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Wiederkehrende Albträume

Einmal im Monat habe ich einen ähnlichen Traum, gefolgt von einem schrecklichen Erwachen. Vor drei Monaten fing alles an. Der Vollmond schien durch das Fenster auf mein Bett am anderen Ende des Zimmers. Ich weiß nicht, warum ich den Rollladen oben ließ. Irgendwie wollte ich mit dem Mondschein auf meinem Gesicht und der hellen, weißen Scheibe als letztes was ich sehe, einschlafen. Ich weiß, dass einige bei Vollmond nicht gut schlafen können. Bei mir ist das ein bisschen anders: Ich kann bei Vollmond gut einschlafen. Wenn ich dann aber schlafe, bin ich unruhig und wache mehrmals die Nacht auf. Diesmal wachte ich nicht auf. Diesmal schlief ich durch. Nur hatte ich einen schrecklichen, unruhigen Albtraum aus dem ich einfach nicht erwachen konnte. Ich kann mich lediglich an Bruchstücke erinnern: Die Straße vor unserem Haus, der Geruch frischer Erde und Gräber, die vom Mond beleuchtet werden.

Als ich aufwachte, war ich schweißgebadet und fühlte mich, als hätte ich kein Auge zugetan. Schlimmer noch, als es sonst bei mir der Fall ist. Ich bemerkte auch einen seichten Luftzug. Intuitiv drehte ich mich daraufhin zum Fenster und sah, dass es offenstand, obwohl ich mich gut daran erinnern konnte, es vor dem Schlafen nicht geöffnet zu haben. Ich konnte es mir nicht erklären und musste davon ausgehen, dass ich in der Nacht schlafwandelte. Das Merkwürdigste, ja das Erschreckendste fiel mir jedoch erst auf, als ich die Klinke anfasste, um das Fenster zu schließen. An meinen Händen war Erde! Als ich langsam wieder aus meiner Schlaftrunkenheit zu mir kam, bemerkte ich denselben Geruch von frischer Erde in meiner Nase, den ich im Traum vernahm und den Geschmack von Eisen auf meiner Zunge. Als ich in den Spiegel sah, erblickte ich meine Zähne, die mit irgendwas Rotem beschmiert waren. Ich wusch meinen Mund aus, putzte die Zähne und duschte. Frühstück wollte ich an diesem Morgen keines zu mir nehmen. Mein Bauch fühlte sich gefüllt an, wie nach einem großen Sonntagsessen. Ich ging also ohne Frühstück, dennoch mit vollem Magen in die Schule. Dort bekam ich von Mitschülern etwas mit, das mir einen Schauer über den Rücken laufen ließ: In dieser Nacht solle es auf dem örtlichen Friedhof einen Fall von Grabschändung gegeben haben. Es wurde die Leiche einer kürzlich bestatteten jungen Frau ausgegraben und entstellt. Ein großer Teil ihrer sterblichen Überreste wurde ihr regelrecht von den Knochen gerissen. Leichenteile lagen um das Grab herum. Der Großteil der sterblichen Überreste jedoch, blieb verschwunden. Es traf mich wie ein Schlag! Ich konnte mir denken, dass mein Traum und meine Erlebnisse in Zusammenhang mit der Schändung des Friedhofes in derselben Nacht standen. Als einzige Hoffnung blieb mir der Gedanke, dass ich mir alles eingebildet haben könnte. Dass die Erlebnisse am Morgen nach dieser Nacht meinem schlechten Schlaf und meiner, durch den Albtraum angeregten, Fantasie geschuldet waren. Das hätte mir als Erklärung genügt, wenn nicht der Vorfall auf dem Friedhof gewesen wäre. Natürlich ist die Vorstellung absurd, dass alles nur Zufall sei. In unserer materialistischen, hyperrationalen Welt gehen die Menschen jedoch lieber von dem Absurdesten aus, statt dem Offensichtlichen ins Auge zu blicken. Weise Worte für einen Jugendlichen, ich weiß! Ich war eben schon immer kein normaler Vertreter meiner Spezies. Wie dem auch sei: Darüber hinaus war es mir lieber von einem Zufall auszugehen, als davon, dass ich völlig verrückt sei.

Trotzdem lies mich der Gedanke nicht los, dass irgendetwas mit mir nicht stimmte. Etwas, das zu Vollmond mein Bewusstsein aussetzen lässt, wodurch ich Taten begehe, die nicht meinem freien Willen entspringen. Umso näher der nächste Vollmond kam, umso mehr nahmen diese Gedanken zu. Als nun endlich wieder Vollmond war, viel es mir schwer, ein Auge zuzudrücken. Ich legte mich ins Bett und starrte den Mond an, wie er aus dunklen Wolken hervorblickte, als sei er ein Augapfel im Himmelszelt, der mich kalt anstarrte. Irgendwann schlief ich dennoch ein und träumte wieder etwas ähnliches, wie letzten Vollmond. Diesmal konnte ich mich besser an die Details erinnern: Es waren wieder Grabsteine zu erkennen. Alte mit teils aufwendigen Verzierungen, teils einfach gehaltene, die mit gemeißelten Totenköpfen gekrönt waren. Sie zeigten Spuren des Verfalls der über hundert Jahre die sie bereits dort stehen. Ich erinnere mich auch an die frische Nachtluft des Spätsommers, an einen unangenehmen Gestank und an das blasse Gesicht einer Leiche. Friedlich schauten mich die geschlossenen Augen an. Deutlich waren schon Spuren der Verwesung auf der ausgetrockneten Haut zu erkennen: Blaue Äderchen, die sich um das Gesicht schlingen und dunkle Flecken. Im nächsten Moment war von diesem Gesicht nichts mehr übrig als Fetzen, die auf dem Schädel zurückblieben und die strohigen Haare. Am Schluss lag ein ganzer entstellter Körper vor mir. Der Oberkörper war offen. Abgesehen von ein bisschen Darm und etwas Gerippe blieb nicht viel übrig. Als ich aufgewacht war, stand das Fenster wieder offen. Ich fühlte mich genauso satt wie letztes Mal, nur diesmal mischte sich starke Übelkeit dazu. Ich ging in das Bad um nachzusehen, ob sich meine Bedenken bewahrheiteten. Im Spiegel sah ich das was ich erwartete. Mir blieb nichts anderes übrig, als auf der Stelle zu kotzen! Ich schaffte es gerade noch, mich über die Kloschüssel zu beugen und kotzte wie ich es noch nie tat. Der widerliche Geschmack auf der Zunge war furchtbar und die Säure in meinem Körper schmerzhaft. Als ich fertig war, blieb ich erschöpft liegen, bis ich endlich die Kraft fand, um aufzustehen und alles von mir abzuduschen. Den ganzen Dreck, den ganzen Gestank und die Scham. Ihr könnt euch denken was ich erfahren habe, als ich später das Internet nach den neusten Nachrichten aus der Region durchsuchte.

Ich wusste jetzt, dass ich verrückt bin. Anscheinend verliere ich jeden Monat zu Vollmond meinen Verstand und schlafwandle zum Friedhof um die toten Körper Verstorbener zu mir zu nehmen. Natürlich erinnerte mich das sofort an den Werwolf-Mythos. Ich wusste schon, dass es Fälle gab in denen Menschen glaubten, solch ein Wesen zu sein, die Kontrolle über sich verloren und andere Menschen brutal ermordeten. Ist so etwas bei mir der Fall? Vielleicht aber bin ich auch ein Werwolf, dachte ich mir. Ich war schon immer „anders“ und habe für Tiere mehr übriggehabt als für Menschen. Erstmal ging ich jedoch von dem Fall aus, der wahrscheinlicher erschien. Zum nächsten Vollmond wollte ich vorbereitet sein. Da meine sozialen Kontakte beschränkt sind und es niemanden gibt, den ich als einen besten Freund bezeichnen würde, musste ich die Sache selbst in die Hand nehmen. Ein älterer Mitschüler kaufte für mich Handschellen in einem Sexshop, ich wusste nicht wo ich sie sonst hernehmen sollte, Spielzeughandschellen kamen für mich selbstverständlich nicht in Frage.

Als der Vollmond nun wieder am nächtlichen Himmel stand, schlich ich mich heimlich in den Keller. Meine rechte Hand hatte ich an ein Regal aus Eisen gekettet, den Schlüssel steckte ich in meine Hosentasche. So lag ich da und schaute aus dem kleinen Kellerfenster heraus. Es war eine sehr neblige Nacht, nichts als dichter Nebel war zu erkennen. Nur ein heller Schein am Himmel, der dumpf durch die Nebeldecke drang, war zu sehen. Trotz meiner sehr ungemütlichen Schlafposition konnte ich einschlafen und auch dieses Mal träumte ich wieder. Diesmal waren die Eindrücke stärker. Ich kann mich an die Umrisse von Häusern erinnern, die hinter einer dichten Nebelwand grad noch so zu sehen waren und an die dumpfen Lichter der Straßenlaternen, die jeweils eine Säule aus Licht im Nebel bildeten. Das waren die eher schönen Eindrücke dieser Nacht. Doch ich sah auch wie ich ein Mädchen oder eine junge Frau, etwas älter als ich, auf den Boden schleifte. Im nächsten Moment sah ich wie ihr Körper von den Krallen eines Biestes aufgerissen wurde. Es waren weder menschliche Hände, noch die eines Raubtieres. Es waren eine Art Hybride: Die Form war die eines Menschen mit fünf Fingern. Statt Fingernägel konnte ich allerdings nur lange und spitze Krallen erkennen. Darüber hinaus waren die Hände größer als die eines gewöhnlichen Menschen, übrigens waren sie ungewöhnlich stark behaart. Nachdem das hilflose Opfer vor Schmerzen geschrien und geweint hatte, machte dieses Monster ihren unvorstellbaren Schmerzen ein Ende, indem es ihr mit seinem langen, breiten Maul in den Hals biss. Es dauerte einige Sekunden, bis der Hals vom restlichen Körper getrennt wurde und die unerträglichen Laute endlich verstummten. Mehr möchte ich nicht erzählen! Ich sah das ganze durch die Augen der Bestie, es war ein Albtraum!

Leider scheint dieser Albtraum nicht zu enden. Als ich heute Morgen aufgewacht war, lag ich wieder im Keller. Die Handschellen waren allerdings vom Regal abgetrennt. Es scheint, dass ich sie mit einer enormen Kraft abriss. Eine Kraft die ich unmöglich aufbringen kann. Meine Hose jedoch, lag zerfetzt auf dem Boden. Wieder habe ich diesen Geschmack von Eisen und Fleisch im Mund, diesmal aber frisch und nicht schon halb verdorben. Ich glaube, ich muss nicht erst die Nachrichten schauen, um zu wissen, dass es diesmal zu weit ging.

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