
ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT
Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.
Teil 7
6. August 1997
Little A´Le´Inn – Rachel, Nevada
Ausflug zur Paradise Ranch
Im Gegensatz zu ihm, hatte sie es gewusst. „Du bist ja weit gekommen.“, sprach Patricia schelmig. Joe unterdrückte eine böse Reaktion. Er stand vor der Tür zum Verkaufsraum des A´Le´Inn, und lehnte sich auf die Schrotflinte, die ähnlich einem Gehstock herhalten musste. „Du willst also jetzt daraus rennen und zwei unbewaffnete Teenager vor den Augen der Presse mit einer Schrotflinte bedrohen, ja?“, Patricia genoss diesen Augenblick, ungefähr genau so, wie sie den unüberlegten Tatendrang ihres Ehegatten hasste. Ohne ein Wort zu sagen, nicht einmal ein Blick widmete er ihr, streckte Josef den Arm hervor, in dessen geballten Faust, der Lauf der Mossberg Pumpgun geklemmt war. Patricia nahm sie als Zeichen des Sieges der Vernunft an sich, entlud sie und befahl Joe mit einem Kopfnicken, ihr zu folgen. Wieder im Büro setzte sich Joe, immer noch von seiner psychologischen Niederlage gekränkt, zurück an den Schreibtisch, und beäugte Patricia, die erst die Flinte wieder in den Schrank einschloss, und sich dann Joe gegenüber auf einen Stuhl setzte.
„So, und jetzt überlegen wir uns ganz genau, wie wir vorgehen.“
Sie hielten eine Sekunde inne. Dann antwortete Joe mit trockener Stimme. Der typische Tonfall, wenn er von seinen Kriegsgeschichten erzählte. Und davon hatte er genug.
„Wir hatten den Befehl ein Dorf nach Waffen für den Vietcong zu durchsuchen. Wir wurden schnell fündig. Sie gaben sich nicht mal Mühe sie zu verstecken. In dem Dorf waren Frauen, Kinder, und Alte. Sie bettelten uns an, die Waffen behalten zu dürfen, um sich vor dem Vietcong zu verteidigen. Drei Tage später haben wir ihre Leichen gefunden. Nachdem wir Sechs Stunden lang gegen sie gekämpft hatten. An diesem Tag ist die Hälfte unseres Squads gefallen. Seitdem hat mein Vertrauen in die Menschen ein wenig abgenommen. Was meinst du, wie lange es dauert, bis die uns in den Rücken schießen? Oder irgendwem anders. Wer weiß, was mit James passiert ist.“
Patricia musste sich zurückhalten. Sie kannte die Diskussionen. Was das betrifft, war Joe leicht paranoid, auch wenn sie ihm zugestehen musste, dass sie das was er erlebt hat, nicht erleben wollte.
„Du willst mir also erzählen, dass zwei picklige Teenager einen erfahrenen SpecialForces-Soldaten getötet haben sollen? James ist andauernd weg. Querkopf halt, genau wie du. Ich bin mir absolut sicher, dass es für die Sache eine logische Erklärung gibt. Die zwei sind jung, und draufgängerig. Da kommt man vielleicht auf doofe Ideen, ja. Aber das macht sie noch lange nicht zu gefährlichen Kriminellen.“
„Patrici…“,
„und ich kenne da noch einen, der das zu hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit genauso getan hätte, Mr. N-R-A.“, Sie schaute ihn vorwurfsvoll an. Sie wusste, dass sie gewonnen hatte.
„Gut… was schlägst du vor?“, resignierte Joe, lehnte sich zurück und verschränkte die Arme.
„Hey, lass das“, kicherte eine weibliche Stimme. Sie waren allein. Wenn sie es sich recht überlegten, sogar zum allerersten mal überhaupt. Zuhause, also das Zuhause, wie es damals definiert wurde, herrschte ein ständiger Zustand der Überwachung und Kontrolle. Wie in einem Gefängnis, oder wie in der Sovietunion. Die Sovietunion war zerfallen und Zuhause gab es auch nicht mehr. Von jetzt an fing für sie ein völlig neues Leben an. Wenn man mal von all den UFOs, Militärjeeps und Geheimbasen absah, war es hier eigentlich gar nicht mal so schlecht. Wenn an diesem Land-der-Freiheit-Geschwafel, das diese Hurra-Patrioten Tag für Tag ablieferten, wirklich etwas dran sein sollte, dann war es hier. Also hier, irgendwo. Und wenn sie hier sein wollten, hier in der Freiheit, dann nur zusammen. Das war ihnen beide klar.
Betty berührte John und John berührte Betty. Das Schauspiel war harmlos, zielte aber in bestimmte Richtungen, deren sie sich beide jedoch nur unbewusst klar waren. John stoppte. Seine Miene verzog sich. „Was ist los?“, fragte Betty besorgt. „Wir müssen unbedingt den Wagen und vor allem das Geld finden. Sonst kommen wir weder nach Los Angeles, noch haben wir die Chance irgendwo neu anzufangen.“, Betty nahm Abstand, setzte sich gerade auf das Sofa und dachte nach. Es klopfte an der Tür. Sie schauten sich an. Wer mochte das sein?
Betty stand auf, stolzierte Barfuß durch den Trailer und öffnete die Tür. Trockene warme Luft blies in das Innere des vollklimatisierten Wohnwagens. Vor der Tür standen Joe und Pat. „Dürfen wir reinkommen?“, fragte Joe, seine Gestik war ausdruckslos. „Natürlich“, antwortete Betty und bedeutete ihnen einzutreten. Pat und Joe Travis saßen auf zwei Stühlen, gegenüber des Sofas, auf dem John nun vollkommen Gerade saß und aufmerksam nach vorne blickte, seine Hände in den Schoß gelegt. Betty verschränkte die Arme und legte die Beine überkreuz. Irgendwas stimmte nicht, das spürten sie. Patricia sprach als erstes.
„Betty, John. Nachdem was sie heute Morgen erzählt haben, haben wir beim örtlichen Sheriff angerufen.“
„Was?“ antwortete John entrüstet.
„Ihr werdet in Utah mit Haftbefehl gesucht. Wegen Fahrzeug- und Wertpapierdiebstahls.“
John bemerkte, Bettys wässrige Augen und legte seinen Arm um ihre Schulter.
„Pseudomoralisten! Ihre eigene Tochter…“, schimpfte sie, Tränen rannen nun von ihrer Wange.
„Das ist allerdings nicht das größte Problem“, warf Joe bestimmend ein, „Wo ist die Waffe?“
„Welche Waffe?“, fragte Betty, John blieb still. „John?“
Johns Blick schweifte durch die Gesichter.
„Im Handschuhfach.“
Augenblicklich riss Betty sich los, stand auf und brüllte John ins Gesicht.
„Du hast eine Waffe mitgenommen? Bist du vollkommen durchgeknallt? Wolltest du, dass die uns erschießen?“
„Betty, ich…“
Sie lies ihm nicht einmal die Chance sich zu artikulieren, dreht sich weg und stampfte mit schweren Schritten Richtung Tür. Pat folgte ihr schweigend.
„Was? Wollen sie mir jetzt auch noch ´ne Moralpredigt halten?“
Joe Travis lächelte.
„Naja, vor 10 Minuten wollte ich ihnen noch meine Schrotflinte ins Gesicht halten.“
„Und was hat sie davon abgehalten?“
„Pat. Ganz schön risikofreudig, was?“
„Ich würde eher draufgehen, als nach SLC zurückzugehen. Mein Leben war ein Gefängnis. Immer stand ich im Schatten der anderen. Oh, John. Schau nur, wie fromm deine Brüder sind. Oh John, aus dir wird niemals was werden. Fuck it! Wenn man was werden will, muss man sein Glück selbst in die Hand nehmen. Nichts anderes habe ich getan. Und wenn ich dafür eine Waffe mitführe, ist das doch genau das, was man als den Geist Nordamerikas bezeichnet. Oder habe ich da irgendetwas falsch verstanden?“
„Und dafür hätten sie dann einen Polizisten erschossen, oder was?“
„Wenn mir seine Nase nicht gefällt, vielleicht. Wer weiß das schon.“
Stille. Beide starrten sich grimmig in die Augen und keiner schien nachzugeben. Dann breitete sich Joe auf dem Sofa aus, öffnete eine Malboro und ignorierte den kleinen Außerirdischen, der auf einem Aufkleber am Eingang darauf aufmerksam machte, dass Rauchen nicht gestattet sei.
„Normalerweise hätte ich jetzt Lust, dir richtig die Ohren lang zu ziehen.“, er entzündete das Streichholz und hielt es vor die Zigarette, die kurz darauf zu glimmen begann. „Auch eins?“ , „Nein“, „Das Problem ist nur, dass du genau so ein kleiner Drecksack bist, wie ich es einmal war. Einige Jahre später wurde ich nach Vietnam eingezogen, wäre mehrmals fast erschossen worden, und sitze nun hier in dieser Einöde fest. Das Problem bei der Sache ist, es macht mir Spaß. Und ich kann dich verstehen, da ich selbst auch niemals ohne Waffe außer Haus gehe.“,
„Aha“, John versuchte sich nicht anmerken zu lassen, wie überrascht er vom plötzlichen Wandel seines Gegenübers war.
„Schau mal. Da draußen hast du das süßeste Gör, das mir seit langem untergekommen ist. Und die Kleine liebt dich. Willst du wirklich riskieren, sie in einem hirnrissigen Feuergefecht, mit noch hirnrissigeren Bullen, ausversehen zu erschießen?“
Keine Antwort.
„Und noch was. Was auch immer sie glauben, in der Wüste gesehen zu haben.“, er wackelte mit dem Kopf, schaute John dann ganz tief in die Augen.
„Das war kein Flugzeug.“
John glotzte ihn unverständlich an. Was hatte er da gerade gesagt?
„Hier, nehmen sie meinen Wagen. Fahren sie den 375 nach Osten. Irgendwann kommen sie an eine Kreuzung, dort finden sie diese Anschrift.“, er legte eine Karte auf den Tisch, daneben ein Schlüssel. „Sagen sie, sie wären von Joe Travis geschickt worden.“ John betrachtete die graue Visitenkarte. `Area 51 research Center / Glenn Campbell´. „Und jetzt machen sie, dass sie fort kommen. Kümmern sie sich um Betty, bevor ich es mir anders überlege.“
John sprang wie vom Blitz getroffen auf und trottete zur Tür.
„Verdammte Kids“, brummelte Joe und zog nochmals an seiner Zigarette.
Die Tür des Trailers öffnete sich. John kam heraus um nach Betty zu sehen. Sie kam wutentbrannt auf ihn zu, holte aus und ließ die flache Hand gegen die Backe klatschen. John merkte, dass es nicht das war, was sie wollte. Der Schlag war eigentlich gar keiner gewesen. Trotzdem hielt er reumütig inne. Dann fiel Betty ihm in die Arme, umgriff sogar seinen Kopf und presste ihn dicht an den ihren. Patricia hatte die Szene beobachtet, drehte sich weg und verließ den Schauplatz. Hier hatte sie nichts verloren.
„John, ich… es tut mir leid.“,
„Hey, ruhig! Es ist schon Okay, du hattest recht.“,
„John… das Geld. Es ist weg. Was machen wir denn jetzt? Ich gehe nichtmehr zurück!“
Der silbervernickelte Wagenschlüssel blitzte in Johns Handfläche auf. Als wollte er ihm etwas sagen. „Betty, wir finden den Wagen und das Geld!“,
„und wie willst du das anstellen?“
Sie blickte auf, ihre Augen immer noch verklebt.
„Ich wüsste da jemanden, der uns helfen kann.
Der schwarzlackierte 66. Ford Mustang rollte brummend über die Kiespiste, bog nach links auf die Straße und beschleunigte mit basslastigem Röhren. Betty bemerkte ein grünes Schild. Es war mit Aufklebern vollgeklebt. Schien sogar offiziell zu sein. `375 – Extraterrestrial Highway´. Die weiße Schrift auf dem Schild hatte Keine Serifen, lediglich fein abgestimmte Linien von technischem Charakter. Neben der Inschrift waren Sterne und eine fliegende Untertasse abgebildet. Hier hatte echt alles mit UFOs zu tun, kein Wunder, dass sie sie hier an jeder Ecke sahen.
„Schau mal, Betty: Warp 7“. Ein Schild rauschte an ihnen vorbei. Warp 7? Deren Ernst? „Geile Karre“, John beschleunigte weiter, die Tachonadel passierte 70, 90, 100 mph.
„Wo fahren wir eigentlich hin? Und woher hast du die Adresse?“,
„Zu einem gewissen Glenn Campbell, Joe hat sie mir gegeben.“,
„Glenn Campbell, echt jetzt?“,
„Ja, warum nicht?“,
„Ach, nur so.“, Betty verwarf den Gedanken, streckte den Kopf aus dem Fenster. Sie genoss den erfrischenden Fahrtwind. Er war umso wohltuender, da der Wagen keine Klimaanlage hatte.
Zum ersten Mal seit Tagen sahen die zwei Ausreißer wieder „normale“ Häuser, als sie am frühen Abend den Ort Chrystal Springs, nordöstlich von Rachel in Nevada, erreichten. Das Dorf war allerdings nicht viel größer als Rachel und bis auf die UFO-Verrückten, sahen die Menschen hier auch nicht wirklich anders aus. Lediglich die Biker, die ihre Maschinen vor dem alten, jedoch gut erhaltenen, Saloon parkten, der noch aus der glorreichen Zeit der Pioniere stammen musste. Für sie war es eine Art beruhigendes Gefühl, zumindest zu wissen, dass es da draußen überhaupt noch etwas gab, und sie nicht in irgendeine total verrückte Parallelwelt geschleudert wurden. Nur ein `Gebäude´ stach heraus und erinnerte stark an A´Le´Inn und Co. Ein gelbgestrichener Trailer, der wohl nicht mehr fahrtüchtig war, davon gingen Betty und John zumindest aus, als sie die verschiedenen Modifikationen und Anbauten betrachteten. Daneben stand eine riesige schwarze Sattelitenschüssel und es war klar, dass diese kaum für besseren Fernsehempfang gedacht war. Beim Betreten der Anlage, fielen ihnen weitere Details auf, die darauf schließen ließen, dass sie hier genau richtig waren. Nicht zuletzt wäre das militärisch nüchterne Schild mit der Aufschrift `Area 51 research center´ zu erwähnen.
John bemerkte, dass die Tür nur angelehnt war. Er schob sie einen Spalt auf. Licht drang ins Innere des Trailers, in die Dunkelheit. Es schien tatsächlich komplett duster zu sein. Die Fenster waren von Innen verdeckt worden. Ächzend bewegte sich die Tür in den Angeln und gab den Blick auf einige technische Geräte frei, die sogar den Eingangsbereich füllten. Staubpartikel tanzten in der Luft. John und Betty traten auf dem ächzenden Holzboden, langsam voran. Vorbei an Regalen, gefüllt mit Dingen, die sie nicht so recht zuordnen konnten, geschweige denn überhaupt erkannten. Betty schloss die Tür hinter sich und war sich selbst nicht ganz sicher, ob es eine gute Idee gewesen war. Nun, da die Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten, konnten sie ein blaues Flimmern aus der hintersten Ecke des Wagens erkennen.
„Mr. Campbell?“
„Da seid ihr ja schon!“,
antwortete eine leise Stimme. Betty erkannte sie sofort. Diese Selbstüberzeugung, das konnte nur Campbell sein. Der Bürostuhl vor dem Rechner drehte sich und offenbarte den Area-51-Spezialisten.
Er saß unter einer kleinen Deckenleuchte, die schummriges gelbes Licht abgab und so auf sein Gesicht fiel, dass Augen und weite Teile des Gesichts in Schatten lagen. Er streckte seine Hand aus. Diesmal wurde die Geste von John mit einem festen Händedruck erwidert.
„Sie wussten, dass wir kommen?“
fragte dieser emotionslos.
„Natürlich. Wofür bräuchte ich sonst das ganze Zeugs hier?“
Er lächelte und bedeute mit der flachen Hand auf dutzende Rechner, Anlagen, technische Geräte, Aktenschränke und Arbeitsflächen, die dicht komprimiert, funktional auf engem Raum zusammen lagen. Fast so dicht wie Element 115, wie Mr. Campbell stets zu sagen pflegte.
„Für das oder die, oder was auch immer da drüben ist, vielleicht?“
flachste John.
„OK, erwischt. Joe Travis hat mir bescheid gegeben, dass sie kommen. Kann ich ihnen etwas anbieten? Tee, Wasser, Bier?“
„Ein Bier wäre nicht schlecht. Ein deutsches, bitte.“
Glenn griff mit einer Hand unter den Schreibtisch, öffnete eine Tür, zog eine Dose Beck´s aus einer Art Miniaturkühlschrank, und schmiss sie im hohen Bogen zu John, der sie so gerade noch fing.
„Ach, hallo Betty. Schön sie wiederzusehen.“
„Hallo“, entgegnete sie zurückhaltend, den stillen Hinweis auf ihre Zurückhaltung ignorierend. Irgendwie gefiel es ihr hier nicht. Die ganze Atmosphäre bereitete ihr Unbehagen.
„Wie kann ich Ihnen helfen?“, fragte Campbell und klatsche euphorisch in die Hände. Ganz klar Suggestivfrage, urteilte John.
„Sie wissen warum wir hier sind, stimmt´s?“,
„Vielleicht…“,
„Mr. Campbell“, er stellte die leere Dose auf den Tisch und wurde konkret,
„Was war das für ein Ding, das in der Wüste abgestürzt ist. Und vor allem, was hat es mit unserem Auto gemacht?“
Glenn drehte sich wortlos zurück zu seinem Computer, klickte drei bis viermal auf seine Maus, wobei sich Fenster schlossen und öffneten.
„160 Megahertz Prozessor. Das ist das schnellste, was derzeit am Markt ist, und die Kiste braucht trotzdem ewig. Aha, schauen sie.“
Betty zog sich einen zweiten Bürostuhl heran, blieb sonst aber eher achtlos. Das war typisch für sie, wenn sie sich nicht wohl fühlte, grinste John und beugte sich dann nach vorn um den Bildschirm zu betrachten.
Zu sehen war ein schwarzes Objekt, das mit atemberaubender Geschwindigkeit über den Himmel der gefilmten Landschaft raste. Es schien sich dabei ebenfalls um die Mojave-Wüste zu handeln, zumindest den Bergen im Hintergrund nach zu urteilen. Der Film musste alt sein, sehr alt. Immer wieder gab es Bildstörungen, die durch Kratzer und Staubteilchen auf dem Polaroidband entstanden sein mussten. Außerdem zog sich eine vergilbte Körnung durch den gesamten Filmverlauf.
„Was sie hier sehen“, unterbrach Campbell die Stille, „ist die Aufnahme eines unidentifizierten Flugobjekts in der Wüste von Nevada. Genaugenommen, nördlich von Bald Mountain, direkt neben der Area 51.“
„Die Area 51?“ warf John spöttisch ein, „Die Area 51 ist ein Mythos. Sie glauben da doch wohl nicht wirklich dran, oder? An kleine grüne Männchen in geheimen Militärbasen.“
Glenn lächelte und zog ein neues Fenster auf dem Computer auf. Zu sehen war ein schwarz-weißes Foto, mit einem weißen Klecks in der Mitte, der aussah, als sei er Überbelichtet worden.
„Das, lieber John, ist eine Aufnahme, eines russischen Spionagesatteliten, aus dem Jahr 1986. Der weiße Punkt in der Mitte, ist der Groom-Dry-Lake. Der Strich daneben, beziehungsweise halb darin, ist die längste Startbahn der Welt. Hier könnten zwei Space-Shuttle von Norden und Süden aus gleichzeitig landen, ohne sich in die Quere zu kommen.“, John blieb still und Campbell fuhr fort.
Eine Aufnahme wurde eingespielt. Ein dünner Mann mit glattgekämmten Haaren und überdimensionierter Hornbrille referierte vor neutralem Hintergrund. Der Ton war abgeschaltet.
Wider erwarten meldete sich eine Stimme von der Seite. „Robert Lazar“, warf Betty selbstsicher aber neutral ein.
Sowohl Campbell, als auch John, schienen erstaunt.
„Exakt, miss Betty. Also John, dieser Mann hier, ist Robert `Bob´ Lazar. 1989 trat er vor die Kameras und erklärte, er hätte in einer geheimen Abteil namens S-4 Ufos erforscht, die im Eigentum der US-Regierung stehen.“, „Aha“, „Seiner Erklärung nach handelt es sich dabei um Fahrzeuge, die eine Art eigenes Feld der Antigravitationsantrieb nutzen, damit dem physikalischen Gesetz der Massenträgheit nicht mehr unterworfen sind und so Flugmanöver durchführen können, die Mensch und Material sonst unmöglich wären. Sogenanntes Element 115 wird in einer Art Reaktor mit Protonen beschossen. Dieses wird zu Element 116. Dabei entsteht Antimaterie, die mit normaler Materie kollidiert und… zack… haben wir ein eigenes Gravitationsfeld.“
„Klingt toll. Und was hat das mit UFOs zu tun?“
„Lieber John. Suchen sie mal in einem Periodensystem das Element 115 oder 116. Selbst wenn man es in den nächsten Jahren finden sollte, wäre die Lagerung aufgrund der extremen Reaktivität praktisch unmöglich. Trotzdem sollen in S-4 450 kg dieses Teufelszeugs lagern. Genug um für die nächsten 100 Jahre Testflüge zu unternehmen.“
Betty dachte an die Lichter die sie gesehen hatten. Sie stoppten einfach so. Ohne sichtbare Verzögerung. War an der Story vielleicht doch was dran? Ihre Gedanken wurden gestoppt, als John das Wort ergriff.
„Naja, angenommen ihre Story ist wahr, wollen sie mir dann sagen, dass wir, ausgerechnet wir beide, mitten in der Wüste fast von einem abstürzenden UFO von einem anderen Stern erschlagen werden? Eine Technik so fortschrittlich, dass sie unsere physikalischen Gesetze ignoriert, oder aushebelt, oder was auch immer, und dann zu dumm ist, durch eine absolut leere Wüste zu fliegen?“
Campbell begann zu grinsen, schüttelte den Kopf und rief ein weiteres Fenster auf dem Computer auf. Ein schwarzes, langgezogenes Flugzeug erschien, dass Ähnliche Proportionen wie ein Segelflieger aufwies.
„Was sie hier sehen, ist die Lockheed U-2. Ein Hightech-Spionageflugzeug und eigentlicher Grund für die Errichtung von Area 51. Erstflug 1955.“, er schaltete weiter. Wieder ein Flugzeug und wieder schwarz. Nur sah dieses Fluggerät schon weit futuristischer aus. „Das ist die SR-71 Blackbird. Nachfolger der U-2. Erstflug 1964, auf der Area 51.“ Wieder klickte die Maus. „Und das hier, woho, das ist mein Liebling. Die Northrop B2. Ein strategischer Tarnkappenbomber, entworfen um Atombomben auf die Roten zu schmeißen, bevor die überhaupt etwas davon mitbekommen. Leider wurde das Ding nicht rechtzeitig fertig. Erstflug 1989, auf der Area 51.“
Stille und Ratlosigkeit. Worauf wollte Campbell nun eigentlich hinaus? Er schaltete wieder auf den Film, der die Einführung der kleinen Flugzeugkunde bildete.
„Dieses `UFO´, ist nicht viel mehr als eine U-2 beim Start. Wenn sie genau hingucken, erkennen sie sogar die Proportionen. Diese ganze UFO-Story ist nicht viel mehr als ein gewaltiger Trick der Regierung. Wer interessiert sich schon für Tarnkappenbomber, wenn es hier eh nur UFOs gibt? Und wenn, dann würden sie die UFOs höchst wahrscheinlich ganz wo anders testen. Und Mr. Lazar und sein Antigravity, war nicht viel mehr als die genialste Desinformationskampagne, seit Jahren.“
„Ja, und jetzt?“, John schien ratlos, „Was war das jetzt, was wir gesehen haben? Ein Bomber?“
„Nicht ganz, es war die Aurora.“,
„Aurora?“,
„Fragen sie bitte Betty, ich erkläre mich nicht fünfmal.“
Er stand auf, schnappte sich einige Dinge an einem Kleiderständer und sprang in seine Lederstiefel.
„Wo wollen sie hin?“, fragte Betty.
„Ihr Johnny glaubt mir immer noch nicht, Miss Betty. Deswegen machen wir jetzt einen kleinen Ausflug. Ich hoffe sie haben heute gut gegessen.“
„Ausflug? Wohin?“
„Na wohin wohl, zur Area 51.“