
Ich muss sterben?!
ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT
Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.
„Na Krümelchen, bist du heut fit? Ich hab dir was
mit gebracht…schau mal…“
„Ich muss sterben, oder?“
So schwungvoll, wie ich in das Krankenzimmer kam, so
schnell verharrte ich auch abrupt in jeder Bewegung. Das sind Momente, wo in
sekundenschnelle eine halbe Ewigkeit kunterbunt im Innersten durcheinander
wirbelte. Wo man sucht in sich nach dem…“Was sag ich bloß? Was ist
richtig?“ Abgesehen davon, dass man sich auch hilflos empfindet. Es sind
die Momente, die uns befangen machen..unsicher und auch scheu.
Jemand ist gestorben und man sucht nach den Worten für die Hinterbliebenen.
Jemand bricht in Tränen vor einem aus, oder wie jetzt…jemand wird sterben und
weiß es, wie dieses Kind vor mir. In diesen Momenten schalte ich um auf das
Intuitive…Instinkt.
„Na ja, Krümelchen…nicht heute, aber ja…du hast
Recht.“
Mit weichen Knien setze ich mich zu ihm ans Bett. Seine Augen durchbohrten mich
förmlich, schauten mich lange an und innerlich tobte in mir ein Gefühlssturm.
„Und was dann?“
„Hm, weißt du, dass ist eine der schwersten Fragen
die man stellen kann und eine, auf die niemand wirklich eine Antwort hat.“
„In der Schule haben sie gesagt, ich komm in den
Himmel. Stimmt das denn gar nicht?“
In mir gackerte die Atheistin und ich brachte sie zur
Ruhe.
„Weißt du Krümelchen…es ist einfach so, dass es
keiner wirklich weiß, aber manche etwas glauben. Kennst du den Unterschied
zwischen Wissen und Glauben?“
„Ja, ich glaub schon. Ich bin ein Junge, das weiß
ich und als Mama Lisa im Bauch hatte, glaubte Mama, das es Lisa ist. Aber gewusst
haben wir das erst, als Lisa da war.“
„Siehst du und so ist es eben auch mit dem Sterben.
Viele glauben was kommt, aber wissen wird man es erst, wenn es soweit
ist.“
Schweigen kehrte ein. Krümelchen dachte nach.
„Aber ich hab Angst. Also ein wenig hab ich Angst.
Vielleicht ist es ganz schlimm.“
Ich merkte wie Tränen hochkommen wollten. Wie sollte ich
denn einem Kind die Angst nehmen? Lügen? Das könnte ich nicht und Kinder haben
so feine Antennen. Ich holte tief Luft….
„Ich hätte auch Angst. Wenn etwas passiert und
niemand einem sagen kann, was wird, das macht auch Angst. Und so gern ich es
möchte, ich kann dir nicht sagen, was kommen wird. Das hat jeder. Man ist
traurig, weil man stirbt und man hat die Zeit davor Angst, weil man nichts
weiß, aber das hört auf, wenn du gestorben bist. Da bin ich sicher, dann ist
die Angst weg.“
Innerlich krampfte sich alles in mir zusammen. Welch ein
Satz, aber ich wusste mir nichts anders zu helfen.
„Kann man glauben was man will? Sich was wünschen?
Das wäre doch keine Lüge dann,stimmts?“
„Nein, das wäre keine. Jeder darf was glauben.“
„Mama hat immer gesagt, manchmal gehen Wünsche auch
in Erfüllung ,wenn man ganz fest daran glaubt. Das hab ich zu Weihnachten
gemacht und das hat geklappt.“
Noch ein wenig skeptisch schaute mich Krümelchen an.
„Da hat deine Mama auch vollkommen recht. Was würdest
du dir denn wünschen?“
Doch so leicht kam ich nicht davon, denn schon kam die
Frage…
„Was glaubst du denn?“
„Ich weiß es nicht genau, nicht wie ich es mir
wünsche…aber ich weiß genau, es wird schön. Daran glaube ich fest. Das ich
keine Angst haben werde, mir nichts wehtun wird.“
Ich stockte kurz…mir fiel was ein…
„Ich kenn da eine Geschichte, von einem Jungen, den
man auch Krümelchen nannte. Auch er hatte Angst und wusste er würde sterben.
Sein Bruder hat ihm dann erzählt, was er glaubt.“
Krümmelchen nickte.
Etwas später waren wir beide in der Geschichte vertieft von den Gebrüder
Löwenherz, in der Astrid Lindgren von Krümel erzählte und seinem Bruder
Jonathan, wie beide starben und nach Nangijala kamen.
Am Ende des Buches angekommen war Krümelchen sehr müde und kurz vorm
Einschlafen.
Und wenn ich ihm auch nicht viel helfen konnte, die Angst nicht nehmen konnte,
hoffte ich…
ihm wenigstens Bilder und Worte jetzt gegeben zu haben, die ihm einen schönen
Traum geben würde.
Einen kurzen Moment ohne Angst.