MittelMordTod

Eine Welt aus Asche

Warnung vor Creepypasta

ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.

Der Staub fraß sich langsam aber stetig durch das
von der langen Reise rissig gewordene Leder seiner Stiefel. Er war überall. Zwischen
den Zehen, unter der Sohle, im Schaft der ehemals bemerkenswert gepflegten
Stiefel. Auch im Schritt merkte der Mann, wie sich die kratzigen Körner auf
seiner Haut langsam in das wunde Fleisch seiner Schenkel bissen. Der schweren
Sack auf dem Rücken und der lange Rauledermantel schützten seine Brust und
seinen Rücken weitestgehend vor dem heißen Wind, während das dicke Tuch vor dem
Mund und das andere um den Kopf nur dafür sorgten, nicht gleich zu erblinden
oder an dem verfluchten Staub und der Asche zu ersticken, doch hielten sie die Hitze nicht ab. Oft schon hatte er sich in den letzten Stunden gefragt, ob
er lieber den Mantel ausziehen sollte, doch wagte er nicht, ihn zurückzulassen
oder auch nur zu öffnen, aus Furcht, er würde fortgeweht und böte keinen Schutz
mehr in der eiskalten Nacht, die bald kommen würde und sich durch die schnell sinkende,
heiße Sonne ankündigte. Mal ganz abgesehen davon, dass der Sand, der Staub und die
Asche seinen Torso bisher dank dieses Kleidungsstückes verschont hatten.

Die vorletzte Wasserflasche war bereits fast leer, und was
sich darin befand, war kaum noch mehr als eine breiige Mischung aus den
Schwebstoffen in der Luft und der ehemals klaren, lebenserhaltenden
Flüssigkeit. Fluchend stolperte der Mann über einen Stein, unsichtbar unter dem
Sand- und Aschegemisch, stürzte und fiel bäuchlings zu Boden. Keuchend,
prustend blieb er einen Augenblick liegen. Genoss beinahe die Ruhe, wusste jedoch, 
dass er vor Einbruch der Nacht eine sichere Stelle finden musste. Die gnadenlose
Hitze am Tage und die ebenso tödliche Kälte der Nacht würden ihren Tribut
fordern. Also rappelte er sich auf. Klopfte, mehr schlecht als recht, seine
Kleidung glatt, befreite sie von dem gröbsten Schmutz und machte sich wieder
auf den Weg.

Das kleine Feuer spendete Licht und Schutz vor den Kreaturen
in der Wüste. Außerdem hielt es die Kälte soweit von dem Mann fern, dass dieser
sich ein wenig entspannen konnte, um seine Ausrüstung zu überprüfen. Beim Sturz
war eine seiner bereits leeren Wasserflaschen zerbrochen. Das verärgerte ihn
maßlos, denn so wäre er bei der nächsten Wasserstelle ohne eine weitere
Tagesration. Mit ein bisschen Glück und wenn er sich beeilte, wäre das zwar
nicht nötig, denn das Ende der Wüste konnte er bereits am Horizont erahnen.
Vielleicht noch zwei oder drei Tagesreisen ,aber zunächst musste er sich mit dem
Tauwasser, das er über die Nacht auffing, begnügen. Sicher würde er morgen auf
eine Möglichkeit der Wasserbeschaffung stoßen. Diese Hoffnung hielt ihn am
Leben. Sein kleines Messer zückend, schnitt er das Dörrfleisch in kleine
Portionen und kaute es langsam. Es war fade, zäh und ohne Aroma, aber ein
bisschen Energie lieferte es doch. Das, was er noch hatte, würde noch für fünf Tage
reichen, wenn er so sparsam blieb. Es war die sechste Nacht in der Wüste und die
neunte seit er die Stadt verlassen hatte. Ein notwendiges Opfer und nur er
konnte es erbringen.

Er hatte am nächsten Tag zwar nur eine kleine Menge Wasser
in einer geschützten Senke hinter einem Felsen gefunden, aber es reichte, um die
letzte Etappe sicher hinter sich zu bringen. So stand er nun vor dem Bergmassiv
am Rande der Wüste und sah in Richtung Norden und Süden einige Karawanen nahe des schmalen Taleingangs, der auch sein Ziel war, langsam marschieren.
Ein breites, zerfleddertes Lederbanner war in dem engen Einschnitt gespannt auf
dem „Traders Cave“ in roter Farbe geschrieben war. Vier schwer bewaffnete und
gepanzerte  Wachen standen vor dem
Eingang in einer Art zusammengezimmertem Verschlag, der nur mäßigen Schutz vor
den Elementen, aber dafür eine gute Verteidigungsposition bot. Für eventuelle
Raubüberfälle, dachte sich der Mann.

Als er sich näherte, rief der Mann ihm einen barschen Befehl
zu. Er hob die Arme, drehte sich langsam um sich selbst und zog zuerst
das kleine, dann das große Messer und zum Schluss das Sax, ein kurzes,
einschneidiges Schwert aus seinem Gürtel, zeigte der Wache, dass er keine Distanzwaffen
bei sich trug und näherte sich dann 
weiterhin langsam. Die Wache winkte ihn zu sich und tastete ihn nochmals ab,
bevor sie ihn passieren ließ. Einige hundert Schritte in das Tal hinein wurden
die Menschen zahlreicher, weniger abgewetzt und einige waren anscheinend sogar
wohlhabend. Händler und Sklavenhalter vermutlich.

Lautes Geschrei, viele rufende Stimmen. Hier wurde Papier,
dort eine Schmuckauslage feilgeboten. Essen und frisches Wasser gab es an den
Ständen um die sich hungrige Kinder tummelten und immer wieder wurde diese von
den Wachen der Händler fortgescheucht. Was nichts nützte, denn kaum war die
eine Meute verjagt, kam die nächste und bettelte nach Almosen oder ein paar Stücken
des hart gewordenen Brotes vom Vortag. Nicht selten versuchten sich einige der
Kinder an den Taschen der Wachen zu bedienen, während sie von anderen abgelenkt
wurden, fast nie klappte das. Die Wachen hatten sie sorgfältig gesichert und beim
Schneider verstärken lassen. Ein solcher Alltag auf einem Markt, lässt die
Männer Vorkehrungen treffen. Das dichte Gewühl ließ nicht nach und wurde sogar
dichter,  bis er immer näher an den Hauptplatz
kam, auf dem gerade eine Versteigerung von Kindersklaven lief. Die dicken
Ketten um die dürren Knöchel klapperten bei jedem Schritt, während die Jungen
und Mädchen auf dem  großen, runden Podest
immer wieder im Kreis liefen. Untermalt von den Lobpreisungen des
Sklavenverkäufers, warum die Kinder im Norden sehr viel zäher seien als die aus
dem Süden und man sie doch besser jung kaufen sollte, um den maximalen Nutzen
aus ihnen schlagen zu können. Das ganze weitgehend ignorierend, steuerte der
Mann auf das gelbe Schild mit der Schlange und dem Bierkrug zu, was anscheinend
ein Gasthaus am hinteren Rande des Platzes verhieß und somit weniger besucht war.

Die Schänke, in der er sich ein Zimmer nahm, bevor er zu
seiner Aufgabe beim Verwalter, Leiter, Anführer oder Tribunal dieses Ortes widmete,
wurde von einer überraschend fülligen und fröhlichen Frau geführt und hatte ihr
Geschäft auf den Namen „Poisoned Beer“ getauft. Warum blieb ihm schleierhaft,
war dies doch eher gästeabschreckend. Aber die Frau meinte, dazu gäbe es eine
großartige Geschichte und wollte gerade ansetzten, diese in aller Ausführlichkeit
zu erzählen, als er sie höflich, aber bestimmt unterbrach und nur um ein Zimmer und
jemanden, der ihm Essen und Wasser auf das Zimmer brachte, bat. Wenn möglich
würde er seinen Mantel noch reinigen lassen und bat die Frau, auch das zu
veranlassen. Als die zugebenermaßen großartige Kochkunst der Frau verschlungen, das
frische Wasser getrunken und der Mantel und auch die restliche Kleidung dem
schmächtigen Bediensteten übergeben war, und ihm versichert wurde, morgen würden
seine Sachen frisch gewaschen und geflickt auf sein Zimmer gebracht werden, zog er das
frische Nachthemd an und es legte sich endlich eine wohlige Entspannung auf ihn
und er konnte bis zum nächsten Morgen ohne Störung schlafen.

Das Tor der Stadtverwalter war aus dunklem Holz, zwei Manns
hoch und wurde von sechs groben Kerlen bewacht. Diesen zeige er den Brief mit
seinem Anliegen und wurde In den Innenhof geführt, wo er auf die Zeit für Audienz
warten solle. Einige Kinder reicher Eltern spielten hier und tobten
ausgelassen um die Bediensteten herum, die ihrerseits jauchzend das Spiel erwiderten.
Kurz darauf scharrte es vernehmlich. Das Nebentor öffnete sich und man bat ihn,
einzutreten. Ein kühler Raum. Da das Anwesen am Talrand lag und somit die
meiste Zeit im Schatten, war es hier durchaus erträglich. Vier Männer, mittleren
Alters, gut genährt, saßen an einem langen Tisch, voll mit Papieren, Büchern
und Schriften, die wohl das Verwalten der Stadtsteuern und Verteilung der Güter
in überschaubarem Maße hielten.

Der rechts außen Sitzende winke den Mann nach vorn.

„Ein Sendbote aus der brennenden Stadt bist du also. Was ist
dein Anliegen? Die weite Reise kann doch nicht unseretwegen sein. Wir, wir sind
doch nur eine kleine Handelsbastion und Durchreisepunkt zu den Eisenstädten und
den Erntegründen im Osten.“

Langsam auf den Tisch zugehend und sein Hemd aufknüpfend
begann der Mann zu sprechen:

„Richtig, Richtig. Nur ist es so, dass seit der Gründung ihrer
Bastion keinerlei Abgaben an die brennende Stadt geleistet wurden, und da ich
nun auf dem Weg bin, um das Bündnis mit den Ostsiedlern zu erneuern, ist mein
Anliegen folgendes: Ihr müsst den Tribut von einem Zweihundertstel eures Warenumschlages
der letzten drei Sommer unverzüglich an den Phönixkaiser entrichten. Schickt
sofort Karawanen in die Stadt und er wird Gnade walten lassen. Das gesamte Volk
hungert westlich dieses Gebirges und er kann nicht zulassen, dass die
ausbleibenden Lieferungen durch die Aschewüste ein Dauerproblem werden.“

Die Verwalter wurden weiß. Doch der zuerst gesprochen hatte
nahm sich ein Herz und sprach erneut, zwar mit leicht zitternder Stimme, aber
entschlossen:

„Der Phönixkaiser hatte Glück, dass er seine brennende Stadt
auf den alten Feldern des schwarzen Wassers gebaut hat, sonst wäre er niemals so
mächtig geworden! Wir haben hier alles ohne seine Hilfe aufgebaut und seine stählernen
Monstrositäten schüchtern uns nicht ein! Wir sind klein und kontrollieren doch
den gesamten Warenfluss von Ost nach West. Wenn er uns drohen will, soll er das
selbst tun und keine Handlanger schicken. Vorher werden wir keinen Tribut
zahlen, der vollkommen ungerechtfertigt ist.“

Der Mann ließ den Kopf sinken, sah den Verwalter immer noch an.
Er hatte innegehalten, sein Hemd aufzuknüpfen, während der alte Mann sprach und
fuhr nun schweigend fort. Der letzte Knopf löse sich und er entblößte seine
Brust. Eine Brandnarbe bedeckte seine gesamte Brust. In Form eines flammenden
Vogels. Die Ränder waren fein säuberlich mit Tätowierungen hervorgehoben. Als
die Männer das sahen, gingen ihnen fast die Augen über. Alle Vier rutschten
sofort von den Stühlen, fielen auf die Knie und pressten die Stirn auf den
kühlen Steinboden. Alle intonierten sie das Pflichtgelöbnis auf den Kaiser,
immer und immer wieder. Aber der Mann sah beinahe gelangweilt an ihnen herunter
und begann, erneut zu sprechen:

„Habt ihr es nicht gehört? Der Kaiser trägt seine Anliegen
IMMER persönlich vor. Vor jeden Dorf, jeder Stadt, jeder Siedlung. Er tut das genau
einmal. Das ist dann bindend. Meine Ankunft hat sich verzögert, ja. Aber das Gesetz
das in meinem Reich immer noch und seit Anbeginn meiner Herrschaft vor fünfundzwanzig
Jahren gilt, besagt, dass eine Siedlung nach Gründung, auch ohne vorherigen
Besuch meinerseits, jährlich ein Zweihundertstel seiner Umsätze an die brennende
Stadt zu entrichten hat, um die Versorgung der Einwohner des gesamten Südens,
euch eingeschlossen, und den Schutz gegen die Eisfeldbewohner und barbarischen
Räuber des Nordens zu gewährleisten!“

Mit diesen Worten schritt er auf den Anführer zu und zog die
lange, sich zur Spitze verjüngende Klinge des Sax elegant aus seinen Gürtel.

„Die Strafe für Widerworte gegen den Kaiser war seit jeher
der Tod. Die Tradition erfordert, dass ich selbst die Klinge führe, da ich das Urteil
gesprochen habe.“

Mit diesen Worten stieß er dem zitternden Mann die Klinge in
den Nacken. Blut floss und das armselige Leben des Gierschlundes erlosch.

„Es tut mir leid. Das hätte nicht passieren sollen. Ersetzt
den Mann mit jemandem, der mehr Respekt vor der Feuerkrone zeigt. Sonst werde
ich meine Truppen doch auf die Reinigung dieser Stadt ansetzten, anstatt auf die
Grenzverteidigung. Habt ihr eine Ahnung, wie teuer der Transport für Treibstoff
für die Panzereinheiten an den Grenzen sind? Ich will euch nicht mehr nehmen
als ihr könnt. Deswegen sind die Abgaben auch so niedrig. Seit dem Weltenbrand,
den unsere Großväter über uns gebracht haben, haben wir endlich einen
funktionierenden Staat oder wollt ihr in die Barbarei zurück, wie die Wilden aus
dem Norden? Nein? Dann überlasst die Schusswaffen eurer Wachen meinen Soldaten.
Ihr habt ohnehin kaum Munition und die wird in der Eisenstadt aufgefüllt
werden. Sie werden in einer Woche hierdurch kommen, um die Bataillone an der
Küste zu stärken. Danke für Ihre Kooperation. Ich bin mit Ihnen.“

Mit diesen Worten nahm er sich eine Zeitung, die noch vor dem
Weltbrand gedruckt worden sein musste. Ein altes und wertvolles Artefakt aus dunkler,
Zeit, von einem Seitentisch, auf dem viele solcher Dinge präsentiert waren. Eine
silberne Scheibe, dessen Zweck einmal die Speicherung von Musik war. Ein flaches
Metallplastikkonstrukt, das für die Kommunikation gedacht war. Das erledigten
heute die Zweiradmotorkuriere der kaiserlichen Garde. Langsam aber effektiv.

Mit dem Zeitungsstück wischte der Kaiser die Klinge sauber
und warf es achtlos zu Boden.

Die Schlagzeile war ausgeblichen und fleckig, doch es war
noch zu lesen:

„… want war?
You get ´em  said, Pres… Trump”

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