GeisteskrankheitKurz

Totengräber

Der Totengräber
Nachts wandert er mit einer Schaufel und einer Öllampe über den tiefschwarzen Friedhof. Ein Menschen zwischen der Welt der Lebenden und der Toten. Und er gibt darauf acht, dass die Welten nicht aufeinander treffen.

Das sind die Dinge, die man sich erzählt, wenn es im Film und Fernsehen um meinen Beruf geht. Ich meine, er ist generell nicht mehr das was er mal war. Mittlerweile macht 80% meiner Arbeit nur noch die Bürokratie aus. Einer der einzigen Sachen, die noch gleich geblieben sind, ist das Graben der Löcher per Hand. Ziemliche Knochenarbeit, aber ich denke ich kann mich nicht beklagen. Für meine Arbeit werde ich nicht schlecht bezahlt. Ich bekomme Zuschüsse und die Arbeitszeiten halten sich auch in einem normalen Rahmen, eine nette Abwechselung wenn man aus einer Bäckerei kommt, man hat nicht mehr diesen ganzen Stress, auch wenn der Rücken genau so leidet.

Man sieht viel, wenn man länger hier ist und die Gräber pflegt. Trauer über einen verstorbenen Geliebten, Freude über den Tod eines Peinigers und vieles mehr. Eigentlich sieht man alles was ein Mensch fühlen kann. Man härtet nach einer Zeit ab, man lernt mit dem Tod und mit Gefühlen umzugehen. Irgendwann ist es für jeden mal Zeit zu gehen. Einige sterben früher, andere sterben später. Die Glücklichen sterben ruhig im Schlaf, die weniger Glücklichen leiden beim Ableben. Ich bin nur ganz froh das ich die Toten nicht mehr sehen muss, ich glaube mir würde das Ganze schwerer fallen, wenn ich die Leute noch zuordnen würde. Wenn es nur Särge sind kann man nicht so sehr ins grübeln kommen.

Am Anfang war das größte Problem eigentlich die Nachtschichten. Ein Friedhof ist Nachts tatsächlich wesentlich gruseliger als am Tag, aber irgendwer muss ja nachts aufpassen das die Jugendlichen keine Randale machen, die Gräber verwüsten oder beschmieren.

Ich schweife ab…soviel möchtest du wahrscheinlich gar nicht hören, oder? Ich bin fast fertig! Ich will dich nur schnell aufklären, warum wir hier sind. Naja, auch wenn die Meisten der alten Sagen nur Geschichten sind, ist nicht alles gelogen. Ich muss der Totenwelt Opfer bringen, damit Sie nicht versuchen hierher zu gelangen. Nimm es bitte nicht persönlich. Du wirkst sympathisch, aber ich muss meine Arbeit machen. Ich hoffe, du verstehst das. Ich gebe dir einen Tipp: Wenn ich den Rest zuschütte, solltest du aufhören zu schreien. Sand brennt nämlich ein wenig im Rachen.

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