
Warum Michael Myers tötet
Fanfiction von Torge Meyer
ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT
Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.
Warum Michael Myers tötet
Von Torge Meyer
In den Straßen von Haddonfield flüsterten die Bewohner seit Jahrzehnten von einer Gestalt, die nicht stirbt. Sein Name war Michael Myers. Wer ihn begegnete – oder sogar von ihm gehört hatte – sprach selten darüber, und wenn doch, dann nur leise und heimlich und verängstigt. Michael war nicht einfach ein Serienmörder. Er war eine bedrohliche Kraft, ein Dämon in Menschengestalt, der immer wiederkehrte, egal wie oft man versuchte, ihn zu vernichten. Seine Geschichte begann in einer eigentlich gewöhnlichen Nacht, an Halloween 1963.
Damals war Michael ein Kind, er war erst sechs Jahre alt. Ohne Vorwarnung, ohne.erkennbaren Zorn, ohne verständlichen Grund, nahm er ein Küchenmesser aus der Schublade und tötete seine ältere Schwester Judith. Die Tat war so plötzlich wie sie erschreckend war und doch wehte sie durch Haddonfield wie ein kalter Windstoß. Er wurde in einer psychiatrische Anstalt gebracht, in der er die nächsten fünfzehn Jahre verbrachte. Michael sprach nicht. Kein Wort. Keine Erklärung für seine Tat. Für die meisten war er ein schwerer Fall für die Psychiatrie – ein gestörter Junge, vielleicht ein Opfer seiner grauenhaften Gedanken oder von Missbrauch. Doch sein zuständiger Arzt, Dr. Loomis, sah etwas anderes: eine Dunkelheit, die tiefer reichte als unsere Vorstellungskraft. Loomis sagte einmal, er habe in den Augen seines Patienten nichts Menschliches gesehen, nur die Leere eines reinen, schweigenden Bösen.
Am Abend des 30. Oktober 1978 brach Michael Myers aus der Psychiatrie aus. Niemand konnte sich erklären, wie er dies geschafft hatte. Er tauchte wieder in seiner Heimatstadt Haddonfield auf, und in der folgenden Halloween-Nacht begann eine fürchterliche Mordserie, die das Städtchen für immer prägte. Seine Opfer wählte er willkürlich – Männer, Frauen, Jugendliche, Babysitter. Von diesem Moment an wurde Michael zum Symbol der Gewalt. Kugeln, Messerstiche, Feuer – nichts schien ihn zu zu töten. Er tauchte aus den Nichts auf, bewegte sich langsam, stumpf, und verschwand wieder, sobald er sein blutiges Werk vollbracht hatte.
Die Maske, die er trug – weiß, ausdruckslos, mit leeren Augenhöhlen – machte es unmöglich, irgendein Gefühl in ihm zu erkennen. Sie spiegelte anscheinend das wieder, was in ihm vorging: Nichts
Die Jahre vergingen, und immer wieder kehrte er für ein erneutes Gemetzel zurück. Mal vergingen Jahre zwischen seinen Taten und die Bewohner dachten, es sei vorbei. Doch dann ging das Morden von vorne los. Immer wenn Halloween nahte, fürchtete Haddonfield das Geräusch langsamer, schwerer Schritte und eines tiefen Atmens in der
dunklen Nacht von Samhain. Michael Myers war nicht nur ein Mörder mit einem Messer. Er war eine gnadenlose
Gewissheit, dass das Böse niemals ganz verschwand – es wartete nur auf seinen Moment. Doch nun ist der „schwarze Mann“, wie Kinder ihn nennen, seit vielen Jahren nicht mehr aufgetaucht. Er scheint gestorben zu sein. Die wirklichen Beweggründe für
die Taten von Myers sind bis heute nicht aufgeklärt. Es gibt Vermutungen und Theorien. Doch Halloween 2025 scheint dies nun zu ändern.
Der letzte Bericht von Dr. Samuel J. Loomis vor seinem Tod:
Ich schreibe diese Worte auf, nicht in der Hoffnung, dass jemand mich rational verstehen wird. Ich schreibe sie nicht in der Absicht auf, Erlösung zu finden, oder um mich von der Schuld freizusprechen, die mich seit etlichen Jahren begleitet. Ich schreibe sie nicht auf, um das Rätsel zu lösen, das mich mein ganzes Leben verfolgt hat – denn dieses Rätsel hat keine logische Lösung, sie ist jenseits davon. Es ist kein.Abgrund, es ist ein Abgrund. Ich schreibe dies hier auf, weil ich mich dazu verpflichtet fühle. Denn da ist dieses Gefühl habe, dass ich es nicht mit ins Grab nehmen darf. Weil mir bewusst ist, dass meine Zeit auf Erden fast abgelaufen ist, und weil ich in den letzten Tagen meines Lebens nicht mehr schweigen kann. Ich muss aufklären, es muss Aufklärung. Dies ist kein klinischer Bericht. Kein offizielles Protokoll. Keine Zusammenfassung psychologischer Erkenntnisse. Es ist vielmehr das Testament eines alten kranken Mannes, der zu lange geglaubt hat, dass das Böse etwas sei, das man in üblichen Begriffen erklären oder in Schubladen stecken könne. Ich war Psychiater. Ein Mann der Wissenschaft sozusagen. Ein Mann der Logik. Ich habe geglaubt, dass jedes Verhalten
zu erklären sei, dass jede Tat einen Ursprung, eine Ursache, einen Katalysator habe. Doch ich irrte mich.
Ich irrte mich bei Michael Myers.
Ich habe ihn das erste Mal gesehen, als er sechs Jahre alt war. Ein kleiner Junge, der blutüberströmt in der Einfahrt seines Elternhauses gestanden haben soll. In der Hand hielt er ein Küchenmesser, das fast so lang war wie sein Arm. Seine Schwester lag im
Schlafzimmer. Aufgeschlitzt. Gemetzelt. Getötet. Die Art von Tat, die man nicht einmal.einem ausgebildeten Auftragsmörder zutrauen würde – geschweige denn einem Kind. Aber Michael war nicht erschüttert. Er sei in diesem grotesken Augenblick nicht verwirrt oder traumatisiert gewesen. Er sei nicht panisch oder weinend rübergekommen. Nein – laut der damaligen Zeugen, unter denen auch seine Eltern waren, stand er nur da,
vollkommen still, mit einem Ausdruck auf seinem Gesicht, den ich auch in der
Psychiatrie beobachten konnte. Nie wieder habe ich danach so einen Ausdruck gesehen. Ich erkannte in diesem mysteriösen Jungen keinen Zorn. Keinen Hass. Keinen Schmerz.
Keinen Wahnsinn. Ich sah… Leere. Ein vollkommenes, nicht zu verstehendes Nichts.
Ich habe einige Jahre an Smith’s Grove gearbeitet, ich habe zahlreiche Kinder
untersucht, die aus zerrütteten Verhältnissen kamen, Kinder mit Psychosen, mit brutalen Gewaltfantasien, mit Persönlichkeitsstörungen. Aber Michael war anders. Er war nicht in irgendeiner Weise kaputt. Er war nicht seelisch verletzt. Er war nicht erkrankt. Er war.. leer. Und in diese Leere, so wurde es mir mit der Zeit klar, war etwas eingedrungen. Etwas, das dort eigentlich nicht hingehörte. Etwas, das keinen Namen besitzt, aber eine Präsenz. Ich versuchte, ihn zu verstehen. Jahrelang. Ich stellte ihm alle erdenklichen Fragen. Ich zeigte ihm Bilder. Ich provozierte ihn, ich versuchte, ihn zum Reden zu bringen. Mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln. Aber er sprach nicht. Nicht ein Wort. Stattdessen starrte er nur. Meist aus dem Fenster. Die ganze Zeit. Immer dasselbe Fenster. Das im dritten Stock, mit Blick auf den alten Krankenhausgarten. Oder später, als er 1978 ausbrach und in seine Heimatstadt zurückkehrte und die Morde dort begann, sah er in jenes Fenster im Kinderzimmer seines Elternhauses. Es war immer dieses Fenster.
Es dauerte Jahre, bis ich zu verstehen begann, was er dort sah. Oder besser gesagt: Was er nicht sah. Ich glaube, Michael starrte nicht hinaus. Er starrte hinein. In das Spiegelbild im Glas. In das, was jenseits des Bildes lag. In die Stelle, wo üblicherweise das eigene
Selbst erscheint – das Gesicht, mit dem man sich selbst identifiziert. Doch in Michaels.Fall war dort nichts. Kein Hallo. Kein Ich. Kein menschliches Wesen. Kein Wille. Nur ein Fenster, das zurückblickte. Ich begann zu begreifen, dass das, was Michael bewohnte, nicht er selbst war. Sondern etwas, das durch ihn sprach – oder vielmehr durch ihn handelte. Er war kein Mensch, der
Böses tat. Er war das Werkzeug, durch das das Böse sich ausdrückte. Nicht in der Form von Wut oder Hass, sondern in reiner vollkommener gleichgültiger Stille.
Michael Myers ist nicht das Böse. Das war mein Fehler, den ich jahrzehntelang mit mir herumtrug. Ich dachte, wenn ich ihn fassen, ihn töten, ihn einsperren könnte, würde ich das Bösen auslöschen. Aber das war ein Trugschluss. Er war nicht das Böse – aber er war der Spiegel, in dem es sich zeigte. Das Böse, das durch Michael spricht, hat keine persönliche Ebene. Es ist nicht irgendwie leidenschaftlich. Es ist nicht zielgerichtet im rationalen Sinne. Es ist… leer. Eine Struktur, die nur darauf wartet, etwas bewohnen zu können. Und Michael, mit seiner gnadenlosen inneren Leere, war das perfekte Gefäß dafür.
Ich weiß nicht, woher diese Präsenz ihren Ursprung hat. Vielleicht ist sie älter als unsere Sprache. Vielleicht ist sie ein Fehler im Gewebe der Welt, ein Riss, durch den etwas jenseits unseres Verständnisses hereinsickert. Ich weiß nur: Sie ist real. Sie existiert. Sie bewegt sich. Sie springt nicht durch Blut, nicht durch Flüche, nicht durch Rituale. Sie.springt durch eine zu tiefe Erkenntnis. Durch den Moment des Begreifens von etwas unaussprechlichen.
Ich habe zu lange in dieses Fenster geblickt. Ich habe zu lange versucht, ihn zu begreifen. Und jetzt… glaube ich, dass es mich ebenfalls sieht.
Ich werde diesen Bericht versiegeln. In der Absicht, dass nur wenige ihn lesen. Er ist für meine Nachfolger bestimmt. Meine Nachfolger, die mit dieser Thematik umgehen können. Aber ich warne ausdrücklich vor dem Versuch, die Präsenz zu suchen. Denn das Denken ist das Fenster. Der Blick, der zu lange verweilt, wird zum Portal. Ein Michael Myers reicht. Mein ehemaliger Patient wird immer noch gesucht. Er konnte bis zum heutigen Tag nicht gefasst werden. Doch ich weiß, dass er irgendwo in Haddonfield lauert und darauf wartet, dass seine Zeit wieder anbricht. Es ist mir bis heute nicht ganz klar, warum er an Halloween mordet. Vermutlich, weil sich nach der Mythologie von Samhain das Tor zur Geisterwelt öffnet und damit auch die Präsenz ihre volle Macht entfalten kann. Doch irgendwann wird das Gefäß alt und gebrechlich werden und
sterben. Mit dem Tod von Michael Myers soll es enden.
An alle meine Nachfolger. Versucht mit allen Mitteln, die Präsenz daran zu hindern, ein neues Gefäß zu finden. Leider ist es mir nicht möglich, zu erklären, wie wir es konkret verhindern. Ich kann euch nur versichern, dass Halloween der Schlüssel ist.
Dr. Samuel J. Loomis, verstorben 1996
Bericht von Lt. Jonathan Hart, Haddonfield Police Department, 2025
Am 26. Oktober 2025 wurde im nördlichen, längst aufgegebenen Flügel von Smith’s Grove ein unbekannter Abstellraum entdeckt. Die Tür war mit mehreren Riegeln gesichert – vier von außen, einer von innen. Das Schloss war stark verrostet, das Holz morsch, und die Tür ließ sich nur mit Mühe öffnen. Drinnen befand sich ein einziger, kleiner Schreibtisch, ein verstaubtes Patientenbett, ein zerschrammter Rollcontainer. Und in der Ecke stand ein kaputter Stuhl mit einer schwarzen Mappe. Darauf, schwer zulesen, stand: „NUR IM TOD ÖFFNEN und an meine Nachfolger übergeben – S.J. Loomis“.
Ich nahm die Mappe mit. Das war nicht eigentlich mein Auftrag. Ich hätte sie
stattdessen archivieren müssen. Aber irgendetwas daran ließ mich nicht los. Ich musste sie lesen. Und mit jedem Satz, den ich las, wurde mir kälter. Nicht körperlich. Es war eine tiefgehendes Gefühl, das ich vorher nicht kannte.
Ich habe den Bericht mehrfach gelesen. Beim dritten Mal begannen die Träume. Immer dasselbe: Ich stehe in einem Zimmer. Es ist das Kinderzimmer im alten Myers-Haus. Vor mir: ein Fenster. Dahinter: nichts. Kein Garten, keine Straße. Nur Dunkelheit. Und in
dieser Finsternis: eine Gestalt in der Ferne. Oder genauer gesagt: ein Schatten, der nicht einmal Umrisse hat. Wie konnte ich überhaupt einen Schatten in der Dunkelheit erkennen? Ich weiß nicht, ob es Michael Myers ist – oder etwas anderes. Aber ich weiß: Es sieht mich an und versucht mich zu erreichen.
Ich erwachte schweißgebadet. Und das Fenster in meinem Schlafzimmer… ist von innen beschlagen. Obgleich es offen war. Ich begann, Fenster mit Decken zu verhängen. Die Spiegel in meinem Haus zu meiden. Ich bemerkte, wie meine Gedanken bizarrer wurden. Wie meine Träume sich auch am Tag fortsetzten. Ich hörte Dinge. Ich sah Schemen. Immer wieder sah ich das Fenster aus Loomis’ Bericht. Immer wieder spürte ich… dass ich nicht allein war. Ich habe in den letzten Tagen einige Archive durchforstet – alte Zeitungsartikel, Polizeiberichte und sogar verstaubte Mikrofilme in den unteren Etagen der Stadtbibliothek. In keinem davon fand ich eine bestätigte Sichtung von Michael Myers nach dem Jahr 1997. Die Akten hatten Lücken, viele Berichte irgendwie widersprüchlich. Ganze Dokumente wurden offenbar „verlegt“. Für die meisten war Michael Myers tot.
Vermutlich ist er es auch…
Seit 1998 feiert unser Städtchen kein Halloween mehr. Nicht nur aus Furcht – es ist heute offiziell verboten. Ein Gesetz, das ursprünglich nur die Stadt betraf, betraf wenige Jahre später die USA. 2001 wurde es landesweit verabschiedet: Halloween wurde in den
Vereinigten Staaten abgeschafft. Keine Masken mehr. Keine geschnitzten Kürbisse vor den Türen oder auf den Fensterbänken. Keine Kinderstimmen mehr, die „Süßes oder Saures“ riefen. Die Nacht, die einst voller Schokolade und Gelächter war, lag seither jedes Jahr in bedrückender, stiller Laune. Viele Bewohner verriegelten die Türen und blieben Zuhause. So langsam aber erholt sich Haddonfield von der blutigen Zeit. Denn die Menschen werden wieder offener und weniger paranoid.
Kurz nach dem Tod von Dr. Loomis schloss man die psychiatrische Einrichtung, in der Michael einst 15 Jahre wartete. Das Gebäude verstaubte schnell und die Fenster wurden
mit Steinen eingeschlagen. Niemand wollte die Leitung übernehmen und niemand.führte Loomis’ Arbeit fort. Man überließ das Gebäude seinem Schicksal, ein sogenannter „Lost Place“ entstand.
Haddonfield tat vieles dafür, um Michael Myers zu vergessen. Sie wollten glauben, dass das Böse endgültig verschwunden war..Doch ich glaube nicht, dass es je um ihn persönlich ging. Er war der erste, der die Leere gesehen hat. Die Form, in die das namenlose Etwas hineinfloss. Halloween ist der Portaltag hierfür. Vielleicht braucht es nicht mehr ihn. Vielleicht sucht es längst nach anderen. Nach dem Nächsten. Nach mir.
Am Abend des 31. Oktober werde ich zum Myers-Haus gehen. Ich werde durch das besagte Fenster blicken, durch den der Serienmörder blickte. Ein letztes Mal. Wenn ich dann nicht zurückkehre, soll niemand mehr nach mir suchen. Niemand mehr das Fenster öffnen. Doch es ruft mich und ich kann mich nicht dagegen wehren. Denn ich glaube, es sieht uns alle an Samhain, aber es kann nur durch die Leere übertragen werden. Die Leere, die in uns allen schlummert.
Lt. Jonathan Hart – vermisst seit 31. Oktober 2025. Letzter bekannter Aufenthaltsort: Haddonfield, Myers-Haus, zweites Obergeschoss, Kinderzimmer. Fenster: von innen beschlagen. Auf der Scheibe, im kalten Hauch der Nacht: „WIR SIND DIE FORM. ER WAR NUR DER ANFANG.“
Bitte folgende Warnung in das Video zum Abschluss einblenden: Sucht am
Halloweenabend nicht nach der Leere in euch in einem Spiegel. Dieses Ritual ist gefährlich und könnte tatsächlich negative Auswirkungen auf euch haben. Dieser Hinweis ist kein Teil der fiktiven Geschichte, sondern eine ernstgemeinte Warnung.
In Liebe, Torge Meyer.