Kreaturen

2:44 Uhr

Es war eine dieser unerträglich heißen Sommernächte, während Karl an seinem PC saß und sich langweilte. Er war allein zuhause, da seine Mutter bei seinen Großeltern und sein Vater auf Geschäftsreise war. Die Luft war stickig und die Nacht so still, dass man nur das Zirpen der Grillen hören konnte. Das eingeschaltete Licht im Zimmer, das von Mücken umkreist wurde, flackerte alle paar Sekunden und warf seltsame Schatten im Raum auf. Karl klickte genervt durch den Internet-Browser und überlegte, was er als nächstes in dieser ausdruckslosen Nacht tun könnte. Er konnte die erdrückende Hitze förmlich auf seiner Haut spüren, als würde sie ihn innerlich zum Kochen bringen. Irgendwann war er es satt, seine Zeit so zu verschwenden, und er beschloss, schlafen zu gehen. Mühsam stand er von seinem Stuhl auf, um sich auf den Weg ins Bad zu machen. Währenddessen wanderte sein Blick zur Uhr. 2:44 Uhr.

“Schon so spät?”, wunderte sich Karl. Er ging sofort über den Müll am Boden in die Richtung seiner Zimmertür, die sehr abgenutzt aussah und einige Kratzspuren aufwies. Zielstrebig legte er seine Hand auf die metallische Klinke, doch gerade als er sie herunterdrücken wollte, ertönte plötzlich ein dumpfer Schlag ein Stockwerk unter ihm. Erschrocken sprang Karl zurück, aber bevor er irgendwie reagieren konnte, wiederholte sich das Geräusch. Und dann wieder. Und wieder. Karl entfernte sich, leicht verunsichert von der Tür, während er überlegte was dieses Geräusch verursachen könnte. “Vielleicht war das irgendeine kaputte Leitung?”, dachte er sich, um sich selbst zu beruhigen. Da das Geräusch nicht aufhören wollte, fühlte er sich dazu verpflichtet, die Quelle des Lautes zu überprüfen. Er bewegte sich wieder etwas verängstigt auf die Tür zu, um sie zu öffnen, als auf einmal das dumpfe Klopfen stoppte und durch ein tiefes, bedrohliches Knurren ersetzt wurde.

Karls Herz rutschte ihm auf der Stelle bis in die Hose, was vor allem daran lag, dass das, was das Knurren verursachte, gerade mal drei Meter vor seiner Tür stehen musste. Wie angewurzelt stand er da, mit dem Blick zur Tür. Seine Angst lähmte ihn so sehr, dass er sich keinen Zentimeter bewegen konnte. Das Knurren kam immer näher und wurde lauter, und als sei das nicht schon genug, zerbrach plötzlich mit einem Mal die Zimmerlampe und es wurde im ganzen Raum dunkel. Dies nutzte Karl, um sich aus seiner Angststarre zu befreien. Blitzschnell reagierte er und rannte zu seinem Schrank, riss die Tür heftig auf und versteckte sich darin. Sein Herz schlug ihm noch immer bis zum Hals und kalter Schweiß lief ihm den Rücken hinunter. Das Knurren kam noch näher und stoppte dann abrupt, kurz darauf öffnete sich die Tür mit einem ohrenbetäubenden Quietschen. Karl, der immer noch zusammengekauert im Schrank saß und trotz der Hitze sich mit so vielen Kleidungsstücken wie möglich zu bedecken versuchte, wagte einen Blick durch die Schranktür und bereute sofort, das getan zu haben. Den Anblick, den er dort sah, würde er wohl nie wieder vergessen können.

Eine dürre, abgemagerte, ca. zwei Meter große Kreatur mit langen, verdrehten Armen und teuflischen roten Augen stand im Türrahmen. Dort wo eigentlich die Hände sein sollten, befanden sich scharfe, silbern glänzende Klauen, mit denen es an der Wand kratzte. Das Maul der Bestie, welches mit vielen schiefen Zähnen versehen war, war zu einem psychopathischen Grinsen verformt. Karl schreckte bei diesem Anblick sofort zurück und betete, dass dieses Monster ihn nicht finden würde. Das Schaben der Kreatur wurde daraufhin mit dem Geräusch von langsamen, regelmäßigen Fußschritten kombiniert, die sich in Richtung des Schrankes bewegten. Karls Angst wurde immer schlimmer, sein Herz raste wie noch nie zuvor und er bereitete sich schon darauf vor, das Antlitz dieses Ungeheuers gleich wieder zu erblicken. Die Fußschritte waren mittlerweile so nah, dass man meinen konnte, die Bestie stünde direkt vor dem Schrank. Karl erwartete, dass die Schranktür jetzt brachial aufgerissen würde und das Monster Gott weiß was mit ihm anstellen würde. Aber stattdessen passierte nichts und die Geräusche verstummten.

Karl blickte auf rührte sich aber trotzdem kein Stück. Er versuchte sich zu beruhigen und wartete noch eine halbe Ewigkeit in seinem Versteck, in der er keine neuen Geräusche wahrnahm. Nichts… außer dem monotonen Zirpen der Grillen, welches durch sein offenstehendes Fenster eindrang. Die Zeit verstrich und schließlich nahm Karl all seinen Mut zusammen und riss die Tür mit einem Schlag auf. Er sah nichts außer seinem unaufgeräumten und zugemüllten Zimmer. “Hatte ich mir das etwa alles nur eingebildet?”, fragte er sich, während er vorsichtig seinen Schrank verließ. Er blickte sich in seinem Zimmer um und auch zu seiner Tür, die verschlossen und unberührt schien. Karl musste fast schon darüber lachen, da er sich sicher war, dass alles nur eine einfache Einbildung war. Er war in den letzten Wochen einfach viel zu gestresst und bildete sich jetzt auch noch irgendwelche übernatürlichen Kreaturen ein. “So ein Blödsinn. Monster gibt es doch gar nicht”, dachte sich Karl noch. Gerade als er sich setzen wollte, fiel sein Blick zur Decke.

Das Vieh hing über ihm…

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