KreaturenMittellang

Projekt Skrillker

Warnung vor Creepypasta

ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.

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1. Wie weit noch?

2002 Ende März
Gorodez, Russland

“Wie weit ist es noch? Und warum bist du zu unfähig, ein Auto zu benutzen oder zum Beispiel ein Fahrrad.”
“Halt dein Maul…”
“Warum sind so viele dumme Menschen so sehr von sich überzeugt…?”
“Ich kann dich hören!”

Thorne verlor langsam seine Geduld. Sie liefen bereits seit drei Stunden durch diesen Wald nordöstlich der Stadt Gorodez im tiefsten Russland. Sie mussten beide zu Fuß den Wald durchqueren, um nicht entdeckt zu werden. Eine Vorgehensweise, welche Thorne’s Partner Sev gar nicht gefiel. Sie beide hatten dasselbe Ziel. Einen Multimillionär namens Erik Vasker, gut versteckt in seiner Datscha irgendwo im Nirgendwo… und während Sev die Mission im hellgrauen Maßanzug antrat, legte Thorne mehr Wert auf Tarnung.
Sie beide kannten sich nicht wirklich und arbeiteten nur für diesen einen Job zusammen.
Leichtfüßig kam er hinterherstolziert. “Weißt du, viele Killer tragen zum Beispiel eine Maske als Einschüchterung, oder um ihren Opfern Angst zu machen, aber du brauchst das gar nicht. Das, was du Gesicht nennst, erzielt den selben Effekt.”

Thorne wusste nicht viel über Sev, er war vermutlich um die 22 und hatte weißes Haar, wobei ein paar Strähnen stets sein linkes Augen überlagerten. Er konnte akzentfrei über neun Sprachen, war nach Angaben seiner Auftraggeber angeblich einer der Besten und hatte das Talent, allen und jedem auf die Nerven zu gehen.

Außer ihnen beiden war es totenstill. Nur das Rauschen des Windes und das gelegentliche Knacken eines zerbrechenden Astes zerschnitt die Dunkelheit.
Der Wald hatte etwas allgemein Friedliches..
“Ich hab das Gefühl, du kannst mich nicht besonders leiden”, stellte Sev mit einem nachdenklichen, aber zugleich fröhlichen Ton fest. “Dabei hatten wir bisher nur Spaß auf unserer Mission.”
“Du hast drei Jugendliche ermordet”,
knurrte Thorne.
“Sie haben Krach gemacht!”
“Sie haben Musik gehört!”
Sev verschränkte verärgert die Arme.
Sie gingen beide weiter. “Auf dem Rückweg schließen wir uns aber ein Auto kurz, damit das klar ist, ich halte dieses Anschleichen für absolut unnötig!”
“Warum in Gottes Namen musst du ständig diskutieren?”
“Ich diskutiere nie. Ich erkläre nur, warum ich Recht habe.”
“Zwei Kilometer nördlich des Anwesens ist ein Heli, welcher dann für uns bereitsteht. Der Pilot ist geschmiert… und jetzt halt’s Maul!”

Thorn begann zu überlegen, wie die Chancen standen, Sev einfach zu erwürgen. Plötzlich begann sich der Wald zu lichten und die Bäume gaben die Sicht auf ein großes Haus mit einer prächtigen Fassade frei. Es stand einfach unberührt auf einer Lichtung inmitten dieses Walds.

Thorne ging in die Hocke, nahm einen Feldstecher hervor und observierte das Gelände. “Hier stimmt was nicht… keine Wachen oder Sicherheitsvorkehrungen. Nach unseren Informationen sollten mindestens vier Personen hier draußen stationiert sein…
Okay, pass auf, wir bleiben in Deckung und…”
Thorne blickte auf. “Sev?”

Sev lief unbekümmert auf die Datscha zu. Thorne gefror das Blut, bevor es zu kochen begann. Sev hatte das Anwesen erreicht und winkte zurück. Thorne hechtete so schnell vor, dass er etwas Dreck aufwirbelte. Im Schutze der Nacht erreichte er ebenfalls die Datscha und packte Sev am Kragen. “Was sollte das jetzt? Willst du, dass wir auffliegen?” Sev blinzelte. “Du sagtest doch, dass du Luft rein wäre, und außerdem wollte ich nicht in der dreckigen Deckung hocken und mein Outfit ruinieren!” Thorne hob die Faust, als plötzlich ein Schrei aus dem Haus erklang, gefolgt vom entfernt klingenden Geräusch einiger Maschinengewehre. Thorne und Sev blickten auf.
Auf Sevs Gesicht breitete sich ein breites Grinsen aus. “Ich weiß nicht, was da drin los ist, aber ich will mitmachen!” “Du bist gefälligst still und befolgst meine Anweisungen!”, zischte Thorne.

Er ließ von Sev ab und betrachtete die Datscha genauer. Dann lief er zu einem kleinen, grauen Kasten. Mit einem Stein brach er das Vorhängeschloss auf und machte sich ans Werk. Es war erkennbar kein normaler Stromkasten. Die Technik wirkte umfangreicher und die Verfassung war in einem einwandfreien Zustand. Vaskers Mitarbeiter taten gute Arbeit mit der Instandhaltung des Geländes.
“Laut der Daten verbraucht das Gelände normalerweise soviel Strom wie eine ganze Neubausiedlung, doch scheinbar gibt es da gerade eine kleine Unterbrechung.” “Unterbrechung?”           “Vielleicht ist ein Baum oder etwas dergleichen auf die Überlandleitung gestürzt.” 
Es erklangen erneut gedämpfte Schreie. “Ich weiß ja, dass manche Menschen ohne eine funktionstüchtige Kaffeemaschine oder zum Beispiel Pay-Tv nicht leben können, aber das ist eeeetwas übertrieben.” Es erklang ein Schuss.
Thorne blickte auf. “Wir müssen da rein und die Gunst der Stunde nutzen. In dem Durcheinander ist es wahrscheinlich einfacherer, Vasker zu töten.”          “Brilliant!” 
Thorne stöhnte auf. “Was ist denn dein Plan?” Sev überlegte kurz. “Wir töten Vasker in dem Durcheinander!”    “Ein guter Plan” befand Thorne.
Sev nickte. “Manchmal bin ich einfach genial.”

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2.  Ist jemand Zuhause?

Thorne knackte das Schloss einer Seitentür und öffnete sie behutsam. Im Inneren des Hauses stand bereits Sev und kontrollierte seinen Schalldämpfer. Offenbar hatte dieser sich einfach durch ein ungesichertes Fenster geschoben. Sev seufzte und sah langsam zu der Seitentür, dann auf seinen Partner. “Du hast keine Phantasie, weißt du das?” 
Thorne marschierte an ihm vorbei, seine Pistole, eine AMT Hardballer mit Schalldämpfer, im Anschlag.
Die Datscha war stilvoll eingerichtet. Der weinrote Teppich und die cremigen Wände verursachten sofort ein gewisses Gefühl der Zufriedenheit. Von den vereinzelten Blutspritzern an Wänden und einigen Patronenhülsen auf dem Boden mal abgesehen.

“Was wollte uns der Künstler damit sagen?“, fragte Sev nachdenklich. “Das werden wir noch herausfinden“, flüstere Thorne zurück. Der blutigen Spuren verrieten sofort, dass durch diesen Flur etwas durchgeschleift wurde.
Sev ging, ohne das leiseste Geräusch von sich zu geben, näher an eine der Blutlachen. Er zog seinen rechten Handschuh aus, fuhr mit dem Finger durch das Blut, leckte daran und spuckte es kurz danach aus. “Menschenblut…”, stellte er unbeeindruckt fest.
“Das hast du am Geschmack festgestellt?” 
Er blickte auf. “Ja natürlich, aber sei nicht traurig. Es gibt auch Dinge, die du dafür richtig toll kannst…” Er blickte sich hilfesuchend um. Seine Augen blieben an der aufgebrochenen Seitentür hängen. Sevs Augen weiteten sich. “Du bist unschlagbar in Türen aufbrechen!”

Thorne warf ihm einen finsteren Blick zu und beide schlichen weiter durch die Flure. Das Anwesen war größer als zuvor gedacht und die Räume hatten hohe Decken und mit Gemälden behangene Wände, aber weit und breit war keine Menschenseele. Nur vereinzelte Überbleibsel zeugten von dem fehlenden Wachpersonal.
Während beide mithilfe des Teppichs lautlos durch das Haus schlichen, erklang ein Ruf, dann war ein kräftiges Rumsen zu hören und es war wieder still.
“Das kam irgendwo von weiter unten. Das Haus scheint unterirdisch ausgebauter als gedacht.” Sev nickte zustimmend und wollte gerade etwas darauf erwidern, als plötzlich ein Alarm die Stille zerriss.   “Ich dachte, sie haben keinen Strom mehr?”
“Muss eine Notstromversorgung sein”,
murmelte Thorne.

An den Fenster und Türen schossen Metallplatten herunter und das gesamte Haus riegelte sich hermetisch von der Außenwelt ab. Sie saßen in der Falle.
Thorne ging zum Haupteingang und untersuchte ein kleines, graues Feld. “Ich glaube, wir brauchen ein passendes Auge oder etwas ähnliches.”    Sev wirkte enttäuscht.
“Also müssen wir Vasker holen und ihn bis dahin am Leben lassen, um hier raus zu kommen?”
“JJJJa.”
“Fuck! Wieso baut er sowas überhaupt ein? Was treibt der hier eigentlich? Mal ehrlich… feiern die hier irgendwelche Orgien?” 

Thorne überlegte. “Vasker ist im Vorstand eines gigantischen Konzerns, welcher sich mit biochemischer Forschung, Genetik und so einem Kram befasst. Er musste aus ethischen Gründen viele Projekte einstampfen. Vielleicht hat er hier wichtige Daten und Unterlagen.”

“Oder er ist Satanist und schmeißt hier seine Partys! Satanisten wissen immerhin, wie man richtig Party macht!” Sev grinste. Thorne rollte mit den Augen. “Konzentrier dich lieber darauf, den Weg in die unteren Etagen zu finden!”
Durch das fehlende Mondlicht, welches kurz zuvor noch durch die Fenster gefallen war, war es nun viel dunkler geworden. Die Sirene hatte sich nach zwei Minuten abgeschaltet und nur das von einigen kleinen Lampen leicht rote Licht erhellte die Flure. Es herrschte eine seltsam gedrückte Stille.
Doch etwas durchschnitt die rote Dunkelheit. Es war ein Licht, ein leicht blaues Licht am Ende des Ganges. Thorne gab Sev ein Handzeichen und zusammen kamen sie in einen größeren Raum mit einer Sitzecke und einigen Pflanzen. Eine der Wände stand jedoch klaffend offen.
“Wow… eine Geheimtür… wie klischeehaft”, bemerkte Sev und drückte den versteckten Eingang weiter auf. Dahinter kam eine Treppe zum Vorschein.

In der Etage über ihnen begann sich etwas zu bewegen. Sie beide hörten eine Art Glasschrank umkippen. Dann war es kurz still, bevor etwas anderes zu Bruch ging, nun etwas näher an der großen Treppe, welche nach oben führte.
“Wir sollten den Job hinter uns bringen. Lass uns Vasker holen, mit ihm die Türen öffnen und dann hier verschwinden”, sagte Thorn leise.
“Wow”, hauchte Sev ehrfürchtig… “Du bist so…”  “Jetzt geh endlich die Treppe runter!” 
Für Thorn stand jetzt eine Sache fest: Wenn das hier vorbei war, würde er Sev irgendetwas antun.

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3.  Machenschaften

Sie stiegen circa 200 Stufen in die Tiefe, bis sie letztendlich in einer Art Forschungsabteilung ankamen, welche stark einem hochmoderne Krankenhaus glich. “Das erklärt den Stromverbrauch“, murmelte Thorne.
Sie kamen am ersten Raum vorbei, welcher eine Art Operationssaal war. Sev spähte unbekümmert herein, Thorne gab ihm Deckung. In der Mitte des Raumes lag, auf einem Tisch festgeschnallt, ein junger Mann. Er konnte nicht älter als 20 sein. An verschiedenen Stellen an seinem Körper waren kleine Gummischläuche angebracht. Durch manche wurde eine dunkle, fast schwarze Flüssigkeit in seinen Körper gepumpt. Andere Schläuche sogen ihm das Blut aus dem Körper. Die Gummischläuche waren mit einer leise brummenden Maschine verbunden, welche sich direkt unter dem Tisch befand.
“Fuck, was soll das hier?” Thorne versuchte das Schauspiel vor sich zu verstehen. Sev schnappte sich eine Akte von einem Beistelltisch und begann die Seiten zu überfliegen.
Thorne trat näher an den Tisch. Der Raum war gefüllt mit verschiedenen Eimern, welche voll mit verschmutzen Operationsutensilien waren.
“Ich denke mal, dem ist nicht mehr zu helfen, aber was soll das hier überhaupt bewirken?”

Sev blickte auf. Er hob seine Pistole und schoss dem reglosen Körper dreimal direkt in den Kopf. Blut und etwas der dunklen Flüssigkeit spritzte heraus. “Fuck!”, fluchte Thorne und versuchte nichts abzubekommen.
“Das sollte reichen”, meinte Sev zufrieden. “W… Was? Warum?” Thorne starrte Sev an.
Dieser sah ihn neugierig an.
“Ich habe ihn geheilt.”   “Du hast ihn getötet.”  “Ach komm, das war er doch schon.”  
“Gehen wir weiter, du verdammter Soziopath!”, knurrte Thorne. Sie verließen den Raum, in welchem jetzt nur noch eine Leiche lag, und kamen an eine Kreuzung. Links ging es laut eines kleinen Schildes in den Archetyp-Sektor, rechts in den Testsubjekte- und Erzeugnis-Sektor.
Sev blickte kurz in den linken Flur. Der gesamte Flur war blutgetränkt und ein gutes Dutzend Soldaten lag zerfetzt auf dem Boden oder an die Wände gelehnt. Sev begann zu nicken.
“Ich geh hier entlang und suche Vasker, schau du dir ruhig die Testsubjekte an. Wenn du etwas findest, schrei lieber nicht so laut! Scheinbar sind wir nicht allein.”

Ungewohnterweise hatte Sev mal etwas Sinnvolles gesagt. Thorne sah zu, wie er mit Anlauf seitwärts gegen die Wand sprang, sich von ihr abstieß und somit elegant über die Blutpfützen und Körper gelangte. Der rechte Gang war fast völlig unversehrt, aber Thorne hatte kein Problem, Sev einmal die Drecksarbeit machen zu lassen.
Er setzte sich in Bewegung und das Erste, was er nach kurzer Zeit vernahm, war, dass durch die Notstromversorgung anscheinend die Lüftung ausgefallen war und sich ein muffiger Geruch in den Fluren verbreitete; es roch… für Thorne war es unbeschreiblich… nach Eiter? Es roch einfach widerlich. Nach einer schwer zu öffnenden Tür kam er in einen sehr langen Raum.
Auch hier waren tote Soldaten, an Steuerkonsolen gestützt oder in Blutpfützen liegend.
An den Seiten waren dicke Panzerglasscheiben und dahinter befanden sich quadratische Zimmer. Nein. Es waren Zellen. In den verschieden großen Zellen spielte sich jeweils ein ganz eigenes Schauspiel ab. Verschiedenste Kreaturen und sogar Menschen schienen in ihren Zellen dem Wahnsinn zu verfallen. Wie wild warfen sie sich gegen die Scheiben.

Thorne ging an einer Zelle vorbei, in welcher eine menschengroße, graue Gottesanbeterin wild umherhuschte. Thorne wusste nicht, wie er auf diesen Zirkus reagieren sollte, das war… abartig. Er ging weiter und blieb bei der Zelle mit der Nummer 3 stehen.
Es waren um die 25 Zellen im Raum zu erkennen. In der Zelle vor ihm war ein Mensch. Ein Junge, 16 Jahre alt vielleicht. Er hatte rote Augen mit unnormal großen Pupillen. Sein Haar war ebenfalls weiß, doch das Auffälligste waren seine spitzen Ohren und zwei Reißzähne. Er krallte in die Scheibe und versuche sich mit wildem Eifer durch das Glas zu beißen, er benahm sich wie ein Tier. Thorne konnte den Blick nicht abwenden, er empfand sogar etwas Mitleid. In der Spiegelung der Scheibe konnte er sich erkennen und einen Soldaten, welcher, hinter ihm an eine Wand gelehnt, noch zu atmen schien. Langsam wandte Thorne den Blick von dem verunstalteten Jungen ab, ging vor dem Soldaten in die Hocke und zwang den Mann, ihn anzusehen.

“Was soll diese Scheiße hier? Findet ihr das lustig? Macht das Vasker hier aus Spaß oder aus medizinischen Gründen oder etwas ähnliches? Was bringt es euch, Menschen zu verunstalten?” Der Soldat röchelte…
“Jetzt sag mir, was ich wissen will, und ich erleichtere dir deinen Abschied!” 
Der Soldat hustete Blut. “Ich… ich weiß es nicht…” Er schien fast zu flüstern, er hatte nicht mehr lange. “Ich… war nur für die Fütterung zuständig… das, was da drin ist…  war schon so.” “Sieht das für dich normal aus?”, brüllte Thorne und zeigte auf die Zellen. Dem Soldaten fiel das Sprechen immer schwerer.
“Was ist hier passiert, warum ist hier jeder am Abkratzen?”
“Etwas ist ausgebrochen… aus dem Archetyp-Sektor…”

“Lass mich raten, Vasker war zu diesem Zeitpunkt im Archetyp-Sektor?”     “Ja…”
“Danke sehr.” Thorne erhob sich und zielte mit der Pistole auf die Stirn des Soldaten. “Irgendwelche letzten Worte?”  Der Soldat blickte ein letztes Mal auf und grinste. “Du wirst…  hier nicht lebend rauskommen.”  Thorne schoss.

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4.  Rückzug?

Fünf Minuten später war er wieder an der Kreuzung im Flur. Diesmal rannte er in den Archetyp-Sektor. Unelegant sprang er über die Leichen und gelangte in einen weiteren großen Saal. Der Boden und ein Teil der Wände waren gefliest und von der Decke hingen verschiedene mechanische Arme und allerlei elektronischer Geräte. Eine Treppe schien zu einem Raum hinter einer dicken Scheibe zu führen. Hinter der Scheibe waren ein paar Sitzplätze, Steuerkonsolen und… Sev…, welcher mit einem Mann zu diskutieren schien, der vor ihm auf dem Boden lag. Thorne erkannte den Mann von einigen Bildern wieder. Es war Vasker.
Schnell rannte Thorne die Treppe empor, stieß die Tür auf und trat in den Raum.
“…aber ich könnte ihnen das Dreifache bezahlen!” 
“Wie gesagt, Mr. Vasker, sie helfen mir erstmal hier raus und dann sehen wir weiter. Ich würde es natürlich auch schnell tun.”
“Was hätten sie denn davon, wenn sie mich töten? Ich kann sie auch bezahlen!”

Sev überlegte kurz. “Weiß nicht. Spaß? Befriedigung? Einen weiteren freien Parkplatz auf der Welt?”  
“Wenn ich kurz stören dürfte, wir sollte uns beeilen, hier raus zu kommen”, meldete sich Thorn zu Wort. “Da bist du ja”, meinte Sev. Vasker starrte sie beide an. Statt wie ein Mann von 40 Jahren wirkte er mit seinen grauen Strähnen und seinen müden Gesicht wie Anfang 60.
“Wie sind sie hier beide eigentlich lebend runtergekommen?”, fragte Vasker ungläubig.
Sev, welcher am anderen Ende des Raumes begonnen hatte, eine Akte zu lesen, sah verwirrt auf. “So viele Stufen waren es nun auch wieder nicht.”
Thorne blickte Vasker in die Augen. “Was treiben sie hier? Was ist das hier unten, und was läuft hier rum?” Da Vasker nicht sofort antwortete, hob er seine Pistole.
“Schon gut!” Vasker atmete durch. “Ich experimentiere hier unten an verschiedenen Kreaturen. Ich sammle Wesen, die ich nicht verstehe oder zumindest nur teils. Vor einem Jahr begannen ich und einige Forscher an dem Projekt Skrillker. Ein Wesen…”      “Ein Wesen, welches aus verschiedensten Organen und Bestandteilen zusammengebastelt wurde”, unterbrach ihn Sev. Er las immer noch in der Akte.
“Ja…”, bestätigte der Multimillionär. “Eigentlich dürfte das Geschöpf mit dem Codenamen Skrillker noch gar nicht leben, aber vor vier Stunden erwachte er plötzlich.”
“Verdient. Wie sieht das Teil denn aus?”  “So!”,
meldete sich Sev und hielt eine Art Zeichnung hoch.

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Thorne betrachtete das Bild. “Und das lebt?”
“Ja, aber das sollte eigentlich nicht möglich sein, es fehlen noch einige Teile und…”

“Warum zum Teufel erschaffen sie das? Welchen Zweck hat dieses… Ding?” Und was haben sie noch alles getan?”
“Das wollen sie vielleicht lieber nicht wissen.”   “Da könnten sie recht haben”, murmelte Thorne. Plötzlich drehte Sev seinen Kopf Richtung des Flures, durch welchen sie gekommen waren. “Es ist hier, wir müssen los.”
Thorne schloss kurz die Augen. “Mr. Vasker, sagen sie mir… können wir es irgendwie erledigen.”  Vasker überlegte kurz. “Es hat eine kugelsichere Haut und liebt Menschenblut, es ist zwar nur halb fertig… Nein, wir können es nicht töten, zumindest nicht jetzt.” 
Thorne ließ seinen Blick über das Blutbad gleiten, welches sich durch den Flur bis in den Archetyp-Sektor erstreckte. “Dann helfen sie uns hier raus und ich lass sie dafür am Leben.”     “Deal”

Durch die Scheibe konnten die Drei die hühnenhafte Gestalt des Skrillkers sehen, die in den Raum kam. Die Bewegungen des Skrillker waren ruckhaft und wirkten willkürlich, aber noch während sie es dabei beobachteten, wurden die Bewegungen koordinierter.
Es war 2,36 Meter groß und bewegte sich dafür deutlich zu schnell. Es ging weiter in Richtung der Scheibe.
“Kann das Glas dem Ding standhalten?”      “Nicht auf Dauer”, flüsterte Vasker Thorne zu.
“Er hat nicht alle fünf Sinne”, fügte er hinzu.          “Was?
“Wenn ein Mensch einen Sinn verliert, verstärken sich dafür die anderen vier. Der Skrillker kann zwar nur riechen und hören, das dafür aber bedeutend besser.”
Sev stöhnte genervt auf.
“Hätten sie nicht einfach ein Haustier züchten können, was nicht essen und kacken muss?”

Der Skrillker stand nun direkt vor der Scheibe und schien sie zu beobachtete.
“Ich dachte, es kann nicht sehen”, stellte Sev verwundert fest. “Es scheint, als könnte er es trotzdem irgendwie…”
“Wir ziehen uns zurück”,
sagte Thorne bestimmt.
“Wir ziehen uns nicht zurück, wir rücken zu einer taktisch günstigeren Position vor, die hinter uns liegt!”, antwortete Sev korrigierend.
Aus dem gläsernen Kontrollraum führten nur zwei Auswege. Die Treppe in den Archetyp-Testraum und eine Tür hinter ihnen.
Der Skrillker schien ihre Gedanken zu lesen und begann augenblicklich damit, die Scheibe mit aller Kraft zu bearbeiten. “Vasker, sie bleiben bei uns und verschwinden nicht. Wir müssen sofort zu dieser Treppe!”, rief Thorne und ging mit der Pistole im Anschlag voran.

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5.  Rückzug!

Sie rannten.
Vasker in der Mitte. Kurz nachdem sie den Flur betreten hatten, hörten sie das Klirren der Scheibe. “Schneller!”, rief Thorne.
Beim Zurückblicken erkannte er, dass der Skrillker mit einer Wahnsinnsgeschwindigkeit ihnen nachlief. Er nutzte dafür alle sechs Gliedmaßen zum Fortbewegen.
Vasker übernahm die Führung und führte sie durch die Gänge. Durch die vielen Abzweigungen verlor ihr Verfolger etwas an Fahrt. Aber nur etwas…
Sie rannten durch verschiedene Abteilungen und gelangten wieder in den Hauptkorridor, welcher zur Treppe führte.
Vasker war außer Atem. “Kommen sie schon… sonst schneiden wir ihre Hand ab und entriegeln die Türen mit ihren Abdrücken selbst”, verlautete Sev gelassen, welcher scheinbar noch Stunden so weiterrennen konnte. Am Ende des Korridors erschien der Skrillker und schlurfte langsam auf sie zu. “Irgendwie sieht das schon ganz cool aus… aber jetzt bin ich dran.” Sev ging zu einer Leiche und nahm ihr eine Handgranate, ein Kampfmesser und eine Maschinenpistole ab. Er zog den Stift aus der Granate und warf sie…
Die Granate schlug hörbar auf dem Boden auf und rollte direkt vor den Skrillker, welcher sofort von einem Feuerball verdeckt wurde. Die Fliesen an Boden und Wänden zerbarsten, doch nach einigen Sekunden senkte sich die staubige Wolke und der Skrillker stand unbeeindruckt an derselben Stelle. “Was für’n Arsch…” Sev setzte sich in Bewegung. Er verschoss das gesamte Magazin der Maschinenpistole, wobei jede Kugel wie ein Regentropfen an der hellgrauen Haut abperlte, und ging dann mit dem Kampfmesser in den Nahkampf über. Er begann zu sprinten, sprang seitwärts gegen die Wand, stieß sich von ihr ab und zielte mit dem Messer auf das Maul des Skrillker. Dieser machte eine blitzschnelle Bewegung mit seinen Armen und Sev wurde quer durch den Korridor geschleudert. Der Schlag nahm ihm die Luft und er überschlug sich mehrmals, rollte über den Boden und blieb kurz liegen. Nach zwei Sekunden hievte er sich auf ein Knie, strich sich sein Haar zurecht und nickte. “Wir sollten dem Vieh ne’ Verschnaufspause geben.” 
Der Skrillker setzte sich erneut in Bewegung.
Vasker rannte als erstes die Treppe empor, aberd nach 30 Stufen wurde er bereits langsamer.
Nun rannten sie also die Treppe hoch.
Fünf Meter unter ihnen stets der Skrillker.
Oben angelangt fiel Vasker japsend auf die Knie, und Thorne und Sev begannen, mit aller Kraft die schwere Geheimtür zu schließen. “Das sollte für den Augenblick genügen…”, sie hörten einen dumpfen Schlag. “Zumindest für eine Minute“, korrigierte sich Thorne schnell.
Er gab Vasker mit einem Zeichen zu verstehen, was er zu tun hatte, und er rannte zum Haupteingang und begann mit der Entsicherung. Während Vasker wie wild das Tastenfeld bearbeitete, prüfte Sev seine Pistole. “Wie siehts aus?”, erkundigte sich Thorne keuchend.
“Eine Kugel, sollte aber reichen, um das Teil ein bisschen zu beschäftigen.”
“Wie das jetzt?
“, fragte Thorne verwundert und erinnerte sich an die nutzlose Maschinenpistole.
Sev drehte sich um und schoss Thorne direkt in sein Knie. Dieser jaulte auf und brach zusammen. Vasker blickte sie an, wandte sich dann jedoch wieder hektisch seiner Arbeit zu.
Der Skrillker bearbeitete unterdessen weiter die Geheimtür und kloppte Stück für Stück aus ihr heraus.
Sev kniete sich neben den sich krümmenden Thorne.
Thornes’ Augen tränten und er blickte, von seinem eigenen Blut besudelt, Sev ins Gesicht.
“Ich… ”      “Ja? ”       ” …HASSE DICH!”     ” Schön auf die Wunde pressen! Der Blutverlust kann zu Wahnvorstellungen und Gedächtnislücken führen.”
Der Skrillker hatte sich währenddessen fast vollständig durch die Wand gearbeitet und wurde beim Duft des frischen Blutes ganz wild. Sev nahm Thorne seine Pistole ab und erhob sich.
Im exakt selben Moment öffnete sich der Haupteingang mit einem lauten Quietschen.

Sev rannte mit Vasker im Schlepptau zu einem Jeep, welcher vor der Datscha parkte.
Während Sev sich daran begab, den Jeep kurzzuschließen, erklang aus dem Anwesend Thornes letzter, unnatürlich abklingender Schrei. Vasker, welcher sich auf die hinteren Sitze geworfen hatte, blickte ängstlich zurück.
Der Motor startete…
“Hahaa”, stieß Sev aus und ließ die Räder durchdrehen.
Keine Sekunde zu früh, ihr Verfolger kam bereits aus der Tür gestürzt.
Der Jeep raste auf eine nahegelegene Landstraße und folgte ihr in nördlicher Richtung.
“Wo fahren sie hin?”  “Zu ihrem Helipad. Wir haben einen Piloten geschmiert… hoffe ich zumindest.”  
Vasker blickte unruhig aus dem Fenster und begann dann damit, Sev zu beobachten, welcher die Kurven mit 80 Sachen nahm.
Er runzelte die Stirn.
“Ich weiß, was sie sind“, murmelte er.
“Dann wissen sie auch, was ich ihnen antun kann, wenn sie nicht still sind”, meinte Sev vergnügt, der den Skrillker erblickte, welcher circa 200 Meter vor ihnen auf die Straße rannte.

Sev trat das Gaspedal durch.            “Was haben sie vor?!”
“Bitte schnallen sie sich an!”

Der Wagen beschleunigte, bis es fast zu spät war. Sev legte eine Vollbremsung hin, zog die Handbremse an und riss das Lenkrad rum. Es gab ein lautes, metallisches Krachen. Der Skrillker wurde von der Seite des Jeeps erfasst und flog in die Dunkelheit.
Der Wagen schlitterte über die Straße, sämtliche Scheiben waren geplatzt und die linke Seite war völlig ruiniert. Dennoch peitschte Sev den Motor an und der Jeep nahm langsam wieder an Fahrt auf. Vasker schien sich verletzt zu haben und hielt sich die Seite. Blut klebte an seinen Fingern und er wimmerte.
Der Jeep rollte mit letzter Kraft auf einen staubigen Platz mit einer betonierten Fläche, auf welcher ein Helikopter stand und ein Pilot, der gelangweilt ein Magazin durchblätterte. Als er das Auto sah, blickte er verwundert auf.
Sev trat die Fahrertür auf und gab mit Thornes Pistole zu verstehen, dass der Pilot den Abflug vorbereiten sollte. Der Pilot nickte unsicher, stieg in den Heli, und während sich Vasker aus dem Wagen hievte, begannen sich die Rotorblätter zu drehen.
Sev blickte Vasker entgegen. “Ich denke, sie sollten hierbleiben und auf ihr Baby warten. Vielleicht ist es nur so sauer, weil sie sich keine Zeit für ihre Schöpfung nehmen.”
Vasker riss die Augen aus. “Was? NEIN! Wir hatten einen Deal!”
“Sie hatten einen Deal mit Mr. Skladnik, meinem Partner, nicht mit mir.”
Vasker sah aus, als würde er gleich anfangen zu weinen.
Sev lächelte “Keine Sorge, das Teil hat mehr Angst vor ihnen als sie vor ihm.”
Er ließ den vereisten Vasker einfach stehen, setzte sich lächelnd in den Helikopter und gab dem Pilot das Zeichen abzuheben.
Vaskers’ Leben endete, als der Heli sich über die Baumwipfeln erhob und mit seinen Rotorblättern die Nacht durchschnitt.

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Epilog

61 Stunden später…
Piazza della Repubblica, Florenz

Florenz war wunderschön. Italienische Städte hatten diesen gewissen Charme.
Sev saß gelassen in einem Straßencafé, bestellte einen Kaffee und beobachtete das Schauspiel aus Touristen, die alle nur im Sinn hatten, möglichst viele Bilder zu machen. Anstatt die Schönheit ihrer Umgebung zu verstehen und zu verinnerlichen, rannten alle mit ihren Smartphones durch eine jahrhundertealte Stadt.
Sev ließ seinen Blick durch die Menge gleiten, während sich eine Frau zu ihm setzte.
Er begann zu lächeln.
“Reiß dich zusammen!”, murmelte die Frau.
Sev nahm einen Schluck von seinem Kaffee und blickte die Frau an.
“Ich genieße doch nur das Leben”, sagte er unschuldig.
“Wir wissen beide, dass das nicht wahr ist.”
Sie war vermutlich Europäerin und nicht älter als 30. Ihr Gesicht war unter einem schwarzen Schleier versteckt, passend zu ihrem ebenso schwarzen Rock.
“Ich denke, der Job ist weitgehend abgeschlossen”, sprach Sev nun mit etwas gelangweilter Stimme.
Die Frau nickte. “Wir haben DNS-Überbleibsel von Vasker im Magen des Skrillker gefunden.”
Sev zog eine Augenbraue hoch.  “Ihr Aufklärungsteam konnte das Vieh erledigen?”
Nein, es starb einfach wenige Stunden nach ihrer Flucht. Es war einfach noch nicht zum Leben bereit.”
Was ist mit dem Labor in der Datscha?”       “Alles konfisziert. ”
“Werden sie an Vaskers Stelle weitermachen? ”     “Ja.”

“Warum müssen Menschen ständig Gott spielen…”, sagte Sev kopfschüttelnd. “Wussten sie, dass Vasker so ein Ding da unten hatte?”  
“Wir haben etwas geahnt”, bestätigte die Frau. “Deswegen haben wir sie geschickt, aber genug davon, hier ist ihre… Bezahlung.” Die Frau zug eine kleine Ampulle aus ihrer Tasche und gab sie Sev, darin war eine seltsam türkisene Flüssigkeit.
Die Frau beobachtete, wie Sev die Flüssigkeit anblickte. “Es ist wie vereinbart das Serum, weltweit das Erste. Natürlich funktioniert es noch nicht, aber das war ihnen ja schon bewusst.” 
Sev ließ die Ampulle in seinem Ärmel verschwinden und erhob sich.
“Eine Frage noch… Was ist mit ihrem Partner Mr. Thorne passiert?”
“Unglücklich gestürzt.”

Sev verschwand in der Menschenmenge und ließ die Frau allein zurück.

Die Frau blickte ihm kurz nach, dann kam ein Kellner und wies die Frau darauf hin, den von Sev bestellten Kaffee zu bezahlen.

Autor:  [https://creepypasta.fandom.com/de/wiki/Benutzer:ECipher eCipher]

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