie mir mit der Geduld, die nur
Mütter aufbringen konnten, dass das leider alles nicht so einfach wäre, auch
wenn es ihr um ihren kleinen Engel leidtun würde. So lief das mehr oder weniger
jeden Tag.
Irgendwann,
wir hielten uns in Budapest auf, muss ich ihr dann so sehr auf den Wecker
gegangen sein, dass sie eines morgens in die Stadt ging und ein paar Stunden
später mit einem kleinen Büchlein wiederkam, das sie mir dann freudestrahlend
überreichte. Bis zum heutigen Tag weiß ich nicht, wie sie es geschafft hat,
dort ein deutsches Kinderbuch zu besorgen, noch kann sie sich selbst erinnern
und einige Jahre später hat sie mir dann auch gestanden, dass sie sich das Buch
nicht so wirklich angesehen, sondern einfach gekauft hatte. Ich muss wirklich
unglaublich genervt haben. Jedenfalls hatte dieses Buch auch einen denkbar
treffenden Titel: „Wie man überall Freunde findet“ Das Buch war relativ dünn,
maximal 60 Seiten und das Cover war denkbar billig gemacht, nur der Name des
Buches, dazu der Autor und das Foto einer Tafel, auf die mit Kreide ein paar
schlechte Smiley gemalt waren. Da ich nichts zu tun hatte, verschlang ich das
Buch natürlich, jedoch kam es mir in meinem damals kindlichen Geist so bescheuert
vor, dass ich es am Ende weglegte und es mehr oder weniger vergaß. Drüber
geredet habe ich erst recht nie und meine Mutter war anscheinend ziemlich
zufrieden mit sich, denn für die restliche Zeit verhielt ich mich ruhiger als
vorher, zwei Wochen später wurde mein Vater ins Auswärtige Amt berufen und wir
zogen nach Berlin. Ich bekam mein normales Leben, Freunde, alles, was ich mir
solange gewünscht hatte.
Das Buch ist
mir erst vor ein paar Tagen durch Zufall in die Hände gefallen, als ich für den
Umzug in eine gemeinsame Wohnung mit meiner Freundin zusammengepackt habe. Um
ganz ehrlich zu sein, im ersten Moment konnte ich mich gar nicht erinnern,
jemals so ein Buch gehabt zu haben, doch als ich es durchblätterte, fiel es mir
wieder ein. Ich zeigte es dann Amelie, meiner Freundin, weil ich mich
tatsächlich dann noch erinnern konnte, wie lächerlich ich es als Kind gefunden
hatte und ich sie etwas zum Lachen bringen wollte. Wie sich herausstellte,
erschien es plötzlich gar nicht mehr so witzig, wie ich es in Erinnerung hatte.
Eher beängstigend, um ehrlich zu sein. Ich hätte die Sache am liebsten direkt
wieder vergessen, aber Amelie hat mich überzeugt, den Inhalt dieses „Kinderbuches“
lieber im Internet zu teilen, auch, um Eltern vom Kauf abzuraten. Auf Facebook
habe ich es schon gepostet und auch in meinen Blog gestellt, aber dann ist mir
diese Seite hier wieder eingefallen, und da dachte ich mir, wo, wenn nicht
hier, würden Leute auf die Idee kommen, nach sowas zu suchen. Also bin ich
zurück aus der Inaktivität gekrochen, um euch zu warnen, vielleicht doch die
Finger davon zu lassen. Oder es wenigstens von euren Kindern fernzuhalten
Der Autor nennt
sich selbst Levente Mészáros, aber als ich nach ihm gesucht habe, bin ich auf
nichts Brauchbares gestoßen, dabei kann es sich also genauso gut um ein Pseudonym
handeln. Das Buch an sich, wie gesagt um die 60 Seiten, ist im Großen und
Ganzen, unglaublich schlecht. Fast über die gesamte Länge wird nur darüber
philosophiert, wie wichtig denn Freundschaft für Kinder ist, wie viel Spaß man
mit Freunden haben kann und wie gut man sich fühlt, wenn man mit Gleichaltrigen
spielen kann. Es ist also quasi ein Standardratgeber, nach dessen Lesen man
nicht wirklich schlauer als vorher ist, nur eben für Kinder und in stellenweise
sehr gebrochenem Deutsch, was mir als Kind gar nicht so komisch vorgekommen
war, zumal ich ja sowieso die ganze Zeit mit Leuten in Kontakt kam, die wenn
überhaupt mit starkem Akzent sprachen. Daher kam es mir gar nicht so merkwürdig
vor, dass jemand so ein Buch schreiben würde. Heute frage ich mich natürlich,
wer sowas dann eigentlich verlegt, aber auch zum Publisher lässt sich weder im
Buch noch im Internet etwas finden, womöglich gibt es gar keinen oder er ist im
Schatten der Zeit verloren gegangen. Aber wie gesagt, über einen Großteil der
Seiten hinweg ist das Geschrieben einfach nur belanglos und schlecht
geschrieben, nichts weiter. Komisch wird es dann auf den letzten drei Seiten,
die sowohl vom Inhalt als auch in Bezug auf die Sprache völlig aus dem Muster
fallen. Der Autor schreibt, dass er nun noch für all die kleinen Kinder, die so
gerne mit Anderen spielen wollen, aber einfach niemanden finden können, von
einem alten Freund einen super Weg gefunden hat, doch ein paar Gefährten zu
finden. Daraufhin wechselt der Text plötzlich von gebrochenem Deutsch mit
schrecklicher Grammatik über zu einem Teil mit absolut perfektem Ausdruck, der
zwar hier und da ein wenig altertümlich erscheint, aber trotzdem gut
verständlich ist. Der Inhalt schwenkt nun auch um, davon, wie großartig Freunde
sind, hin zu einer Anleitung, wie man „spielerisch“ welche finden kann. So
zumindest der Autor.
Ich habe mir
einfach mal die Mühe gemacht, den Text, der explizit diese Suche nach
Spielgefährten beschreibt, Wort für Wort abzutippen, um den Eindruck nicht zu
verfälschen und mögliche Zweifel auszuräumen, ob es sich bei einem Buch auch um
dieses spezifische handelt. Passt auf eure Kinder auf Leute!
„Weißt du,
mein kleiner Sozius, die Kinder, die sich ebenso wie du nach einem Partner für
erfreuliche Späße sehnen, sind ganz unwahrscheinlich scheu. Sie haben so lange
mit niemandem mehr spielen können, dass sie vergessen haben, wie man andere
Kinder dazu auffordert, mit ihnen Spielchen zu spielen. Aber wenn du sie
aufforderst, dir Gesellschaft zu leisten, dann werden sie vor Freude jauchzend zu
dir kommen und sich mit dir einlassen wollen. Und sie sind ganz ausgezeichnete
Gefährten, die besten Freunde, die man sich nur vorstellen kann, so wunderbar,
dass du sie nie wieder verlassen wollen oder müssen wirst. Ihr werdet unzählige
Stunden damit zubringen können, auch gegenseitig an den lustigsten und
ausgelassensten Unternehmungen zu vergnügen. Alles, was du tun musst, ist diese
besonderen Kinder zu finden und sie einzuladen mit dir zu spielen, dann wird
dir eine unbekannte Welt des Spaßes geöffnet werden.
Sie zu
finden, ist ganz einfach. Sie sin d so schüchtern geworden, dass sie sogar vor
der Sonne erschrecken und sich nur noch trauen, im Schatten zu bleiben und dort
für sich allein zu sein. Ein wahrlich trauriges Schicksal, ja, aber du wirst
sie davon erlösen können und sie werden dafür Glück und Freude in dein Leben
bringen. Mehr als du dir auch nur vorstellen kannst. Also geh einfach an einen
ganz besonders dunklen Ort, dort wirst du sie finden können, denn in der
Dunkelheit haben sie keine Angst. Da musst du auch keine haben, sie ist dein
Freund, die wird dich unterstützen, sie zu finden. Bring auch kein Lämpchen und
auch keine Leuchte mit, das Licht würde sie verschrecken und dann hätten sie
auch Angst vor dir und du würdest dich niemals nie mit ihnen an unterhaltsamen
und erquickenden Spielchen erfreuen können. Das wäre doch wirklich zu schade,
findest du nicht auch? Also hab keine Angst im Dunkeln, sie haben es ja auch
nicht und sie sind die unwahrscheinlich tollsten Freunde die du dir nur
vorstellen kannst. Du schaffst das, und dann kannst du so viel und so lange
spielen, wie du nur möchtest!
Wenn du dann
an diesem ganz ganz finsteren Ort bist, dann sind sie schon ganz nah, ihre
kleinen Äugchen leuchten sicherlich schon vor Freude, einen Partner zum Spielen
zu sehen. Aber sie sind so unglaublich schüchtern, dass sie sich immer noch
nicht trauen werden, deine Bekanntschaft zu machen. Du musst ihnen erst zeigen,
wie aufrichtig und gern du mit ihnen lustige Unternehmungen anstellen solltest,
also bring ihnen doch ein kleines Geschenk mit. Und wie jedes andere Kind haben
sie eine ganz besondere Lieblingssüßspeise, wie du doch sicherlich auch. Und
das tolle daran ist, dass du die ganz bestimmt auch zu Hause hast, du musst
also nicht viel mehr tun, als sie holen zu gehen und schon wirst du ganz viel
spielen und lachen können. Vielleicht hast du sie schon einmal gesehen, wenn
deine Mama ein leckeres Essen gekocht hat, dann nimmt sie diese Nascherei und
gibt sie zum Essen, um es ganz besonders wohlschmeckend zu machen. Es sind
kleine Pralinen, aus fester Schokolade und wundervollen Gewürzen, die die
Erwachsenen „Muskatnüsse“ nennen. Du weißt ja, manchmal haben die Großen
unlogische Wörter für einige Dinge, aber lass dich von dem Namen nicht beirren,
denn bei Muskatnüssen handelt es sich um die feinsten und besten Süßigkeiten,
die man im gesamten Erdkreis bekommen kann. Und deine neuen Freunde lieben sie
so sehr, wie sie es lieben würden, mit dir Spaß haben zu können. Nimm dir
einfach ein paar aus der Küche, doch frag bloß nicht deine Eltern, denn du
willst sie doch mit deinen neuen Freunden überraschen, nicht wahr? Sie werden
sich bestimmt so sehr freuen wie du dich selbst.
Wenn du ein wenig
von dieser leckeren Speise zusammen hast, dann geh an den dunklen dunklen Ort,
den du dir ausgesucht hast und leg sie einfach vor dich auf den Boden. Deine
neuen Freunde werden sie sich schon nehmen, sie sind ganz verrückt danach, und
dann werdet ihr unfassbar viel Spaß zusammen haben. Am besten isst du auch eine
dieser leckeren Dinger, nicht, dass sie noch beleidigt sind, weil sie dir eine
anbieten und du nicht willst. Das wäre ja fatal, jetzt wo ihr so kurz davorsteht,
die allerbesten Freunde zu werden. Kau sie gut und schluck sie dann einfach
runter, beim ersten Mal schmeckt sie dir vielleicht gar nicht so gut, doch du
willst deine neuen Kumpanen doch nicht verschrecken, indem du vor ihnen ihre
Leibspeise ausspuckst, nicht wahr? Wenn du nun ein bisschen müde wirst, ist das
gar kein Problem, sie sind ja deine Freunde und werden Verständnis dafür haben,
falls du dich kurz niederlegen willst. Sie werden auf dich warten, sie werden
immer auf dich warten, um bei dir zu sein. Denn jetzt seid ihr Spielgefährten. Ganz
wichtig ist aber, dass du, bevor du ins Schlaraffenland entfliehst, noch
zweiklitzekleine Worte sagst, dann werden sie auf dich aufpassen, das ist quasi
sowas wie euer neues Kennwort. Sag ein Mal „Ego immolo“ in den Raum. Das ist
etwas kompliziert, präg es dir vorher gut ein, es bedeutet „Beste Freunde“ in
ihrer Sprache, denn sie waren so lange allein, dass sie zu sprechen verlernt
haben. Doch keine Angst, wenn sie mit dir spielen, dann werden sie die Sprache
wiederfinden, und dann werdet ihr bis in alle Ewigkeit zusammen spielen und
Spaß haben können.
Wenn du
direkt ganz ganz tolle Spiele und viel Freude haben willst, dann frage, wenn du
aufwachst einfach den ersten deiner neuen Gefährten, wo Lucy ist, und dass du mit
ihm spielen magst. Dann wird Lucy, weithin der witzigste und liebste unter deinen
neuen Freunden zu dir kommen und dann werdet ihr haufenweise erfreuliche Späße
unternehmen, denn du bist jetzt ein Teil der Gruppe, ein Part von ihm. Viel
Spaß mit all den lustigen Spielchen, und denk daran, frag nach Lucy zum Spielen.
Er wird sich freuen, dich zu sehen.