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Nachrichten aus Zimmer 9

Zwei Jahre war es her, als meine Frau Maria gestorben ist. Man hatte sie vergiftet. Sie wurde tot aufgefunden, während ich arbeiten war. Trotzdem stürzte sich die Polizei auf mich. Sie fragten mich stundenlang aus, blieben hartnäckig.

Ich war emotional am Ende, völlig ausgelaugt. Doch die Polizisten hatten sich ihren Wunschtäter ausgesucht. Als sie dann wenig überraschend nach Tagen kein einziges Indiz gefunden hatten, ließen sie mich endlich gehen.

All die Jahre zerbrach ich mir den Kopf, wer sie umgebracht haben könnte. Meine Frau war ein Engel. Sie hatte viele Freunde und guten Kontakt zu ihrer älteren Schwester Judith.

Als Maria noch lebte, hatte ich nie viel mit Judith zu tun. Doch seit dem Tod meiner Frau machte sich Judith Sorgen um mein Wohl. Von ihr kam der Vorschlag, mir eine Auszeit zu nehmen.

Die Idee gefiel mir und suchte nach einer Unterkunft zum Entspannen. Nach einiger Zeit der Suche stieß ich auf das Hotel Hunters Inn. Irgendetwas an dem einfachen rustikalen Gebäude zog mich an. Die Lage war schön, aber auch abgelegen. Doch es war zu diesem Zeitpunkt genau das, was ich brauchte.

Es regnete stark, als ich spät abends mit meinem Auto an dem Hotel ankam. Nur zwei weitere Autos parkten dort. Der Schriftzug Hunters Inn flackerte in Neonfarben. Ich rannte schnell mit meinem kleinen Koffer in meine Bleibe. Der Regeln prasselte nur so hinunter.

Innen am Empfang angekommen, wirkte es wie ausgestorben. Es wirkte insgesamt sehr alt und dunkel. Nur eine der drei Deckenleuchten funktionierte und auch die kleine Lampe an der Rezeption flackerte leicht.

Ich schaute mich in der Eingangshalle etwas um. Alte Sitzmöbel, kaum Dekoration und weit und breit niemand zu sehen. Ich ging auf die Rezeption zu und benutzte die Klingel an dem Tisch. Es tat sich nichts. Ich hörte auch kaum Laute. Es war sehr still in dem Hotel. Die größte Geräuschkulisse war der starke Regen. Ich drehte mich etwas von der Rezeption weg und betrachtete eins der wenigen Bilder an der Wand. Es war ein altes Gemälde einer Frau in einem roten Kleid, die etwas melancholisch aus dem Fenster sah.

Ein schönes Bild, nicht wahr?, fragte plötzlich eine kratzige Frauenstimme. Mein Herz schlug schneller. Eine ältere Dame stand nun an der Rezeption. Oh, ich wollte Ihnen keinen Schrecken einjagen. Es hat einen Moment gedauert, ich hatte gerade Pause gemacht. Sie sehen ja, dass nicht gerade viele Menschen Gäste in unserem Hotel sind, sagte sie freundlich. Die Frau trug eine Brille und war etwas überholt gekleidet. Auf ihrem Namensschild stand: Mrs. Hunters.

Schon gut, Mrs. Hunters. Es ist schön hier. Etwas unheimlich, nur wenn man hier so alleine ist, antwortete ich. Mrs. Hunters nickte. So, Sie möchten also einchecken, mein Herr?, sie blickte mich fragend an. Benson. Oliver Benson ist der Name. Mrs. Hunters schaute hinter ihren dicken Brillengläsern in ein Buch, das vor ihr lag. Da haben wir Sie ja. Zimmer Nummer 7. Ist gleich hier im Erdgeschoss. Gehen Sie nach links. Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Aufenthalt, Mr. Benson, und melden Sie sich, wenn Sie etwas brauchen. Sie drückte mir den Zimmerschlüssel mit einem Lächeln in die Hand.

Ich ging den Flur entlang und erblickte rapide die Nummer 7. Bevor ich eintrat, meinte ich ein Weinen aus Zimmer Nummer 9, schräg gegenüber, von mir zu hören.

In dieser Nacht konnte ich nicht sonderlich gut in dem Bett mit der sehr harten Matratze schlafen. Schon relativ früh am Morgen gab ich den Versuch auf, Schlaf zu finden und schaute mich etwas in meinem bescheidenen Zimmer um. Das Hotel hatte schon einen gewissen rustikalen Charme.

Da fiel mir plötzlich ein Stück Papier, das an der Tür lag, auf. Jemand musste es mir wohl in der Nacht unter den Spalt deplaciert haben.

Ich hob es auf. Es war gefaltet und wirkte abgerissen. Es stand drauf: Gefahr. Geh weg. Du musst leben. Nummer 9. Die Schrift war etwas geschmiert, die Person musste in Eile gewesen sein. Ich entschied mich mit meinem seltsamen Fund zu Mrs. Hunters zu gehen.

Im hellen Licht des frisch angebrochenen Morgen wirkte der Empfang schon etwas freundlicher als am Vorabend. Mrs. Hunters stand sogar schon an der Rezeption, als ob sie mich erwarten würde.

Guten Morgen Mr. Benson, Sie sind wohl kein Langschläfer? Was kann ich für Sie tun?, begrüßte sie mich.

Ich übergab ihr den Zettel. Das hier lag heute Morgen an meiner Zimmertür. Der Gast aus Zimmer 9 warnt mich vor einer Gefahr, berichtete ich.

Mrs. Hunters fixierte ihre Brille. Ja, sowas ist natürlich ernst zu nehmen, Mr. Benson, es gibt dabei nur ein kleine Sache die mir gerade Sorgen bereitet, sagte Mrs. Hunters geheimnisvoll.

Und die wäre?, fragte ich knapp.

Zimmer Nummer 9 ist momentan leer. Es wohnt niemand darin.

Ich musste mich erst einmal setzen. Was macht man in so einer Situation? Sollte ich abreisen, da eine nicht existente Person mich vor einer Gefahr warnte? Ich war zu neugierig und entschied mich zu bleiben.

In der nächsten Nacht wurde ich schlagartig wach. Ich hörte einen schrillen Schrei, der von der Rezeption kam. Schnell rannte ich dorthin und sah eine dunkle Gestalt, die Richtung Ausgang eilte. Als ich an der Rezeption ankam, war sie bereits weg. Mrs. Hunters zitterte.

Was ist denn geschehen?, fragte ich sie.

Dieser Mann, hat nach Ihnen gesucht. Zum Glück kamen Sie, das hat ihn wohl verschreckt, antwortete sie mit ängstlicher Stimme.

Ich beruhigte sie, anschließend ging ich wieder auf mein Zimmer. Die warnende Nachricht hatte recht behalten. Was sollte das alles bedeuten? Diese Gedanken hielten mich die komplette Nacht wach.

Früh morgens stand ich auf und dann sah ich an der Tür wieder einen Zettel. Diesmal stand drauf: Frau. Gift von Schwester. Eifersucht. Ich konnte den Zettel nicht mehr loslassen. Ich versuchte vernünftig zu denken, doch es funktionierte nicht. Irgendetwas sagte mir, dass diese Nachrichten von meiner Frau kamen. Aber das konnte doch nicht sein. Aber diese Nachricht behauptete, dass ihre Schwester sie vergiftet hätte. Aus Eifersucht. Wer außer meine Frau konnte das wissen? Ich musste noch eine weitere Nacht bleiben. Das Gefühl ließ mich nicht los, dass Zimmer Nummer 9 mir noch mehr zu erzählen hatte.

In dieser Nacht herrschte ein heftiges Gewitter. Blitze aus der Nähe erhellten das Zimmer. Ich lag hellwach in meinem Bett. Plötzlich öffnete sich meine Zimmertür.

Mrs. Hunters?, fragte ich.

Die Frau, die mein Zimmer betrat, war nicht Mrs. Hunters. Es war meine Frau. Sie hatte ein wunderschönes rotes Kleid an, wie die Dame auf dem Gemälde. Sie legte einen Zettel auf dem Boden, schaute kurz zu mir und verschwand wieder. Es war wie ein Traum, doch ich wusste in diesem Moment, dass es tatsächlich passierte. Nachdem sie aus meinem Zimmer verschwunden war, ging ich zur Tür und öffnete sie. Natürlich war im Flur niemand. Dann widmete ich mich dem Zettel. Es stand drauf: Heimkehr. Rufe die Polizei. Schwester wird gestehen. Ich wusste, dass es richtig war nun das Hotel Hunters Inn zu verlassen.

Gleich am nächsten Morgen verabschiedete ich mich von Mrs. Hunters, die wissend lächelte. Ich fuhr nach Hause und tat wie mir die Nachricht befohlen hatte. Ich rief die Polizei zu Judith. Sie reagierte völlig geschockt und nach kurzer Zeit brach sie zusammen. Sie hatte Maria vergiftet und den Mann geschickt, der mir etwas antun sollte. Zum Glück war dieser kein Profi und bereute, was er getan hatte.

Das Hotel, die Nachrichten und die Erscheinung waren meine Frau. Das weiß ich inzwischen. Endlich wurde ihr Gerechtigkeit gezollt und die richtige Person sitzt im Gefängnis.

 

 

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