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Der Knochenwanderer (Asylum-Serie)

Warnung vor Creepypasta

ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.

Englische Version: The Bonewalker (Asylum Series)

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Nachdem ich einen tieferen Blick in eine der Patientenakten geworfen habe, wurde mir immer klarer, mit welch verrückten Arten von Krankheiten es wir hier zu tun haben. Um ehrlich zu sein, habe ich die Patienten bisher nicht wirklich als Menschen betrachtet. »Verrückt« ist ein Attribut, das jeden sofort entmenschlicht und von jedem Mitleid und Verständnis enthebt.

Es gibt bei uns beispielsweise ein Mädchen, das mit niemandem redet, dessen Schläfen sie vorher nicht nach »Nervenfasern« – was auch immer sie damit meint – abtasten konnte. Davon und von einer leichten Paranoia abgesehen scheint sie mir vollkommen bei Sinnen zu sein – früher wäre es dagegen leicht gewesen, sie nur als weitere irre Patientin abzustempeln. Ich würde zu gern wissen, was in ihrem Kopf vorgeht, aber sie hat es bisher abgelehnt, ihr Verhalten zu erklären.

Je mehr ich in den Akten lese, desto mehr wird mir klar, dass das alles echte Menschen sind, die auf unvorstellbare Art und Weise gequält wurden.

Letzte Nacht, als ich während meiner Pause wieder in Akten stöberte, fielen mir die Worte eines Mannes ins Auge. Ich kenne ihn. Er ist chronisch depressiv und zurückgezogen – aber ich kann mir vorstellen, dass er eigentlich genauso ist wie wir. Er leidet nur unter diesem Ding, das ihn im Griff hat.

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Okay, ich sag’s euch! Aber nicht mehr schocken! Ihr habt mir versprochen, mit dem Schocken aufzuhören, wenn ich es euch erzähle!

Macht doch sowieso keinen Unterschied.

Ich weiß, wie es anfing. Es ist jetzt offensichtlich, wenn ich so drüber nachdenke.

Ich ging mit Freunden zusammen die Straße entlang. Wir hatten getrunken und waren auf dem Weg zur nächsten Bar, als ein sonderbarer, widerlicher Mann mit verzweifeltem Blick mit mir zusammengestoßen ist. Er stank nach Schweiß und irgendwas anderem und von ihm ist irgendwas an mir hängen geblieben. Es traf mich an meiner Hand, vor allem an den Fingernägeln.

Es war Blut, er hat mich mit Blut bekleckert! Er erstarrte vor Schreck und entschuldigte sich. Ich glaubte ihm, aber ich wusste nicht, weswegen. Dann lief er weg.

Angeekelt wischte ich das Blut von meiner Hand und versuchte, nicht darüber nachzudenken. Für eine Weile ist danach ja auch nichts passiert.

Oh Gott, ich kann mich an jedes Detail dieser Nacht erinnern. Ich lag ganz allein in meiner schäbigen kleinen Wohnung – wie ich sie vermisse, ein Palast im Gegensatz zu eurer »Pflege«. Ich bin kurz bevor es passiert ist aufgewacht. Ich starrte meine dunkle Decke an und hatte ein dumpfes Gefühl.

Auf einmal fühlte ich nichts als Schmerz, ich war so geschockt, ich konnte nicht einmal schreien. Ich weiß noch, wie ich es angeschaut habe und nicht begriffen habe, wie geliefert ich war. Etwas Langes, Blutiges, Klingenähnliches ragte aus meinem Schienbein.

Wo kam das her? Hat mich jemand gestochen? Ich hatte keine Ahnung. Ich griff nach dem Telefon, aber hielt vor Schmerz wieder inne, als sich die Klinge bewegte. Eine zweite lange, weiße Klinge kam heraus, die beiden trennten sich und schnitten mein Schienbein auf. Ich konnte mir plötzlich sehr gut vorstellen, wie diese Klingen weitermachten und mich von innen heraus in kleine Stücke zerteilten. Jetzt wünschte ich mir fast, sie hätten es getan.

Ich hatte nicht viel Gelegenheit, in Panik zu geraten. Das Zerschneiden hörte auf. Ich umklammerte mein Schienbein und starrte es an. Dann gesellten sich noch vier Klingen zu den beiden, die schon herausschauten und – es schlüpfte heraus.

Am Anfang war ich noch ein wenig erleichtert, dass ich doch an einem Stück bleiben durfte, bis mit klar wurde, dass gerade etwas Lebendiges aus meinem Schienbein gekrochen war.

Es tropfte noch vor meinem Blut und sah sich mit sechs perlenartigen Augen in meinem Zimmer um. Es sah aus, als wäre es aus Knochen gemacht und stand auf sechs messerartigen Beinen – die Klingen, die mein Schienbein zerstückelt haben. Es war über einen halben Meter groß und erinnerte an eine Spinne.

Unerwartet, sagte es. Es hatte keinen Mund, sprach aber trotzdem.

»Unerwartet?«, fragte ich, überwältigt und sehr verängstigt.

Wer bist du?

Ich war kurz davor zu heulen und ich wollte, dass es weggeht, also sagte ich: »Niemand wichtiges.«

Falsche Antwort.

Es steckte eins seiner Beine geschickt wieder in mein offenes Schienbein, ohne das malträtierte Fleisch und das strömende Blut zu berühren. Ein scharfer Schmerz machte sich in meiner Brust bemerkbar – dieses Ding stach in meine Tibia und traf meinen Brustkorb. Etwas Breites drückte innen gegen mein Herz.

»Bitte!«, bettelte ich und Schweiß rann in meine Augen, »ich werde alles tun, was du verlangst! Ich tu’s, ich tu’s, aber bring mich nicht um!«

Annehmbar, antwortete es.

Es zog sein Bein zurück und nahm den Schmerz in meiner Brust mit.

Du wirst die Anweisungen befolgen oder qualvoll sterben.

»Ja, ja, das ist gut!«, würgte ich hervor.

Es kletterte zurück in mein Bein und dann war es weg, ohne mir Anweisungen zu geben. Ich ging ins Krankenhaus, ließ mein Bein flicken, sagte, es sei ein Unfall gewesen … und hatte den Eindruck, ich hätte mein Leben zurück.

Ich lag falsch.

Ein paar Nächte später schlüpfte es zwischen den Fäden hindurch. Bestürzt, aber gefasst, nahm ich mir vor, mir so viel wie möglich von dieser Begegnung einzuprägen. So elfenbeinfarben, dürr und tödlich wie es war, fand ich es auch irgendwie wunderschön, wie ein Insekt. Irgendwer musste sich doch mit so was auskennen.

Dann gab es mir Befehle, es brachte mich dazu, Dinge zu tun.

Es begann mit kleinen Straftaten. Ich sollte sie in einer speziellen Art und Weise verüben, sodass gefälschte Beweise übrig blieben, aber ich erfuhr nicht, warum. Es führte mich zu gefährlichen Schwerverbrechern, auch wenn andere Leute damals mein kleinstes Problem waren. Einer seiner anderen Sklaven gab mir einen Tierknochen, der mit diesem speziellen Blut behandelt war und ich musste ihn oft an irgendwelche düsteren Orte bringen.

Es kam dann aus diesem Knochen und redete mit jemandem – vielleicht jemanden, der damit umgehen konnte? Oder jemandem, mit dem es handeln musste? Ich habe ihn nie gesehen. Ich bezweifle, dass er mir helfen würde, selbst wenn ich in gefunden hätte.

Nachdem ich viele erfolglose Nächte nach Antworten oder nach Hilfe gesucht habe, gab ich auf. Ich schlug Leute zusammen. Raubte sie aus. Überfiel mit gezücktem Messer einen Gemischtwarenladen. Ich hab sogar die Fingernägel eines Mannes mit diesem verfluchten Blut bekleckert und sah zu, wie er langsam von hervorbrechenden Rasierklingen zerschnitten wurde. Seine Hand, die herabfiel, sein Bein, das von rotierenden Klingen am Knie durchtrennt wurde. Er schrie und bettelte und weinte, während er für Informationen zu Tode gefoltert wurde, mit denen ich nichts anfangen konnte. Danach sammelte ich die Leichenteile zusammen und entsorgte sie … oh Gott …

Wenn ich nichts zu tun hatte, hab ich … mich anderen Wegen zugewandt, um mich von der dunklen Verzweiflung abzulenken, die sich in mir ausbreitete.

Mein Bruder fand mich nach einigen Monaten auf der Straße. Auch hier kann ich mich an jedes Detail erinnern.

»Du musst nach Hause kommen.«, drängte er, »Wir bringen dich von den Drogen runter. Paps besorgt dir eine Arbeit.«

»Die Drogen sind nicht das Problem«, schrie ich ihn an. »Die verhindern als Einzige, dass ich meinen Verstand verliere. Der Knochenwanderer ist das–«

Während ich sprach, durchfuhr etwas Scharfes mein linkes Schulterblatt. Danach spürte ich, wie etwas an meiner rechten Lunge kratzte. Ich wurde gewahr, dass es mich beobachtete – die Nachricht war eindeutig. Wenn ich irgendwem etwas davon erzählte, würde es mich von innen her aufschlitzen.

Ich schrie daraufhin wieder meinen Bruder an: »Verzieh dich! Du kannst mir nicht helfen, also verschwinde!« Dabei fühlte ich mich genauso wie dieser widerliche, verzweifelte Mann, der in mich reingelaufen ist.

Ich nahm noch mehr von den harten Drogen. An einem Punkt war dann von meiner alten Persönlichkeit nichts mehr übrig und ich beschloss, aufzuhören – auch wenn das meinen Tod bedeutete. Auf Geheiß des Knochenwandlers kaufte ich mir ein Gewehr und lernte damit zu schießen. Er wollte, dass ich jemanden damit umbrachte, jemand Wichtiges, aber wenn er dann mit dem Namen und dem Plan daherkam, würde ich ablehnen.

Ich fragte mich, was er dann tun würde. Von innen gegen meinen Schädel schlagen, woran ich gleich sterben würde? Oder würde er aus jedem meiner Knochen brechen und mich langsam aufschlitzen, wie diesen armen, armen Mann?

Ich betrachtete die Waffe und überlegte, ob er auf meine Familie losgehen würde, wenn ich streikte. Hatte ich eine Wahl? Konnte ich auch meinen Bruder opfern? Und meine Eltern? Ich musste es so aussehen lassen als wäre es nicht meine Schuld.

Ich rief an und hinterließ einen anonymen Tipp. Als sie mich umzingelten und mir Handschellen anlegen, war ich voller Erleichterung. Ich saß im Knast, von der Polizei verhaftet, und wenn der Knochenwanderer kam, hatte er keinen Grund, meine Familie anzugreifen. Er würde mich einfach umbringen und fertig.

Allerdings kam er nicht.

Ich habe bis jetzt keine Ahnung, warum er nicht zurückkam. Und ich denke immer noch darüber nach, ob es noch weitere von seiner Sorte gibt. Was ist, wenn sie mich eines Tages holen, weil ich Bescheid weiß?

Es wird keine Vorwarnung geben. Es kann jederzeit passieren … nur eine scharfe, einschneidende Erfahrung und ich bin tot.

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Was mich an seinem Fall so fasziniert, sind die Ähnlichkeiten mit einem anderen Mann, der vor einiger Zeit grausam gestorben ist. Er war in unvorstellbarer Weise malträtiert worden – als wäre sein Gesicht von innen her abgerissen worden und andere Sachen. Seine Geschichte hat es in die Nachrichten geschafft und man hat festgestellt, dass er der Serienmörder war, der für ähnlich gelagerte Tode verantwortlich war.

Aber dieser Mann hatte behauptet, dass er es geschafft habe, die Kreatur zu erledigen.

Ich glaube, der Patient hat von dieser Geschichte mitbekommen und daraus einen Wahn entwickelt, in den er sich hineingesteigert hat.

Ich finde es faszinierend, wie nüchtern Verrücktheit erscheinen kann, vor allem heutzutage. Ich frage mich langsam, ob dieser Ort wirklich dazu da ist, den Leuten zu helfen oder ob er sie nur einsperren soll, wie Quarantäne bei einer Epidemie.

Update: Jetzt bin ich völlig davon überzeugt, dass hier etwas vor sich geht.

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Von Matt Dymerski

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