GeisteskrankheitMittelMord

Mommy!

Warnung vor Creepypasta

ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.

„Mommy!“

Ich schrecke aus dem Schlaf auf. Wie immer. Ein kleinstes Geräusch reicht aus, um meinen Schlaf zu unterbrechen. War es ein unregelmäßiges Atmen? War es ein leises Jammern? War es ein gequälter Aufschrei nach seiner Mutter? Egal was es war. Ich war schon eher aus dem Bett aufgesprungen und auf dem Weg in das neben dem Schlafzimmer gelegene Kinderzimmer. Dieses Mal war es der gequälte Schrei. Sam hatte seit Jahren Alpträume. Ich kannte meinen Sohn gar nicht mehr anders als mit Alpträumen. Vielleicht war ich deswegen immer so schnell bei ihm. Mein Unterbewusstsein wartete schon darauf, dass er rief und schrie.

Auch jetzt war es genau wie in jeder Nacht. Sam saß blass wie die Wand und kerzengerade in seinem Bett. Seine Augen waren weit aufgerissen, ohne auch nur etwas zu sehen. Nichts im Hier und Jetzt. Nur die Schemen seiner Traumwelt, die ihn so sehr peinigte. Wenn ich nur wüsste, was er in seinen Träumen sah. Wenn ich nur in seinen Kopf eindringen könnte und dort die ganzen Monster, die nicht existierten, vertreiben könnte. Doch alles, was ich tun konnte, war mit beherrschter und ruhiger Stimme auf ihn einzureden. Ich wusste, dass ich ihn nicht berühren durfte. Ich durfte mein eigenes Kind nicht berühren, denn dies würde ihm noch mehr Angst machen. Seine Panik nur noch mehr schüren. Mein Herz zerriss mit jedem Mal ein wenig mehr.

„Sammy! Es ist alles gut. Du bist in deinem Bett und Mommy ist bei dir.“ Inzwischen wunderte ich mich nicht mehr über meine leise und sanfte Stimme. Sie war antrainiert. Ruhig und sanft zu bleiben, anstatt wild und ebenfalls voller Angst, weil das eigene Kind so litt, war eine Übungssache. Übung über 5 Jahre hinweg.

„Ja, Mommy. Ich bin im Bett. Du bist bei mir.“, echote mein Sohn, dessen Blick noch immer starr und blicklos ins Nichts lief.

„Hab keine Angst mehr. Jetzt kann dir nichts mehr geschehen.“, säuselte ich. Leise und ruhig. Anders durfte es nicht sein. Ein lautes Wort würde Sam wieder zum Schreien bringen. Dies hatten wir alles schon erlebt. Alles schon hinter uns.

Die Kinderärztin hatte uns an einen Kinderpsychologen verwiesen. Dieser hatte Sam mit Medikamenten ruhigstellen wollen. Medikamente! Er war doch nicht krank. Er hatte schlechte Träume! Die Ursache sollte bekämpft werden, nicht die Symptome. Aber wie bekämpfte man innere und unsichtbare Dämonen?

Ob in unserer Familie alles in Ordnung wäre. Ja. Ob ich in einer Partnerschaft lebte. Was ging ihn das an? Aber ja! Ob mit dieser alles in Ordnung sei. Ja. Ob mein Mann mich misshandelte. Keine zaghaften Worte, aber fürsorglich (HA!) vorgebracht. Auf diese Frage erhielt der Psychiater keine Antwort. Nicht jede Frage bedurfte einer Antwort. Dean – mein Mann – schlug mich weder noch misshandelte er mich auf irgendeine andere Art. Er war der fürsorglichste Mensch, den man sich vorstellen konnte. Er bettete Sam und mich auf Rosen. Wahrscheinlich würde er für jeden von uns in die Hölle und wieder zurück gehen. Und als Beweis hätte er die Höllenasche dabei. Nein, Dean konnte keiner Fliege etwas zuleide tun. Schon gar nicht denen, die er liebte. Und das waren eben wir zwei. Sam und ich. Der Psychiater wartete noch immer auf eine Antwort, die er nie erhalten sollte. Und so gab er schließlich auf. Hatte Sam Probleme in der Vorschule? Nein. Die Lehrerin war ganz begeistert von dem kleinen aufgeweckten Kerl, der sich wunderbar sozial engagierte und mit jedem der Kinder gut klarkam. Es waren doch ’nur‘ die verfluchten Alpträume!

Anscheinend stieß auch der gute Herr Psychiater an die Grenzen seines Könnens, als auch die Spieltherapie (und die Beobachtung derer) nichts anderes zeigten, als ich ihm schon in unseren Gesprächen geschildert hatte. Sam musste in ein Schlaflabor. Ha! Was sollten die im Schlaflabor schon erkennen? Dort konnten die Ärzte doch auch nur am eigenen Leibe erfahren, wie quälend es war, wenn ein kleiner Junge vor lauter Panik nicht mehr ins Hier und Jetzt fand.

Man sagte mir etwas davon, dass Gehirnströme gemessen werden mussten, dass Aufzeichnungen seiner REM-Phasen geschrieben wurden und man dadurch eine Auswertung und Diagnose erstellen konnte. Nein. Nein! Ich würde mein Kind nicht hergeben. Nicht einmal für eine Nacht. Aber es sei doch zu seinem Besten. Niemals! Dann würde man es mit Medikamenten versuchen. Ruhigsteller. Etwas, das Sam tief schlafen lassen würde, ohne dass er träumte. Ich verließ die Praxis mit einem Zettel in der Hand. Vor der Praxis stand ein öffentlicher Abfallbehälter. In diesem wurde das Rezept ‚verstaut‘, ohne dass ich es mir nur noch einmal überlegt hatte. Mein Kind würde durch nichts ruhiggestellt werden.

Und so arbeiteten wir beide alleine daran. Ich an meiner ruhigen und beruhigenden Stimme (und meinem ruhigen und beruhigenden Verhalten) und Sam daran, seine Alpträume zu überstehen.

„Sammy, Mommy ist hier. Ich setze mich jetzt auf deine Bettkante.“

Meine Füße waren kalt. Der Dielenboden strahlte keine Wärme aus. Ich hatte gelesen, dass man die Schlafzimmer nicht beheizen sollte, damit der Schlaf erholsamer wurde. Ich versuchte wirklich alles.

„Nein Mommy. Setz dich nicht. Das Monster….“, weiter erzählte er nie. Immer war es so, dass er in diesem Augenblick seinen Kopf zu mir drehte und sein leerer Blick auf einmal eine dunkle Tiefe annahm. Das leise Mondlicht, das durch den Spalt in den Vorhängen fiel, traf direkt auf das runde Kindergesicht, in dem man doch nur Freude und Lebenslust lesen sollte. Doch bei Sam offenbarte es tiefe Trauer und Verletzlichkeit. Dies dauerte einen Bruchteil einer Sekunde, dann kroch ein verschlafenes Lächeln über seine Lippen und er sank zurück in seine Kissen. „Mommy. Du sollst doch schlafen.“, erklang dann müde seine Stimme und ging direkt in gleichmäßige Atemzüge über. Es war vorbei. Jetzt würde er schlafen können. Der Traum würde nicht zurückkehren. Und ich? Ich würde auch wieder in mein Bett gehen. Den Rest der Nacht in einem leichten Schlaf verbringen, immer darauf lauschend, ob nicht doch noch ein Geräusch aus dem Nebenzimmer drang. Ein leises Jammern, ein unregelmäßiges Atmen oder ein gequälter Aufschrei.

„Weshalb tun Sie sich das an, Dean? Weshalb kommen Sie noch hierher?“, der Arzt schaute den Mann, der älter aussah als seine 38 Jahre, besorgt an. Dean, ein großgewachsener Mann, sah durch ein kleines Fenster in ein Zimmer. Welches steril aussah. Nur ein metallenes Bett stand in diesem. Keine Nachtkommode, kein Schrank. Ein Waschbecken aus Metall und eine Toilette, die ungeschützt in der einen Raumhälfte stand, gab es noch. Aber all das interessierte den Mann nicht. Er sah nur auf die Frau, die gerade wieder in das Bett stieg und die Decke über ihren viel zu dünnen Körper zog. Sie würde jetzt schlafen. Solange, bis ein Geräusch vom Flur, aus einem der anderen Zimmer, ein Kreischen, ein Jammern oder ein zu lautes Seufzen sie wieder aufschrecken lassen würde und die Prozedur wieder von vorne begann.

Nur ganz langsam wandte drehte er seinen viel zu früh ergrauten Schopf dem Psychiater zu. Seine Augen blickten müde.

„Es sind jetzt fünf Jahre, Dr. Rossman. Und ich werde auch weiterhin jede Woche hierher kommen. Weshalb fragen sie? Ruby ist meine Frau. Ich habe einst geschworen, dass ich sie liebe. In guten und in schlechten Zeiten.“, wenn es doch nur so einfach wäre, wie diese Worte es implizierten. Bedauernd und langsam schüttelte Dr. Rossman seinen Kopf. „Die schlechten Zeiten werden nicht aufhören, Dean. Es ist an der Zeit loszulassen. Ruby hat Sam umgebracht. Sie ist…“

„Ja, sie ist in sein Zimmer gegangen und hat ihn gewürgt. Solange gewürgt, bis sein kleines Gesicht blau angelaufen ist und er nicht mehr mitten in der Nacht geschrien hat. Dann ist sie zurück ins Bett gestiegen und hat glücklich geseufzt und gesagt: ‚Jetzt werden wir nie wieder auf unseren Schlaf verzichten müssen.‘ Ja, Dr. Rossman. Haben sie vergessen, dass ich dabei war? Sie müssen mir die Geschichte nicht erzählen. Immer und immer wieder.“

Nachsichtig lächelnd legte Dr. Rossman eine Hand an Deans Oberarm. „Kommen sie, Dean. Gehen wir ein Stückchen.“ Sanft, jedoch dirgierend schob Dr. Rossman Dean von dem Zimmer fort, hinter dem Ruby nur darauf wartete, wieder ein Geräusch zu hören. Vielleicht war es auch eine Art Selbstbestrafung dafür, dass sie ihren eigenen Sohn umgebracht hatte. Vielleicht gestattete sie sich selber nicht mehr zu schlafen, da sie Sam erwürgt hatte, da er in der Nacht einmal zu oft geweint hatte. Weil er in dieser fatalen Nacht nach seiner ‚Mommy‘ und nicht nach seinem ‚Daddy‘ gerufen hatte. Weil Ruby seit Wochen keine Nacht mehr durchgeschlafen hatte damals, weil sie übermüdet war. Weil sie wohl überfordert war mit dem Mutterdasein, da sie sich selbst aufgegeben hatte. Weil sie in ihrem vernebeltem Bewusstsein gedacht hatte, dass der einzige Ausweg für alle das endgültige ‚Beruhigen‘ des Kindes war. Seit dieser Nacht war Ruby nur ungefähr einen Tag noch bei klarem Verstand gewesen. Seltsamerweise direkt nach der Tat. Erst als sie mit den Konsequenzen, der Leiche ihres Sohnes, konfrontiert wurde, brach sie zusammen und war seitdem in diesem Zustand. Immer halb schlafend. Nie vollkommen wach und immer in ihrer eigenen Welt. Nein, Dr. Rossman musste Dean nichts erzählen. Er wusste das alles. Er wusste es nur zu gut. Er kannte den Ort, an dem sich Ruby befand, zwar nicht – noch nicht -, aber er kannte den Weg dahin. Alpträume und schlaflose Nächte, die nur durch einen kurzen, vor Erschöpfung gefundenen, unruhigen Halbschlaf unterbrochen wurden. „Ich erzähle ihnen die Geschichte nicht, damit sie nicht vergessen, was geschehen ist. Ich erzähle ihnen die Geschichte immer und immer wieder, damit sie endlich sehen, dass Ruby von niemandem mehr geholfen werden kann. Auch von ihnen nicht. Sie sind nicht mehr in ihrer Welt. Ruby hat ihre eigene Welt geschaffen. Nur sie und Sam. Und erst, wenn Sam es ihr erlaubt, ihn zu berühren, werden wir ein Durchdringen haben. Aber sie haben keinen Zugang mehr. Weder zu ihr noch in ihre Welt. Beten sie, wenn sie wollen, dass Sam es ihr niemals gestatten wird, ihn anzufassen. Denn wenn es soweit ist, müssen wir sie soweit behandeln, dass sie wieder ‚real existiert‘, und das kann die Todesstrafe bedeuten. Mord verjährt nie.“

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