
La Vie En Rose
ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT
Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.
Du schlägst deine Augen auf. Sofort wirst du von einem gleißenden
Licht geblendet und es braucht ein paar Sekunden und einige Blinzler, bis du
dich an die ungewohnte Helligkeit gewöhnt hast. Wie jeden anderen Morgen auch
liegst du in deinem Bett, du riechst den vertrauten Geruch deines Heims, hörst
die fröhlich zwitschernden Vögel vor dem Fenster und die leise Musik aus deinem
Radiowecker. Ein kurzer Stoß der Panik durchfährt dein Körper, als du bemerkst,
wie spät es schon ist, doch so blitzartig wie diese böse Vorahnung kommt dir
auch ein anderer Gedanke. Es ist Samstag. Ein kleines Lächeln stiehlt sich auf
deine Lippen als du dich wieder zurück in deine Kissen sinken lässt. An manchen
Tagen läuft ja sogar mal alles gut. Bis jetzt zumindest ist es fantastisch.
Du hast die Augen schon wieder geschlossen, als du dir
ausmalst, was man denn mit diesem
großartigen Tag alles anstellen könnte. Vielleicht eine ausgedehnte
Shoppingtour mit deiner Freundin? Sogar das würde dir heute gefallen. Oder
lieber eine ganz entspannte Gamesession auf deinem Sofa? Könnte man auch mit
leben. Du weißt ganz genau, dass alles, was du heute anfangen wirst, der
absolute Oberhammer werden wird. Da kannst du auch noch ein wenig liegen
bleiben. Aus den Lautsprechern deines Radios strömt die Musik wie der Duft aus
einer frisch aufgeblühten Rose. Langsam wiegt dich die Stimme des Sängers in
den Schlaf, eine Stimme, so rau wie die See und doch so sanft wie die Liebe
einer Mutter. Eine Stimme, so tief wie die Abgründe des Alls und doch so persönlich, als würde der
Interpret direkt neben dir stehen. Eine Stimme, so geheimnisvoll wie die Rätsel
längst vergangener Kulturen und doch so klar wie der Himmel an diesem schönsten
aller Tage. Könnte es noch besser werden?
Das Lied, ein unvergessener Klassiker, wogt dahin wie ein
kleiner Weiler, wiegelt sich dann aber doch auf zu seinem fulminanten Höhepunkt
und ebbt schließlich ab, alles in einer unbeschreiblichen Ruhe zurücklassend,
die lediglich durch den Wunsch gestört wird, diese Melodie noch ein Mal zu
vernehmen. Vielleicht später. Du stehst auf, schaltest beiläufig im Vorbeigehen
das Radio aus und deinen Verstand an, und verschwindest ins Badezimmer. Hier
setzt sich deine Glückssträhne fort, deine Haut ist so rein wie schon lange
nicht mehr und generell scheinst du heute in einem ganz anderen Licht zu
erstrahlen, in einer Aura aus Attraktivität und Selbstbewusstsein. Du lässt dir
Zeit, schließlich möchtest du doch heute nichts überstürzen. Nach einem
erfrischenden Bad begibst du dich zurück in dein Zimmer, wo du dir deine
schönsten Sachen herausholst und entzückt feststellst, dass dein neues
Lieblingslied schon wieder kommt. Eine Welle der Wärme strömt durch deine
Glieder und es scheint, als würde sich dieser Schein um dich herum noch
verstärken.
Die ersten Akkorde werden gespielt und deine Vorfreude auf
dass, was gleich kommen wird, steigert sich in ungeahnte Höhen. Du findest es
selbst komisch, so viele Gefühle beim Hören eines kleinen Liedchens zu hören,
aber dieser Tag ist so wunderschön, da möchtest du keinen weiteren Gedanken
daran verschwenden. Nun kommt der Einsatz des Sängers und seine Stimme klingt
nun noch näher als vorhin. Sie scheint aus deiner direkten Nähe zu kommen, sie
umströmt dich und lullt dich ein.
Hold me close and hold me fast / The magic spell you cast
Du kannst die
besungene Umarmung beinahe fühlen, du willst dich ihr hingeben und dich fallen
lassen, in ihr aufgehen wie die Knospe einer jungen Tulpe im Sonnenlicht und
dich an ihr laben. Doch du weißt ja, dass es nur ein Lied ist. Wenn auch ein
ganz besonderes. Auf eine merkwürdige Art.
When you kiss me, heaven sighs / And though I close my eyes
Auch du schließt deine Augen. Du
spürst eine ganz ungewohnte Palette von Gefühlen. Verschwunden sind die dunklen
Gedanken, die Zweifel und Grübeleien, es ist, als würde diese Melodie selbst
die finstersten Windungen deines Hirns erleuchten. Als könnte dich dieser
Sänger mit einem Schlag von deinen Sorgen befreien. Das Wissen um die
Vergänglichkeit dieses Moments trägt nur dazu bei, dass du dich weiter in die
grandiose Musik und in diese Stimme, diese Stimme vertiefst, um auch ja keine
Sekunde dieses puren Glücks zu verpassen.
When you press me to your heart / I’m in a world apart
Die
Illusion des Liedes wird immer realer, fast schon kannst du es spüren, spüren,
wie etwas an dein Herz gedrückt wird. Auch hast du das Gefühl, der Sänger rücke
noch etwas näher zu dir etwas näher in deine Welt. Moment mal. War das grad
dein Gedanke? „In deine Welt“? Wo sollte er denn sonst herkommen. Der
Samen eines Zweifels pflanzt sich in deinen Geist, doch das Verlangen nach
diesem Stück ist groß. Größer. Es ist am größten. Du kannst nicht anders, du
musst einfach zuhören, du darfst dieses Glück nicht verschwinden lassen! Und du
bist gar nicht mehr in der Lage, auch nur einen vernünftigen Gedanken zu fassen
um dir deiner Lage bewusst zu sein. Du stehst hier in deinem Zimmer, nur mit
einem Handtuch bekleidet und wiegst dich in der blumigen Welt eines Liedes. Und
du bist nicht mehr in der Lage, auch nur einen Augenblick an der Richtigkeit
dieser Szenerie zu zweifeln.
Give your heart and soul to me / And life will always be
Kommt es dir nur so vor oder klang
das grade…bedrohlich? Da war etwas in der Stimme dieses unglaublichen Tenors,
dass dich eingeschüchtert hat. Das ist dir beim ersten Mal gar nicht
aufgefallen, aber diese letzten Worte klangen beinahe böse. Das war anders als
der Rest des Liedes, nicht warm und freundlich, sondern eher kalt und
hinterhältig. Berechnend und düster. Grausam und…böse. Irgendetwas, dass du
nicht richtig benennen kannst. war da gewesen, aber jetzt war das Lied ja
ohnehin vorbei. Nur noch ein wenig Gitarrengeklimper und der Moderator würde
ankündigen, dass als nächstes ein nerviges Mainstream-Pop-Gedudel kommen würde.
Da solltest du die letzten Momente noch genießen.
Fin’lly I’ll get your heart / And rip your brain apart
Du bist plötzlich wie erstarrt. Nicht
wegen der zusätzlichen Strophe, sie jagt dir zwar einen gehörigen Schauer über
den Rücken, aber das ist es nicht. Auch nicht der plötzliche Umschwung der Atmosphäre,
das ist zwar auf hunderten Ebenen beunruhigend, aber nichts, was dich so sehr
erschrecken würde. Nein, es ist der Zug. Der Zug, den plötzlich an deinem
Herzen spürst. Und dieser Druck. Dieser Druck, der sich auf einmal in deinem
Schädel breitmacht. Das kann doch gar nicht sein. Dein Verstand weigert sich zu
akzeptieren, was grade geschieht. Es ist doch überhaupt nicht möglich. Es ist
nur ein dummes Lied, vielleicht ein dummer Streich des Senders. Ist heute der
1. April? Du weißt es nicht mehr, du scheinst die Information nicht mehr
erreichen zu können. Generell scheinst du plötzlich überhaupt nichts mehr zu
wissen. Aber du willst. Du willst so sehr. Vor allem, was hier eigentlich vor
sich geht. Am liebsten würdest du deine Augen öffnen, doch die sind
geschlossen. Und das zu ändern ist anscheinend außerhalb deiner Möglichkeiten. Der
Zug an deinem Herzen wird stärker, du kannst beinahe so etwas wie einen Griff
spüren. Als würde sich eine Hand um den pumpenden Muskel schließen. Du willst
schreien, doch du kannst nicht? Was ist das überhaupt? Schreien? Und wie soll
das gehen? Du hast es vergessen. Der Griff wird stärker, immer kräftiger und
enger schließt sich die unsichtbare Kraft. Dann kommt der Ruck.
Erschrocken reißt du die Augen auf.
Du bewegst dich so ruckartig, dass das Wasser überschwappt und den Boden mit
einer dünnen Pfütze benetzt. Du atmest schwer und realisierst nur langsam, was
hier vor sich geht. Dann das erleichterte Aufatmen. Es war nur ein böser Traum.
Du musst in der Badewanne eingeschlafen sein. Was für eine Erleichterung. Deine
Anspannung löst sich und dir fällt wieder ein, was für ein wundervoller Tag es
doch ist. Du möchtest schon fast lachen über deine Angst. Aber sie ist es
eigentlich gar nicht mehr Wert, noch einen weiteren Gedanken an sie zu
verschwenden. Schließlich ist heute dein Tag. Aus dem Nebenzimmer kommt leise
die Melodie eines alten Liedes, dass du schon ewig nicht mehr gehört hast. Oder
doch? Du bist dir nicht mehr sicher. Auf
jeden Fall ist es ein wunderschöner Song. Doch dann, plötzlich, hältst du inne.
Hattest du das Radio nicht ausgeschaltet? Doch bevor du dir darüber weiter
Gedanken machen kannst, hörst du eine vertraute Zeile und ein nur zu gut
bekanntes Gefühl kehrt wieder. Du willst schreien, aber du kannst nicht. Es
gibt nur eine Sache, die du hörst. Nur noch eine Sache, die du in deinem Leben
hören wirst.
C’est la vie en rose.