Kosmischer HorrorKreaturenMittelSchockierendes EndeSci-FiTod

USS Moros

Warnung vor Creepypasta

ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.

*Erddatum 12. Januar 2673*

Schnaufen* … Hier ist Kapitän Clark Rossfield… Ähm… Nun ja… Ich bedauere das zu sagen, aber ich bin mir nun ziemlich sicher, dass jeder außer mir auf der USS Moros tot ist. Ich habe mich von der Brücke entfernt und wollte ursprünglich zu den Rettungskapseln; und das, obwohl wir sehr weit weg von jeglichen zivilisierten Himmelskörpern oder Außenstationen sind. Die nächste beschissene Außenstation von hier aus ist die Geological-Research-of-Talos-II-Station der Förderation… Ich würde sie zwar kaum in der kleinen Rettungskapsel erreichen, geschweige denn lange genug ausharren, um Funkkontakt mit dem nächsten Funkknoten aufzubauen, dennoch wäre die Wahrscheinlichkeit zu überleben größer als wenn ich an Bord bleiben. Das Problem ist: wir haben eine Infektion an Bord… Okay, hört mal, wir sind nur ein beschissenes Frachttransportschiff, wir kommen zwar viel herum, aber gehen so gut wie nie an Land. Wir bleiben in der Umlaufbahn von Planeten und schicken die Fracht mit kleinen Drohnen oder bei etwas größeren Lieferungen gegebenenfalls auch mit kleinen, automatisierten Shuttles, welche die Fracht transportieren, zu der nächsten Station im Orbit. Dort wird die Ladung von mehreren Frachtschiffen über mehrere Wochen angesammelt. Sobald das Lager voll ist, wird diese dann mit den Orbitalaufzügen auf die Oberfläche transportiert. Es ist alles eine Frage des Geldes und der Effizienz. Wenn wir jedes Mal selbst nach unten fliegen müssten, müssten wir ja auch wieder raufkommen. Unmengen an Energien in Form von Treibstoff für das Wiederaufsteigen ins All würden dabei verloren gehen. Ja, diese reichen Förderationsscheichs können sich das womöglich leisten, aber wir sind leider einer etwas ärmeren Schicht angehörig. Ich zum Beispiel habe den Job vor 20 Jahren als Rekrut, als einfacher Staplerjunge, angenommen, um meinem Vater in die Fußspuren zu steigen. Ich arbeitete hart und vor 5 Jahren konnte ich endlich die Spitze meiner Karriereleiter ergreifen, Kapitän für ein eigenes Schiff! Klar, diese ganzen Marineeinheiten und Eliteschnösel werden immer eine höhere Position haben, aber dafür muss man wohl in die richtige Gesellschaft hineingeboren sein, ich bin es nicht. Dennoch habe ich das Beste aus meinen Möglichkeiten gemacht… so wie auch jetzt.

Alles begann vor 3 Tagen. Ich meinte noch zu Leutnant Jeff Wiesenburg, dass das mit Talos V eine schlechte Idee ist. Wir hatten einen Spezialauftrag bekommen. Wir  mussten eine Lieferung zu einem Planeten bringen, der so weit weg von Förderationsgebiet ist, dass man für ein paar Tage nicht mal Funkkontakt mit den äußersten Außenposten aufbauen kann. Die Lieferung bekamen wir, als wir am Handelsaußenposten III im Kabla-System hielten. Ich bin der Kapitän, ich schaue mir die Lieferungen nie mit eigenen Augen an, aber ein Rekrut, der sie in den Frachtraum beförderte und befestigte, meinte, es wären irgendwelche zerbrechlichen Alien-Eier. Was auch immer, ich meine, unsere Aufgabe ist nicht, in fremden Sachen zu schnüffeln, sondern diese von A nach B zu transportieren. Was allerdings erstaunlich war, war der Preis für die Lieferung, er lag bei einem Rohwert von 6000 Kredits. Das ist mehr als siebenmal so viel, wie wir für alltägliche Lieferungen von Sachen wie Treibstoff oder gewöhnliche Metallerze bekommen! Ich hatte dennoch ein schlechtes Gefühl bei der Sache, aber ich stempelte es als kindische Angst ab. Ich war nie ein Fan von „wir fahren weit raus und erkunden das Unbekannte!“… Wie oft hörte man in den intergalaktischen News, dass schon wieder ein nicht-elitäres Schiff verschollen ist und Jahre später in Bruchteilen quer durch den Sektor identifiziert wurde? So oft sogar, dass sich die Medien ab einen gewissen Zeitpunkt gedacht haben, dass sie sich nur mehr dann solchen Themen widmen, wenn es sich um ein ach-so-gutes Eliteschiff von irgendwelchen Politikern handelt. Ich weiß, vieles ist Panikmacherei, aber trotzdem hatte ich ein intuitives Gefühl, dass das Ganze schlecht ausgeht.

Hätte ich nur auf mein Gefühl gehört.

Es begann damit, dass wir die Lieferung nicht an irgendwelche Stationen im Orbit von Talos V absetzen konnten. Dieser scheiss Planet ist so hinten nach, dass wir ernsthaft SELBST in die Atmosphäre eintreten mussten!!! Das erklärt auch den hohen Preis. Als wir das realisierten, platzten die Träume meiner Crew, dass wir mit den 6000 Kredits alle erstmal ein paar Monate Urlaub machen könnten. Die Moral an Bord sank, als sich herausstellte, dass das schöne Geld, das ich natürlich auch fair aufgeteilt hätte, nun doch für den Treibstoff, den das Wiedereintrittsshuttle für die Rückkehr von der Oberfläche zu unserem Schiff gebraucht hat, wortwörtlich verbrannt wurde. So eine Scheiße! Aber als wäre das nicht schon schlimm genug, stritt sich meine Crew auch darüber, wer nun diese Drecksarbeit erledigen müsse. Wir sind ein Fracht- und kein Kampf- oder Kriegsschiff, wir sind kaum bewaffnet, vor allem nicht unser Crew. Gerade mal zwei schwache Puls-Blaster haben wir auf unserer Brücke, die aber gefühlte 400 Jahren alt sind. Wie gesagt, wir gehen so gut wie nie an Land, eine Gefahr eines Mann-zu-Mann-Kampfs ist deshalb verdammt gering. Selbst wenn sich einmal Piraten auf unseren Radars nähern, welche übrigens für unsere Verhältnisse sehr fortschrittlich sind, schrecken diese meist zurück, wenn sie realisieren, dass die USS Moros mit zwei Hüllenknacker-Langstrecken-Protonenkanonen ausgestattet ist. Diese bekamen wir nach dem Vorfall mit der USS Thanatos, die von einem extremistischen Terrorschiff gekapert und die sich darin befindende Crew gefoltert und getötet wurde, installiert. Die Protonenkanone ist ja eigentlich eine Waffe, die im Kriegsgesetz in der Grauzone steht. Klar, sie ist jetzt nichts Massenvernichtendes wie ein Planetenkiller, aber die Verletzungen, die sie durch die enorme Strahlung zufügen kann, sind dennoch sehr ekelhaft. Selbst wenn die initiale Detonation die Hülle des feindlichen Schiffs nicht durchbricht, erreicht die Strahlung oft Personen im Inneren. Die Schäden bleiben oft eine kurze Zeit unerkannt, bis das Strahlensyndrom und der Krebs so schnell zuschlägt, dass man ohne Molekülreset-Maschine, die ja bekanntlich nur die aller teuersten Schiffe haben, sowie einer weiten Distanz bis zum nächsten Spital oft seinem Ende ausgesetzt ist. Piratenschiffe sind nicht die schnellsten Schiffe und oft agieren sie in den tiefsten Ecken des Alls. So eine innere Strahlenvergiftung ist für sie deshalb wirklich sehr gefährlich. Außerdem agieren WIR in den allermeisten Fällen nur im inneren Gebiet der Förderation. Sollten wir tatsächlich mal überfallen und überrannt werden, ist die Hilfe schnell genug da, um zumindest unsere Crew zu retten. Aber das ist in meinen 20 Jahren Erfahrung noch nie vorgekommen, logischerweise, ich meine, wer macht denn auch einen Überfall direkt neben einer Polizeistation?

Wie auch immer, da Jeff die Idee hatte, trieben ihn die anderen Crewmitglieder dazu, dass er, trotz seines Rangs, auf die Oberfläche gehen solle. Er willigte ein und ein Rekrut namens Jack Martinell ging mit ihm, weil er dachte, so stiegen seine Chancen auf eine Beförderung oder zumindest ein besseres Ansehen.

Sie flogen mit einem veralteten und lange nicht benutzten Wiedereintrittsshuttle. Wir bekamen die Koordinaten zugesandt, nachdem wir mehrmals erfolglos mit der Zivilisation auf der Oberfläche zu sprechen versuchten. Nach dem fünften Funkruf antworteten sie endlich in einer Sprache, die unser Übersetzer erstmal erkennen musste. Sie gaben uns Koordinaten und sagten, wir sollen die Ware beim Transport auf keinen Fall beschädigen. Den Rest kann ich nur aus dem Gesprächsprotokoll mit Jeff und Jack wiedergeben.

Sie landeten anscheinend an einem sehr dunklen und nebeligen Ort, wo gerade ein Sturm wehte. Es gab keine Häuser, nur Hütten, welche sehr verkommen und altmodisch aussahen. Sie gingen zu den exakten Koordinaten. Dort befand sich etwas, das aussah wie die Häuptlingsresidenz. Sie gingen hinein und eine Gestalt, die keiner uns bekannten Spezies angehörte, empfing sie. Sie war humanoid, sehr verschleiert, groß und extrem mager. Diese biometrischen Attribute bestätigten, dass sie kein Mensch, sondern außerirdisch war, auch wenn man durch die Verschleierung nicht ihre wahre Gestalt erkennen konnte. Sie begleitete meine zwei Crewmitglieder in einen großen, leeren Saal, wo eine weitere dieser Gestalten auf einer Art Thron saß. Sie bedankte sich dafür, dass sie die Ladung, welche Jack mühevoll trug, endlich bekommen hatten. Jack und Jeff stellten sie ab, wollten gehen, doch die erste Kreatur, die wohl eine Art Diener der zweiten war, stellte sich ihnen in den Weg. Die Kreatur auf dem Thron sagte: „Ich bin euch wirklich dankbar, dass ihr sie endlich zurückgebracht habt. Ich muss nur eine Sache kontrollieren. Die Bezahlung lief sowieso über das intergalaktische Handelssystem. Ihr dürft gleich gehen, ich will mir nur sicher sein…“. Sie öffnete die schwere Kiste und sah hinein. Sie erschien sehr erschrocken und außer sich, als sie den Inhalt sah. Sie fing an zu zittern und sagte: „Wart ihr das?“. Jack machte zwei Schritte nach vorne und sah hinein. Die Eier wiesen Risse auf und der Boden der Box war mit einer schleimigen, gräulich-gelben Flüssigkeit bedeckt. Jack schreckte auf und schrie intuitiv: „NEIN, als wir sie bekamen, war das nicht so“. Die Kreatur schaute ihn an und sagte: „Dafür musst du bezahlen!“. Jeff sagte mir im Nachhinein, dass er dachte, die Kreatur meinte Kredits, weshalb er, kurz bevor er bewusstlos geschlagen wurde, noch behauptete: „Tut uns leid, das war nicht mit Absicht, wir geben Ihnen die Hälfte wieder zurück“.

Doch es war wohl eine Art Blutgericht oder etwas dergleichen. Der Kontakt mit den beiden brach abrupt ab und das nächste, was wir hörten, war etwa vier Stunden später. Wir zerbrachen uns alle den Kopf in dieser Zeit. Was wir nun tun sollten… Wir planten bereits eine Rettungsmission, doch dann unterbrach Jeff unerwartet das Rauschen der Funkverbindung, „Captain? Ist jemand da?“ – wir antworteten natürlich sofort und fragten, was passiert ist. Er behauptete, er und Jack wären bewusstlos gewesen und fanden sich nach dem Aufwachen gemeinsam in einer Höhle wieder, wo keine Funkverbindung möglich war. Sie gingen eine Zeitlang einen Gang entlang und gelangten wieder ans Freie. “Es war noch immer stocktiefe Nacht”, erläuterte Jeff. Sie verstanden nicht, was passiert war, doch sagten, sie hätten wieder Verbindung und würden zum Shuttle zurückkehren können. Sie sagten, dass sie vermuteten, dass die Höhle von etwas bewohnt ist, und sie quasi diesem… Etwas… zum Fraß vorgeworfen worden wären, wenn sie nicht Glück gehabt hätten, dass sie vor… was auch immer es sein mag… aufwachten.

Als sie mir das alles schilderten, hatte ich insgeheim ein sehr ungutes Gefühl. Doch ich behielt es für mich, da die Crew sehr erfreut über das Wohlauf der beiden war. Dieses ungute Gefühl verstärkte sich allerdings, als nur fünf Minuten später die Nachricht kam: „Wir sind jetzt beim Shuttle, wir starten die Triebwerke und kommen hoch!“. Ich fragte Jeff in einem Flüstern, damit es die anderen Crewmitglieder auf der Brücke nicht mitbekamen: „Jeff, ist Jack bei dir?“ – „Ja, er ist hier bei mir, wir sind gleich da, macht bitte die Andockstelle auf!“

Das war das letzte Mal, dass ich je seine Stimme gehört habe. Das nächste, was ich mitbekam, war, dass wir die Andockstelle öffneten und einige Crewmitglieder zum Shuttle gingen, um die beiden zu empfangen… wir verloren direkt jeden Funkkontakt zu jedem, der sich dort befand. Jetzt war es allen klar, dass da etwas nicht stimmte. Wir versuchten es über mehrere Kanäle, doch Stille breitete sich in unserem Schiff aus. Eine heiße Unruhe brach aus. Die Crew auf der Brücke begann panisch zu werden, doch ich schaffte es, alle zu beruhigen. „Leute, bitte bleibt ruhig, wir wissen nicht, was los ist, führen wir erst ein paar Tests und Überlegungen durch, bevor wir direkt grundlos emotional werden“, sagte ich in einem sanften Ton. „Ich überprüfe die Lebenssignale an Bord, Captain“, sagte Schiffstechniker Andrew Essman. Er tat dies und zu unserem Erstaunen gab es Lebenszeichen… sie waren aber nicht normal, es waren zu viele… viel zu viele.

Diese Lebenszeichen-Scans kontrollieren fein,e elektrische Impulse, die auf chemischen Reaktionen basieren, wie zum Beispiel Hirnaktivitäten, öfters aber noch den Herzschlag. Das menschliche Herz schlägt etwa 100 mal die Minute… wir bekamen einen Wert von zehntausenden Malen und das alleine im Shuttle-Hangar. Also entweder waren da plötzlich mehr Menschen, oder da war was anderes an Bord. Diese Anzahl an Leben bewegte sich langsam über die Decks. Als es fast Deck 4, den Speiseraum, erreichte, wo sich zwei unserer Lagerarbeiter befanden, sendeten wir eine Notfallmeldung in den Raum – „VERLASST DAS DECK UNMITTELBAR RICHTUNG DECK 2. NICHT RICHTUNG DECK 6. ICH WIEDERHOLE. NICHT RICHTUNG DECK 6!“ – wir bekamen einen Rückruf von Max Johnsen, der aber unmittelbar im Satz abbrach, „Captain, was ist da los? Wir müssen hier noch den wichtigen —„. Die Lebenszeichen der beiden verbanden sich mit dem pulsierenden… Ding… Danach verharrte es etwas in dem Speiseraum.

Jetzt fingen alle an durchzudrehen. Wir setzten sofort Protokoll Schwarz in Kraft, wodurch die aktuellen Werte des Schiffs, wie Hüllenstand und Lebenszeichen, auf alle Monitore im Schiff übertragen werden; und alle Crewmitglieder sollen, wenn möglich, unmittelbar auf die Brücke kommen, da es zum Beispiel ein Leck in der Hülle oder Eindringlinge an Bord gibt. Zusätzlich blinken die Lampen in einem regelmäßigen Muster. In dem Moment, wahrscheinlich durch die Lichtimpulse gesteuert, setzte sich das Ding wieder in Bewegung, es schien zu wachsen, denn die Lebenszeichen wurden stärker… und mehr. Wahrscheinlich hatte es in der Speisekammer die Vorräte gefressen und setzte nun seine Zellteilung auf eine maßlose Geschwindigkeit. Es breitete sich nun auch aus und nahm mehrere Bereiche des Schiffs auf einmal ein. Wir erhielten mehrere Notrufe von Crewkollegen an Board. Die meisten waren extrem panisch, doch verblassten schnell. Einer sagte etwas wie: „Captain, hier ist etwas, dass sich wurmartig fortbewegt. Captain, ich kann nicht auf die Brücke, ich schließe mich in Kabine 17 ein… OH MEIN GOTT —„.

Es näherte sich schließlich auch der Brücke. Wir waren zu viert. Ich, Andrew Essman sowie Pilot Benjamin Corner und Co-Pilot Oliver Ashen. Der Hauptstrom fiel aus, alles lief nur noch durch den Notstromgenerator, weshalb alle Pläne zwecks Verriegelung der Türen ins Wasser fielen. Das Licht begann zu flackern. „WIR MÜSSEN HIER RAUS!!!“, schrie Benjamin panisch. Oliver fing an zu weinen. „DIE RETTUNGSKAPSELN!“, sagte Andrew. Wir sahen, dass die Rettungskapseln auf Deck 16 liegen, welche noch erreichbar wären, wenn wir uns über Deck 7 und 2 fortbewegen würden. Wir machten uns direkt auf den Weg. Auf den Monitoren, die an manchen Ecken der Gänge montiert waren, kontrollierten wir die Lage des Dings. Dann passierte etwas Schlechtes.

Das Ding kam auf uns zu, von Deck 7. “Es hat sich auf das beschissene Deck 7 ausgebreitet, als würde es wissen, was wir tun wollen, GOTT VERDAMMT!“, schrie Andrew. Doch die Hoffnung war noch nicht am Ende, wir krochen in den Lüftungsschacht und hofften einfach, dass wir dem Etwas so ausweichen konnten.

Das war ein Fehler.

Während wir uns langsam im Lüftungsschacht vorwärtsrobbten, sahen wir das Ding zum ersten Mal mit eigenen Augen. Wir waren auf Deck 7, es war direkt unter uns. Durch die schmalen Spalte sahen wir es…

Ein großes, organisches Ding, fast wie ein Wurm, doch es nahm den GESAMTEN Gang ein, also keine Ahnung, ob es überhaupt ein Wurm war, vielleicht auch einfach nur organische Masse. Es bestand aus Fleisch und Muskelgewebe, Sehnen und Zähnen… und Herzen… Es hatte tentakelhafte und klauenförmige Ausbuchtungen. Blutgefäße waren zu sehen, sie pumpten an der Oberfläche, während sich das gesamte schleimige Etwas peristaltisch durch den Raum bewegte. Die hunderten Herzen, die teils halb im Fleisch vergraben, teils aber auch an der Oberfläche seines Seins zu sehen waren, pumpten wie auf Kokain. Benjamin fror vor Schreck ein. Oliver übergab sich bei seinem Anblick. Dieses Geräusch machte es auf uns aufmerksam. Es hielt für einen kurzen Moment an. Panisch machte ich eine „WEITER!“-Geste mit der Hand, doch es war zu spät…

Einer seiner Tentakel fuhr durch die Öffnung und zog Andrew, der am weitesten hinten und am nächsten zur Öffnung war, aus dem Schacht und quetschte ihn mit ganzer Kraft durch die Öffnung. Er schrie und versuchte sich an den kleinen Schrauben im Lüftungsschacht festzukrallen, doch es war vergebens. Andrew war sehr dünn, dennoch passte er kaum durch die 40x40cm schmale Öffnung. Er brach sich mindestens beide Schulterknochen und Arme. Er schrie, so wie ich noch niemanden je schreien gehört habe, und als er das Ding berührte, sank er darauf ein wie auf Treibsand oder Wackelpudding. Er verschwand in ihm. Ich kroch um mein Leben. Benjamin, der als nächstes in der Reihe war, war noch immer in Schockstarre. Oliver kehrte um, kroch zwei Meter zurück zu Benjamin und versuchte ihn weiterzutreiben, doch das war wahrscheinlich sein Untergang. Keine fünf Sekunden nach Andrew war Benjamins Zeit gekommen. Oliver sah auch ihn durch den Spalt gezwängt werden. Er versuchte noch panisch weiterzukriechen, aber er schaffte es nicht mehr. Sie alle wurden ins Unbekannte gezogen und verschluckt. Ich hingegen war schon mindestens fünfzehn Meter weiter im Lüftungsschacht, mich erreichte es nicht mehr. Es versuchte mich zu holen, doch die Länge des Tentakels blieb etwa fünf Meter hinter mir stehen. Ich kroch um mein beschissenes Leben. Das Ding gab mich auf und bewegte sich weiter. Als ich an Deck 3 angekommen war, sprang ich durch eine Öffnung dort aus dem Lüftungsschacht. Ich schaute auf einen Monitor und sah, dass Deck 16 nun auch befallen war. Es waren nur mehr drei Decks von diesem Ding verschont. Deck 3, Deck 2 und die Brücke. Ich denke, jeder ist gestorben, außer mir, denn ich sah keine normalen Lebenszeichen mehr, außer meinen eigenen.

Nun… Deck 3 ist ein Lagerraum. Ein Lagerraum, wo wir derzeit nichts Relevantes lagerten. Ein paar historische Gegenstände, Sammlerstücke, die wir für irgendwelche Spezialkunden aufbewahrt haben, aber aufgrund von Zeitstress nie liefern konnten, befinden sich darin. Ich ging in den Raum und verriegelte die Tür hinter mir. Ich stellte ein paar alte Stühle davor, doch ich bezweifle, dass das etwas bringt. Ich stöberte eine Weile und fand neben ein paar alten Bildern, wie dem eines Ölfarbengemäldes einer Stadt mit stromlinienartigem Nachthimmel und verschwommenen Sternen, auch Bücher und Möbel… sowie eine alte Handfeuerwaffe. Sie muss sehr alt sein. Ich tippe auf etwa 700 Jahre. Es ist eine Art Revolver. „Kaliber .357 Magnum“ steht klein darauf eingraviert. Als ich die Trommel geöffnet habe, sah ich, dass exakt eine Patrone im Magazin ist. Eine einzige. Ich denke, das ist ein Zeichen. Wie kann ich mit einer Kugel kämpfen? Wahrscheinlich bräuchte man für das Ding mindestens eintausend… oder noch besser… Flammenwerfer, Plasmaschleuderer, Partikelkanonen oder Lebensformdesintigratoren… Als Frachtschiff haben wir nichts davon… Ich stelle mir vor, wie eines Tages die Marine kommt, gemeinsam mit Wissenschaftlern und hunderten Journalistenschiffen. Sie werden diesen Fall als tragisches Ereignis der Geschichte bezeichnen. Sie werden Proben von dieser Kreatur nehmen, bevor sie sie mit Nuklear-Torpedos in die Luft jagen! Ja, es wird dafür büßen, mich und meine Crew genommen zu haben! Klar, es wird traurig sein, mein Schiff, die gute alte USS Moros, wird zerschellen, aber auch sie muss eines Tages gehen. So wie ich.

Ich fand auch einen alten Whiskey aus dem Jahre 1969. Dafür würden manche tausende Kredits zahlen. Ich glaube, das ist ein würdevoller Abgang. Ich nehme noch diese Nachricht auf diesem Audior-Rekorder auf. Ich werde versuchen, ihn an mein Kurzreichweiten-Funkgerät, welches an meiner Uniform angebracht ist, zu schließen, um somit zumindest irgendwelche ankommenden Schiffen, in diesen Weiten des Weltalls, zu warnen. Danach werde ich mich mit dem Alkohol benebeln und  an meine Frau denken… wenn IRGENDJEMAND das hört, BITTE sagt ihr, dass ich sie liebe… ihr Name ist Maria Rossfield, sie lebt auf der Erde oder auch Stein I auf der intergalaktischen Sternenkarte genannt. Ich habe keine Ahnung, wer oder was das hören wird, aber ich habe Angst. Bevor ich aber ein Teil von diesem fleischigen Stück Scheiße werde, gehe ich lieber in die Essenz zurück und schließe selbst die Vorhänge meines Lebens. Also, das war es mit meiner Geschichte, bitte vergesst mich nicht. Mein Name ist Clark Rossfield. Ich war der Kapitän der USS Moros.

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Der Schrottsammler hielt vor einer vereisten Leiche, die durch einen Kopfschuss starb, an und hörte die Audioaufnahme, die sich auf einem Rekorder befand, der neben dem Körper lag. Der Rekorder war mit einem Notfall-Funkgerät verbunden. Zwar sandte er ein leises Funksignal aus, doch dieses reichte nicht weiter als in den Raum, wo er lag. Der Schrottsammler spürte sein Herz in die Hose sinken, als er erfuhr, was hier passiert war. Er rief sofort seinen Partner, der sich auf einem anderen Teil des verschollenen und verlassenen Schiffs befand. „Isss’Khar wir müsssssen hier ssssofort weg. Du glaubsssst nicht, wassss ich gerade gefunden habe.“ – „Mach mal halblang, Bruderherzzz, hier gibt essss gute Beute.“ – „Nein, ich meine esss ernssst. Wir müssssen rausss hier. Ssssofort!!!“. Der Schrottsammler drehte sich um und ging aus dem Raum. In dem Moment hätte er schwören können, dass sich etwas Wurmartiges in seinem Augenwinkel befand.

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Autor: Big Lincoln

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