MittelMordPsychologischer Horror

Monstrum

Warnung vor Creepypasta

ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.

 

,,Das Kleinkind macht die Augen zu

und schläft in selig tiefer Ruh.“

Seit Dora, unsere Reinigungskraft, vor einer halben Stunde die Fenster geöffnet hat, um das Gebäude ein wenig zu lüften, zieht der kalte Hauch des Windes durch die menschenleeren Flure und lässt sie somit um einiges kälter werden, als sie es ohnehin schon sind. Gerade in den Nachtschichten spürt man die Präsenz des Todes umso deutlicher an diesem unheilvollen Ort, sowie diese unerträgliche Einsamkeit, die mit jedem Leichnam, der durch diese Gänge getragen wird, beklemmender zu werden scheint.

Die schon beinahe schauerliche Stille wird durch die schweren und gehetzten Schritte durchbrochen, die in den dunklen Fluren widerhallen und sich sehr schnell dem Ort nähern, an welchem ich auf meinen viel zu träge heranrückenden Feierabend warte. Aus der nahezu undurchdringlichen Finsternis schält sich die Silhouette eines breitschultrigen, hochgewachsenen Mannes, der sich verstohlen umguckt.

Ein durchaus amüsanter Anblick, denn der Kerl sieht aus wie der große Bruder von Dwayne Johnson und dennoch schaut er drein wie ein kleines Kind, das etwas Unanständiges getan hat und nun damit rechnet, jeden Moment bestraft zu werden.

,,Sieht gar nicht so aus wie ein Kinderhospiz,“ sagt er mit einem hörbar nervösen Unterton in der Stimme.

Eine unnötige Aussage, die er seinem Blick nach zu urteilen auch schon bereut. Die fröhlichen Bilder, die bunt bemalten Wände und die riesigen Stofftiere, die in jeder Ecke der Einrichtung platziert worden sind, dienen schließlich dazu, die Kinder von ihrem bereits besiegelten Schicksal abzulenken. Weiße, kalte Gänge würden ihnen den unausweichlich bevorstehenden Tod, der sie schon bald aus dieser Welt reißen wird, nur umso deutlicher vor Augen führen. So wie es jetzt ist, können sie wenigstens die letzten Monate, Wochen oder Tage zumindest mit einem Gefühl der Sicherheit verbringen.

Manchmal gab es Momente in meinem Leben, in denen ich sie beneidete. Denn sie waren etwas, was ich mir immer für mich gewünscht hatte – frei von Zukunftsängsten. Klar haben viele der Kinder Angst vor dem Sterben, aber es war ihnen gewiss, dass es passieren würde, während Menschen wie ich Tag für Tag darum bangten wie es mit ihnen wohl weitergehen würde. Manche, wenn nicht sogar jeder würde mich nun für undankbar halten, aber stellt euch folgendes Szenario vor:

Ihr sitzt in einer Arztpraxis, und ein Doktor steht hinter euch, bewaffnet mit einer riesigen Spritze, von der ihr wisst, dass sie euch den schlimmsten Schmerz eures Lebens bereiten wird. Neben euch bekommt eine weitere Person ganz genau dieselbe Spritze, wird jedoch vorgewarnt und erhält die peinigende Injektion sofort verabreicht, während ihr unvorbereitet und voller Angst vor den kommenden Qualen dasitzt, um darauf zu warten, dass all dies bald vorbei sein wird. Wenn ihr euch in solch eine Lage hineinversetzen könnt, dann wisst ihr nun auch, wie ich tagein tagaus empfinde. Die Rolle des Patienten wird hierbei von den Kindern verkörpert, die ich bis zu ihrem Ende pflegen muss; und der Arzt – ist der Tod…

Ohne auch nur ein Wort zu sagen, deute ich dem immer nervöser werdenden Schwarzenegger-Duplikat, mir zu folgen. Vor Zimmer 118, dem Raum am Ende des hintersten Ganges, bleibe ich schließlich stehen und halte ihm erwartungsvoll meine Hand hin, in die mein Besucher einen zerknitterten 500-Euro-Schein legt. Zufrieden beginne ich zu lächeln, hole meinen Schlüsselbund hervor und öffne leise die Zimmertür.

Als der Mann das schlafende Mädchen in ihrem Bett erblickt, beginnt sich auf seiner vorher noch so unsicheren Miene ein durch und durch widerliches Grinsen auszubreiten, und ich kann förmlich die Gier in seinen Augen aufblitzen sehen. Während er über die Schwelle tritt, schließe ich hinter ihm die Tür und wache mit Adleraugen über den verlassenen Flur, welcher der immerzu präsenten Einsamkeit auch hoffentlich treu bleibt.

Während ich meinen kleinen Nebenverdienst mit einem verschmitzten Lächeln in meiner Hosentasche verstaue, ertönt hinter mir das durch die Tür gedämpfte Stöhnen des Mannes. Wir leben in einer grausamen und schmutzigen Welt; ich passe mich ihr nur an, um nicht selber in dieser Hölle unterzugehen. Der Name des Mädchens, welches soeben jenseits dieser Tür unfreiwillig die fleischlichen Gelüste meines Kunden befriedigt, lautet übrigens Daisy. Sie kam vor knapp einem Monat mit ihren fünf Jahren in unsere Einrichtung, nachdem die Ärzte einen im Endstadium befindlichen Lungenkrebs bei ihr diagnostizierten. Diesen Ärzten zufolge würde sie die heutige Nacht mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht überleben; demnach wird sie mit dem, was ihr soeben angetan wird, nicht leben müssen, und das Geheimnis darüber, wer es ihr angetan hat, wird sie mit ins Grab nehmen.

Meine Kunden zählen schließlich darauf, dass meine Ware über das Geschehene Stillschweigen bewahrt. Die Meisten bekommen jedoch von vornherein nichts von dem Missbrauch mit, da ich ihnen ungefähr eine Stunde vor dem vereinbarten Termin ein Betäubungsmittel verabreiche. Immerhin muss ich ja auch sichergehen, dass sie nicht schreien oder sogar fliehen.

Das Stöhnen wird lauter, ich höre, wie das Bett durch die ruckartigen Bewegungen unter seinem massigen Leib zu quietschen beginnt. Hoffentlich wird dieser perverse Drecksack bald abspritzen und verschwinden. Ich muss mich dann nur noch um den Rest kümmern, und dann ist die Nacht vorbei, dieses Schwein glücklich und ich um 500 Euro reicher. Er stöhnt laut auf, beginnt dann schwer zu keuchen, und schließlich fängt seine Atmung damit an, sich langsam wieder zu normalisieren. Das ist mein Stichwort.

Vorsichtig öffne ich die Tür und sehe gerade noch, wie er sich die Hose zuknöpft. Sein widerliches Grinsen hat sich verflüchtigt. Nun zeichnet sich ein ganz anderer Ausdruck auf seinem Gesicht ab – Scham. Bisher zogen alle meine Kunden diese reumütige Fratze, nachdem sie ihren Akt vollendet hatten. Verständlich, dass ein Mensch so dreinschaut, nachdem er ein todkrankes Kind gefickt hat. Von jedem Einzelnen war es stets das erste Mal, und ich habe nie zweimal dieselbe Person in diesem Gebäude angetroffen. Vermutlich waren die Gewissensbisse zu groß; ich glaube, einige von ihnen haben später sogar Suizid begangen, jedenfalls meine ich einige vertraute Gesichter in der Zeitung wiedererkannt zu haben.

Auch ich habe bei meinen ersten Deals stets mit mir gerungen, war so oft kurz davor, die Polizei über meine scheußlichen Machenschaften in Kenntnis zu setzen, doch – ich konnte es nicht. Ich lebte alleine, stand bis zum Hals in den Schulden und durch meine Pflegedienstleistungen hätte ich niemals genug verdient, um diese Schulden abzuarbeiten. Was ich tat – was ich weiterhin tue – ist mindestens genauso krank wie das, wonach es meiner Kundschaft verlangt, und dessen war ich mir auch immer bewusst.

Es ist nur so, dass ich mit der Zeit… abgestumpft bin. Die ersten Male konnte ich tagelang nichts essen oder trinken, stand stundenlang in der Dusche, um den Schmutz zu entfernen, der jedoch nicht an meiner Haut klebte, sondern sich bereits wie ein Parasit in meine Seele gefressen hatte. Aber ich machte weiter; die Gier nach Geld verwandelte mich in etwas Abscheuliches – ein Monstrum.

Mit der Zeit fiel es mir jedoch immer leichter, dieses Monstrum zu sein, und schon bald waren diese absolut grässlichen Taten nichts weiter als Routine für mich. Ich bin selbstsüchtig. So wie jeder Mensch klammere auch ich mich verzweifelt an meinen Selbsterhaltungstrieb, auch wenn die meisten Leute für ihr eigenes Wohl nie so weit gehen würden, wie ich es getan habe.

Kaum zu glauben, wie leise solche Muskelprotze laufen können, wenn sie etwas unaussprechlich Böses getan haben. Ich schaue ihm nur kurz nach und sehe, wie er durch eine der Hintertüren verschwindet. Wenige Sekunden darauf stehe ich neben Daisys Bett, um zu kontrollieren, ob er sich an die Regeln gehalten hat. Blaue Flecken hat er keine hinterlassen, ebenso wenig wie Kratzspuren oder anderweitige physische Schäden. Er hat ein Kondom benutzt, worauf ich immer ein ganz besonderes Auge habe, denn nur der kleinste Tropfen Samenflüssigkeit würde uns auf der Stelle für mehrere Jahre ins Gefängnis befördern.

Nun ist es Zeit für den letzten Schritt. Die Kleine tut mir leid, auch wenn meine Empathie inzwischen so gering ist, dass sie auf einen Stecknadelkopf passen würde. Dennoch ist sie letztendlich nichts weiter als ein unschuldiges Kind, das leben will, bis die Tumore in ihren Bronchien diesem Traum ein jähes Ende bereiteten. Die Ärzte äußerten die Befürchtung, dass Daisy höchstwahrscheinlich einem Erstickungstod erliegen würde…

Ich muss nicht einmal viel Kraft aufwenden, um ihr mithilfe ihres rosafarbenen Blumenkissens, das ihre Eltern ihr vor zwei Wochen zum Geburtstag schenkten, die Luft abzudrücken. Binnen weniger Sekunden hört ihr kleiner Brustkorb damit auf, sich zu heben und zu senken. Durch das Fenster fallen die ersten Strahlen der am Horizont aufgehenden Sonne. Die Nacht ist vorbei, der Mann, welcher kam, um seiner krankhaften Lust Befriedigung zu verschaffen, ist inzwischen vermutlich über alle Berge, und ich – ich nähere mich weiter dem Ende meiner Schulden, die mich erst in diesen Horror getrieben haben.

Niemand wird Verdacht schöpfen; jeder wird glauben, dass der Krebs sie dieser Welt entrissen hat – genauso wie die letzten Male. Vielleicht kommt in baldiger Zukunft der Tag, an dem ich diesem Schrecken ein Ende bereiten kann, doch vielleicht liegt dieser Tag auch noch Jahre von mir entfernt.

Im Laufe des Tages, vermutlich innerhalb der nächsten zwei oder drei Stunden, werden sie die Leiche finden, und dann wird wieder ein Zimmer frei werden, so wie es all die Jahre zuvor bereits stattgefunden hat… und wie es voraussichtlich die nächsten Jahre stattfinden wird. Die Sonne geht auf. Daisy ist tot.

,,Das Kleinkind stirbt und geht ins Licht

nur tote Zeugen reden nicht.“

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