KurzMord

Limonade

Brüder und Schwestern….kommt zu mir.

Kommt und setzt euch zu mir.

Ja, kommt nur alle heran. Setzt euch…setzt euch hin und lasst euch erzählen von der neuen Welt. Von einer neuen Welt ohne Kriege. Ohne Hunger. Ohne verzweifelte und traurige Menschen. Von einer Welt, wo nicht die Hautfarbe oder das Bankkonto entscheidet, ob du glücklich sein darfst oder nicht…. sondern ….das, was du im Herzen trägst.

Eine Welt, in der deine inneren Werte dich zu einem guten Menschen machen. Wo dein Mitgefühl zählt und nicht zuerst der Gedanke an dich selbst. Wo wir alle zusammen aufeinander achtgeben. Uns umeinander kümmern. Uns zuhören. Wo wir dir deine Tränen trocken, Mama Flores….ja, dir. Wir haben alle mit dir geweint, als dein Sohn gestorben ist. Haben wir doch, oder? Wir kamen zusammen. Wir knieten uns um dich und beteten. Wir beteten, dass dein kleiner Jonah einen gerechten Platz im Himmelreich bekommt. Dass Gott deine Tränen trocken möge. Dass du erkennst, dass du hier ein Zuhause hast, in dem Menschen für dich da sind und sich um dich kümmern. Dich stützen wenn du schwach bist und mit dir lachen, wenn du glücklich bist. Sue kam um dich zu trösten. Benjamin kam. Die alte Mary zögerte nicht eine Sekunde als dein Herz in Trauer und schwarze Wolken fiel. Menschen, die du nicht einmal kanntest, kamen, um dir ein wenig Last von deinen Schultern zu nehmen.

Das meinte ich mit der neuen Welt. Gemeinschaft. Das Königreich Gottes ist es, was uns zusammengebracht hat. Und er, der König ist strahlendes, helles und ewig gütiges Licht. Seine Krone ist seine unendliche Liebe und wir, liebe Kinder…Schwestern, Brüder … wir sind das Volk, das unter seinem Licht demütig und rein zusammenkommt, um das neue Königreich Gottes zu bauen. Und hier hat es seinen Anfang. Hier….in diesem Haus, in dem wir zusammenkommen, Mama Flores, um füreinander da zu sein. Um miteinander stark zu sein und unsere Schwäche abzulegen. Um miteinander gütig und mitfühlend zu sein und alle egoistischen Gedanken abzulegen. Um miteinander solidarisch zu sein und alle Selbstbezogenheit abzulegen. Hier, in diesem Haus, Mama Flores……in diesem Haus sind wir das neue Volk in Gottes neuem Königreich.

Reine Seelen, die ihr Leben lang durch den Schmutz und Morast einer Welt getrieben wurden, die von Gott verlassen ist. Die nur noch Geld kennt. Produktionsvorgaben. Bruttoinlandsprodukte. Rüstungsindustrien. Ein Sumpf voller Menschen, die nur noch an sich selbst glauben und nur an sich denken. Die alleine durch die Welt irren….wie Untote. Seelenlos und verloren. Ohne Aussicht auf Licht oder Liebe. In ihren Köpfen ist kein Platz für Gott, Leute….hört ihr? Denn ihr Kopf ist voll von Zahlen und voll von Dingen, die sie gerne haben und besitzen würden. Und dann ziehen sie los und arbeiten und sparen für einen Videorekorder und was machen sie, wenn sie ihn haben? Dann arbeiten sie und sparen für einen neuen Fernseher und für die neuesten Filme und dann sitzen sie abends mit offenen Mündern vor ihren Fernsehern nebeneinander und reden nicht. Sie fragen sich nicht, wie ihr Tag war. Sie fragen sich nicht, wie es ihnen geht….nein…. Sie sitzen da und schauen sich die Abenteuer von anderen Menschen an. Unfähig, selbst welche zu erleben. Das ist der Sumpf, durch den ihr gewatet seid.

Aber ihr wart anders, oder? Wart ihr nicht anders? Wart ihr nicht die, die all das gesehen haben und in deren Herzen ein kleiner Funke Zweifel keimte? Eine kleine Glut? Dass da mehr ist? Mehr sein muss als das? Ihr passtet nicht in diese Welt, oder?

Mama Flores. War das die Welt, die dich glücklich gemacht hat? Nein…..hört ihr, wie laut sie “Nein!” schreit? Hört ihr das? Nein, sie war nicht glücklich. Sie war jeden Tag unglücklich und sie saß da und hat sich gefragt, ob es da noch mehr gibt als Arbeiten und Kaufen. Aber du hast durchgehalten….für Jonah. Denn er sollte es einmal gut haben. Eine gute Ausbildung, einen guten Job, eine gute Frau, eine gute Wohnung. Ist es nicht so? Und was passierte?

Die Welt lockte ihn in eine Seitenstraße, wo er ausgeraubt und erschossen wurde. Von Menschen, die nichts mehr vom Licht Gottes in sich haben. Das ist es, oder? Das ist die Welt, aus der ihr alle kamt.

Und hier seid ihr zusammengekommen und habt alle gespürt, dass ihr Sehnsucht nach einer anderen Welt habt. Nach einer Gemeinschaft, in der wir alle füreinander da sind. In der wir aufeinander aufpassen und füreinander sorgen. Hier nehmen wir uns in den Arm, wenn wir traurig sind. Hier müssen wir unsere Tränen nicht verstecken und hier haben wir gemeinsam zu Gott gefunden und sein Licht gespürt. Es scheint in uns allen. Es erfüllt uns. Und es segnet und beschützt uns. Es führt uns zusammen und unter seiner gütigen Hand haben wir begonnen, eine neue Welt zu schaffen. Das Königreich Gottes. Das Königreich der Menschen. Das Königreich der Menschen unter Gottes segensreichem Licht. Wir gemeinsam…wir sind die neue Welt.

Wir bauen Häuser, in denen wir gemeinsam schlafen. Wir pflanzen Gemüse an und wer nicht in den Gärten ist….seht ihr die spielenden Kinder? Wer nicht in den Gärten ist, der singt und spielt mit den Kindern und öffnet ihre Herzen und Seelen, damit Platz darin ist, um von Gott erfüllt zu werden. Oder er kommt hier zusammen mit den anderen und betet. Und singt. Und stützt den Menschen neben ihm. Und so stützen wir uns alle in unserem neuen Königreich.

Ihr seid schöne und gütige Menschen.

Ihr seid mehr als eure Herkunft.

Mehr als eure Hautfarbe, euer Geschlecht oder Alter.

Es ist uns egal, ob du im Rollstuhl sitzt, wie Samuel dahinten. Samuel….wo bist du? Wink mal. Jaaaa, da bist du. Seht ihr, wie glücklich er ist? Denn er hat einen Platz hier und die Kinder lieben es um ihn herum zu sitzen und seine Geschichten zu hören. Ist es nicht so? Kinder? Ja, genau so ist es. Und Samuel liebt es, den Kindern Geschichten zu erzählen und sie zu unterrichten. Und so hat jeder seine Rolle hier und einen wichtigen Platz.

Diese Kirche ist keine Kirche der Priester und Päpste. Diese Kirche ist eine Kirche von uns. Eine Kirche von dir und mir und uns allen gemeinsam. Es ist eine Kirche der Menschen. Für Menschen. Von Menschen. Nicht mehr. Nicht weniger. Hier zählt nicht, ob du arm oder reich bist, schwach oder stark. Jung oder alt. Nur dein Herz zählt hier und ich weiß dass in jedem den ich hier ansehe ein Herz schlägt, das groß genug ist, dass noch viele weitere Menschen darin Platz haben.

Das hier ist unser Platz. Gott hat ihn uns gegeben, damit wir glücklich sind und sein Licht mehren.

Und sind wir nicht glücklich? Ja….wir sind es. Und mehren wir nicht sein Licht? Ja, wir mehren es. Denn täglich werden wir mehr.

Und das ist den anderen Menschen da draußen ein Dorn im Auge!!!!

Es nagt in ihren Köpfen wie eine Ratte sich durch Wände nagt. Denn sie sehen, dass wir etwas haben, was sie nicht kaufen können. Sie können noch so viel arbeiten und sie werden niemals reich genug sein um sich unser Gemeinschaftsgefühl leisten zu können. Und die Liebe, die wir füreinander empfinden. Denn das ist uns von Gott gegeben. Und das stört sie. Sie empfinden es als Affront. Sie wollen, dass wir sind wie sie. Dass wir arbeiten und schuften und nur an uns selbst denken, bis wir grau und still sind und Abends mit offenen und stummen Mündern vor den Fernsehern sitzen und dabei zuschauen, wie Filmfiguren ein Leben leben, das niemals unseres sein wird.

Sie wollen dass wir konsumieren und kaufen und sie wollen nicht, dass wir eine Welt schaffen, in der Geld nicht wichtig ist. Und Fabriken. Sie wollen nicht, dass wir eine Welt schaffen, in der es keine Kriege gibt und in der wir jedem, der an unsere Türen klopft, ein Lächeln und eine warme Mahlzeit geben. DAS ….WOLLEN….SIE….NICHT!!!

Denn wir demontieren ihre kranke und verkommene Gesellschaft. Wir demaskieren ihre stumpfe und öde Weltsicht und leben ihnen vor, wie es ist, ein erfülltes Leben zu leben.

Und dafür hassen sie euch, Schwestern und Brüder. Dafür verachten sie euch und sie wünschen sich nichts sehnlicher, als uns auszulöschen, damit sie weiter und ungestört ihr graues und stumpfes Leben leben können.

Ich sage euch etwas.

Kommt alle näher ….. ja, kommt näher und hört genau zu, was ich euch jetzt sage.

Ich habe Informationen. Sie sind unterwegs. Sie kommen hierher mit Hubschraubern und Soldaten um uns auszuradieren. Sie werden Brandbomben über uns abwerfen. Hört ihr? Hörst du, Samuel? Sie werden uns mit Napalm beschießen und hier wird alles in Flammen aufgehen. Die Kinder werden brennen und ihre Augen werden ihnen schmelzen und aus den Augenhöhlen tropfen. Und sie werden blind und schreiend nach ihren Müttern und Vätern umherirren. Und werdet ihr sie trösten können wenn hier alles brennt? Wenn um euch herum die Welt in Flammen steht?

Nein ihr werdet sie nicht einmal schreien hören, denn wenn sie unsere Kirche in Flammen geschossen haben, dann werden die Flugzeuge kommen. Sie sind schon auf dem Weg hierher. Sie werden über uns fliegen und Soldaten werden herausspringen an Fallschirmen. Und sie werden euch einkreisen und mit Bajonetten an ihren Maschinengewehren vor euch hertreiben, bis sie euch eingekesselt haben wie Vieh und dann werden sie euch erschießen.

Hört ihr? Sie werden kommen und uns alle töten, weil sie es nicht ertragen können, dass wir eine neue Welt bauen. Eine neue Welt, in der wir alle gleich sind und glücklich. Dafür werden sie euch, eure Kinder und Nachbarn erschießen. Mit Gewehrsalven direkt in eure Köpfe.

Aber wir sind stärker als das, oder?

Sind wir nicht stärker?

Ich verstehe, dass ihr Angst habt. Auch Jesus hatte Angst im Angesicht seines Todes. Ich verstehe eure Angst. Beruhigt euch. Bitte….beruhigt euch. Mama Flores….bitte streichel das Kind neben dir. Siehst du, wie es weint?

Wir haben Angst, ja. Aber wir haben keine Angst vor dem, was danach kommt, denn wir wissen, dass wir eingehen werden in Gottes Licht und ewige Liebe. Er erwartet uns mit offenen Armen.

Sollen sie kommen, sage ich. Sollen sie kommen und die Hütten niederbrennen und auf alles schießen, was sich bewegt. Sollen sie kommen.

Wir werden ein Fanal setzen. Ein Leuchtfeuer. So hell und rein, dass die Menschen, die davon erfahren, blind werden. Sie werden ihre Fernseher nicht mehr sehen. Und sie werden sich Gottes Licht zuwenden, sage ich. Lasst sie kommen!!!!

Und sie werden kommen, um euch die Herzen aus der Brust zu reißen und die Seelen aus den Köpfen zu schießen. Sie werden kommen weil sie das Licht Gottes aus euch herausreißen wollen und wenn sie es nicht finden, werden sie euch mit ihren Bajonetten aufschneiden, um das Licht in euch zu suchen. Und wenn sie es dann nicht finden, dann werden sie eure Kinder aufschneiden. Sie sind unterwegs hierher. Hört ihr nicht schon in der Ferne die Motoren brummen? Da kommen sie. Sie sind bald da.

Doch wenn sie eintreffen, sind wir längst fort.

Gemeinsam.

Wenn sie kommen, sind wir bei Gott.

Wir lassen sie uns nicht töten.

Darum kommt, Leute….kommt, lasst uns gemeinsam gehen. Kommt alle heran. Kommt und stellt euch an und holt euch Limonade.

Ja, genau so….Mama….gib es deiner Kleinen zu trinken. Es schmeckt nur kurz bitter. Sag ihr, sie soll es trinken. Und dann trink du. Trink es. Dann wirst du frei sein.

Dann werden wir alle frei sein. Und dann sollen sie ruhig kommen.

Celeste… dein Kind….es weint. Trockne seine Tränen. Sag ihm, es soll….nein….beruhig es….Sein Weinen,es beunruhigt die anderen. Ja genau, siehst du…nimm es in den Arm….Die Krämpfe werden vorbei gehen. So ist gut. Beruhige es. Gott wird sich seiner annehmen.

Holt euch die Limonade, Brüder und Schwestern.. Jeder von euch. Und wer nicht laufen kann….geht zu ihnen und gebt ihnen welche. Geht nicht in den Dschungel. Niemand soll ihnen in die Hände fallen.

Trinkt das Kool-Aid!

Dies ist kein Selbstmord, sondern ein revolutionärer Akt.

***

***

***

Einige Kilometer entfernt, in einer kleinen Versorgungsstation des People’s Temple in Guyana nahm eine Frau den Telefonhörer ab, als das Telefon klingelte.

“Hallo?”

“Wir tuen es jetzt. Die Leute trinken das Kool-Aid.”, hörte sie Reverend Jones sagen. “Ruf deine Kinder und dann tu es auch. Es ist soweit.”

Die junge Frau überlegte. “Wir haben kein Cyanid hier.”

“Dann nimm ein Messer.” Es klickte, als Jones auflegte.

Die Frau stand einen kurzen Moment still. Dann rief sie ihre Kinder.

“Geht ins Bad.”, sagte sie. “Ich komme gleich nach.”

Sie wartete, bis die Kinder im Badezimmer waren. Damn ging die in die Küche, holte ein Messer und ging damit zu ihren Kindern. Nachdem sie die Badezimmertür hinter sich geschlossen hatte, schnitt sie ihnen die Kehle durch, bevor sie sich selbst mit einem Kehlschnitt tötete.

Nur einige Kilometer entfernt streichelten Mütter ihre sterbenden Kinder, nachdem sie ihnen vergiftete Limonade zu trinken gegeben hatten.

Über den Geräuschen des Todes schwebte die Stimme des Reverends, der seine Jünger auf die Ewigkeit Gottes einschwor.

Schöne, neue Welt….

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