
ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT
Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.
Er war schon immer der schönste Junge der Klasse gewesen.
Vor der Pubertät hatten schon alle Mädchen, mich eingeschlossen, für ihn
geschwärmt. Aber nachdem er seinen Wachstumsschub bekommen hatte und sein
Gesicht noch markantere Züge angenommen hatte, da konnte ihm wirklich niemand
mehr widerstehen. Nun fanden ihn einfach alle toll. Jedes Mädchen der Schule
hatte ihn insgeheim ins Herz geschlossen, auch manche Jungs sahen ihn auf diese
gewisse Art an und selbst ein paar Lehrerinnen bewerteten ihn besser, nur weil
er der Traum jeder Schwiegermutter war.
Alle belegten sie ihn mit tausenden kleinen Adjektiven. So niedlich.
So heiß. So süß. Nicht alle sprachen es aus, aber jedes Mädchen dachte es. Es
war schon teilweise ekelhaft gewesen, wie sich die ganzen aufgetakelten B*tches
an ihn rangeschmissen hatten, lechzend nach einem kleinen Funken Aufmerksamkeit,
nur um ihre überhöhten Egos erhöhen zu können und die kleine Heulsuse hinter
der Schminkfassade ruhigzustellen. Rannten ihm hinterher mit ihren lächerlichen
Stöckelschuhen und erstickten ihn in Wolken von Parfum.
Ich nicht. Klar, er gefiel mir, wie hätte es auch anders
sein sollen, aber ich wollte nicht so sein wie die anderen. Ich wollte deren
Gesellschaft nicht. Oder besser, ich wollte mich nicht auf das Niveau dieser
Schwachmaten herablassen. Ich hatte weder Lust auf ihre eingebildete Coolness
noch auf ihre überhebliche Auffassung von Beliebtheit. Ich hielt es einfach.
Kleidete mich schlicht, redete nicht viel, blieb im Hintergrund. Und ich war
glücklich damit.
Aber das konnte der feine Herr nicht sehen. Ich fiel ihm
auf, wie ich immer allein saß, zufrieden in meiner kleinen Idylle. Ich weiß
nicht wieso, aber er fand Gefallen an mir. Er dachte, ich hätte keine Freunde,
weil sie mich nicht wollten. Dabei wollte ich doch sie nicht! Er dachte, er
könnte mich irgendwie retten oder so. So fürsorglich. So unschuldig. So süß.
Er kam zu mir. Er redete mit mir. Immer und immer wieder. Hinter
seinem Rücken lachten sie über ihn, wie er mich nur mögen konnte. Ich wollte
diese Aufmerksamkeit nicht. Aber noch viel weniger wollte ich, dass sie über
ihn lachten. Denn ich mochte ihn ja auch. Anfangs dachte ich, ich könnte ihn
mit Schweigen vertreiben. Er würde merken dass es nichts half und Leine ziehen.
Aber das tat er nie. Er setzte sich wieder und wieder zu mir und redete über
die belanglosesten Dinge. Die Schule. Das Wetter. Die Anderen. Saß da mit
seinem Lächeln und dieser weichen, einfühlsamen Stimme. Er hoffte irgendwie.
Dachte, er würde mich rumkriegen können. Was er dann ja auch tat.
Es war ganz komisch. Vom einen auf den anderen Tag waren wir
zusammen. Er hatte es auf irgendeine Weise geschafft. Dabei durfte das nicht
sein. Ich war doch vorher auch glücklich. Ich brauchte ihn doch gar nicht. Und
er wollte mich doch insgeheim nicht haben. Aber trotzdem war es so. Es war wie
in einem dieser kitschigen Filme. Plötzlich war ich beliebt, hatte einen
wunderbaren Freund. Es war so schön. So romantisch. So süß.
Es verging immer mehr Zeit. Der erste Tag. Die erste Woche.
Der erste Monat. Das erste Jahr. Es war schön mit ihm. Auf eine Art. Wir
unternahmen viel, hatten Spaß zusammen. Er schien richtig glücklich zu sein.
Ich war es auch. Für ihn. Dann, ich weiß nicht mehr wann, begann er über Liebe
zu reden. Liebe. So ein kleines Wort und doch so gewichtig. Er träumte von
einer Zukunft mit mir. Mit mir! Unsere Bindungen wurden immer stärker. Er
erzählte mir seine Geheimnisse und zeigte mir seine dunklen Seiten. Dafür
erfuhr er meine.
Irgendwann war es so weit. Er wollte mein größtes Geheimnis
hören. Und ich wollte es ihm auch irgendwie erzählen. Es war so schön mit ihm,
ich war glücklich. Aber das war ich vorher auch schon. Es gab doch nur einen
Grund warum ich ihn überhaupt brauchte. Und das konnte ich ihm einfach nicht verraten.
Doch ich wollte es so sehr. Wollte ihm diese eine Sache zeigen. Noch bevor es
dazu kam verschwand er. Niemand wusste wohin. Ich war die trauernde Verlassene.
Und alle meine „Freunde“ kümmerten sich rührend um mich. So lieb. So
herzerwärmend. So süß.
Es wurde nie bekannt, was aus ihm wurde. Ich war eine Zeit
lang gar nicht glücklich, denn auch wenn ich es vorher ohne ihn war, jetzt war
das schwerer. Irgendwann war diese Zeit vorbei. Ich vermisste ihn noch immer,
aber ich kam darüber hinweg. Es ging vorbei. Ich dachte noch oft an unseren
letzten gemeinsamen Moment. Wie ich ihm von dieser Sache erzählen wollte. Wie
ich sie ihm zeigen wollte. Er wollte erst nicht, aber irgendwann widersprach er
mir nicht mehr. Ich kochte ein wunderbares Essen für uns, um ihm zu zeigen, was
es war. Doch er tauchte nie auf. Immerhin war das Essen lecker. Es war so
saftig. Er war so köstlich.
So süß.