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Scent of Magnolia

Warnung vor Creepypasta

ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.

Blumen. Überall Blumen. Sie waren vor mir, hinter mir und zu
allen anderen Seiten, umgaben mich mit ihrem parfümierten Atem. So wie sie es
schon immer getan hatten. Mein ganzes Leben lang waren sie da gewesen, als Kind
hatte ich mit ihnen gespielt, als Jugendlicher hatte ich mich immer um sie
kümmern müssen und nun hatte ich täglich mit ihnen zu tun, seit ich vor ein
paar Jahren die Gärtnerei meines Vaters übernommen hatte. Und ich war gerne
Florist. Ich mochte es, aus einzelnen kleinen Dingen ein Gesamtwerk zu
errichten, das in seiner Pracht die Schönheit der einzelnen Bestandteile noch
überstrahlte. Ich mochte es, mir zu den verschiedenen Anlässen immer wieder
neue Gestecke einfallen zu lassen, mich in dieser Art Kunst völlig auszuleben.
Ich mochte es einfach, mit Blumen zu arbeiten.

Am schönsten war es immer hier, im Hinterzimmer, wo ich mich
ganz entspannt für ein paar Stunden in meine Arbeit vertiefen konnte und
einfach nur mein Ding machte, umgeben von ihrer Schönheit und betört von ihrem
Geruch. Oh ja, dieser Geruch. Die feinen Düfte von Regen, Blütenstaub und dem
ganz eigenen Parfüm der Natur, alles zusammen in einem Gemisch, an dem ich nur
einmal kurz schnuppern musste, um sofort wieder in die Tage meiner Kindheit
zurückgeworfen zu werden.

In die glücklichen Tage, an denen ich als kleiner Junge stundenlang
durch den Laden tollte, meinem Vater bei der Arbeit zusah und immer heimlich
ein paar der zärtlichen Pflänzchen stibitzte, um dann am Abend meiner Mutter immer
einen kleinen Strauß präsentieren zu können. Jedes Mal, wenn ich wieder in
dieser Stube stehe, erklingt ihr liebevolles Lachen wieder in meinen Ohren und
ich spüre beinahe ihre warmen Hände, wie sie mir durch die Haare wuscheln.

Oft denke ich auch zurück an die langen Nächte, in denen ich
meinem Vater, nun schon als Jugendlicher, bis zum nächsten Morgengrauen dabei
helfen musste, fulminante Arbeiten fertig zu bringen, um unsere Familie über
Wasser zu halten und einen Teil zur Behandlung seiner Krankheit beizutragen.
Ich glaube, das war die Zeit, in der ich die Arbeit des Floristen zum ersten
Mal als Kunst verstanden habe und immer, wenn wir endlich fertig waren und ich
ihn ansah, wie sich die Morgensonne langsam auf sein Gesicht fiel, sah ich dort
einen Ausdruck von solch vollkommenem Glück, das zu erlangen von da an mein
größter Wunsch war.

Was mir ja auch gelang. Ich fand mit der Zeit sogar noch
mehr Spaß an dem Beruf als mein Vater, ich war gesund und ich lernte die
tollste Frau kennen, die ich mir nur hätte vorstellen können. Wir heirateten,
bekamen Zwillinge und für einige Zeit war ich wahrhaftig glücklich. Es war ein Gefühl,
das sich nur schwer beschreiben lässt, ich stand mit einem Lächeln auf und ging
wieder mit einem zu Bett, das ganze Leben war wie ein einziges wunderschönes Liebeslied
und in mir hatte ich so viel Freude, dass ich schon fast zerplatzte. Aber
irgendwann war diese Zeit leider vorbei. Mein Vater erlag schlussendlich seiner
Krankheit, daraufhin zerbrach meine Mutter an ihrer Trauer und gab sich dem
Alkohol hin, welcher sie dann tiefnachts 
gegen einen Baum rasen ließ. Meine Kinder gingen aufs Internat, was
ihnen zwar die bestmögliche Ausbildung verschaffte, aber immer nur aufeinander
zu hocken bekam meiner Frau und mir nicht gut, wir stritten uns andauernd und
es wurde zunehmend schwerer, die Liebe gegen all die negativen Gefühle zu
verteidigen.

Doch das ist ja jetzt zum Glück wieder vorbei. Wir haben uns
schon seit Wochen nicht mehr gestritten, zwischen uns herrscht eine nie
dagewesene Eintracht, nicht mal mehr ein annähernd negatives oder
kritisierendes Wort kommt mehr aus ihrem Mund, es ist alles besser geworden,
seit…

Die Klingel an der Ladentür reist mich aus meinen Gedanken.
Bestimmt will der Kunde seinen Strauß abholen, an dem meine Hände die ganze
Zeit mechanisch gearbeitet haben. Ich atme noch einmal den Duft dieses Raumes
ein. Es riecht nach Tulpen. Und Rosen. Aber unter allen sticht die Magnolie
noch hervor, ihr Parfüm strömt durch den ganzen Raum und verbreitet eine
süßliche, schwere Note. Allerdings etwas zu viel, ich werde das nachher noch
ändern müssen. Naja, später, schließlich wartet der Kunde. Mit diesem Gedanken
eile ich aus meinem kleinen Arbeitszimmer, gehe hinaus in den Laden und lasse
meinen Tisch hinter mir, der übersät ist mit allerlei verschiedenen Dingen.

Mohnblumen. Tulpen. Lilien. Rosen. Astern. Der Leiche meiner
Frau.

Ich liebe Magnolia über alles und seitdem ich ihr das Kissen
ins Gesicht gedrückt habe läuft unsere Ehe besser denn je. Auch wenn sie in den
letzten Tagen ziemlich an Schönheit verloren hat. Und irgendwie riecht sie auch
komisch, ich weiß nicht genau warum sie sich so gehen lässt. Aber zum Glück
habe ich meine Blumen, die so einen komischen Geruch mit ihrem lieblichen Duft
überdecken.

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