
The Showers II
ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT
Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.
Das hier wird, ohne den ersten Teil nicht gelesen zu haben, keinen Sinn ergeben. Falls du einer der wenigen bist, die diesen Gelesen haben – Glückwunsch! An alle anderen – AB MIT DIR „The Showers I“ – l37|2|_|364|v|3
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PART 2
Da ich nun wieder nüchtern bin, bin ich bereit die Geschichte zu Ende zu bringen. Für euch, für das Internet, und für alle die sich überhaupt hierum scheren.
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Ich wusste nicht, dass Mr. Mays gestorben ist bis nach ein paar Monaten, nachdem er beigesetzt wurde. Ich wollte erst, so wie jeder es gemacht hätte, eine Beileidskarte an seine Familie schicken. Jedoch war es nicht so, dass Mr. Mays und ich beste Freunde gewesen wären oder sowas. Also ließ ich es. Ich machte mein Studium weiter und schloss die Uni ein Jahr oder so, nachdem wir unser Treffen in der Bar hatten, ab.
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Einen Abschluss in Englisch zu machen war kein Fehler, nur gab es mir nicht wirklich die Möglichkeit direkt in einen Job einzusteigen. Ich hatte während meiner Collegezeit ziemlich viel Geld auf die hohe Kante gelegt und fand, dass es nun an der Zeit ist mir selber etwas Gutes zu tun und in den Urlaub zu fahren. Also nahm ich mein Geld und holte meinen Kollegen Steve, welchen ich während meiner Studienzeit kennen lernen durfte, mit ins Boot. Wir packten unsere Sachen und fuhren einfach darauf los. Als Ziel hatten wir grob die Rocky Mountains im Visier. Als ich klein war lebte ich in Littleton, Colorado und ich wusste, dass es dort immer schön gewesen ist. Also war dieses Ziel so gut wie kein anderes.
Die Fahrt war ein voller Erfolg. Wir schafften es bis irgendwo bei Estes Park, Colorado und fanden eine kleine, günstige Hütte, welche wir für ungefähr einen Monat mieteten. Die Tage dort waren geprägt von Faulenzen, Wandern und Sachen bei denen wir nichts machen mussten. Nachdem unsere Miete abgelaufen war haben wir wieder unsere Sachen gepackt und haben uns auf unseren Weg nach Osten gemacht.
Während unserer Zeit dort haben wir ein paar Einwohner des Estes Park in den lokalen Bars getroffen. Wir haben nie „abgehangen“ oder so; wir hatten nur hier und da unsere Gespräche über die üblichen Gesprächsthemen. Eine Nacht haben diese Leute extrem früh schon ihre Sachen bezahlt und wollten abhauen. Normalerweise waren sie immer bis Sonnenaufgang dort. Als wir fragten warum, meinten sie, dass sie sich mit ein paar Kollegen treffen und dass wir auch gerne kommen könnten. Da wir nichts anderes zu tun hatten stiegen wir ins Auto und fuhren ihnen hinterher.
Der Gruppe gefiel meine Geschichten, wobei “The Showers“ der Liebling der Meisten war. Steve und Ich machten uns gegen 5 in der Früh auf dem Heimweg zur Hütte und er fragte mich nach dieser Geschichte auf dem Weg nach Hause. Ich erzählte ihm alles über Mr. Mays, der Klasse, meine Vorliebe für alles was mit Horror zu tun hat und was nicht alles und schlug vor, dass wir diesen Ort suchen sollten auf unserem Heimweg nach New York. Eigentlich war ich abgeneigt; wollte ich nicht Sinnlos durch Nebraska für Tage laufen und ein Farmgebäude suchen, welches wahrscheinlich schon längst zerstört war. Aber ein paar Tage bevor wir Colorado verließen sagte ich Steve, dass es doch nach Spaß klinge. Wir wären eh für eine lange Zeit nicht mehr in der Lage sowas wie das zu wiederholen, weswegen ich dachte, dass wir einfach das Beste draus machen sollten. Im Hinterkopf behielt ich diese Idee als ein Tribut an Mr. Mays; ein Typ, der, zurückblickend, mir klarmachte, dass ich ein Schreiber werden wollte.
Wie dem auch sei, wir verließen also Colorado und machten uns auf den langen, langweiligen und öden Weg nach Broken Bow, Nebraska – oder “Himmel auf Erden“, wie es Mr. Mays gesagt hat. Wir fanden ein Motel in der Stadt und hingen erst einige Tage rum und suchten dann alles in jede Richtung für ein paar Hundert Meilen oder so ab. Ich erinnerte mich daran, dass Mr. Mays sagte, dass es irgendwo außerhalb von Broken Bow sein sollte; glaubte aber nicht, dass er genauer als das wurde.
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Wir versuchten die Einwohner zu fragen, ob sie irgendwelche Informationen über “The Showers“ hätten, jedoch wurden wir nur mit leeren Gesichtern oder Augenrollen entgegnet, als wir ihnen sagen was genau dieser Ort sein sollte. Die einzige Person die mehr zu wissen schien war eine alte Dame die knapp außerhalb der Stadt an einer Tankstelle arbeitete. Ich erinnere mich nicht mehr an ihren Namen, jedoch war sie eine von den typischen alten Damen – Nett, freundlich und immer Hilfsbereit und Offen, wenn jemand ein Anliegen hatte. Steve hatte angefangen mit ihr zu reden als sie wegen unserem Nummernschild fragte und bemerkte, dass wir ja sehr weit weg von Zuhause waren. Wir mussten nirgendswo hin, also redeten wir gute 15 Minuten mit der alten Dame bis wir unsere Suche nach “The Showers“ offenlegten.
Zunächst sagte der Name der Dame nichts, was klar war, da es einfach ein Name war, den Mr. Mays dieser Geschichte gegeben hatte. Als Ich jedoch begann, die Details zu beschreiben die Mr. Mays nannte, fiel mir die alte Dame ins Wort. Ihr Ton war nicht spöttisch oder gemein, aber sie wurde von dort an ziemlich lapidar und bedacht in dem was sie sagte.
„Leute beschäftigen sich hier nicht mehr mit Sachen die in dem Bezug passiert sind“, sagte sie uns. „Das war vor langer Zeit“. Nach ihren Aussagen versuchte sie wieder heiter und gut gelaunt zu wirken. Sie entschuldigte sich zur Toilette und wünschte uns das Beste auf unserer Heimreise nach New York.
Steve und ich gingen ohne ein Wort zu sagen zurück zum
Auto. Wir dachten beide darüber nach, was die Dame gerade gesagt hatte. Wie
erwähnt schien sie nicht Sauer oder sonstiges, sondern wollte einfach nichts weiter darüber hören. Wir fuhren zurück zum Hotel bevor Steve etwas sagte. „Ich meine, wenn ich in einer Gegend leben würde, die mit einer Urbanen Legende Zusammenhängt, würde ich doch jeden verarschen der danach fragen würde“,
sagte er. „“Weil irgendwann ist man doch einfach nur noch genervt von den
ganzen Fragen. Allllso würde man doch einfach versuchen die Person zu
verängstigen, damit sie ihre Fresse hält, oder nicht?““
Ich stimmte Steve überein und fuhr weiter, aber
irgendwas schien mir faul. Wenn dies hier eine so bekannte Legende in der
Gegend ist, warum wusste dann anscheinend keiner in der Stadt etwas? Ich ließ
den Gedanken aber schnell wieder schwinden. Weißt du, keiner von uns beiden
hatte Angst “The Showers“ zu finden; war diese Suche nach dem Ort eher wie eine
Schnitzeljagt – das Spannende an der sonst entspannenden Reise. Steve und ich
waren praktisch wie Touristen, die Orte besichtigten, an denen Filme gedreht
wurden oder sonst was. Wir gingen mit fast bis gar keine Erwartungen an die
Sache heran und nur einer flüchtigen Hoffnung diesen Ort wirklich zu finden.
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Wir verbrachten noch einen weiteren Tag in Broken Bow
bevor wir uns auf die nächste Suche nach The Showers machten. Nebraska ist
nicht wirklich so schlimm wie Leute sagen, aber spannend ist es auch nicht. Wir
fanden eine Kneipe und verbrachten etwas Zeit dort, was auch alles war was wir
an unserem “day off“ taten.
Als wir uns wieder auf die Reise machten beschlossen
wir, Hauptstraßen so lange wie möglich zu meiden. Ich wusste, dass dieser Ort
nicht direkt an irgendeinem Highway war und ich erinnerte mich an ein Detail
von einem Feldweg in Mr. Mays Geschichte. Also fingen wir an nach diesem zu
Suchen. Im Nachhinein war das Sinnlos – Nebraska besteht fast nur aus
Feldwegen.
Es war 7 Uhr Abends, als wir zu einem kleinen, aber
dichten Wald kamen. Ich benutze das Wort mit Vorsicht, denn für Nebraska war
das wie eine Oase. Die Bäume waren dicht und breit; den Rest des Waldes hinter
sich verschließend. Die Sonne ging unter und obwohl wir schon öfters zu solchen
Wäldern gelangt waren, beschlossen wir, dass dieser Erfolgsversprechender
aussah als die anderen. Es gab nicht wirklich eine Straße, aber es schien als
gäbe es einen Pfad – als habe es dort mal einen Weg gegeben – also folgten wir
diesem. Wenn wir mit dem Auto durch die Rocky Mountains kamen, ist ein Feldweg
in Nebraska das kleinste Problem.
Wir fuhren langsam und vorsichtig und befreiten den
Pfad von umgefallenen Bäumen oder Steinen, die das Auto aufhalten könnten. Es
war schon dunkel genug am helllichten Tag hier, jedoch war mittlerweile die
Nacht eingetreten und es war noch einmal was komplett anderes. Ich hatte so
eine Vermutung, dass wir endlich den Ort gefunden haben, ich wollte jedoch
nicht zu Voreilig sein. Also fuhren wir fort mit der Suche. Ich hatte es zu dem
Zeitpunkt nicht wirklich erkannt, jedoch ließen die wenigen Lichtstrahlen, die
es schafften, durch die Baumkronen zu kommen, es so ausschauen, als würden die Äste
der Bäume wirklich versuchen nach dem Auto zu greifen – so, wie Mr. Mays es
beschrieben hatte. Ich bin mir aber immer noch sicher, dass er den Teil mit den
Tieraugen sich ausgedacht hatte; war das aggressivste Tier, welches wir sahen
ein totes Kaninchen an der Seite des Pfades. Es hatte keine Totesspuren – es
schien einfach so, als hätte es sich dort hingelegt und wär nie wieder
aufgestanden.
Wir fuhren eine Weile in der Dunkelheit herum, bis wir
zu einer Lichtung kamen. Wir mussten mehrere kleine Äste beiseiteschieben,
jedoch lag direkt vor dem Ausgang ein riesiger, umgestürzter Baum. Es war
unmöglich, dass wir diesen dort wegbekommen hätten, also schalteten wir das
Fernlicht an und stiegen aus, in der Hoffnung, dass das Fernlicht uns den Weg
erhellen würde. Ein Gefühl von Freude, gemischt mit Angst kam auf als ich sah
was gut 50 Fuß vor uns lag.
Dort, erleuchtet einerseits von den Fernlichtern des
Autos und auch vom Licht des Mondes, stand etwas was so aussah wie eine alte Schuppe.
Es war keine typische Schuppe, es war größer als die Häuser die man in Filmen
sah und sie hatte kein Dachfirst. Es sah im Prinzip aus wie ein altes
Lagerhaus. Zu diesem Zeitpunkt war ich mir nicht sicher, ob es wirklich das war
wonach wir suchten. Jedoch war es das Vielversprechendste, was wir in einer
langen Zeit gefunden hatten.
Ich streifte durch das Gestrüpp, bis ich ungefähr 20
Fuß vom Eingang entfernt war, wo auf einmal das Gestrüpp aufhörte zu wachsen.
Ich wusste nicht, ob der Besitzer etwas mit dem Boden machte, jedoch schaute es
aus wie eine Art Grenze die sich komplett um das Gebäude zog, in welcher es
keinerlei Vegetation gab. Ich ging zum Eingang und wollte die Schiebetür
öffnen, als Steve hinter mir mit zwei Taschenlampen stand.
„“Du willst also einfach dort in diesen dunklen Ort
gehen““, sagte er lachend.
Ich lachte kurz halbherzig auf und nahm mir eine von
seinen Taschenlampen. Ich hatte eine kleine, aber kraftvolle Taschenlampe; es
war eine solche, welche Wanderer an ihre Rücksacke machen würden – für den Fall
der Fälle, dass sie Nachts herumirren müssen. Sie funktionierte jedoch gut
genug. Ich griff die Metalltür mit beiden Händen fest, hielt die Taschenlampe
mit meinem Mund und zog mit all meiner Kraft an dieser Tür. Sie quietschte nur
ein bisschen, aber es war unmöglich, dass ich sie hätte allein öffnen können.
Steve kam von hinten an, legte seine Taschenlampe auf den Boden, griff die Tür
und zählte an: „Eins, Zwei … Drei!“
Wir zogen beide so kräftig wie wir nur konnten. Als wir
die Tür ein paar Zentimeter bewegt hatten, musste die Tür zurück in die Scharniere
gerutscht sein, denn nun war es wesentlich einfacher die Tür zu bewegen. Die
Tür öffnete nun mit einem dumpfen Schlag. Steve hob seine Taschenlampe auf und
ging mir hinterher, da ich bereits in das Lager gegangen war.
Im Inneren war es erwartungsmäßig leer, fast zu leer
für mein inneres Gemüt. Ich war mir nicht wirklich sicher, wie weit wir nun
letzten Endes von einem anderen Haus oder einer Stadt entfernt waren,
allerdings gab es keine Anzeichen, dass auch nur eine Person in den letzten
Jahren hier gewesen war. Es gab keine zerbrochenen Glasflaschen oder leere
Chipstüten, auch keinen Tierkot oder irgendwelche Pflanzen, die gegen den
Menschen ankämpften und sich durch den Boden zwingen würden. Der Raum war
ziemlich ausdehnend – größer als eine durchschnittliche Farm auf alle Fälle,
aber sie hatte nicht diese Lagerdimension, welche Mr. Mays glaub ich in seiner
Geschichte beschrieben hat. Ich war mir zu der Zeit sicher, dass der Raum
bestimmt einfach nur dafür genutzt wurde, um Equipment für Landwirtschaft oder
sonst was aufzubewahren.
Enttäuscht irrte ich am Eingang rum, während Steve in
die schiere Unendlichkeit der Dunkelheit irrte. Während ich noch mal die
Details in meinem Kopf durch ging, die Mr. Mays damals erwähnte, traf es mich
wie ein Blitz – in Mr. Mays Geschichte gab es ein Silo in der Nähe des
Schuppens. Wenn es hier irgendwann mal ein Silo gegeben hat, müssten doch
bestimmt noch die Rückstände dessen hier sichtbar sein. Aber, entgegen meiner
Hoffnungen, befanden sich Ringsherum um das Gebäude nur Sträucher, Sträucher,
Dreck und der Walt, aus welchem wir gekommen waren.
Ich ging frustriert und müde zurück in das Gebäude.
Steve war immer noch enthusiastisch und rannte begierig im Inneren herum. „“Selbst,
wenn ich nur einen Duschkopf oder ein Rohr finden könnte“, sagte er, „dann
wüssten wir, dass es wahr ist. Such einfach mit mir weiter mit““. Ich wollte
Steves Hoffnungen wirklich nicht zerstören; hatte ich ihm die Geschichte
mehrere Male erzählt, aber er realisierte offensichtlich nicht, dass das hier
einfach nicht der Ort war. Das Gebäude war komisch, ja. Es war deplatziert und
verwunderlich unberührt, aber es war einfach nicht der Ort von „The Showers“.
Ich ließ ihn aber noch ein wenig weitersuchen, bis ich ihn zu mir rüber holte.
„“Das hier war wahrscheinlich so nah, wie wir dran
kommen werden“, sagte ich. „Aber das hier ist es nicht. Erinnerst du
dich an das Silo?““ Sein Gesicht änderte sich von Freude in Enttäuschung
fast schlagartig – wie ein kleines Kind, welches nicht das Geschenk bekommen
hat, welches es wollte. Ich klopfte ihm auf die Schulter. „“Das hier ist aber
immer noch ziemlich cool. Ich meine, wir könnten einfach allen anderen sagen,
dass wir es gefunden haben“.“ Ich kehrte schnell zu meinen alten
Gewohnheiten zurück.
Steve lachte. „“Ja man, schätze das könnten wir. Das
hier ist auf jeden Fall gruselig genug. Wir sollten ein paar Bilder als
„Beweis“ machen, oder?“ Ich stimmte ihm zu. „Ich hol eben schnell die
Kamera““, sagte er, während er aus dem Gebäude schoss. Ich war nun alleine
in dem Gebäude.
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Es war sehr ruhig, als ich alleine da drin war. Ich
konnte nur schwach Steve hören, wie er durch die Büsche zum Auto ging, aber als
er weit genug weg war, war alles um mich herum leise. Ich erinnere mich daran
nicht einmal den Wind oder irgendwelche Grillen zu hören, während ich in
Richtung Dunkelheit wanderte; meine Taschenlampe in der Hand haltend. Ich war
überzeugt, dass es hier etwas geben muss. Als ich die hintere Ecke des Raumes
erreicht hatte, wurde das Geräusch meiner Füße, welche über den Dreck
schleiften, durch ein weiches, dumpfes Geräusch unterbrochen. Ich stoppte und
versuchte herauszufinden, was es war. Ich stampfte hart gegen den Boden unter
mir und ich hörte dasselbe Geräusch erneut. Ich stampfte noch ein weiteres Mal;
realisierend, dass der Boden unter mir etwas hohles überdachte.
Ich ging zur Wand des Raumes und schaute währenddessen
sorgfältig nach Löchern oder Spalten im Boden aus. Soweit ich weiß stand das
Gebäude auf solidem Untergrund, also war ich mir sicher einen Keller oder eine
Luke oder sonst was gefunden zu haben. Ich hörte wie Steve durch die Büsche zurückkam,
während ich schrie: „Steve! Komm hier hin, hier ist es hoh-“. Während
ich das Wort „hohl“ sagen wollte, sprang ich auf, um das Geräusch nach
zu machen, welches ich hörte, damit Steve es hören können würde, wenn er das
Gebäude betreten würde. Sofort, als meine Füße jedoch den Boden wieder
berührten, merkte ich, wie der Boden unter mir nachgab.
Meine Erinnerungen an den Fall sind ein bisschen
verschwommen, ich weiß aber noch, dass man Holz zerbrechen hören konnte. Ich
kann mich daran erinnern, wie ich das Licht von Steves Taschenlampe aus den
Augen verlor und in die absolute Dunkelheit stürzte. Es war kein langer Sturz,
aber ich muss blöd aufgekommen sein, denn ich weiß, dass ich für mindestens
mehrere Sekunden mein Bewusstsein verloren habe.
Als ich aufwachte starrte ich in ein helles Licht. Für
einen Moment hatte ich den Gedanken, ich würde das berühmte „“Licht am Ende
des Tunnels“ sehen. Ich war auf mich selber sauer. „Du stirbst in
Nebraska, Jack? Wow, du weißt wirklich wie man es verkackt“.“ Meine Selbstmissbilligung
wurde von einer Stimme, die wie Steves klang, unterbrochen.
„“Verdammt, Jack! Jack, kannst du mich hören? Wach
auf! Bitte wach auf!““, schrie er.
Mir gelang es meinen Kopf soweit hochzunehmen, dass es
Steve zum Jubeln brachte. Der Schmerz in meinem Kopf war immens, wurde jedoch
von dem Schmerz in meinem Knie überschattet. Mir war klar, dass ich eine
Gehirnerschütterung hatte, aber der Schmerz in meinem Knie war wesentlich
pochender. Ich schaute mich um und fand meine kleine Taschenlampe neben mir.
Ich setzte mich auf und beruhigte Steve. „“Ich bin okay, ich habe mir nur am
Knie weh getan. Und ich hab‘ meinen Kopf ziemlich hart eingehauen.““
„“Verfickt nochmal. Ich hab‘ gedacht, du wärst tot.
Stell dir das mal vor, im verschissenen Nebraska sterben. Wär‘ schon Scheiße.““
Seine Worte brachten mich ein wenig zum Lachen, aber ich hielt mich selber
davon ab; war die kleinste Kopfbewegung schmerzhaft und ließ mir schwindelig werden.
„Ich schätze mal … ein Seil?“, sagte Steve.
„Was?“, fragte ich ruhig.
„“Soll ich ein Seil holen, um dich da rauszuholen,
oder siehst du irgendwo eine Leiter?““. Ich schaute auf die Wände, die mich
umgaben – alle bestanden sie aus glattem Zement. Es gab keinen Weg, wie ich
dort hätte rausklettern können. „Ja, hol ein Seil“, sagte ich ihm. „“Es
müsste unter all den anderen Sachen begraben sein. Eventuell ist es in dem
roten Rucksack, ich bin mir aber nicht sicher, schau einfach.““ Steve
nickte, sagte, dass ich durchhalten sollte, und dass er sofort wieder bei mir
sein würde, bevor er losrannte.
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Die folgende Stille war unangenehm. Nachdem das
Geräusch von Steves Schritten verstummte, war das einzige, was ich wahrnehmen
konnte das Pochen in meinem Kopf. Ich hievte mich selber zur Wand, die am
nächstgelegen war und lehnte mich gegen diese, während ich versuchte tief zu
Atmen und mich selber zu beruhigen. Der Zement, welches gegen meinen Rücken
drückte, war unnatürlich kalt. Es war Sommer und hatte deswegen nur ein T-Shirt
an, aber selbst dadurch fühlte es sich wie Eis an. Aber es war mir in diesem
Moment egal; fühlte es sich einfach gut sich an etwas anlehnen zu können.
Ich saß dort, wartete auf Steve in dieser Luke, und
begann mich unwohl zu fühlen. Ich fühlte mich wie ein Idiot, weil ich dort
reingefallen war. Ich fühlte auch den Schmerz meiner Verletzungen. All das
schien sich in eine Emotion zu bündeln, als ich etwas hörte, was nur wie Atmen
beschrieben werden kann, welches von meiner Linken zu kommen schien. Ich
bildete mir selber ein, dass es einfach meine Schmerzen sind, die mit mir ein
Spiel spielten, bis mein Gedächtnis sich dazu entschied, schnell die Geschichte
von Mr. Mays abzurufen. Als ich sie das erste Mal vor Jahren im Klassenraum
gehört habe war ich eher beeindruckt als verängstigt. Aber jetzt, während ich
in dieser dunklen Ausbuchtung inmitten von Nebraska saß, fühlte ich etwas, was
ich schon eine lange Zeit nicht mehr gefühlt hatte. Man konnte es nicht mal
mehr unter „Angst“ fassen. Als ich dort saß fühlte ich eine umfassende Furcht.
Ich hielt meine Taschenlampe in die Richtung, von wo
ich dachte würde das Geräusch herkommen. Das Licht erreichte allerdings nicht
die andere Wand, da diese zu weit entfernt war. Aber es beruhigte mich dort
absolut nichts sehen zu können. Ich atmete eine Zeit tief durch, bis ich ein
weiteres Geräusch in der Dunkelheit hörte. Es war sehr kurz, und ich konnte mir
nicht sicher sein, ob es nicht mein Körper war, der sich bewegt hatte ohne,
dass ich es bemerkt hatte. Allerdings dachte ich ein Kratzgeräusch vielleicht
10 Fuß vor mir gehört zu haben. Es klang, wie wenn man über einen Erdboden
rüber schürfen würde. Bevor ich jedoch darauf reagieren konnte hörte ich das
Atmen zu meiner Linken erneut, dieses Mal jedoch näher. Es konnte nicht sein,
dass das Real war. Ich konnte noch nicht mal ein Spinnennetz in diesem Gebäude
sehen und jetzt sollte auf einmal wer neben mir atmen?
Ich war auf mich selber sauer, dass ich mir so einen
Kopf machte. Ich sagte mir selber, dass das menschliche Gehirn immer
halluziniert. Ich sagte mir selber, dass, wenn man sich in Dunkelheit oder
Stille befindet, das Gehirn Geräusche erfindet, um die Lücken zu füllen oder
einen Sachen sehen lässt, die partout nicht da sind. Ich trat gegen meinen
inneren Skeptiker an um mich selbst zu beruhigen, was funktionierte. Was …
funktionierte, bis ich einen Schein oder sowas vor mir sah. Ich kann mich nicht
genau darauf festlegen, was es nun wirklich war, aber ich hörte die mit
dazugekommenen Laufgeräusche und ich fing an mich immer mehr zu fürchten. Ich
entschied mich dazu, dass das Beste, was ich jetzt machen konnte, war die
Taschenlampe auszuschalten und zu hoffen, dass wenn sie mich nicht sehen sie
auch nicht zu mir gelangen können – was auch immer „sie“ sein könnte.
Ich schaltete meine Taschenlampe aus und blieb in
kompletter und umschlingender Dunkelheit zurück. Die Glühbirne der Taschenlampe
kling ab, als diese sich abkühlte und ich packte die Taschenlampe zurück in
meine Tasche, wobei ich gleichzeitig versuchte, mich an der eiskalten Wand
abzustützen und einen Versuch unternahm, aufzustehen. Ich schaffte es zurück
auf meine Füße, naja, Fuß, und fand heraus, dass ich keinen Druck auf mein
verletztes Knie ausüben konnte. Ich humpelte zur Ecke des Raumes, während ich
summte, um die betäubende Stille zu durchbrechen. Ich rief nach Steve so laut
ich konnte, erhielt allerdings keine Antwort. Er war wahrscheinlich immer noch
hinten auf dem Trailer von dem Wagen und suchte nach dem Seil. Es musste
einfach irgendwo eine Leiter oder sonst was geben.
Ich summte weiter vor mir hin und mein Herzschlag,
welcher zuvor fast meinen Brustkorb zum Explodieren brachte, beruhigte sich
allmählich wieder, bis dieser ein normales Level erreichte. Ich ging die Wand
entlang und lehnte mich so stark es ging gegen diese um mein Knie so gut, wie
es ging, zu entlasten. Ich war, wenn ich schätzen müsste, vielleicht zehn Fuß
gegangen, als ich mit meinem Kopf gegen etwas anderes vor mir gelaufen bin; dadurch
auf den Boden fallend. Meine Gehirnerschütterung muss den Schmerz vermehrfacht
haben, weil ich dadurch schon fast erblindet bin. Ich fühlte mit beiden Händen
an meiner Stirn und fühlte nur etwas Warmes und Flüssiges. Ich suchte nach
einer Wunde, die ich mir eventuell zugezogen hatte, konnte allerdings nichts
finden. Verzweifelt suchte ich nach meiner Taschenlampe, während ich versuchte
mich wieder an die Wand zu setzen.
Ich nahm die Lampe in meine rechte Hand; gegen die Wand
lehnend mit der anderen. Ich schaltete sie an und leuchtete damit einfach in
die Dunkelheit, dort wo ich lag. Der Boden war nass, aber der Dreck hatte, was
auch immer letzten Endes es war, die Flüssigkeit verfärbt. Ich versuchte meine
Augen auf die Pfütze vor mir zu fokussieren; versuchte, mich selber davon zu
überzeugen, dass es mein eigenes Blut war, bis ein weiterer Tropfen in die
Pfütze fiel.
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Wörter können nicht beschreiben, wie ich mich fühlte,
als ich dieses Plätschern erneut gehört hatte, und ich einen weiteren Tropfen
der Flüssigkeit in die Pfütze fallen sah. Ich glaube, selbst dort, gewusst zu
haben, wo das hergekommen war, ich aber versucht habe, mich selbst davon zu
überzeugen, dass ich falsch liegen würde. Ich richtete die Taschenlampe auf zu
der Stelle von wo ich dachte, dass die Flüssigkeit herzukommen schien. Was mir
entgegen kam war ein Rohr, welches gut einen Fuß aus der Wand ragte. Das Metall
war verrostet und mit Rissen durchzogen; kleine Tropfen traten durch diese. Am
Ende dieses Rohrs wahr ein simpler Duschkopf, welcher in Richtung Boden zeigte.
Kennt ihr dieses Gefühl, wenn euer Magen absackt? In
diesem Fall mein ich das, glaube ich sogar wörtlich, denn ich musste mich
sofort übergeben. Ich erbrach über meinem Schuh, was aber zu der Zeit meine
kleinste Sorge war. Ich ignorierte meinen Schmerz im Knie und robbte die Wand
entlang so schnell ich nur konnte. Ich hörte Geräusche, aber ich konnte nicht
sagen, ob es einfach nur meine eigenen waren, oder sie von etwas anderem um
mich herum kamen. Ich schaffte es unter dem nächsten Duschkopf zu ducken.
Dieser war höher gelegen als der andere, schien aber dieselbe Flüssigkeit zu
verlieren wie der andere. Es fühlte sich so an, als würde ich an etwas
unendlichem langrobben. Immer mal wieder musste ich mal unter einem Rohr entlang
humpeln, einem weiteren Duschkopf. Sie begannen stärker zu fließen, jedoch war
die Flüssigkeit zu zäh, als dass es so einfach rauskäme.
Der Raum begann zu stinken. Mir viel sofort ein, wie
Mr. Mays dies beschrieben hatte. Ich nahm mein Shirt und hielt es mir vor die
Nase und versuchte mich weiter vorzukämpfen, jedoch verdrängte das T-Shirt den
Geruch kein bisschen. Es roch nach Erbrochenem. Es roch nach Scheiße. Es roch
nach verbrannten Haaren. Es roch nach Verrottendem.
Ich bewegte mich immer noch längs der Wand entlang, als
ich in irgendeinen Ausweg oder ähnlichem gefallen bin. Ich viel hart auf den
Boden. Das Adrenalin schoss mir durch die Adern und trotzdem schaffte es der
Schmerz noch durchzudringen. Ich hielt immer noch die Taschenlampe in meiner
Hand und durchleuchtete damit meine Umgebung. Vor mir lag nun ein Eingang. Es
war eine Tür, die allerdings etwas älter und heruntergekommen aussah. Sie hatte
allerdings ein schönes Design, einen Türknopf, und einen Henkel, welcher wie
ein Dämon aussah. Rote Farbe pellte sich von der Tür ab und viel direkt vor
mich. Ich richtete mich gerade so eben auf und fiel geradewegs durch die Tür
und verpasste soeben einen Stahlträger, welcher von der Decke zu hängen schien.
Ich kroch nun; war es nun nicht mehr möglich zu rennen. Die Wände und Decke
waren mit Metallträgern verstärkt. Dazwischen befanden sich Holzbarren, die den
Tunnel zu tragen schienen. Ich konnte es nicht riskieren die Träger zu berühren
und mich am Metall aufzuritzen, oder das Holz zu berühren und einen Einsturz
herbeizuführen, also beschloss ich weiter zu kriechen.
Ich schleppte mich gefühlte Meilen weit, während ich
immer mal wieder in die Wand rannte, da der Weg gekurvt war. Ich war mir nicht
wirklich sicher, wo ich war, allerdings sagte ich mir selber, dass am Ende des
Weges ein Ausgang sein muss. Wenn ich nicht gekrochen wäre, hatte ich mit
großer Sicherheit mir noch mehr weh getan. Teilweise sank die Höhe der Decke
auf unter 3 Fuß. Es ist allerdings nicht bis dort eingebrochen, weil die Träger
immer noch in Takt waren. Irgendjemand hat dies also mit Bedacht so gebaut.
Nochmal, zu der Zeit war mir das egal. Ich redete mir selber ein, dass nicht
hinter mir sei, aber ich schwöre nur ein paar Fuß hinter mir Kriechgeräusche
gehört zu haben.
Meine Jeans würden hin und wieder gegen mein Bein
streifen, was mich denken ließ, dass jemand mich berührt hat – jedoch kann ich
selbst jetzt immer noch nicht mit Gewissheit sagen, dass es keiner getan hat.
Ich kroch weiter bis ich endlich einen Aufstieg erreichte. Mit Freude sah ich
voraus; sah ich dort eine Kellertür. Die Tür war aus Holz gemacht. Ich konnte
das sagen, weil Licht durch diese schien. Ich war mir nicht sicher, aber ich
dachte, dass das vielleicht die Lichter vom Auto sein könnten. Neben alledem
war ich einfach nur unglaublich froh einen Ausgang gefunden zu haben.
Ich kroch den Weg hoch zu Tür und schmiss mich mit
meiner Schulter gegen diese. Sie bewegte sich, öffnete sich allerdings nicht.
Ich fing an zu schreien – das meiste Verstummte aber durch meine Schmerzen.
Das, was ich rausbekam, klang eher wie ein lautes heulen, was man auch mit
einem sterbenden Tier hätte verwechseln können. Ich brach vor Erschöpfung und
Schmerzen zusammen, während meine Augen auf die Schlitze vor mir, durch die das
Licht schien, starrte. Ich war so kurz vor dem Ausgang, ich konnte es riechen.
In dem Moment der stillen Kapitulation hörte ich etwas,
was ohne Frage verriet, dass sich etwas in dem Tunnel bewegt. Es klang eher so,
als würde etwas dem Boden entlanggezogen werden. Es würde sich bewegen, für
eine Sekunde pausieren bis es sich weiterbewegen würde. Ich hatte nichts, was
ich erbrechen könnte, aber ich fing trotzdem an zu würgen. Ich versuchte mich
selbst zu fangen und brachte gerade so die Kraft auf die Taschenlampe in
Richtung hinter mir zu richten.
Was ich gesehen habe kann ich immer noch nicht
rationalisieren. Ich weiß, dass ich etwas gesehen habe, ich kann mich
allerdings nicht dazu überzeugen, dass wirklich etwas dort gewesen ist. Ich
kann nicht aufhören, mir selber einzureden, dass ich halluziniert habe. Ich sah
ein Kind in einem dreckigen Schlafgewand. Das Gewand war befleckt mit etwas
dunklem und braunem, mit ein paar Roten flecken hier und dort. Das Kind sah
extremst gebrechlich aus, wie die Bilder von einem Holocaustopfer, welche man
sieht. Ich konnte nur ein Auge sehen, da dieses das Licht meiner Taschenlampe
reflektierte. Mittendrin hatte es langes, dreckiges Haar. Sie hingen bis unter
die Fingernägel des Kindes, welche selbst unter einer Drecksschicht versteckt
waren. Der Junge oder das Mädchen, ich bin mir nicht sicher was von beidem,
hatte Probleme sich in meine Richtung zu bewegen. Es atmete nicht schwer, aber
es schien so als wenn es für jeden einzelnen Schritt all die Kraft, die es hat,
aufbringen müsste. Was mich jedoch gefrieren ließ was jedoch das Auge. Ich
konnte es nur sehen, weil es das Licht der Taschenlampe reflektierte, aber
selbst so konnte ich die Wut, oder den Hass oder was auch immer spüren. Das ist
der Punkt, an dem selbst die deutsche Sprache an ihre Grenzen kommt, um diese
Situation wirklich passend zu beschreiben. Ich konnte erkennen, dass dieses
Kind mir schaden wollte. Egal ob Halluzination oder nicht, das Kind kam auf
jeden Fall näher. Ich fing an zu weinen. Es kam immer näher und näher, als ich
eine Stimme hinter mir hörte. „Hey, Jack“, flüsterte die Stimme. Es was
Steve, da war ich mir sicher.
Ich versuchte zurückzureden; auf jeden Fall sagen
wollend „Mach diese Scheiße auf und hol mich hier sofort raus“. Aber
meiner körperlichen Verfassung geschuldet habe ich nichts herausbringen können,
was einen Sinn ergeben hat. Ich krallte mich an die Tür und drückte mit allem,
was ich hatte gegen diese, während ich endlich den Augenkontakt mit dem Kind
abbrach. Während ich dies tat, rollte meine Taschenlampe den Abhang hinunter
und blieb irgendwo an den Füßen des Kindes zum Erliegen.
„Was siehst du?“, fragte die Stimme.
„Wovon redest du?“. Ich schloss meine Augen.
Ich erinnere mich daran, wie jemand wiederholend „“Schau
es nur an. Sag mir, was du siehst““ sagte, allerdings wurde dies durch meine
Schreie durch Frustration und Schmerz übertönt.
Ich murmelte wie ein Verrückter, als die Stimme mir
ruhig sagte: „Ruhe dich für eine Sekunde aus, ich hol‘ es.“. Ich
brauchte kurz, bis die Information bei mir ankam, an welchem Punkt ich meine
Augen fest schließ.
„“Steve, mach es einfach, bitte. Bitte, öffne sie
einfach, bitte“, winselte ich. „Hol mich einfach nur hier raus““.
Meine Stimme begann lauter zu werden. „“Steve, verdammt nochmal, öffne die
verschissene Holztür“.“ Ich öffnete meine Augen für einen kurzen Augenblick
um nichts anderes als schwarzes Haar, welches vor meinem Gesicht hing, zu
sehen. Ich schloss meine Augen so fest ich konnte und schrie mit all der Kraft,
welche ich noch übrig hatte „Öffne die verfickte Holzt-“. Die Tür hinter
mir gab nach und ich viel auf die Erde; nun wieder in der Lage frische Luft
atmen zu können. Meine Augen waren immer noch geschlossen, aber das Erste, was
ich tat war wie auch immer nach der Kellertür zu greifen und diese
zuzuschmeißen. Als ich dies geschafft hatte atmete ich tief durch und öffnete
meine Augen.
Ich sah die Scheune vor mir, wie sie von unserem Truck
angeleuchtet wurde. Mein Kopf pochte vor Schmerzen. Ich war bedeckt von Erde
und Flüssigkeiten, wobei es mir in dem Moment gänzlich egal war, wo diese
herkamen. Mein Knie war, um es freundlich auszudrücken, mindestens ausgerenkt.
Trotz alledem war ich aus dem Tunnel raus. Ich nahm einen tiefen Atemzug, hielt
meinen Kopf in meinen Armen und sagte: „“Steve, warum hast du nicht einfach
die verschissene Tür geöffnet?““.
Ich wartete auf eine Antwort, erhielt aber keine. „“Steve,
ernsthaft,“, fing ich an, „ich habe um mein verficket Leben geschrien““,
sagte ich, währen dessen ich mich nach hinten drehte. Mein Magen musste so gut
wie gleich aus mir rausfallen, denn mir sackte schon wieder alles ab. Das
einzige, was sich hinter mich befand, waren Büsche, welche ich beim Beobachten
der Umgebung gesehen hatte. Ich war wütend. „“Steve, das ist gerade nicht der
verfickte Zeitpunkt für sowas. Komm aus den scheiß Büschen raus“.“. Ich
wollte schon aufstehen, als ich einen Schrei von der anderen Seite des Gebäudes
hörte.
Eine Taschenlampe schien aus der Dunkelheit
aufzutauchen. Steve rannte in meine Richtung, schrie meinen Namen und sagte
mir, dass ich mir keine Sorgen machen solle. Ich muss zu diesem Zeitpunkt
Bewusstlos geworden sein. Als ich aufgewacht bin stand Steve über mir, welcher
verzweifelt versuchte mich aufzuwecken. Seine Worte waren fast
zusammenhangslos, zumindest für meine Ohren.
Er half mir auf die Beine und brachte mich zu unserem
Auto. Derweilen sah ich, wie meine Taschenlampe direkt hinter der Kellertür lag
und das Licht immer schwächer wurde.
.
.
Steve brachte mich endlich zurück zum Auto und fuhr
mich zum nächstgelegenem Krankenhaus. Ich schlief ein, aber er sagte mir, dass
er erst eine Stunde fahren musste, um auf eine Hauptstraße zu gelangen. Ich
glaube nicht, dass ich ihm jemals die ganze Geschichte erzählt habe. Ich
glaube, dass er denkt, dass ich nur vom Fall verletzt war. Er hat sich nie
wirklich drum geschert und wir haben auch nicht wirklich mehr länger den
Kontakt aufrechterhalten. Es ist nicht so, dass wir uns zerstritten hätten. Wir
haben einfach nach der Reise aufgehört uns zu treffen und so ging jeder von uns
seine getrennten Wege.
Ich war nie gänzlich in der Lage zu verstehen, das an
diesem Abend passiert war. Es gibt viele Dinge, die ich als Halluzination
erklären kann; gibt es aber genau so viel Dinge die einfach keinen Sinn
ergeben. Die Duschköpfe waren echt und von ihnen tropfte etwas. Die Tür war
echt, der Tunnel war echt. Alles andere kann ich mir dadurch einreden, dass ich
eine sehr, sehr, sehr schwere
Gehirnerschütterung hatte und ich mir einfach alles eingebildet habe. Aber eine
Sache, die ich mir nicht einbilden konnte war, dass die Kellertür erst
verschlossen war, und sie es dann auf einmal nicht mehr war.
Ich bin immer noch so skeptisch wie ich es immer war,
aber ich glaube an das, was mir bei The Showers passiert ist. Ich bin deswegen
kein Einsiedler oder Schwachkopf. Ich trinke zwar viel, ich bin allerdings
trotzdem voll bei der Sache. Aber: Ich werde nie wieder zurück nach Nebraska
gehen – nie wieder wird mich jemand dahin zwingen können. Ich schaue auch keine
Horrorfilme. Es gibt einfach nichts Unterhaltendes daran so verzweifelnd
verängstigt zu werden.
.
.
Das ist eigentlich alles. Es gibt kein typisches Ende
für meine Geschichte. Klar habe ich mich durch diese Erfahrung geändert. Aber
ich werde niemals in meinem Leben etwas daran ändern oder dagegen ankämpfen oder
zurückkämpfen. Ich kann mich ja nicht mal selbst überzeugen, dass ich nicht
einfach mir Dinge ausgedacht hab. Glaubt mir, das versuche ich nun schon seit
Jahren.
Hiervor gab es auch keinen wirklichen Weg Informationen
über The Showers zu bekommen. Die Legende hielt sich nur im Klassenraum von Mr.
Mays, nicht weiter. Niemand erzählte Geschichte wie diese um Kinder von
gewissen Orten fern zu halten, oder um sie zu verängstigen. Es wurde einfach
nicht gewusst. Ich denke, dass das auch der Punkt an dieser ganzen Geschichte
hier ist. Ich möchte, dass Leute aus erster Hand erfahren, wie dieser Ort war.
Vielleicht ist es eine Begründung, die Betrunkene machen. Oder es ist das Kind
in mir, welches solche Art von Geschichten wieder verbreiten möchte. Keine Ahnung.
Mir auch egal. Aber: Sie ist nun offen für alle, die sie für sich nehmen und
verbiegen möchten. Am wichtigsten jedoch ist, dass sie nun endlich aus meinem
Kopf ist.
Es wird spät und ich
werde mir einen weiteren Drink genehmigen. Cheers.
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