
ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT
Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.
Mit infernalischem Getöse riss ein klappriger Wecker, der auf einem kleinen, schmalen Holztischchen stand, Esualc aus seinem Schlaf. Mit dunklem Grunzen ließ er als Antwort seine geballte Faust auf die Apparatur herabsausen, die ihn so unsanft aus seinen Alpträumen gerissen hat. Der Wecker zersprang in tausende kleine Teilchen, die quer durch den Raum flogen und an Wänden und der Decke zerbarsten. Der Holztisch krachte in sich zusammen. Stöhnend richtete sich sein dunkler Körper aus einem pritschenartigem Bett auf, ließ eine zerlumpte und durchlöcherte Flechtdecke auf den kalten Steinboden fallen und stellte sich ächzend auf zwei rußbedeckte und zerkratzte Füße. Immer noch grummelnd wankte er zu einem Gitterfenster, aus dem helles Mondlicht in den Raum fiel. Das Gemach war sehr klein, unbeleuchtet und bis auf einen schweren Eichenschrank und der Pritsche, von der Esualc soeben aufgestanden war, lag noch eine Art Jutesack und ein Holzprügel in einer Ecke. Gegenüber vom Fenster war eine eisenbeschlagene Tür in die Wand gelassen. Ein eisiger Wind fuhr durch die Gitterstäbe in den Raum und ließ die Lumpen an seinem dürren und schmutzigen Körper hin- und herwinken.
„Es ist wieder soweit…“, sagte Esualc mit einer dunklen Stimme, die sich wie die eines Trolls anhörte.
Er schleppte sich zum Eichenschrank und stieß ihn auf. Darin befand sich ein verfilzter und von Motten geschändeter, rußüberzogener, schwarzer Mantel. Esualc warf ihn sich über seine Schultern, nahm den Holzprügel und den Jutesack in jeweils eine Hand und stellte sich mit finsterer Miene vor die schwere Eisentür. Ein goldenes, leuchtendes Türschloss hing unter dem Griff, was von der düsteren Gestalt im schwarzen Mantel grimmig angestarrt wurde. Sein Blick wechselte immer wieder vom Fenster, in welches das silberfarbene Mondlicht einfiel, zum Türschloss, welches regungslos und verschlossen an der Tür prangte.
Wenige Sekunden später zog ein besonders heller Silberschein vorbei an der Schulter des Grimmigen und schien auf das goldene Türschloss, welches langsam anfing zu schmelzen, wie eine Schneeflocke über dem Lagerfeuer. Dann fiel es mit einem dumpfen Geräusch auf den Boden und die Tür öffnete sich und gab den Blick auf eine trostlose und verlassene Landschaft frei. Die Gestalt warf sich die Kapuze über den kahlen Kopf und durch das Dunkel der Kapuze war nun ein Aufblitzen vieler Zähne zu sehen, die böse lächelnd preisgegeben wurden.
„Dann wollen wir doch mal sehen, wer noch alles wach ist…“, flüsterte Esualc.
Mit einem kleinen „Puff“ löste sich die Gestalt des mysteriösen Mannes in eine schwarze Wolke auf und hinterließ eine kleine Betonhütte, die nun mit offener Eisentür inmitten eines Feldes stand. Außen an der Wand lehnte eine seltsame und große Maschine, die plötzlich leise surrend zum Leben erwachte und rhythmisch zu brummen begann.
Der kleine Timmy hatte ein Geräusch gehört.
„Das muss er sein…“, flüsterte er aufgeregt, sprang aus seinem warmen Bett und schlich leise den Flur entlang in das Wohnzimmer. Er spähte um die Ecke, um den Weihnachtsmann zu überraschen. Er hatte ein leises Rascheln gehört und war sich nun sicher, dass er gekommen war. Timmy sah die vielen Geschenke unter dem prunkvoll beleuchteten Tannenbaum, aber niemanden, der sie dorthin gelegt hatte. Er trat vor die Geschenke und suchte nach Spuren, die seine Vermutungen bestätigen könnten. Fand aber nichts.
„Sieh an, sieh an…“, sprach da eine dunkle Stimme, die lauernd aus einer Ecke zu hören war.
Timmy wirbelte herum und sah einen rußverschmierten Mann mit schwarzem Mantel auf den Schultern, einem Holzknüppel in der rechten und einem Jutesack in der linken Hand in der Wohnzimmerecke stehen, der ihn musterte.
„Bist du Knecht Ruprecht?“, fragte Timmy neugierig.
Der Mann trat in den Schein des Weihnachtsbaums und tat einen Schritt auf Timmy zu.
„Nein…“, sagte er. Dann fiel der Holzknüppel mit einem dumpfen Geräusch auf den Kopf vom kleinen Timmy. Esualc packte das bewusstlose Kind am Fuß, hob es hoch und steckte es in seinen Jutesack. Dann sah er sein Spiegelbild in einer der Christbaumkugeln glitzern und fuhr mit leeren Augen fort.
„… viel schlimmer…“
Mit einem Windstoß erschien Esualc vor seiner Behausung. Sein Holzknüppel war blutbefleckt und der Jutesack war so riesig wie ein ganzes Haus. Mühelos zog er den gigantischen Sack hinter sich her, warf im Vorbeigehen den Holzknüppel zurück in eine Ecke seines Raumes und schleifte in einer Blutspur den Jutesack zur bereits surrenden Maschine außen an der Wand seines Gefängnisses. Dort angekommen, nahm er das offene Ende des Sackes und stülpte es in eine Öffnung der Maschine. Nach und nach schienen schwere Körper in das Innere der Maschine zu fallen. Ein Knistern, Knacken, Sägen, und mMahlen war zu hören. Vereinzelnd drangen kurze, spitze Schreie in die Nacht, die aber sofort verstummten.
Die dunkle Gestalt begab sich zu einer kleinen Ausgabe der maschinellen Monstrosität und hielt die Hände auf. Kleine, schwarze Stäbchen fielen aus einer Öffnung heraus, die Esualc geschwind aufsammelte und auf eine Art Trockenrost legte. Aus den kleinen Stäbchen tropfte vereinzelt Blut und befleckte den Boden unter der Trockenvorrichtung.
Dann nahm er aus einem Fass hinter dem Bunker längliche Holzstäbe und verschnürte die einzelnen Stäbchen an ihnen und steckte sie in den Boden.
Die Prozedur wiederholte sich Minuten, Stunden und Tage, bis das Summen der Maschine verstummte, die letzten schwarzen Stäbchen herausgenommen, getrocknet und mit Holzstäben in den Boden gesteckt wurden. Inzwischen hatte sich ein ganzes Feld dieser seltsamen Konstrukte hinter der Behausung des grausamen Mannes gebildet. Dieser hatte nicht eine Sekunde geruht und sein grausames Werk schweigend verrichtet.
Nun aber blickte er auf und breitete die Arme aus, als ob er der Welt zeigen wollte, welch tolles Werk er vollbracht hatte. Flammen züngelten aus den Händen der Gestalt und flogen zu seinen Füßen. Danach schossen sie schnell wie Blitze über das Feld hinweg und unter den Holzstäbe entlang, die zischend entflammten und hell funkelnd brannten.
Esualc setzte sich auf den Boden, streckte die Beine aus und lehnte sich zurück. Er betrachtete den Mond und grinste breit, als die ersten Holzstäbe, von den Flammen entzündet, in den Nachthimmel aufstiegen. Mehrere Dutzend Meter über dem Boden explodierten die dunklen Stäbchen mitsamt den Holzstäben in beeindruckenden Farben, Formen und Geräuschen.
Der Himmel war erfüllt von hellem Licht, leuchtenden Farben und lautem Getöse. Das Gesicht des Mannes leuchtete auf, und lachend warf er sich auf den Rücken und bestaunte das Spektakel am Himmel.
Nach einigen Minuten wich der entflammte Nachthimmel wieder einer eisigen Dunkelheit und Esualc saß in die Ferne starrend vor seinem Werk in absoluter Ruhe.
Plötzlich stand hinter ihm eine weitere Gestalt.
„Ich habe die Lichter gesehen…“, sagte sie traurig.
Esualc lachte laut auf.
„Es war wunderbar!“, grölte es aus seiner Kehle.
Er blickt hinter sich auf die Person. Sie trug einen leuchtend roten Mantel und eine rote Mütze. Weiße, buschige Nähte waren in seine Kleidung genäht.
Der Mann hatte weiße Haare, einen weißen Bart und rosige Wangen, über die nun eine Träne sickerte.
„Ich hasse dich…“, schluchzte die Person, von Trauer ergriffen.
Esualc lachte wieder, erhob sich ächzend und ging dann zurück in sein Haus. Die andere Person folgte ihm und schloss die Tür hinter Esualc. Dieser blickte hinter sich auf die Tür und sah ein goldenes, leuchtendes Schloss an seiner eisenbeschlagenen Tür. Er spuckte verächtlich aus, dann hing er seinen schwarzen Mantel in den Schrank, legte seinen Jutesack zu dem Holzknüppel und legte sich schwer atmend in seine Pritsche, neben dem ein kleiner, schmaler Holztisch stand – mit einem Wecker darauf.
Vertonung: https://youtu.be/7-ke52Dyxls