GeisterKreaturenMittel

Zerstörerischesperlgrau

Warnung vor Creepypasta

ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.

Vorheriger Teil: Liebendesrosa

Gleisendes, weißes Licht strahlte von außen herab auf das
Antlitz des erfahrenen Seelenwächters und weckte ihn mit eben jenem warmen und
silbrigen Schein.  Seine Augen öffneten
sich nur schwerfällig. Zu schön, doch zu kurz war die letzte Nacht gewesen, die
er gemeinsam mit seiner neuen Liebe verbracht hatte. Ein Blick in ihre Richtung
verriet ihm, dass sich seine machtvolle Königin in Ruhe unter der weiß-goldenen
Decke vollends dem Schlaf hingab. Im Gegensatz zu seinem Antlitz zeugte ihres
in keinster Weise von einer gewissen Anstrengung des gestrigen Abends. Ihr
Anblick war so rein und klar wie immer, wenn sie ihm über den Weg gelaufen war.
Sei es zur Vorbereitung einer neuen Rede, auf dem Podest selbst bei der
angekündigten Rede oder wenn Vincent ihr Kund gab über eine weitere, neue
Seele, die er in seine Fittiche aufgenommen hatte. Sanft streichelte er ihr
über ihre makellose Wange, während er leise vom Bett aufstand und sich für
einen neuen Tag vorbereitete. Noch ehe er zur Jagd aufbrach, hinterließ er
seiner Schönen einen Brief mit der Bitte, dass er sie doch begleiten möchte,
sobald sie aus ihrem tiefem, wohltuendem Schlaf erwacht sei.

Wenige Momente später verließ er mit Hilfe des altbewährten
Transportmittels – dem Portal – sein Zuhause und schritt vorsichtig durch die
unzähligen, grellen Lichtpunkte. Das Ziel des Seelenwächters war kein
bestimmtes, er verfolgte lediglich den altbekannten Auftrag sich eine weitere,
würdige Seele zu suchen, doch als er das Portal am Ende durchschritten hatte,
blickte er in eine Welt apokalyptischen Ausmaßes. Eine Welt, dessen Zerstörung
allein durch den bloßen Anblick den naheliegenden Anschein von Chaos, wahlloser
Wut und blanker Angst offenbarte. Fassungslos über diese Dimension der
vollkommenen Agonie, lief Vincent langsam entlang des schäbigen Asphalts,
welcher an manchen Stellen, Blutflecken aufwies, die so groß waren, dass man
darin eine Katze hätte ertränken können. Die Luft roch nach eben jenem
süßlich-metallischem Blut gepaart mit dem Aroma, welches nach modrigem,
verbrannten Holz roch. Nebst diesen Gerüchen mischte sich zusätzlich der
beißende Gestank von Fäkalien und ebenso verbranntem Fleisch in die Sinne des
Seelenwächters. Von all dem Ekel gepackt, war er bemüht seinen
immateriellen Reiz zum Übergeben zu unterdrücken. In seinem bisherigen Leben
hatte er vieles gesehen, gerochen und auch in emotionaler Ebene gespürt, aber
nie zuvor hatten ihn diese Erlebnisse so überwältigt, wie jetzt. Die Häuser und
Läden wirkten leer, vollkommen beschädigt und ihre dunklen, mit einfachen
Vorhängen verdeckten Fenster, zeugten von einst vorhandenem Leben, dass nun
aufgrund der bahnbrechenden Zerstörung samt all dem Menschenleben
mit ausgelöscht worden sein musste.

Aus unerklärlichen Gründen überkamen dem Seelenwächter
plötzlich starke Schmerzen, welche sich von seinem Herzen an weiter in sein
Gehirn ausbreiteten und ihm ein Gefühl von merkwürdigem, nie da gewesenem
Schwindel gaben: Der Ort des monumentalen Desasters verschwamm vor seinen
Augen, verzerrte zu schwarzen Schleiern, welche wie gierige Hände nach einander
griffen und ihn mit einem dumpfen Knall in die leblose Schwärze entführten…

~

Ruckartig und unsanft zog die Hand zuerst May und dann
Caroline zu sich; verschlang beide in das unausweichliche Weiß des Portals.
Kaum waren sie nun zu dritt in dem grellen und von Reinheit strahlendem Licht
gefangen, erblickte May das Antlitz einer ihr fremden Seele. Aufgrund des
Alters und der Ruhe in seinem Gesicht schätzte sie, dass es ein Seelenwächter
sein musste, der sie ohne ihren Willen entführt hatte. „Kommt mit“, befahl er nahezu tonlos und nahm May bei der Hand,
während diese ihr Kind an die Hand nahm. „Vincent ist in großer Gefahr. Er steht unter der Kontrolle Reginas. Er ist ihren Befehlen restlos ausgeliefert“, hallte die Stimme des Fremden in den Köpfen der beiden wieder. Angeregt durch die Frage, woher er all dies
wisse, war May versucht eben jene durch die Telepathie weiterzuleiten, als sie
ein leises Kichern wiederhallen hörte. „Auch wenn du deine Gedanken nicht einmal über die Telepathie zu mir geleitet hast, vergiss nicht: Ich kann sie hören“, fügte der männliche Seelenwächter
hinzu, während er erklärte, dass er auf der Suche nach Vincent die verängstigte
innere Stimme eines Kindes vernommen hatte. Als er jener folgte, sah er wie ein
kleiner Junge fernab einer geschlossenen Tür, die Beine eng aneinander gezogen,
hin und her wippte. Auch wenn sein Gesichtsausdruck von nichts als Leere
sprach, spürte der Seelenwächter die innere Pein, hörte die qualvollen Schreie
und schmeckte das bittersüße Verlangen nach Freiheit. Vorsichtig nährte er sich
dem emotional zerrüttenden Jungen und legte sanft eine Hand auf seine Schulter,
um ihm zu zeigen, das er ihm nur helfen wollte. Sein nettes aufgesetztes
Lächeln erstarb augenblicklich als er in die Sehorgane der jungen Seele
schaute: Von tiefstem Schwarz umgeben, zeugten sie von keinem, verbliebenem
Lebensfunken, den die Seelen sonst hätten aufzeigen sollen. Das schimmernde
Silber in seinen Augen fehlte. Und doch hörte der Wächter diesen armen Geist um
Hilfe schreien, im Inneren der Seele kämpfte der Junge. Er kämpfte, um seinen
Lebensfunken nicht vollends durch die Hände Reginas zu verlieren. „Regina!“, schrie er immer wieder aufs
Neue. „Es ist Regina, die mich und einen anderen Jungen unter ihre Kontrolle festhält! Er hat mich mal gerettet, als ich drohte zu sterben, ich glaube sein Name war… Vincent“, flüsterte er. Der Fremde erzählte, wie seine Stimme ihn einen ekelerregenden Schauer
durch seinen hülllosen Körper laufen ließ. „Es klang als wäre der Junge jeglicher Freude und Vernunft beraubt worden. So kalt und monoton, als ob ihm jemand befahl, genau das zu sagen was derjenige wollte“,
beendete er seine Telepathie mit jenem Satz und schritt die wenigen Meter
mit May und Caroline hinter ihm zurück in das Reich Animarums.

„Aber warum? Ich verstehe das alles nicht. Warum hat Regina
eine wehrlose, junge Seele unter ihre Kontrolle und warum wehrt Vincent sich
nicht gegen sie? Und vor allen Dingen… wer bist du überhaupt?“, überhäufte May
den Seelenwächter mit Fragen. Sie musterte ihn skeptisch, während jener ihr mit einem
ernsten Blick entgegenblickte. Fast so,
wie die ernsten Blicke von Vincent selbst! Stellte die junge
Seelenwächterin überraschend fest, derweil ihr Gegenüber zu lachen begann.
Sicher aus dem Grund, dass er ihre Gedanken gelesen hatte. Aber selbst wenn sein
Blick Ähnlichkeiten mit dem ihres Freundes hatte, hieß es nicht, dass er ihm
annähernd ähnlich sah, im Gegenteil: Seine Haare waren länger, wilder und auch
seine Klamotten ließen auf einen viel lässigeren Stil schließen, als die von Vincent. Selbst seine Augen strahlten einen etwas helleren Grauton aus und die
leichte silbrige Umrandung in ihnen zeugten von stärkerer Lebenskraft. „Ich bin
Vincents „Freund“ und Cousin Calum“, erklärte er nun, während er sich verlegen
seine Haare mit einer Hand glatt strich. „Er redet nur so selten von mir, weil
unsere beiden Leidensgeschichten sehr verschieden sind und weil wir uns zu
Lebzeiten selten sahen, aber das… werde ich euch ein anderer mal erzählen.
Wichtiger ist jetzt, dass wir ihn da rausholen, aber ich brauche eure Hilfe
deshalb habe ich euch aufgesucht“, lenkte Calum den Beginn seines Geständnisses
in eine weitaus wichtigere und berechtigte Sorge. Doch trotz der Gedanken um
Vincent konnte May nicht begreifen, wie ihr bloß nicht aufgefallen war, dass
Calum der Cousin ihres Geliebten war. Sicher, sie wusste einiges über ihn durch
ihren Wächter, aber so wie Vincent ihn beschrieben hatte, wirkte er in keinster Weise
auf das Mädchen. Wieder lachte der Seelenwächter über die fragwürdigen
Beschreibungen und verzweifelten Versuche einer plausiblen Erklärung in Mays
Gedanken, während er hinzufügte: „Aufgrund unserer vergangenen Geschichte,
mochte mich mein Cousin nicht. Genauer gesagt noch nie. Ich war für ihn wie
eine laufende Zielscheibe, doch die Situation spitzte sich zu, als ich
ebenfalls – allerdings durch einen anderen Seelenwächter – nach Animarium kam
und mit ihm und einigen anderen Seelen ein Zimmer teilen musste. Bis zuletzt
hatte er sogar gehofft, dass ich die Prüfung zum Seelenwächter nicht bestehen
würde, doch seine Hoffnungen wurden – trotz seiner überraschend unauffälligen
Bemühungen meine Prüfung zu sabotieren – jeher zunichtegemacht. Von da an,
meiden wir uns gegenseitig, nur selten höre ich durch die Telepathie anderer,
wie über mich geredet wird oder wer sich alles in seinem Umfeld aufhielt, wodurch ich im übrigen auch von euch beiden gehört hatte, aber das“, Calum machte eine Pause. May sah, wie
sich seine Mundwinkel zu einem Lächeln hoben, „macht mir in keinster Weise etwas aus“.
Eine Weile herrschte Schweigen. Sie alle waren in ihren eignen Gedanken
versunken. Ganz besonders May, die nach wie vor all die bisherigen Ereignisse
und Erzählungen zu verstehen versuchte und immer noch nach einer logischen
Erklärung suchte. Nach einer Antwort, die Klarheit auf all ihre Fragen und die
Situation geben würde. Ihr Blick fiel besorgt auf ihre Tochter und das zurecht,
denn auch sie schienen die ganzen Erzählungen und die Frage nach Vincent zu überfordern. Um ihr
ihre Angst und Sorgen etwas zu nehmen, strich sie sanft das Haar der Kleinen
und versicherte ihr, dass sehr bald alles gut werden würde. Das sie eine Lösung
für alles finden würden – ganz bestimmt. „Wo bringst du uns hin?“, fragte
schließlich die süße, zärtliche Stimme Carolines den Seelenwächter, der sie
immer weiter einen langen Gang entlangführte. Die Wände waren verziert mit
etlichen Schriften der Totensprache. Einige (nur sehr wenige) davon konnte May
lesen und verstehen. Sie sprachen von Vergangenheit, von Leid, von Pein und von
Tod. Nur Caroline war noch nicht so weit diese Sprache zu verstehen und mit
einem Mal war May froh darüber ihrer Tochter diese Sprache noch nicht
beigebracht zu haben, denn sie wollte warten, bis sie ihre Prüfung zur
Seelenwächterin bestand. Calum schwieg bis sie vor einer dunklen, engen Ecke
standen, fernab von den anderen, wenigen Seelen, welche nach und nach zurück
nach Hause eintrudelten. „Regem omnium
animarum surgere!, rief er plötzlich bedächtig, doch mit fester Stimme ins
Dunkel hinein. Einzelne, grelle Lichter tanzten um die drei herum,
umschmeichelten ihr Gesicht, ihre Haare, ihren Körper, als würden sich
gespenstische Hände nach deren Leben sehnen und verzerren. Sie tanzten solange,
bis sie sich zusammenfanden, zu einem einzigen Punkt, pulsierend und von
Schatten, Dunkelheit und völligem Grau vermischt. Mehr und mehr verformte sich
dieses Etwas aus Schwarz und Weiß, dunkel und hell in eine Person, welche
letztlich mit einem warmen, einladenden Lächeln ihre bleiche, tote Hand zu
einer Begrüßung hinausstreckte, zum Zeichen, dass sie den dreien nichts tun
würde.

„Euch sei mein erneutes Wiederaufleben nach unzähligen Dekaden
verdankt. Sagt, wie kann ich euch dienen?“, sprach der Mann in Form einer Seele
zu Calum. Sein Antlitz war von Ausdruckslosigkeit umgeben und seine Augen
fixierten die seines Gegenübers. „Das ist Paul. Reginas ehemaliger Geliebter. Obwohl er durch eine wütende
sterblichen Meute zum Tode verurteilt wurde, gibt es nur wenige, die wissen ob und wie man ihn als Geist heraufbeschwören kann. Jenes Wissen steht geschrieben im Verborgenen in der Geschichte Animarums. Verewigt von einem ehemaligen Wächter – genaugenommen ein Wächter, welcher allein für Regina lebte und sie beschützte – der die Wiederauflebung Pauls eines Nachts beobachtet hatte, welche von der Herrin selbst durchgeführt wurde. Doch jene Beobachtung blieb nicht ohne Folgen. Auch wenn man ihn nur verdächtigt hatte die Königin beschattet zu haben, verurteile man ihn trotz allem zur lebenslangen Folter. Doch ehe sein Tag der Folter aufbrach, schrieb er noch in derselben Nacht alles auf, was er gesehen hatte. Den Weg, das Mantra, die Beschreibungen, was passieren würde, wenn es funktioniert. Jedoch schrieb er es nicht einfach so auf, sondern in einer geheimen Form der lateinischen Sprache. Sie ist fast ausgestorben, wie die Sprache selbst, aber nur wenige beherrschen diese nach wie vor. Und ich gehöre zu den wenigen, die sie beherrschen“, erzählte Calum den beiden durch Telepathie, ehe er sich wieder an den
ehemaligen Geliebten Reginas wandte. „Bitte mein König, wir benötigen dringend Eure Hilfe. Animarum und die Bewohner sind in Gefahr. Eure ehemalige Geliebte hat bereits zwei unserer Bewohner unter ihrer Kontrolle. Selbst vor den Sterblichen wird sie kein Halt gebieten. Sie wird unsere Welt, wie die der Menschen vollkommen zerstören. Das können wir und dürfen wir nicht zulassen! Bitte… sagt
uns, wie wir sie aufhalten können, zum Wohl allen Lebens!“, hallte die bittende –
in den Ohren von May und ihrer Tochter beinahe schon flehende – Stimme Calums
in den Wänden wieder. Paul seufzte hörbar und senkte seinen Kopf, ehe er den
Namen seiner Frau in einem bitter-schmerzenden Tonfall aussprach. „Nie hätte
ich gewollt, dass ihr Leid um mich sie zur solch eine Tat verführt“, begann er
nun im müden Tonfall. „Aber es gibt einen Grund, warum ich anders war als die
restlichen Bewohner Animarums und die Menschen…“ leitete er die Erzählung seiner
eigenen, vergangenen Leidensgeschichte ein.

~

„Vincent“, hörte
der erfahrene Seelenwächter seinen Namen – ausgehend von einer sanften,
weiblichen Stimme – rufen. „Vincent!“, wurde die Stimme immer eindringlicher. „VINCENT!“,
schrie sie nunmehr seinen klangvollen Namen und kurz darauf zerriss sich die
eingehende Schwärze buchstäblich in einzelne Fetzen, die von einem grellen
Licht durchflutet wurden. Lichter, die weit mehr als nur dieses helle,
eintönige weiß präsentierten. Wie zähflüssige Lava flossen sie in die Schwärze
hinein, drohten ihn mit ihren brennendheißen und eiskalten Farbnuancen zu
ertränken und im Fluss eben jener in eine brennende Kälte sterben zu lassen.
Doch ehe er in die Tiefe dieses Farbspiels untergehen konnte, spürte er, wie
eine Hand nach ihm griff. Sie war warm und fest, anders als jener Griff den er
beim Kampf um seine Seele zu spüren bekommen hatte. Jedoch wart jedweder
Versuch sich an jenem Griff zu halten vergebens gewesen, denn immer glitt seine
Hand von ihr weg; als würde eine andere unbekannte Macht ihn davon abhalten
wollen, nach der rettenden Hand zu fassen.

Dennoch regte sich das Sprechorgan dieses weiblichen Wesens,
immer lauter, immer eindringlicher;
nicht einmal auch nur in Gedanken daran aufzuhören. Sie würde nach ihm schreien
bis ihr Organ versagen würde, so viel war sich der Wächter sicher. Und je mehr
er der Stimme zuhörte und sich einen Weg nach ihr zu schlagen versuchte, desto
mehr flackerte ein Bild vor seinen Augen auf, welches mit jedem Mal das
verzweifelte, verweinte Gesicht seiner Seele zeigte: May. Mit einem
urplötzlichen, mächtigen Schrei, welcher jeden Sterblichen hätte taub werden und
Blut aus seinen Ohren quollen lassen, blitzte ihr Antlitz vollständig auf.
Beschmiert mit schwarzem Blut, gezeichnet von Narben seelischer Folter und
Augen so schwarz wie die Federn eines Raben. Beim Anblick des Leids seiner
Geliebten schrie Vincent, denn er spürte ihre Angst, ihre Trauer und ihre Pein
durch seinen Körper fließen als würde er selbst sich der emotionalen Folter
ergeben müssen. „Lass sie gehen! Lass meine Freundin frei!“, brüllte er getrieben von urplötzlichem Zorn gegen
seine Königin, die mit allen Mitteln versuchte ihn für sich zu gewinnen. „Hallo
Vincent“, ertönte ihre Stimme, während sich das Bild in endloser Verzerrung in das Antlitz seiner Gebieterin wandelte, die freudig über seinen keuchenden,
schnellen Atem und die aufsteigende Zornesröte lächelte. Der Seelenwächter
spürte, wie sich in seinem Inneren ein Kampf entfachte. Ein bitterer Kampf
zwischen dem sehnsüchtigen Verlangen von dieser Hexe von Königin freizukommen
und andererseits ihr mit Treue und Liebe zu dienen. „Kämpfe ruhig weiter mein tapferer Mann, kämpfe weiter“, raunte sie
ihm in sein Ohr, derweil sie in vollster Pracht vor ihm stand, vor ihm niederkniete und ihre vollen, blutroten Lippen die seine küssten. „Erinnerst du dich nicht? Du wolltest doch, dass ich dich begleite. Und hier steh ich nun. In herrlicher Pracht, in Fleisch und Blut, das ist es doch, was du wolltest, nicht wahr?, ihr lasziver Ton begleitete
sie bei dem Versuch ihren jetzigen Geliebten mit ihrem reizenden Körper zu
verführen. Fast beiläufig (als wäre es nicht in der Absicht der Königin),
entledigte sie sich ihres glitzernden, rabenschwarzen und knappen Kleides, dass
ihre Rundungen vor neugierigen Blicken versteckte.

Gebannt von eben jenem Anblick, vergaß er ein erneutes Mal
den letzten Gedanken an seine Freundin und all die anderen, sodass der erfahrene
Seelenwächter sich nicht im Stande sah den reizenden Bewegungen seiner Regina
zu widerstehen. Verführerisch leckte er sich über seine Lippen, ehe er mit seinen
immateriellen Händen, der unaufhaltsamen Versuchung verfiel ihre prallen Brüste
zu liebkosen. Lange verharrten beide in dieser Position, als wären sie einfache
Skulpturen, die den Akt der Liebe repräsentierten, als sich plötzlich etwas im
Verstand von Vincent regte. Etwas, dass verriet, dass er zu kämpfen
hatte, dass er sich nicht einfach so dieser Bestie von Frau hingeben dürfte.
Doch ehe er zu begreifen schien, was ihn mit aller Macht versuchte in die
Realität zurückzuholen und aus den Fängen seines Gegenübers zu befreien,
blickte er voller Entsetzen in das einst bezaubernde Antlitz seiner Gebieterin…   

 

Nächster Teil: Verlorenesmagenta_-_Part_1_(Finale)

  

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