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Mondkinder – Niemand verlässt nach Einbruch der Dunkelheit seine Wohnung

In der Stadt Bisden verlässt niemand nach Einbruch der Dunkelheit seine Wohnung. Sobald die Sonne untergeht, werden die Fensterläden zugezogen, Kerzen ausgeblasen und die Türen fest verschlossen. Noch bevor der Mond vollständig aufgegangen ist, erscheint die ganze Stadt menschenleer, und es herrscht Stille.

“Hast du das gehört?”, flüsterte Freya und klang sehr ängstlich und besorgt in der Dunkelheit.
” Halt den Mund.” .” Ihr älterer Bruder, Jan, zischte mit zusammengebissenen Zähnen, als er die schwarzen Fenster des nächstgelegenen Hauses betrachtete. Sie war vermutlich verschlossen. Niemand bei klarem Verstand würde nachts die Fenster unverschlossen lassen. Jedenfalls nicht in Bisden.
“Ich habe dir gesagt, wir sollten nicht im Wald spielen”, fuhr Freya fort. “Ich sagte, wir sollten früher zurückgehen.”
“Und ich sagte, du sollst den Mund halten”, fuhr Jan fort. “Jammern über die Vergangenheit ändert nichts an der Gegenwart.” Jan sah seine Schwester an, die im Dunkeln zitterte. “Das ändert nichts an der Situation, in der wir uns befinden.”

Bevor Freya antworten konnte, schwebte das leise Geräusch von Kinderlachen im Wind. An Jans Hals und Armen breitete sich eine Gänsehaut aus. Etwas an dem Geräusch schien… falsch zu sein.

“Vielleicht gibt es noch andere…”, Jan drückte seine Hand über Freyas Mund. Er zog sie zu sich heran und schlich sich in den Schatten der Gasse zurück. Wieder schwebte das unheimliche Geräusch durch die Luft. Freya krallte sich in Jans Arm fest, als sie das Ausmaß ihrer Situation erkannte. Die Stimme eines Kindes, seltsam verzerrt, durchbrach die Stille der Nacht wie eine Faust einen Spiegel.

“Komm raus, komm raus, wo immer du bist!”

Das Ding trampelt über den Eingang der Gasse – nur wenige Meter von Jan und Freyas Versteck entfernt. Es war ungefähr so groß wie ein Kind, doch schlurfte es mit grotesker Körperhaltung, wobei seine Arme so dicht am Boden hingen, dass sein unverhältnismäßig kleiner Körper stark affenähnlich wirkte. Es war völlig nackt und seine Haut war so erschreckend weiß, dass sie den Schein des Mondes widerspiegelte. Das Ding drehte seinen schimmernden kahlen Kopf in Richtung der Gasse, als es die Straße überquerte. Sein Gesicht war vollkommen glatt und ganz ohne Gesichtszüge – abgesehen von einem unfassbar breiten Lächeln mit dünnen Lippen in der Farbe von Blut. Der karmesinrote Schlitz seines Mundes schien sich von Ohr zu Ohr zu erstrecken. Jan fühlte, wie sich Wärme über seinen Oberschenkel ausbreitete, als seine Blase nachließ.

Freya wimmerte.

Das Ding erstarrte in der Mitte des Schrittes, sein Körper wurde steif wie Stein. Langsam drehte es seinen Oberkörper, bis es der Gasse zugewandt war. Es machte einen vorsichtigen Schritt vorwärts. Freya holte einen schnellen Atemzug durch ihre Nase ein, als sie zu hyperventilieren begann. Jan klemmte seine Hand über ihren Mund, aber es war zu spät. Unglaublich schnell drehte das Ding seinen Kopf in Richtung ihres Verstecks und erzeugte ein widerliches Knacksen im Nacken.

“Ich habe dich gefunden!”

In der Stadt Bisden verlässt niemand nach Einbruch der Dunkelheit sein Haus. Jeden Tag wird den jungen Leuten strengstens befohlen, bei Einbruch der Dunkelheit zu Hause zu sein. Man erzählt ihnen von dem Bösen, das nachts durch die Straßen spukt. Es wird ihnen gesagt, dass sie immer schweigen sollen, denn wenn sie Sie hören
Die Mondkinder werden Sie in Stücke reißen.

 

Original
AutorRadLad

 

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