
ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT
Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.
Ich bin Ben. Ich bin 23, lebe noch zu Hause und studiere Physik an der Uni im 5. Semester. Derzeit spezialisiere ich mich auf die Quantenmechanik. Ich schreibe das hier aus meinem Gedächtnis auf, damit es nicht verloren geht.
Alles begann eigentlich schon in meiner Kindheit.
Es gab da einige Situationen, in denen ich Nachts wach wurde und mich nicht bewegen konnte. Für mich absolute Horrorerfahrungen. Ich weiß, dass ich noch Jahre später diffuse Nachtängste hatte, wusste aber nicht mehr warum. Die Psychologin kläre mich später über Schlafparalysen auf.
Außer den Schlafparalysen in der Kindheit, war es dann aber relativ ruhig mehrere Jahre lang und die Nachtängste wurden weniger. Bis dann halt in den letzten Semesterferien wieder etwas geschah.
In der ersten Nacht wachte ich einfach nur auf und konnte mich nicht bewegen. Ich lag auf dem Rücken und wollte schreien, doch es ging nicht. Mein ganzer Körper war erstarrt. Nur die Augen konnte ich bewegen. Es war dunkel im Zimmer. Meine Angst war riesig. Die Schlafparalyse war wieder da. Ein großes Gewicht senkte sich auf meine Brust und schien mich tief in die Matratze zu drücken. Das Atmen fiel mir schwer.
„Es ist nur eine Paralyse. Sie geht vorbei.“ Meine Psychologin hatte mir gesagt, ich solle das im Kopf denken. Und wenn ich mich beruhigt habe, solle ich versuchen, einen Zeh oder einen Finger zu bewegen und mich aus der Starre zu holen. Leichter gesagt, als getan. Wenn da nur nicht diese Angst wäre. Ich möchte schreien, aber ich kann meinen Mund nicht bewegen.
Schlafparalysen sind normal. Jeder hat sie. Jede Nacht. Damit man sich beim Träumen nicht verletzt. Aber die meisten Leute schlafen dabei. Bei sowas wach zu sein ist nicht angenehm.
Die Paralyse ging nach einigen Minuten vorbei. Mein Herz raste und ich war Schweißgebadet.
Ich ging daraufhin erst einmal in die Küche und holte mir ein Glas Wasser. Am nächsten Tag machte ich einen Termin mit der Psychologin aus. Irgend einen Grund musste es geben, dass es gerade jetzt wieder kam.
Ihr könnt euch vorstellen, dass ich die nächsten Tage echt Probleme hatte, ins Bett zu gehen. Man geht nicht gern Schlafen, wenn man nicht weiß, ob was passiert. Gerade in der Nacht ist man schutzlos und hat sowiso mit vielen Ängsten zu tun.
Aber einige Tage passierte nichts.
Bis ich dann eines Nachts wieder wach wurde. Gelähmt. Wieder komplett in der Paralyse. Ich war ins Bett gedrückt, als läge eine Eisenplatte auf mir. Das Atmen fiel mir schwer und diese Panik kroch wieder in mir hoch. Mein Kopf dröhnte. Als wäre eine Kreissäge darin an und ein merkwürdiges Vibrieren ging durch meinen Körper. Und trotz des Dröhnens hörte ich, wie jemand draußen vor meinem Fenster eine Melodie pfiff. Klar und deutlich. Eine dieser Melodien, die sich dir ins Gehirn fräsen. Ihr kennt das, wenn Kinder vor sich hersingen. Das frisst sich auch durch eure Ohren direkt in euren Kopf. Das Pfeifen war laut und deutlich zu hören und erst später fragte ich mich, wer denn da gestanden hatte. Wir wohnen zwar in der Stadt, aber in einem Viertel mit Einfamilienhäusern und wer geht da Nachts in den Garten und pfeift?
Die Paralyse ging und wieder geschah einige Tage nichts.
Dann jedoch,ein paar Tage später, wachte ich erneut Nachts auf. Ich konnte mich bewegen. Gottseidank. Der Mond schien anscheinend sehr hell, denn ich konnte gut sehen. Ich horchte. Nichts dröhnte, oder vibrierte, niemand pfiff.
Ich stand auf, um mir ein Glas Wasser zu holen. Das ganze Haus war still und alle schliefen. Es kam mir irgendwie seltsam vor durchs Haus zu gehen. Aber Nachts ist generell vieles unwirklich. Ich holte das Wasser, ging wieder zurück in mein Zimmer und erstarrte. In meinem Bett lag jemand. Es war hell genug, um es sehr deutlich zu sehen. Ein Schaudern kroch meinen Rücken herauf. Ich sprang erstmal hinter den Türrahmen zurück und wagte einen weiteren vorsichtigen Blick auf mein Bett und ich erkannte, dass ich es war, der im Bett lag. Das war das seltsamste Erlebnis, dass ich jemals hatte. War ich tot und geisterte durchs Haus? Was war da los? Tausend Gedanken schossen mir durch den Kopf, bis ich wieder bei meiner Psychologin hängen blieb. Sie kannte sich sehr gut aus mit Schlafparalysen und sie hatte mir gesagt, dass dabei manchmal Zustände vorkommen, in denen Man über sich selbst schwebt, oder in denen man durchs Haus läuft und es einem sehr real vorkommt, während man aber weiterhin im Bett liegt. „Falsches Erwachen“ nannte sie es. Das musste so etwas gewesen sein. Ich ging zum Bett, stellte mein Glas Wasser auf den Nachttisch und plötzlich kam es mir sehr normal und fast verlockend vor, mich zu mir selbst ins Bett zu legen. Ich legte mich ins Bett und erwachte.
Das Zimmer war vom Mond erleuchtet. Ich blickte mich um. Anscheinend war alles normal. Ich war wieder wach, lag in meinem Bett und mein Herz raste. So etwas hatte ich noch nie erlebt. Ich machte meine Nachttischlampe an und nahm einen Schluck Wasser aus dem Glas. Mein Mund war sehr trocken. Als ich das Wasser herunterschluckte, fragte ich mich, warum dieses Wasser dort stand? Ich hatte es doch eigentlich nur geträumt? Adrenalin schoss in mir hoch, die Angst kam zurück. Ich erwachte….. noch einmal.
Ich lag im Bett und schaute natürlich sofort zum Nachttisch. Dort stand kein Wasserglas. Ich war anscheinend wach. Ich setzte mich auf und war ganz zittrig und durcheinander, das könnt ihr euch sicherlich vorstellen. Und dann geschah das fürchterlichste, was ich jemals erlebt habe. Es muss in Sekundenbruchteilen passiert sein, aber mir kam es wie eine Ewigkeit vor.
Ich hörte wieder diese gepfiffene Melodie vor dem Fenster. Mein Blick fiel zur Tür. Sie war offen und im Türrahmen stand ein Schatten. Ich erstarrte und hatte Todesangst. Und dann rannte der Schatten auf mich zu. Als er näher kam, erkannte ich, dass es ein alter Mann war, der mich mit aufgerissenen Augen und aufgerissenen Mund anstarrte. Er rannte auf mich zu und sprang in mich hinein.
Ich erwachte.
Und ich schrie wie am Spieß. Es war der Schock meines Lebens und das fürchterlichste, was mir je geschehen war. Meine Eltern stürzten ins Zimmer. Ich hatte einen totalen Nervenzusammenbruch und fiel in der Uni auch erstmal aus.
Meine Eltern machten einen Termin beim Neurologen, der mir ein Medikament aufschrieb dass meine REM-Schlaf-Phasen abdämpfen sollte. Ich war noch tagelang durcheinander. Er klärte mich darüber auf, dass Halluzinationen oft bei Schlafparalysen vorkommen und dieses falsche Erwachen auch normal ist. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass ich etwas sehr schlimmes erlebt hatte. Es nagte an mir und ich hatte ständig ein flaues Gefühl in der Magengegend. Es war alles so real gewesen.
Einige Wochen war es ruhig. Und dann kam er. Und ich möchte mal etwas vorweg schicken. Wenn ihr mir nicht glaubt, googelt einfach mal nach „Schlafparalyse“ und „Mann mit Hut.“ Es gibt ihn. Und er kam.
Ich wachte auf. Gelähmt. Konnte nicht sprechen, mich nicht bewegen und nur schwer atmen. Ich wusste, es war wieder eine Paralyse. Ich betete mein Mantra runter und versuchte mich zu beruhigen. In meinem Kopf dröhnte es und mein Körper vibrierte.
Dann war das Pfeifen wieder da. Es begann vor meinem Fenster und es bewegte sich von meinem Fenster fort. Komischerweise hörte ich Schritte aufs Haus zukommen. Sie knirschten im Kies. Das höre ich normalerweise kaum, da ich oben wohne. Haben wir überhaupt Kies im Garten? Der pfeifende Mann kam näher. Angst kroch in mir hoch. Ich spürte, dass sich etwas Böses näherte. Ich spürte diese finstere, böse Aura. Dann hörte ich, wie die Eingangstür geöffnet und wieder geschlossen wurde. Panik stieg in mir auf. Ich war hilflos und konnte nur meine Augen bewegen. Dann hörte ich, wie der pfeifende Mann mit schweren Schritten die Treppe hoch kam. Ein Eindringling war im Haus. Ein böser Mann. Es war fürchterlich. Ich blickte zur Tür. Sie war offen. Die Schritte waren jetzt im Flur. Mein Herz raste. Ich wollte schreien, doch ich konnte nicht. Das Dröhnen in meinem Kopf wurde immer lauter und das Pfeifen in meinem Kopf wurde fast schrill. Mein Körper vibrierte. Das absolute Böse näherte sich mit schweren Schritten meinem Schlafzimmer, in dem ich gelähmt lag.
Dann hörten die Melodie, das Vibrieren und Dröhnen plötzlich auf. Es war ganz Still.
Im Türrahmen stand eine Gestalt. Sie war nur als Schatten zu sehen und sie trug einen Hut und einen Mantel. Sie tat nichts und starrte mich nur an. Eine Aura des unvorstellbar Bösen ging von ihr aus und Entsetzen packte mich. Der Hutmann war das personifizierte Grauen. Und er stand da und starrte mich an. Ich wand mich innerlich und wollte schreien. Doch ich konnte mich einfach nicht bewegen. Das Entsetzen in mir war so groß, dass ich mich irgendwann aus der Paralyse reißen konnte und mich wieder aufsetzen konnte. Der Hutmann war fort. Ich schrie und wieder stürzten meine Eltern ins Zimmer. Dieses Erlebnis war noch unheimlicher, als damals, wo der Mann, der in mich hinein gesprungen war.
Die Attacken und Paralysen kamen seitdem immer häufiger in der Zeit. Der Hutmann kam regelmäßig und überzog mich mit Terror und Entsetzen. Fast jede Nacht stand er im Türrahmen mit dieser Aura des Bösen und des Terrors. Sowohl die Psychologin, als auch der Neurologe hatten keine Lösung dafür. Ich wurde im Schlaflabor durchgecheckt, ich bekam Neuroleptika, ich machte sogar eine Hypnosetheraphie. Doch nichts half. Der Hutman suchte mich weiter heim.
In einem Forum über Schlaparalyse konnte ich mich austauschen und jemand riet mir, wenn ich mal wieder aus meinem Körper treten konnte, sollte ich das wie ein Abenteuer begreifen und nicht als etwas Schlimmes. Was aber leichter gesagt war, als getan, wenn draußen der Hutmann ums Haus schlich.
Natürlich war mir, wenn ich wach war, klar, dass das alles nur Halluzinationen waren. Ausgelöst durch eine REM-Schlaf-Störung. Doch wenn es geschah, dann konnte mir kein noch so rationaler Hinweis helfen. Ich musste da durch.
Einige Tage später kam eine Nacht, in der ich aufwachte und mich aufsetzte. Mein Herz raste, ich war voller Adrenalin und ich atmete schnell, als wär ich im Schockzustand. Doch alles war ruhig. Kein Pfeifen, kein Dröhnen im Kopf, kein Vibrieren, keine Schritte. Alles war still. Das Haus schlief. Der Mond schien hell durchs Fenster.
Ich fühlte dieses Mal nichts bedrohliches und darum ging ich durchs Haus. Ich fühlte mich sonderbar, als würde ich in Watte eingepackt sein, oder durch … ja, ich fühlte mich irgendwie, als würde ich durch einen Traum laufen. Das wurde mir aber erst hinterher bewusst. Nicht in der Situation. Das Haus lag still und schlafend im Mondlicht und der Vorgarten lag friedlich im Schein der Straßenlaterne.
Ich verließ das Haus. Es war warm draußen und ich lief barfuß den Weg hinunter zur Straße. Alle Häuser waren dunkel und still. Ich bog rechts in die Straße ein. Alles kam mir völlig natürlich und alltäglich vor. Doch die Häuser waren teilweise schief und krumm. Manche waren absurd verdreht und fühlten sich merkwürdig an. Ich lief an ihnen vorbei und sah in der Ferne, an einer Laterne eine Gestalt lehnen. Sie machte keinen bedrohlichen Eindruck, also ging ich langsam auf sie zu. Die Gestalt hatte einen Fuß an der Laterne abgestützt und rauchte gemütlich eine Zigarette. Sie kam mir etwas vertraut vor. Im Näherkommen erkannte ich meinen Professor für Teilchenphysik, Professor Eickhorst.
Er drehte den Kopf, als er mich näherkommen hörte.
„Ah, Herr Richter. Kommen Sie auch endlich?“, grinste er freundlich und blies Rauchringe in die Luft.
„Sie haben auf mich gewartet?“, fragte ich.
„Gewartet ist so ein definierter Begriff, oder? Was ist schon real?“, fragte er zurück. „Sie kennen sich doch mittlerweile im Bereich der Photonen und Strings aus. Realität ist subjektiv.“
„Wie meinen Sie das?“ Ich war verwirrt.
„Das Doppelspaltexperiment, Herr Richter.“ Er schnippte die Zigarette weg und tippte mir lächelnd auf die Stirn. „Realität und Bewusstsein beeinflussen sich wechselseitig. Erst durch unsere Beobachtung wird die Spekulation zum Fakt.“
„Und das heißt?“ Ich verstand nicht was er wollte.
„Das unser Bewusstsein Realitäten konstruiert. Zeit und Raum spielen dabei keine Rolle. Überlegen Sie mal. Die Quantenebene existiert überall um uns herum.“ Professor Eickhorst fuchtelte aufgeregt mit den Armen und seine Augen glänzten. „Sie ist nicht nur unter uns. Sie durchdringt alles. Was glauben Sie, wozu unser Bewusstsein alles im Stande ist? “
„Was wollen Sie mir damit sagen?“, fragte ich.
„Haben Sie mal darüber nachgedacht, wie feinstofflich unser Bewusstsein ist? Ich wette, wenn wir träumen, existiert unser Bewusstsein auf der Quantenebene. Kombinieren Sie doch mal. Doppelspalt und Traumebene. Wenn Sie also denken, dass ich auf Sie gewartet habe, habe ich auf Sie gewartet. Weil SIE es wollen.“
„Ich muss weiter.“, murmelte ich und ging langsam an ihm vorbei.
„Ich habe den Hutmann gesehen, wie er zu Ihrem Haus gegangen ist. Gestern, vorgestern und so viele Nächte zuvor.“, sagte Eickhorst leise
Eine Gänsehaut überkam mich. Ich drehte mich zu meinem Professor um. „Wer ist der Hutmann? Was will er von mir?“
Eickhorst lächelte. „Sie haben nichts begriffen. Zeit existiert hier nicht. Gehen Sie und finden Sie den ersten Träumer, dann verstehen Sie.“
Ich war leicht genervt, weil alles, was er sagte so seltsam und abstrakt war. „Und wo finde ich den?“
„Gehen Sie ins Haus des Hutmannes.“
Mich schauderte. Der Hutmann war das personifizierte Böse und ich sollte in sein Haus gehen? Verrückt.
In der Ferne hörte ich ein Pfeifen. Es war DIE Melodie. Der Hutmann kam.
„Vielleicht sollten Sie jetzt gehen, Herr Richter.“, lächelte Eickhorst und tippte mir mit dem Finger auf die Stirn.
Ich erwachte in meinem Bett. Gelähmt. Voller Angst. Ich wusste, er war da. Die Wogen des Terrors und des Bösen, die von ihm ausgingen schwappten über mich hinweg und ich ertrank fast darin. Im Türrahmen stand der Hutmann und starrte mich an. Ohne jede Bewegung. Ich konnte nicht schreien, kein Ton kam über meine Lippen. Entsetzen packte mich, als ich neben dem Hutmann einen weiteren, tiefschwarzen Schattenmann erkannte. Er kam langsam näher zu meinem Bett und mit jedem Schritt verstärkte sich seine böse Aura. Er stand am Fußende meines Bettes und starrte mich an. Ich sah kein Gesicht, nur Schwärze. Der Hutmann stand weiter im Türrahmen. Ich schloss die Augen und betete. Dann, urplötzlich, verschwand das bedrohliche Gefühl. Ich konnte meine Arme und Beine wieder bewegen. Als ich meine Augen öffnete, war der Schattenmann und der Hutmann fort.
Das war ein seltsames Erlebnis und es nagte tagelang an mir. Albträume und Schattenmänner sind das eine, aber Nachts, während man eigentlich im Bett liegt und schläft herumzuwandern und es fühlt sich so real an, das war merkwürdig. In der Uni sprach ich Professor Eickhorst auf meinen Traum an und auch darauf, dass er darin vorkam und erzählte ihm, was er mir gesagt hatte. Meine Angst, er könnte es lächerlich finden nahm er mir mit sehr viel Verständnis und erzählte mir, dass er selbst Schlafparalysen hatte. Allerdings ohne Halluzinationen. Interessant war aber, was er zu seinen Aussagen an der Laterne sagte.
„Ich glaube, worauf mein Traum-Ich hinauswollte ist, dass er die Frage in den Raum stellte, was wäre, wenn nicht nur Photonen auf der Quantenebene existierten, sondern auch so etwas feinstoffliches, wie unser Bewusstsein. Was wäre, wenn es sich im Schlafzustand auf die Quantenebene zurückzieht? Diese Ebene durchdringt alles. Überall da, wo Materie ist, ist auch die Dimension des Allerkleinsten. Also auch in unserem Gehirn. Und wie wir gelernt haben, beeinflusst unser Bewusstsein dort das, was letztlich Realität ist. Darum brachte mein Traum-Ich das Doppelspaltexperiment ins Spiel, denn dort beeinflusst der Beobachter alleine durch seine Anwesenheit das Ergebnis. Zeit und Raum sind dort relativ. Stellen Sie sich vor, sie träumen dort ein Monster. Es ist für Sie dort real. Es kann Ihnen nur nichts tuen, weil Sie ja eigentlich nur feinstofflich dort sind. Stellen Sie sich vor, Sie träumen ein Monster und erzählen Ihrem Freund davon, der das selbe Monster träumt. Und dann träumt ein weiterer dieses Monster. Dann wird es plötzlich existent. Wenn mein Traum-Ich sagt, Sie sollen den Ursprung finden, sagt es, Sie sollen denjenigen finden, der den Hutmann als erstes geträumt hat. Er hat ihn real gemacht. Vielleicht trug er am Anfang keinen Hut, oder pfiff keine gruselige Melodie. Es sind die Generationen von Träumern, die ihm sein heutiges Gesicht geben. Er existiert dort. Wirklich. Aber er wurde von Menschen wie Ihnen erschaffen.“
Das klang logisch. Die Theorie hatte nur den Schönheitsfehler, dass ich nicht nur feinstofflich von dem Hutmann heimgesucht wurde, sondern dass mein physischer Körper da durchaus mit involviert war. Nur eben paralysiert. Und selbst wenn: Wenn MEIN Traum-Ich in dieser Quantentraumwelt umherwandert, dann wäre er logischerweise auch den physischen Bedingungen dieser Realität unterworfen und auch angreifbar. Generell hatte Herr Eickhorst aber Recht. Das, was mich dort heimsuchte, war das Resultat von Vielen, die von diesem Monster geträumt hatten. Eine selbsterfüllende Prophezeihung. Und wenn man den ersten Träumer fände, dann könnte man den Hutmann im Anfang besiegen.
Ich recherchierte im Internet nach dem Hutmann und fand heraus, dass er schon seit vielen Jahrhunderten gesehen wird. Von vielen Kulturen überall auf der Welt. Selbst, wenn sie nicht miteinander in Verbindung standen. Der Hutmann musste ein uraltes Geschöpf sein, dass von Generationen von Schlafparalysierten zu etwas unvorstellbar bösen und finsteren gemacht wurde. Ich kam an dieser Stelle nicht weiter. Ich konnte den Ursprung des Hutmanns nicht finden, sondern musste warten, bis ich das nächste Mal die Möglichkeit hatte, in meinem Traum spazieren zu gehen.
Einige Nächte später erwachte ich über mir schwebend. Ich schwebte unter der Zimmerdecke über meinem paralysierten Körper, der mich mit aufgerissenen Augen, in denen das pure Grauen stand, anstarrte.
Mehrere Wochen geschah nichts. Ich hatte weder Paralysen, noch falsches Erwachen, noch geisterte ich in meiner Traumwelt umher. Zwischendrin kam tatsächlich die Hoffnung hoch, dass dieser Spuk endlich ein Ende hatte. Ich fragte mich, wie ich den ersten Träumer davon abhalten sollte, vom Hutmann zu träumen? Ich konnte es ihm ja schlecht verbieten. Man träumt, wovon man träumt
Doch dann war es wieder soweit.
Ich erwachte und wieder schien dieser seltsam helle Mond in mein Zimmer. Auch die anderen Male als ich herumlief, obwohl ich eigentlich im Bett lag, war es so. Ich stand auf und drehte mich zum Bett um. Ich sah mich dort nicht liegen, doch das musste nichts heißen. Wenn ich wirklich das Haus des Hutmannes suchen wollte, musste ich unauffällig sein. Letztes Mal, als ich meinen Professor traf, trug ich meinen Star-Wars Schlafanzug. Heute entschied ich mich für etwas schlichteres. meinen dunklen Trainingsanzug und Turnschuhe. Ich verließ das Haus und sah Professor Eickhorst wieder an der Laterne stehen. Diesmal reagierte er nicht auf mich. Er grinste mich an. In seinen Augen lag etwas finsteres. Ich schauderte. Dann ging ich die Straße herunter. Die Häuser waren grotesk verdreht und schief, oder in düsteren Farben angemalt. Ich glaube heute, es lag daran, dass ich selbst etwas Angst hatte. Der Satz meines Professors half mir, es zu verstehen: Ich selbst beeinflusse durch meine Anwesenheit das Setting. Meine Anwesenheit war allerdings begleitet durch ein Gefühl der Anspannung und Angst.
Nebel legte sich über die Stadt und kein Laut war zu hören, als ich durch die Straßen der Traumstadt ging und mich um das diesige Leuchten der Laternen drückte. Wo sollte ich das Haus des Hutmanns finden? Wo wohnt so jemand? In einer 2-Zimmer-Wohnung? Die Häuser der Stadt lagen verlassen und dunkel am Straßenrand.
Ich kam an einer Gasse vorbei, die in tiefstem Schatten lag. Aus dieser Gasse hörte ich ein Flüstern.
„Du suchst den Hutmann?“
Ich fragte mich, woher die Flüsterstimme das wusste. Aber erst im Nachhinein erkannte ich, dass Stimmen im Dunkeln immer Dinge wussten.
„Geh zum Ende der Straße. Dort ist ein stiller Garten….“ Die Stimme verfiel in einen hämischen Singsang. „In diesem Stillen Gaaaarten, dort steht ein stilles Haus. Mit dunklen, leeren Fenstern und vielen schwarzen Zimmern und wenn du dort hineingehst, dann kommst du nie….mehr….raus!“ Die Stimme kicherte. „Der Hutmann ist gerade nicht dort. Noch nicht… vielleicht kommt er bald heim. Beeil dich.“
Ich schluckte meine Angst herunter und ging weiter die Straße entlang. Ich wollte garnicht wissen, wer die Stimme in der dunklen Gasse gewesen war. Manche Dinge sollte man vielleicht besser nicht wissen.
Am Ende der Straße kam ich an einen alten, verfallenen Holzzaun. Wie die Flüsterstimme es gesagt hatte. Hohes Gras und ein Garten lagen dahinter. Im Nebel konnte ich schemenhaft die Umrisse eines Hauses erkennen. Es ragte groß und bedrohlich, wie ein Schatten auf. Dort sollte ich hineingehen? Wonnach sollte ich suchen?
Ich weiß nicht warum. Ich ging vorsichtig zum Haus. Es war aus altem, verwittertem, schwarzem Holz. Wie die Flüsterstimme gesagt hatte, waren die Fenster alle Dunkel und verlassen. Ich gruselte mich. Doch ich überwand meine Angst und drückte die Türklinke. Es war ein Traum. Was sollte passieren? Sie schwang mit einem langen Knarzen auf. Ich zögerte noch kurz, doch dann ging ich hinein. Dunkelheit und ein Gefühl der Angst schwappten mir entgegen. Dies war das Haus des Hutmannes, des personifizierten Bösen.
Ich setzte widersinnigerweise meine Kapuze auf. Als könnte sie mich vor ihm schützen. Dann schlich ich langsam durch die Flure. Es gab keine Lichtschalter. Tiefe Schatten lagen in den Zimmern. Es roch nach Staub und Angst. Ich konnte alte Möbel erahnen. Bilderrahmen an den Wänden, in denen ich nur Schwärze sah. Mein Mund war trocken vor Angst. Ich öffnete eine der Türen, die von dem ersten Flur abgingen. Sie knarrte, als sie aufging. Ich sah nichts darin. Nur Dunkelheit. Ich habe jede Tür geöffnet und dabei immer mit einem Ohr gelauscht, ob der Hutmann heimkam. Doch in allen Zimmern fand ich nur schwarze, staubige, verlassene Schatten, Düsternis, Leere und Angst. Die letzte Tür öffnete sich knarrend.
Ich erstarrte. Grauen erfasste mich und schnürte mir die Kehle zu. Ich zitterte. Der Mond warf ein fahles Licht in dieses Zimmer und in dessen Mitte stand ein Stuhl. Über die Stullehne war ein schwarzer Mantel gehängt. Ein Hut war über die Ecke gehängt. SEIN Hut.
„Du musst den Ersten finden.“, flüsterte es aus den Schatten in den Ecken des Raumes. Ich zuckte zusammen. Panik überrollte mich. Ich erkannte die Stimme aus der Gasse. Ich wollte wegrennen, doch ich konnte mich nicht bewegen vor Angst. War die Stimme der Hutmann?
„Such ihn….“, wisperte die Stimme erneut. „Nur so kannst du den Hutmann besiegen. Geh ans Ende der Stadt, dahin, wo der Ursprung ist. Da wirst du ihn finden.“
Ich konnte nichts sagen, mein Hals war ausgetrocknet vor Angst und Entsetzen schüttelte mich.
„Finde ihn…“, wiederholte die Flüsterstimme. Dann verwandelte sich das Flüstern in ein absurdes, wahnsinniges, schrilles, kicherndes Kreischen. „Und wenn du ihn hast, dann musst du ihn erwürgen!!!“
Ich floh entsetzt aus dem Haus, verfolgt von dem Lachen der Schattenstimme. Ich rannte, getragen von Todesangst, vorbei an Häusern, Straßen und Stadtvierteln, bis ich erschöpft innehielt. Ich setzte mich in den Schatten eines Hauseingangs, um mich zu beruhigen. Dieser Traumausflug war ein wahrer Albtraumausflug. Hatte die Stimme die Wahrheit gesagt? War der einzige Weg, den Hutmann aufzuhalten der, den ersten Träumer zu töten? Ich kann niemanden töten. Nicht mal im Traum. Ich bin kein Killer. Ich bin Gamer und Physikstudent. Aber ich war schon so nahe am der Lösung des Rätsels. Ich konnte nicht zurück. Würde ich jetzt gehen und die Flüsterstimme dem Hutmann erzählen, dass ich in sein Haus eingedrungen war, was würde dann bei meiner nächsten Paralyse geschehen, wenn er wieder zu mir kam? Es musste heute enden. Es durfte nie beginnen.
Ich ging weiter an den gruseligen, verdrehten Häusern vorbei. Der Nebel hatte sich gelichtet und ein fahler, runder Mond warf ein kaltes Licht auf die Stadt.
Je weiter ich ging, desto mehr veränderten sich die Häuser. Es wurden Fachwerkhäuser und kleine Backsteinhäuser, wie es sie bei uns in der historischen Altstadt gab. Die Flüsterstimme hatte gesagt, wenn ich weitergehe, werde ich das Haus des Ursprungs finden. Der Hutmann war Jahrhunderte alt. Natürlich konnte er nicht in einem modernen Stadthaus geboren worden sein. Es musste ein altes Haus sein.
Ich ging weiter. Wie lange, weiß ich nicht. Irgendwann kam ich zum Stadtrand. Der Mond schien auf weite Wiesen und graue, stille Wälder in der Ferne. Und dann sah ich es.
Auf einem Hügel stand ein Haus. Oder eher eine Hütte. Sie war aus Holz, mit Lehmwänden und einem Retdach. Sie musste mehrere hundert, wenn nicht gar tausend Jahre alt sein. Der Mond beschien sie. Alle Fensteröffnungen waren dunkel. Rauch stieg aus einem Kamin auf. Neben mir in den Büschen raschelte es.
„Es ist der einzige Weg.“, wisperte die Schattenstimme. Wie hatte sie mir folgen können? „Dies ist DIE Nacht. Heute wird es geschehen. ER wird geboren. Du kannst es nicht verhindern. Selbst wenn du ihn aufweckst, wird er ihn morgen träumen oder übermorgen. Töte ihn. Du kannst ihn nur so aufhalten.“ Die Stimme gluckste belustigt. „Du musst ihm den Hals umdrehen. Während er schläft. Es ist der einzige Weg.“
Adrenalin schoss durch meinen Körper. Hatte die Stimme recht? Hatte es denn überhaupt Bedeutung hier, in meinem Traum, wenn ich… Ich schüttelte den Kopf und verdrängte den Gedanken.
„Ja genau, es ist nur dein Traum. Der Junge da drin, er ist garnicht wirklich hier. Er ist nur in deinem Kopf.“, kicherte es aus dem Gebüsch. „Geh, dir bleibt nurnoch wenig Zeit. Er wird gleich kommen.“
Ich drehte mich um und sah zurück zur Stadt. Die Häuser lagen dunkel und leer unter dem Mondlicht. In der Ferne meinte ich, ein leises Pfeifen zu hören. Oder bildete ich es mir ein?
Ich zog die Kapuze tiefer in mein Gesicht und ging leise zum Haus. Ich konnte die Tür öffnen. Wärme und der Geruch von Holz, Kräutern und Rauch schlug mir entgegen. In einem großen Raum tauchte die Glut eines verlöschenden Feuers in einem Kamin den großen Wohnraum in ein warmes, flackerndes Licht. An den Wänden waren Schlafnischen, in denen Menschen lagen. Wo war ich gelandet? In der Steinzeit?
„Komm.“, flüsterte es neben mir. „Er ist nebenan.“
Ich drehte mich um und folgte der Flüsterstimme zu einer Kammer, in der ein Bett stand. Der Mond schien durchs Fenster. Tonkrüge und Säcke waren an einer Seite der Wand aufgestapelt. Es schien ein Raum zu sein, der auch als Lagerraum genutzt wurde. Ich sah zu dem Bett. Auf Fellen und Stroh lag ein Junge und schlief. Er war kaum zehn Jahre alt, schätzte ich. Er sah so friedlich aus. Ich blieb im Flur stehen und betrachtete das Kind.
„Gleich passiert es.“, wisperte es.
Das Kind drehte sich auf den Rücken. Ich lag auch immer auf dem Rücken, wenn es passierte. Ich wusste, was ihm jetzt bevorstand. Seine Muskeln würden gelähmt sein und dann würde er aufwachen. Und dann würde der Hutmann kommen.
„Verstehst du? Du kannst es jetzt beenden, bevor es beginnt.“ Die Stimme machte eine Pause. „Oder….wenn du es nicht kannst, könnte ich ….es…..tun.“ Wieder dieses leise, meckerdnde, bösartige Lachen. Ich spürte, wie eine ungeheure Agressivität und Mordlust von der Stimme ausging. Es fühlte sich böse an.
Ich hörte, wie der Junge hektisch atmete. Es war zu spät. Die Paralyse hatte begonnen. Das Kind riss die Augen auf und sah mich an. Er wusste, dass ich im Zimmer stand und ihn ansah. Panik und Adrenalin schoss in mir hoch. Was sollte ich tun? Wenn der Hutmann herausfände, was ich vorhatte….wer würde ihn davon abhalten , mich zu töten? Ich hörte ein Pfeifen vor dem Haus, das langsam näherkam.
Der Junge sah mich an. Ich wusste, dass er Todesangst hatte. Ich kannte es von mir selbst. Jetzt oder nie! Ich musste handeln. Ich ging auf den Jungen zu, setzte mich auf ihn und und würgte ihn. Dem Kind stand das pure Grauen in den Augen. Er röchelte und und gab fürchterliche Töne von sich. Doch er wehrte sich nicht. Er war gelähmt. Ich drückte das Leben aus ihm.
Doch irgendwer im großen Schlafraum musste etwas gehört haben. Ich hörte Geräusche. Jemand stand auf und kam herüber. In Panik ließ ich von dem Jungen ab und sprang durch das Fenster der Abstellkammer. Im Wegrennen hörte ich das Kind vor lauter Grauen schreien. Es war fehlgeschlagen . Ich hatte versagt. Ich hatte die Chance, den Hutmann aufzuhalten, doch ich habe es nicht getan. Ich floh und rannte, bis ich erschöpft an meinem Haus ankam.
Ich ging hinein. Alles schlief. Ich ging die Treppe hinauf zu meinem Zimmer. Der Mond schien hell durchs Fenster und ich ging zu meinem Bett. Ich sah mich darin liegen. Ich sah, wie mein schlafendes Ich die Augen aufriss und mich anstarrte. Mich, der ich mit Kapuze im Gesicht am Fußende des Bettes stand und ihn anstarrte.
Ich hörte, wie die Flüsterstimme draußen im Garten kicherte.
Der Ben, der im Bett lag drehte die Augen und sah zur Tür. Ich spürte, dass er da war. Das Gefühl jagte mir einen Schauer über den Rücken. Diese Aura des Bösen und des Terrors. Er war das pure Böse und ich wusste, er war gekommen und stand hinter mir im Türrahmen. Ich wusste es, weil ich es vor einiger Zeit erlebt hatte. Weil ich der Ben im Bett war.
Mein Professor hatte Recht. Raum und Zeit existierten hier nicht.
„Hallo.“, sagte der Hutmann.
Er hatte meine Stimme.