CreepypastaEigenartigesMittel

Die Brücke im Himmel

Eintrag 1

Hi, mein Name ist Jason. Ich lebe im Vorort einer kleinen Stadt an der Ostküste der Staaten. Genauer möchte ich nicht werden. Etwas geschieht hier und ich denke es ist wichtig, dass ich es aufzeichne. Ich lebe allein in einem unscheinbaren Apartment-Komplex. Da ich im obersten Stockwerk wohne habe ich auch Zugang zum Dach. Gerne verbringe ich meine Sommernächte dort oben, rauche und sehe den Flugzeugen zu.
In letzter Zeit habe ich eine Menge seltsamer Dinge im Himmel gesehen, doch nichts davon war so schockierend wie was ich letzte Nacht sah.

Gerade als ich meine letzte Zigarette ausgedrückt hatte und wieder reingehen wollte sah ich es. Der Himmel war dunkel und voll von funkelnden Sternen, winzige Punkte neugierigen Lichts. Die Luft war feucht und warm. Eine sanfte Brise wehte mir vorsichtig übers Gesicht.

Doch zwischen den Sternen sah ich etwas. Es war blass, fast transparent.

Es war eine kolossale Brücke und sie ragte unendlich hoch im Himmel. Sie erstreckte sich über den kompletten Horizont. Eine gigantische, geisterhafte Konstruktion. Zuerst dachte ich es wäre Teil der Milchstraße oder Spuren von Lichtverschmutzung verursacht von den Straßenlaternen, doch als ich mich auf die Form konzentrierte konnte ich Details ausmachen, die keine Täuschung des Lichts sein konnten. Glasige, blaue Kabel waren zwischen den Türmen gespannt und formten dreieckige Formen entlang der Brücke.

Dieses schaurige Gebilde, dass sich wie ein verblasster Regenbogen über den Himmel zog, raubte mir den Atem. Ohne meinen Blick davon abzuwenden reichte ich in meine Tasche und zog eine weitere Zigarette heraus. Ich zündete sie an und sah mir die Brücke einfach an. Der Rauch der Zigarette stieg in Richtung des sonderbaren Phänomens empor. Sie schwebte einfach da, weit über der Erde und schimmerte in ihrer seltsamen, bläulichen Farbe.

Dann, nach ein paar Minuten, war sie verschwunden.

Eintrag 2

Ich sah sie erneut. Es sind jetzt vier Tage seit meinem letzten Eintrag vergangen. Jede Nacht bin ich auf das Dach gegangen und hielt Ausschau nach der Brücke und heute Nacht hat sie sich mir erneut offenbart. Es war dieselbe gläserne, bläuliche Farbe und die unfassbare Größe, die mir den Atem raubten. Ich versuchte ein Bild davon zu machen, doch aus irgendeinem Grund kann man sie darauf nicht erkennen.

Ich sah vom Dach hinab auf die belebte Straße, doch niemand sonst schien sie zu bemerken. Ich kann mir nicht vorstellen weshalb. Ihr ungeheures Ausmaß füllte den Himmel komplett aus. Es war ein unfassbares Spektakel unbeschreiblicher Schönheit.

Und doch… so schön es auch sein mag… macht mir etwas daran Angst.

Ich kann nicht sagen, ob es die verdrehten Türme sind, die wie Ebenholzzähne empor reichen oder doch die geisterhafte Stille, die es umgibt. Doch irgendetwas an der Brücke erfüllt mich mit einem unwohlen Gefühl.

Ich fühle mich als sollte ich sie nicht ansehen. Ich fühle mich als sollte ich ihr keine Beachtung schenken. Ich weiß nicht woher diese Intuition kommt, doch etwas in meinem Kopf warnt mich mit flüsternder, sanfter Stimme davor.

Doch wie kann ich mich abwenden? Wie kann ich diesem mysteriösen Spektakel bloß die Beachtung verwehren?

 

Eintrag 3

Die Brücke ist heute Nacht wieder aufgetaucht. Seit meinem letzten Eintrag sind drei Tage vergangen. Ich scheine noch immer der einzige zu sein, der sie sehen kann. Ich bin mir nicht sicher, weshalb gerade ich die Ehre habe ein solches Geschenk zu erhalten, doch ich nehme es nichtsdestotrotz an. Die Stimme in meinem Kopf warnt mich noch immer vor einer unbekannten Gefahr, doch ich leiste ihr kein Gehör. Diese Privatvorstellung unsäglicher Brillanz wurde aus irgendeinem Grund nur für mich reserviert und ich wäre ein Narr, wenn ich diese Einladung nicht annehmen würde.

Dennoch, etwas war heute Nacht anders an der Brücke. Ich dachte ein paar Formen darauf gehen zu sehen. Gelegentlich hielten sie an und starrten zu mir hinunter. Sie haben dieselbe Farbe, wie die Brücke doch sind annähernd menschlicher Gestalt. Mit einem alten Fernglas, das ich aus meinem Schrank gekramt hatte versuchte ich einen besseren Blick auf sie zu gewinnen. Sie schienen vom einen Ende des Horizonts zum anderen zu laufen. Ab und an hielten sie an und schauten zu mir.

Als ich sie ansah wurde die Stimme in meinem Kopf lauter. Die Warnleuchten blinkten tiefrot. Erneut überkam mich ein Gefühl der Schuld, als sollte ich dieses Schauspiel nicht mit ansehen dürfen.

 

Eintrag 4

Es gibt nicht viel zu berichten. Es sind ein paar Tage vergangen, doch heute Nacht sah ich sie wieder. Ich sah den seltsamen menschlichen Gestalten leise dabei zu, wie sie die lange, schwebende Straße der Brücke überquerten. Manche sahen zu mir, doch die meisten liefen ohne anzuhalten weiter. Wer sind sie wohl? Und wo gehen sie hin? Ich verbrachte einige Stunden auf dem Dach, legte mich auf den Rücken und presste mein Gesicht an das Fernglas.

 

Eintrag 5

Ich hab es versaut, ich hab es wirklich versaut. Scheiße, ich habe nicht viel Zeit das hier aufzune-

 

Eintrag 6

Ich habe etwas schlechtes getan. Es furchtbar schlechtes. Warum hörte ich nicht auf meine Instinkte? Vor zwei Nächten sah ich die Brücke erneut. Ich griff nach meinem Fernglas und sah aufgeregt zur seltsamen Erscheinung auf. Sofort stellte sich das Bild scharf und ich sah den blauen, menschlichen Formen wie üblich dabei zu, wie sie über die Brücke liefen.

Eine Weile lang sah ich ihnen bloß zu und wartete darauf, dass mich einer von ihnen bemerkte. Einen Moment darauf hielten zwei der Wesen an und drehten sich in meine Richtung. Sofort überkam mich ein freudiges Gefühl. Ich wusste, dass sie mich sehen konnten. Ich erkannte es.
Also hob ich meine Hand und winkte ihnen zu.

Alsbald ich das tat verschwanden mit einem Mal alle menschlichen Gestalten auf der Brücke. Sie waren einfach weg, wie vom Erdboden verschluckt.

Doch das ist noch nicht alles. Die Brücke änderte daraufhin ihre Farbe. Anstelle des weichen durchsichtigen Blaus waren die gigantischen Türme und schwingenden Kabel in ein tiefes, wütendes Purpur getaucht worden. Der Himmel sah nun mehr danach aus, als würde ihn eine Blutspur durchziehen. Die Wände der Brücke fingen an zu leuchten und strahlten eine ungemeine Hitze aus. Dann, langsam aber sicher sonderten sich vereinzelte, feuerrote Tropfen von ihr ab.

Seitdem ich gewunken habe ist die Brücke nicht mehr verschwunden.

 

Eintrag 7
Ich konnte es heute den ganzen Tag sehen, wie es einfach über der Erde schwebte. Auf der Arbeit konnte ich mich nicht konzentrieren, deshalb bin ich früher nach Hause. Es ist überall. Ein schwaches Rot, das über den Wolken lungert. Ich versuche es nicht anzusehen aber es dominiert den sonst so friedlichen, blauen Himmel.

Mir geht ein konstanter Schmerz durch den Magen und meine Kehle ist wie zugeschnürt.

Was habe ich bloß getan?

 

Eintrag 8

Es ist Nacht. Ich habe die Vorhänge geschlossen, doch ich kann das rote Glühen trotzdem wahrnehmen. Ich kann trotzdem die seltsamen, feuerroten Tropfen von dem Konstrukt tropfen sehen. Heute hörte ich in den Nachrichten von einer neuen Krankheit in Südamerika. Sie sagen sie würde sich durch den Kontakt mit einer bisher unbekannten, rosafarbenen, zähflüssigen Substanz verbreiten, die aus den Bäumen zu sickern scheint.

Sie sagen der Kontakt mit dieser Substanz würde sofortige Krämpfe und ein komplettes Ausbluten durch unaufhaltbares Erbrechen hervorrufen. Was zurückbleibt sind blasse, blutlose Leichen.

Es muss sich um einen Zufall handeln… es ist doch nicht möglich…

 

Eintrag 9

Es ist jetzt eine Woche her. Ich höre immer weitere Nachrichten über die Verbreitung dieser neuen Krankheit. Was geht hier vor sich!? Die Brücke ist nun ein konstantes Markenzeichen des Himmels geworden. Ein leuchtender, länglicher Streifen Licht. Es tropft immer weiter. Manchmal hinterlässt es Nachts spuren, wie laufendes Blut.

Ich weiß nicht, wie ich es aufhalten soll.

Ich weiß nicht, wie es wieder richten soll. Gott, was habe ich nur getan!?

 

Eintrag 10

Ich bin heute Nacht wieder aufs Dach gegangen. Ich musste es mir noch einmal ansehen. Vielleicht konnte ich irgendwie einen Hinweis darauf finden, wie meine Tat umzukehren ist. Was wusste ich schon? Warum wurde ich mit dieser furchtbaren Bürde belastet?

Als ich auf dem Dach ankam, sah ich mit schwitzigen Händen durch mein Fernglas. Ich stellte den Fokus ein und was ich erblickte ließ mich auf die Knie gehen. Mein Atem verließ mich mit einer aufkommenden Panikattacke.

Die Brücke war noch immer rot und noch immer blutete sie in den sternengefüllten Himmel… aber durch die Vergrößerung konnte ich etwas erkennen.

Es war nicht die Brücke, die auf des Himmels Leinwand blutete…

Es waren die menschenförmigen Lichter.

Sie waren nun rot anstelle von blau und sie warfen sich selbst von der Brücke, warfen ihre leuchtenden Figuren hinab in die Dunkelheit. Ich sah verstört dabei zu wie sie bei ihrem Fall ein rotes Licht hinter sich herzogen.

Sie waren wie menschliche Kometen und bahnten sich lodernd einen Weg auf die Erde zu, als sie ihren unendlichen Pfad verließen.

Ich ließ das Fernglas fallen und unterdrückte einen Schrei. Ich war schweißgebadet und meine Hände zitterten, als ich mir den Weg zurück in meine Wohnung bahnte.

Ich lag zitternd in der Dunkelheit meines Schlafzimmers. Meine Gedanken rasten. Durch die geschlossenen Vorhänge konnte ich immer noch vage ihre Formen ausmachen, während sie sich zur Erde stürzten. Ich rannte ins Badezimmer und übergab mich.

 

Eintrag 11

Es sind jetzt zwei Tage seit dieser Nacht vergangen. Ich habe nicht mehr viel Zeit. Immer noch fallen ihre Körper von der Brücke, es ist ein nicht enden wollender Zyklus konstanter Furcht.

Gerade ist es vier Uhr in der Früh. Dies wird mein letzter Eintrag sein. Vor wenigen Minuten schlug etwas auf dem Dach direkt über mir ein. Es riss mich aus dem Schlaf und ich wusste sofort, was passiert war. Ich stolperte aus dem Bett und rannte zur Haustür, doch es war bereits zu spät. Schon jetzt konnte ich die dickflüssige, schleimige Substanz von der Decke tropfen sehen. Ich drehte mich um und suchte nach einem anderen Ausweg, doch es war überall.

Es bedeckt die Fenster, die Wände. Es reicht langsam nach dem Boden. Wenn es ihn erreicht wird es auch mich schließlich erreichen. Es gibt keinen Ausweg mehr. Jetzt ist es nur noch eine Frage der Zeit.

Ich verdiene das nicht. Ich zittere. Die Realisierung, dass mir der Tod kurz bevor steht füllt mich mit unsagbarer Angst. Was wird mit mir geschehen? Was ist diese Brücke und warum war ich in der Lage sie zu sehen? Vielleicht war ich ja gar nicht der einzige…

Denn wisst ihr… Ich denke, wenn das Rot mich schließlich erreicht… wenn es mich tötet.. Ich habe die Vermutung, dass ich an einem anderen Ort aufwachen werde…

Ich habe die Vermutung, dass ich auf dieser Brücke aufwache und auf meinen Zug warte. Warte, dass ich zurück zur Erde kommen kann.

 

Hinweis: Dies ist eine Übersetzung.

Link zum Orignal “Suicide Sky” (In der Übersetzung angepasst) von r/NoSleep: https://www.reddit.com/r/nosleep/comments/4wyl4t/suicide_sky/

Link zum Autor “Elias Witherow“:

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