LangeMord

The Valentine Killer

Warnung vor Creepypasta

ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.

Auszug aus einer Tageszeitung:

„Serienmörder immer noch auf freien Fuß. Obwohl keine drei Tage seit dem
letzten Mord des Valentine Killers vergangen sind, tappt die Polizei immer noch
im Dunkeln. 6 Menschen sind ihm bereits zum Opfer gefallen und der Täter geht
immer nach dem gleichen Muster vor. Trotzdem ist es der Polizei bislang noch
nicht gelungen, ihn zu überführen. Der Täter sucht seine Opfer in Lokalen,
Diskotheken und anderen öffentlichen Plätzen und setzt alles daran, seine
Opfer zu verführen. Der Valentine Killer beginnt eine krankhafte Zuneigung zu
seinen Opfern zu entwickeln, reagiert sehr aggressiv auf potentielle Nebenbuhler
und scheut weder vor Stalking noch vor Gewalt, Entführung oder Mord zurück.
Dies treibt er so lange, bis seine Liebe in Hass umschlägt und er seinen Opfern
nach dem Leben trachtet. Die Polizei hat bis jetzt noch keine Stellung bezogen,
welche Auslöser die Ursache für diese Veränderung verantwortlich sein
könnten. Sie warne jedoch ausdrücklich vor verdächtigen Personen in Lokalen.
Junge Männer zwischen 18 und 25 Jahren sollten nicht leichtfertig ihre
Telefonnummer oder Adressen preisgeben. Sollten Sie sich bereits gestalkt oder
ernsthaft bedroht fühlen, dann wenden Sie sich umgehend an die Polizei unter
der unten angegebenen Nummer.“

Für Kenny war es Liebe auf den ersten Blick, als er sie das erste Mal in der
Kneipe getroffen hatte. Sie saß ein wenig abseits und hatte einen Honeymoon
bestellt. Obwohl blonde Frauen eigentlich nicht sein Jagdgebiet waren, so hatte
sie solch ein Feuer in den Augen, das ihn auf der Stelle verzauberte. Sie war
wie eine Schlange, die mit ihrem Blick ihre Beute hypnotisierte. Und diese
prallen purpurroten Lippen, die wie eine voll erblühte Rose aussahen…. Kennys
Hormone arbeiteten auf Hochtouren, er wollte sie unbedingt haben. Dabei hatte er
solch einen Gedanken über den Besitz einer Frau noch nie gehabt, denn immerhin
waren Frauen keine Objekte, das hatte seine emanzipierte Mutter oft genug
eingetrichtert. Und seine Ex hatte ihn das auch spüren lassen. Doch bei dieser
Frau war es anders. Sie war wie ein Juwel, das er unbedingt haben wollte, um
jeden erdenklichen Preis. Sein Herz begann zu rasen, als sie ihn mit ihren
glänzenden blauen Augen schüchtern ansah und seinem Blick sofort wieder
auswich. Er sah, wie ihren Cocktail durch den Strohhalm schlürfte und das
allein erregte ihn schon. Das erschreckte selbst ihn, da er eigentlich nicht der
Typ Mensch war, der so schnell von einer Frau erregt wurde. Aber verdammt,
dieses Mädchen war echt der Hammer! Kenny wischte sich den Schweiß von der
Stirn und versuchte, so cool wie möglich auszusehen. Nur nicht nervös wirken,
die übliche Tour fahren und immer schön charmant sein. Keine dumme Machotour!
„Hallo, ist dieser Platz bereits besetzt?“ Sie war allerhöchstens 20 Jahre
alt, also genau sein Beuteschema. Nicht zu alt, aber auch nicht zu jung und
unerfahren. Ein wenig schüchtern wickelte sie sich eine Locke um ihren Finger
und wurde sogar ein wenig rot um die Wangen. „Nein, aber ich freue mich gerne
über nette Gesellschaft.“ Kenny setzte sich mit seinem charmantesten Lächeln
und rief sich immer wieder die Worte seines älteren Bruders ins Gedächtnis
„Sei kein Macho, so was hassen die meisten Frauen und dann halten sie dich
für einen großkotzigen Höhlenmenschen. Sei nett und charmant, komm natürlich
rüber und schon kriegst du sie garantiert.“ Und dieser alte Weiberheld musste
wissen, wovon er da sprach. Sonst hätte er bei den Frauen nicht so ein
verdammtes Glück. Wenn er schon mit seiner Ex keine zehn Monate durchgehalten
hat, dann wollte er es bei dieser Frau. „Mein Name ist übrigens Kenny, Kenny
Coleman.“

„Ich heiße Janice.“

„Bist du öfter hier?“

„Manchmal. Aber in der letzten Zeit öfter. Mein Freund hat mit mir Schluss
gemacht, da brauche ich ein wenig Ablenkung.“

Sie war Single! Innerlich
feierte Kenny eine ganze Parade für diese Nachricht. Auch davon hatte ihm sein
Bruder Kevin oft genug erzählt. Frische Singles versuchen oft, sich von ihrer
gescheiterten Beziehung abzulenken. Entweder, indem sie sich auf ihre Zukunft
konzentrierten oder indem sie gleich wieder auf die Jagd gingen. Hoffentlich
traf Nummer zwei zu.

„Wie kann jemand so eine Hübsche bloß abservieren?! Der
Kerl muss blind gewesen sein.“
„Es ging ihm weniger ums Aussehen, sondern mehr um die Fingerfertigkeiten. Ich
hab den Scheißkerl mit einer Masseuse erwischt und sie hat nicht seinen Rücken
massiert!“

Kenny kam ziemlich gut ins Gespräch mit Janice und er bot ihr
schließlich seine Nummer an. Sie gab ihm schließlich ihre und tatsächlich
trafen sie sich noch ein paar Male abends in Bars, tranken zusammen einen
Cocktail oder gingen in die Disko, bis sich schließlich mit der Zeit eine
richtige Beziehung zwischen ihnen entwickelte.
Nun waren er und Janice knapp zwei Monate zusammen, alles lief wunderbar
zwischen ihnen und Kenny konnte sich sogar schon vorstellen, die nächsten paar
Jahre mit ihr zu verbringen. Sie führten eine richtige Bilderbuchbeziehung,
aber natürlich gab es dann einen einzigen Tag, an dem das Männerherz schwach
wurde und alles aufs Spiel setzte. Besonders schwach wurde es, als Alkohol ins
Spiel kam. Da Janice an diesem einen Tag einen dicken Schnupfen hatte und
deswegen nicht in die Disko gehen konnte, hatte Kenny seinen älteren Bruder
Kevin und seine beiden Kumpel Tyler und Jason eingeladen. Es wurde gefeiert und
vor allem getrunken. Kenny hatte schon gar nicht mehr zählen können, wie viele
Drinks er gehabt hatte, aber es genügte, um alle Gedanken an Janice
auszulöschen. Er war in Partylaune, betrunken und sein Gehirn machte gerade
Pause. Darum hatte er sich auch sofort zu der hübschen June gesellt, die da so
wunderschön tanzte und ihn mit diesen verführerischen Augen anblitzte. Sie war
ganz anders als Janice. Sehr schön, sexy und attraktiv, aber wild und frech. Im
Vergleich zu Janice, die eher ein scheues Kätzchen war, verkörperte June einen
Panther. Das war sicher auch der Grund, warum er ausgerechnet sie ausgewählt
hatte. June hatte wild frisiertes violett gefärbtes Haar, volle Lippen und
lange Wimpern, die vermutlich nicht ganz so echt waren. Aber das war ihm egal.
Er war sternhagelvoll, sie war sexy und sie schien auch an ihm Interesse zu
haben. Und so kam es, wie es in solch einer vertrackten Situation nun mal kommen
musste: Nach einer wilden Knutscherei auf der Toilette landeten sie schließlich
bei ihr zuhause im Bett.

Am nächsten Morgen hatte Kenny selbstverständlich
einen fürchterlichen Kater und keine Ahnung, wo er eigentlich war. Alles, was
er sah, waren lila Tapeten, weiße Möbel und seine Klamotten auf dem Boden. Mit
einem verführerischen Lächeln kam June herein, die bereits fertig angezogen
und geschminkt war. Sie trug eine Jeans, High-Heels und ein lila-weiß
gestreiftes Shirt. In ihrer Hand trug sie ein Tablett, auf dem sie das
Frühstück vorbereitet hatte. Sogar an eine Rose hatte sie gedacht. „Guten
Morgen, Langschläfer. Das war ja eine etwas wilde Nacht gestern. Ich hoffe, du
hast wenigstens gut geschlafen.“

„Shit, wie spät ist es eigentlich?“ „Halb elf. Ich hab mir die Freiheit genommen, dir schon mal Frühstück zu
machen. Gegen den Kater hab ich dir auch noch Aspirin mitgebracht.“ Doch daran
war jetzt gar nicht zu denken. Momentan war Kennys größte Sorge Janice. Wenn
sie von diesem peinlichen Ausrutscher erfuhr, dann machte sie mit ihm Schluss
und das wollte er auf gar keinen Fall! Sofort suchte er seine Sachen zusammen
und zog sich an. „Du kannst gern das Bad benutzen“, bot June an, die völlig
die Ruhe selbst war und seine Hektik ignorierte. Stattdessen setzte sie sich auf
die Fensterbank und beobachtete Kenny mit einem verführerischen Lächeln.
„Wir können das gerne wiederholen.“ Dabei schien sie gar nicht zu bemerken,
dass er ihr nur mit einem Ohr zuhörte. „Das ist nett, aber ich denke, daraus
wird nichts. Das hätte niemals so passieren dürfen und ich bin auch bereits
vergeben.“
„Dann scheinst du nicht ganz so glücklich zu sein, wenn du schon
fremdgehst.“

„Ich war betrunken, verdammt! Vergiss diese Nacht einfach, ich muss jetzt
verschwinden.“ Und kaum, dass Kenny sich angezogen hatte, eilte er schon zur
Wohnungstür raus und fuhr mit einem Taxi nach Hause. Seine größte Sorge war,
dass Janice Verdacht schöpfen könnte, wenn sie erfuhr, dass er die ganze Nacht
weg war. Zum Glück hatte sein Bruder ihm ein Alibi verschafft, indem er ihr
erzählte, er hätte Kenny mit nach Hause genommen, damit er seinen Rausch
ausschlafen konnte. Aber zumindest ihn musste er einweihen, das war er ihm
schuldig. Zuerst war Kevin schon ein wenig ungehalten, weil sein kleiner Bruder
so eine tolle Freundin betrog, aber andererseits war er auch stolz auf ihn, dass
er ein ganzer Kerl war und sich das nahm, was er wollte. Als Janice sich wieder
von ihrem Schnupfen erholt hatte, suchte das junge Paar eine Bar auf, um wieder
zu feiern, nur leider wurde die Stimmung durch Junes Anwesenheit getrübt. Sie
saß am Tresen, trank einen Bloody Mary und sah immer wieder zu Kenny herüber.
Dieser wurde sichtlich nervös und entschuldigte sich kurz, um heimlich mit June
in der Toilette zu sprechen.

„Was zum Teufel machst du hier?“

„Das ist ein freies Land, also darf ich doch hingehen, wohin ich will.“

„Wenn du Janice auch nur ein Wort erfährt, dann…“

„Ach so, Janice heißt die Kleine also. Wie süß… nur bin ich nicht
diejenige, die von uns beiden fremdgegangen ist. Und mal im Ernst: So eine
langweilige blonde Tussi findest du doch an jeder Straßenecke. Mit mir wirst du
alle Male glücklicher.“

Kenny wurde sauer und stieß June weg, die einen
Annäherungsversuch gewagt hatte. „Ich weiß ja nicht, was du dir einbildest,
aber ich bin mit Janice zusammen und das mit uns beiden war bloß ein
Versehen!“ Doch anstatt dass June die Bar verließ, setzte sie sich wieder an
ihren Platz und begann mit dem Barkeeper zu plaudern. Kenny hoffte inständig,
dass dies nur ein einmaliger Zufall war, dass er June hier begegnet war, aber
leider sollte sich das als Irrtum herausstellen. In den kommenden zwei Monaten
war sie jedes Mal in derselben Bar, in der gleichen Disko und in derselben
Kneipe und saß immer am Tresen, von wo aus sie ihn beobachtete. Und als wäre
das nicht schon genug, fand er jeden Morgen mindestens ein dutzend
Liebesbekundungen im Briefkasten und sogar die Windschutzscheibe war mit
violettem Lippenstift mit den Worten „I Love You“ beschmiert. Zwar trugen
all diese Briefe keine Namen, aber Kenny ahnte, dass June dahinter steckte.
Allein schon der violette Lippenstift war Beweis genug. Sie war ja total
verrückt nach dieser Farbe.

Richtig unheimlich wurde es aber, als er eines Tages von der Schule nach Hause
kam und auf seinem Bett eine Rose lag, zusammen mit einem Foto, wo er eigentlich
zusammen mit Janice drauf zu sehen sein müsste. Jedoch war das Bild wohl
überarbeitet und durch Junes Kopf ersetzt worden. Daraufhin wandte sich Kenny
an seine Eltern und erzählte ihnen von seinem Problem mit dieser June. Sein
Vater war natürlich sauer, dass er so dumm war und sich einfach so auf einen
One Night Stand eingelassen und dabei nicht einmal an Verhütung gedacht hatte.
Im schlimmsten Falle könnte June sogar schwanger sein und dann müsste er sich
um das Kind kümmern. Sein Vater riet ihm, mit Janice über diesen Ausrutscher
zu reden und alles richtig zu stellen. Das kam für Kenny aber nicht in Frage,
da Janice so oder so total durchdrehen würde. Nein, er musste June irgendwie
loswerden und das am Besten so diskret wie möglich. Also ging er an diesem
Abend wieder in die Bar und wie immer saß June bereits am Tresen und wollte ihn
schon zu einen „Purple Nurple“ einladen, doch Kenny lehnte ab. „Jetzt mal
im Ernst June: Lass mich endlich in Ruhe. Ich bin mit Janice zusammen und so
wird das auch bleiben!“ Und überraschenderweise sagte June „Okay, kein
Problem.“ Und tatsächlich hörten urplötzlich die Liebesbekundungen auf und
das war schon ein wenig unheimlich. Vielleicht hatte June endlich einen anderen
gefunden und somit das Interesse an ihm verloren. Kenny war froh darüber und er
dachte, es würde endlich Ruhe einkehren. Tat es aber nicht. Denn es dauerte
keine fünf Tage, da erwischte er Janice mit einem Mann in der Disko, wie sie
mit ihm herumknutschte und sie ganz offensichtlich dabei noch ihren Spaß hatte.
Kenny konnte einfach nicht fassen, was Janice ihm da angetan hatte. Sie hatte
ihn mit einem dahergelaufenen Typen in fliederfarbenem Hemd betrogen, obwohl sie
selbst tierisch eifersüchtig sein konnte.

Alle Gespräche mit ihr blockte er ab, für ihn war die Sache vorbei. Dabei
verschwieg er aber, dass er sie ebenfalls betrogen hatte. Denn er war besoffen
gewesen, sie hingegen vollkommen nüchtern. Um seinen Frust hinter sich zu
lassen, ging er immer häufiger mit seinen Kumpels feiern und wieder traf er auf
June. Sie benahm sich nicht mehr so aufdringlich wie zuvor, sie sah sogar
besorgt aus und hörte geduldig zu, als er ihr sein Herz ausschüttete. „Diese
Janice weiß gar nicht, was für ein Glück sie mit dir hatte. Dieses kleine
Flittchen sollte sich wirklich schämen.“

„Ja schon, aber ich hab sie doch auch…“

„Du hast es aber bereut, hat sie etwa ihren Seitensprung bereut? Sicherlich
nicht, sonst hätte sie es längst wieder gerade gebogen.“ Kenny hätte nicht
gedacht, dass er sich so gut mit June unterhalten konnte. Sie war viel lockerer
als andere Frauen, sie schien ihn zu verstehen und sie wusste genau, was in
seinem Kopf vorging. Die Raubkatze war dabei, ihre Beute zu fassen und sie nicht
mehr loszulassen. Schließlich konnte June ihn überreden, mit ihm ein wenig
feiern zu gehen. Sie hatte eine völlig ungezwungene Art, war schnell für neue
Dinge zu begeistern und besaß eine etwas verrückte Art. Und so dauerte es
tatsächlich nicht sehr lange, bis Kenny seinen Liebeskummer vergessen hatte und
Junes Charme erlegen war. „Was soll’s“, dachte er während er mit ihr
tanzte. „Ich bin noch jung genug und deshalb habe ich noch alle Zeit der Welt.
Und eigentlich passt June sowieso viel besser zu mir als Janice.“ Tatsächlich
verstand es June ziemlich gut, Partystimmung zu verbreiten und sie tat wirklich
alles für Kenny. Sie brachte ihm Frühstück ans Bett, sie nervte ihn nicht mit
Frauensachen und sie verstand sich super mit seinen Freunden. Manchmal hatte sie
aber schon eine seltsame Art, ihm ihre Liebe zu zeigen. Sie schrieb ihm dutzende
SMS, rief ständig auf seinem Handy an und wollte überall mit hin, wo er
hinging. Außerdem hatte er manchmal den Eindruck dass, wenn sie mal bei ihm
war, ein paar Dinge von ihm fehlten. Sei es eine Zahnbürste, ein benutztes
Handtuch oder ein durchgeschwitztes T-Shirt. Außerdem tauchte sie manchmal
urplötzlich bei ihm zuhause auf, wenn seine Eltern gerade nicht da waren und
hatte bereits Essen gekocht. Besonders unheimlich wurde es eines Samstages, als
er mal lange ausschlafen wollte und seine Eltern mal wieder den halben Tag
arbeiten waren. Kaum hatte er die Augen geöffnet, da stand June an seinem Bett
und schaute ihn erwartungsvoll an, so als hätte sie die ganze Nacht an seinem
Bett gestanden. Sie war hilfsbereit und zuvorkommend, das war nicht von der Hand
zu weisen, aber sie rückte ihm immer dichter auf die Pelle. Und selbst das tat
sie auf solch eine unschuldige und gleichzeitig so selbstverständliche Art, als
gehöre das zu einer Beziehung dazu. Seine Eltern hatten sie recht schnell ins
Herz geschlossen, besonders als June für sie kochte und dabei genau ihren
Geschmack traf. Sie war zudem nicht so aufreizend angezogen und bewies sowohl
Charme als auch Humor und Redegewandtheit. Und doch machte sie Kenny manchmal
Angst. Insbesondere weil sie einfach unangemeldet im Haus auftauchte und
offenbar auch nichts Falsches daran sah. Was den Sex betraf, so war June da ein
wenig mehr zurückhaltend und wollte es langsamer angehen. Sie sagte, sie sei
auch in dieser einen Nacht ziemlich betrunken gewesen und wollte erst wieder mit
ihm schlafen, wenn sie sich auch ganz sicher war. In dieser Hinsicht war sie da
ein wenig prüde.

Doch dann geschah eines Tages etwas, das Kenny klar machte, dass June nicht zu
Unrecht unheimlich sein konnte: Nämlich als er June erzählte, dass er krank im
Bett läge, sich in Wahrheit aber mit seinen Kumpels getroffen hatte. Ihm war es
eiskalt den Rücken hinuntergelaufen, als er sah, dass June bereits am Tresen
auf ihn wartete. Wie sich jedoch herausstellte, war das erst die Spitze vom
Eisberg. June begann ihm nun wirklich ausnahmslos überall hinzufolgen. Sie
folgte ihm stets auf sicheren Abstand, sei es zur Schule oder ins Sportstudio.
Als dann ans Tageslicht kam, dass sie in seinem Zimmer Überwachungskameras
angebracht hatte, kam es zum großen Krach. Das war der Tropfen, der das Fass
zum Überlaufen brachte und Kenny schrie alles heraus, was ihn über June so
aufregte. „Lass mich in Ruhe June, ich will dich nicht mehr sehen.“ Damit
setzte er sie vor die Tür und er ignorierte all ihre Anrufe und Nachrichten.
Zwei Wochen herrschte völlige Funkstille, bis June auf dem Anrufbeantworter
eine sehr besorgniserregende Nachricht hinterließ, in der sie sogar von
Selbstmord sprach. Sie war so sehr am Weinen, dass Kenny sich sofort auf den Weg
zu ihr machte, um sie abzuhalten. June hatte sich derweil im Bad eingeschlossen
und versuchte sich, die Pulsadern aufzuschneiden. Erst durch Kennys tröstende
Worte und der Gewissheit, dass er ihr verzieh, kam sie wieder zur Vernunft. Sie
waren wieder zusammen und das beunruhigte besonders Kennys Bruder Kevin.
Inzwischen hatte er geschnallt, dass June eine Stalkerin mit Kontrollwahn war,
aber sie hatte Kenny schon so sehr unter ihrer Fuchtel, dass er gar nicht mehr
an ihn herankam. Zusammen mit Janice, die ebenfalls ein paar Worte mit ihr zu
reden hatte und immer noch Kenny liebte.

June begrüßte sie in ihrer Wohnung und führte sie ins Wohnzimmer. „Wollt
ihr zwei Hübschen was zu trinken? Ich wollte nämlich gerade meine neue
Espressomaschine einweihen.“

„Nein danke, wir wollen es kurz machen: Lass deine dreckigen Pfoten von Kenny
und verzieh dich aus seinem Leben!“ Janice war auf Konfrontationskurs
gegangen, da sie wusste, dass man nicht anders mit June reden konnte. Doch diese
schien sie überhaupt nicht ernst zu nehmen. Stattdessen setzte sie sich
achselzuckend auf die Couch und sah die beiden mit einem provokanten Lächeln
an. „Wer gibt euch denn das Recht, mir in meine Beziehung mit Kenny
reinzureden? Wir beide sind glücklich, das ist alles, was zählt.“ Doch so
einfach ließ sich Janice nicht abservieren. „Du stalkst Kenny und drohst
sogar mit Selbstmord, wenn er nicht nach deiner Pfeife tanzt. Du bist krank, du
gehörst in die Klapse! Und ich werde nicht zulassen, dass du ihn weiterhin mit
dieser kranken Scheiße um den Finger wickelst.“ Nun hatte Janice bei June
einen empfindlichen Nerv getroffen, da diese sie nun mit einem bösen Funkeln in
den Augen ansah. June stand auf und ging langsam auf Janice zu. „Du kleines
Miststück willst mir meinen Kenny wegnehmen? Ich lasse mir von niemandem in die
Beziehung reinreden. Das mit uns beiden ist etwas Besonderes. Wir sind
füreinander geschaffen, davon hast du Flittchen keine Ahnung.“ Bevor Janice
etwas sagen konnte, hatte June unter ihrem Pullover ein Messer hervorgeholt und
stieß es ihr direkt in den Bauch. Sofort sprang Kevin auf und wollte June
überwältigen, um ihr das Messer zu entreißen, doch diese war schneller und
rammte ihm die Klinge in den Hals. Das Blut spritzte wie eine Fontäne aus der
klaffenden Wunde und tropfte auf Junes Kleidung. Das Letzte, was Kevin noch
wahrnahm, bevor er starb, war Junes eiskaltes Lachen. Sie stach immer wieder auf
ihn ein, bis sie sich sicher war, dass er auch wirklich nicht mehr lebte. Dann
stürzte sie sich auf Janice und begann damit, sie auszuweiden. Auf dem Boden
breitete sich eine riesige Blutpfütze aus und der schwere Geruch von Eisen hing
in der Luft. June keuchte und sah auf die beiden Leichen zu ihren Füßen.
„Geschieht euch ganz recht. Ihr hättet mir niemals in die Quere kommen
dürfen!“ Aus der Besenkammer holte sie mehrere schwarze Müllsäcke und
nachdem sie die Leichen zerstückelt hatte, stopfte sie die Teile in die Säcke.
Sie musste gleich dringend hier sauber machen und die Kleider waschen, bevor es
noch Flecken gab. Schnell verschwand sie ins Bad, zog sich die mit Blut
besudelten Klamotten aus, duschte sich gründlich und begann, sich zu schminken.
Jeden Tag machte sie diese Prozedur und das war ihre liebste Tätigkeit.
Lidschatten, Augenbrauenstift, falsche Wimpern, Lippenstift, usw. Schließlich
frisierte sich June noch die Haare und nickte zufrieden. Jetzt war sie wieder
ansehnlich und hübsch. Hübsch für ihren geliebten Kenny. Nachdem sie die
riesige Blutpfütze im Wohnzimmer beseitigt hatte, schleppte sie den Leichensack
ins Schlafzimmer und versteckte ihn solange im Kleiderschrank. Das musste fürs
Erste reichen. Schließlich nahm sie ihr Handy und wählte Kennys Nummer. Nach
einer Weile ging er ran und fragte, was los sei. „Hey Kenny… sag mal, hast
du heute Abend vielleicht Zeit?“

„Na klar, soll ich um acht vorbeikommen?“

„Gerne. Ich warte auf dich. Ich habe sogar eine Überraschung für dich.“
„Au super. Du weißt ja, ich liebe Überraschungen.“ Ein Lächeln spielte
sich auf Junes Lippen und ihr Blick wanderte zum Leichensack. „Ich bin mir
sicher, dass du dich freuen wirst.“ Für die ganz große Überraschung am
Abend bereitete June alles akribisch vor. Sie suchte die romantischsten
Kuschelrocksongs aus, wechselte die Bettwäsche und ging zum Weinhändler, um
einen besonders edlen Tropfen zu holen. Geld durfte dabei keine Rolle spielen.
Als nächstes brauchte sie noch Duftkerzen und noch ein paar Zutaten, für
Kennys Lieblingsgericht: Steak mit Thymiankartoffeln. Da war das Beste gerade
mal gut genug! June hatte, wenn sie Kenny mal nicht verfolgt oder überwacht
hatte, diverse Kochkurse besucht, um ihn richtig verwöhnen zu können.
Inzwischen kannte sie den Guten in und auswendig. Sie kannte seinen Tagesablauf,
seine Telefon- und Handynummern als auch seine E-Mail Adressen oder Chatnamen.
Immerhin hatte sie ihn unter den Namen „CherryGirlxxx“ auf die Probe
gestellt um sicherzugehen, dass er sie nicht betrügen würde. Sie kannte seine
Kontodaten, hatte Übersicht auf seine Kontoaktivitäten, sie wusste was er
gerne aß und sie kannte all seine Hobbys und was er nicht gerne mochte. Sie
kannte seine Krankengeschichte, mit welchen Mädchen er bis jetzt zusammen war
und wie diese Beziehungen in die Brüche gegangen waren. Sie wusste auch, dass
er einen so tiefen Schlaf hatte, dass ihn nichts auf der Welt aufwecken konnte.
Immerhin hatte sie ihn unzählige Male nachts besucht und fotografiert. Sie
hatte auch bei ihm gelegen und sich an ihn gekuschelt, er war einfach nicht
aufgewacht. Es konnte aber vielleicht auch ein wenig am Schlafmittel liegen, das
sie ihm heimlich untergejubelt hatte.

Na was soll’s. Es ging jetzt darum, den perfekten Abend für ihren Liebsten
vorzubereiten.

Um kurz vor acht Uhr stand Kenny an der Tür und war wie immer hübsch
gekleidet. Er staunte nicht schlecht, als er June in einem richtig schicken
schwarzen Kleid antraf. Sie trug schwarze auf Hochglanz polierte High-Heels und
schien Beine zu haben, die gar nicht mehr enden wollten. Sie führte ihn in die
Küche, wo sie den Tisch bereits gedeckt hatte. Das beste Geschirr hatte sie
hervorgeholt und die Kerzen brannten auch. „Ich hoffe, du hast Hunger
mitgebracht.“

„Hast du etwa gekocht?“

„Ja. Es gibt dein Lieblingsgericht.“ June holte die Steaks aus dem Backofen,
befreite sie aus der Alufolie, legte sie zusammen mit den nun fertigen
Thymiankartoffeln auf den Teller und garnierte alles mit fein gehackter frischer
Petersilie. Dann schenkte sie den Wein ein und setzte sich Kenny gegenüber.
Schließlich erhob sie ihr Weinglas und Kenny tat es ihr gleich. „Auf unsere
Beziehung.“

„Auf uns beide!“ Kenny war begeistert von dem Essen, das June gemacht hatte.
Er hatte nirgendwo ein so saftiges und zartes Steak gegessen und auch die
Thymiankartoffeln waren perfekt. Und das alles hatte June für ihn getan. „Es
gibt auch einen kleinen Nachtisch“, sagte June mit einem verführerischen
Glanz in den Augen und zwinkerte ihm zu. „Allerdings nicht hier sondern im
Schlafzimmer.“ In diesem Moment kochte Kennys Libido und er fühlte sich wie
im Paradies. Leckeres Essen, guter Wein, romantische Stimmung und jetzt noch ein
paar heiße Stündchen im Bett. Beinahe willenlos folgte er June und öffnete
bereits die Knöpfe seines Hemdes. Im Schlafzimmer war alles hübsch
hergerichtet und überall brannten Kerzen, auch ein paar Duftkerzen, die ein
angenehmes Lavendelaroma verströmten. June legte sich lasziv aufs Bett, damit
Kenny sie ausziehen konnte. Statt, dass er mit Feingefühl ranging, stürzte er
sich förmlich auf sie und öffnete den Reißverschluss an ihrem Kleid. Zu
seinem Erstaunen kam aber keine nackte Haus zum Vorschein sondern ein Korsett.
„Seit wann trägst du ein Korsett?“

„Damit ich schönere Kurven habe.“ Nun begann Kenny es aufzuschnüren und
tatsächlich besaß June keine sehr schöne Taille. Sie war nicht pummelig, aber
ihr fehlten einfach die weiblichen Rundungen. Aber das störte ihn nicht im
Geringsten. Was ihn aber dann doch erschrak war, als June schon mal den oberen
Teil ihres Kleides entfernte und den BH entblößte. Anstatt, dass da zwei
schöne, wohl geformte Brüste waren, befanden sich im BH kleine Kissen als
Ersatz. June hatte gar keine Brüste, gar keine weiblichen Rundungen. Sie hatte
den Oberkörper eines schmächtigen Jungen. Sofort sprang Kenny auf und wich vom
Bett zurück. „Was zum Teufel… was hat das zu bedeuten June?“ June selbst
war verwirrt über Kennys Reaktion und schien nicht zu verstehen, warum er so
erschrocken aussah. „Warum regst du dich so auf Kenny? Ich dachte, du liebst
mich so wie ich bin.“

„Mal im Ernst June: Bist du ein Kerl oder was?“

„Für dich bin ich alles. Eine Frau, ein Mann… was immer du auch willst. Wir
lieben uns doch und deswegen ist es auch egal, dass ich ein Junge wie du
bin.“

„Es ist nicht egal verdammt. Ich bin keine Schwuchtel, ich steh nicht auf
Kerle! Das ist ja abartig, du hast mich die ganze Zeit verarscht. Oh Scheiße,
wenn ich daran denke, dass wir in der einen Nacht… oh Fuck!!!“ Kenny begann
hastig im Zimmer auf und ab zu laufen, während er laut fluchte und einfach
nicht fassen konnte, dass June in Wahrheit ein Mann war. June selbst brach in
Tränen aus und konnte selbst nicht fassen, dass Kenny auf einmal so grausam
war. Er war doch sonst immer so liebevoll gewesen und jetzt war er auf einmal so
angewidert. Dabei hatte er als June alles getan, damit Kenny ihn liebte. Er
hatte alles für ihn getan und jetzt behandelte er ihn wie ein Monster. Das
durfte es einfach nicht sein. „Ich habe für dich doch alles getan. Ich habe
sogar dieses Flittchen und deinen Bruder getötet, damit wir zusammen sein
können!“

„Du… du hast was getan?“ June ging zum Kleiderschrank, öffnete den
Leichensack und holte den abgehackten blutverschmierten Kopf von Janice raus und
präsentierte ihn wie einen Medusakopf. Entsetzt taumelte Kenny zurück und
erbrach auf den Boden. „Oh Scheiße… scheiße…“
„Ich habe das getan, weil ich dich liebe. Sie wollten uns auseinanderbringen,
sie haben uns unser Liebesglück nicht gegönnt, deswegen musste ich sie
töten.“ June steckte den Kopf wieder in den Sack und ging zu Kenny, doch der
stieß ihn weg.

„Und dieser Kerl, der mit Janice…“

„Ich habe es für dich getan. Du wärst mit ihr niemals so glücklich geworden
wie mit mir. Ich habe es für uns getan. Wir sind für einander bestimmt. Das
weißt du auch!“

„Fass mich ja nicht an du kranker Psycho!!!“ Und damit verließ Kenny
taumelnd das Schlafzimmer, um auf dem schnellsten Weg aus der Wohnung zu
verschwinden. Zitternd kauerte „June“ auf dem Boden und vergoss Tränen. Das
Make-up verschmierte bereits. „Ich dachte, du liebst mich auch als Jamie.
Hättest du mich wirklich geliebt, dann würdest du mich auch so
akzeptieren.“

„Lass mich ja in Ruhe du Freak!“ Etwas in Jamie machte „Klick“ und
schaltete seinen Verstand aus. Ein Schalter legte sich bei ihm um und all die
Liebe, die er vorher für Kenny verspürt hatte, schlugen in blanken Hass um.
Wie konnte er nur so mit ihm reden, wo er doch alles getan hatte? All die
Mühen, all die Opfer und dieser Mistkerl dankte es ihm, indem er ihn einen
Freak und einen Psycho nannte? Dieses elende Schwein hatte mit seinen Gefühlen
gespielt und dafür sollte er bezahlen.

Verrecke, verrecke, verrecke du elender Bastard! Du sollst verrecken!!!“ Jamie
nahm eine Vase von der Fensterbank und warf sie mit aller Kraft nach Kenny und
traf ihn am Hinterkopf. Er fiel zu Boden und verlor das Bewusstsein. Jamie eilte
in die Besenkammer und holte einen schweren Holzprügel hervor. Damit ging er zu
Kenny zurück und wartete, bis er wieder bei Bewusstsein war. Immer noch mit
Tränen in den Augen, aber das Gesicht vor Wut verzerrt, stand er über ihn
gebeugt und hielt den Holzprügel schlagbereit. „Du hättest mich einfach
lieben sollen…“ Das waren die letzten Worte, die Kenny noch in seinem Leben
hörte, bevor der Prügel auf ihn niedersauste und unzählige Schläge ihm die
Knochen zertrümmerten, bevor ihn ein letzter Schlag den Schädel zermalmte.

Jamie hatte sich schön geschminkt und trug wie immer etwas Lilafarbenes. Lila
war seine absolute Lieblingsfarbe, denn immerhin war es eine Mischung aus rot
und blau. Rot für die Frauen, blau für die Männer. Und er hatte beides. Seine
Augen waren betont aber nicht zu stark geschminkt und wie immer saß er am
Tresen. Der Barkeeper kam auf sie zu und reichte ihm einen „Purple Nurple“.
„Wem darf ich den Drink servieren?“

„Mein Name ist Delilah, ich bin neu in der Stadt.“

„Na dann wünsche ich noch einen schönen Abend.“

„Vielen Dank, den werde ich sicherlich haben.“ Jamie begann den Strohhalm im
Drink zu rühren und sah sich in der Bar gut um. Und tatsächlich hatte er
bereits jemanden im Visier: Einen hübschen Schwarzhaarigen, gut gebaut und ganz
offensichtlich alleine unterwegs. Jamie trank seinen Drink aus und ging
zielgerade auf ihn zu. „Hallöchen, so ganz alleine hier?“ „Bis gerade
eben ja. Hey, ich heiße Johnny.“

„Delilah. Wie wär’s mit einem kleinen Tänzchen?“ Sofort erklärte sich
Johnny einverstanden und schon tanzten sie beide zusammen auf der Tanzfläche,
wobei Johnnys Hände immer öfter zu Jamies Hüften glitten und die Distanz zu
ihnen immer kürzer wurde. Jamie hatte sein neues Opfer gefunden und es wusste
nicht, wie tief es sich bereits im Netz der Spinne verfangen hatte. Es war die
Liebe auf dem ersten Blick. Wie unzählige Male bereits zuvor.

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