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Tränen des Zorns

Gefühle begleiten uns ein Leben lang. Sie machen uns zu dem, was wir sind.

Das schönste aller Gefühle ist natürlich die Liebe. Meine Freundin Lisa und ich hatten ein romantisches Wochenende in einer idyllischen Waldhütte geplant, um nur Zeit für uns zu haben. Der stressige Arbeitsalltag hat schnell Überhand gewonnen.

Nach einer langen Autofahrt, die uns aus der Stadt und in ein ländliches idyllisches Gebiet führte, kamen wir an.

Die Hütte lag mitten in einem Wald. Der Vermieter der Hütte wartete bereits auf uns. Es war ein älterer Mann, der uns schief angrinste, als wir aus dem Auto stiegen.

“Ah, da sind Sie ja. Daniel und Lisa waren die Namen, richtig?”, fragte er. Wir nickten. “Gut, dass mein Verstand noch funktioniert. Ich bin George”, stellte er sich uns vor. Ich schaute Lisa an und sie sah George etwas skeptisch an. Es war merkwürdig, doch auch ich spürte, dass etwas seltsam an ihm war.

George führte uns zu der Hütte, die von außen mehr verfallen wirkte, als ich dachte. “Ich führe Sie nun nach innen.”, George machte eine Art Verbeugung, die nett gemeint war, aber völlig deplatziert wirkte.

Innen war es im Gegensatz zu außen sehr modern und sauber. Die Ausstattung musste erst vor kurzen erneuert worden sein. “Sie haben alles, was das Herz begehrt. Einen Herd, warmes Wasser und WLAN”, stellte George stolz die Vorteile der Hütte vor.

Nachdem er uns alles gezeigt hatte, verschwand er mit den Worten: “Ich habe meine Hütte nicht weit von dieser, wenn Sie etwas brauchen.”

Ich sah Lisa an, dass sie ihn nicht ausstehen konnte. “Er ist schon sehr merkwürdig. Vielleicht kommt das mit dem Alter”, versuchte ich sie zu beruhigen, doch ich wollte mir selbst diese Worte nicht ganz glauben.

Nach dem Abendessen wollte ich noch eine Runde laufen, um auf andere Gedanken zu kommen. Lisa wollte nicht mit und ich versprach ihr nicht lange wegzubleiben. Es war schon dunkel geworden und der fast volle Mond leuchtete durch die Bäume des Waldes hindurch. Ich schlenderte eine Weile gemütlich den Waldweg entlang, als ich in der Nähe ein Rascheln vernahm. Ich schaute in die Richtung, aus der das Geräusch kam. Plötzlich huschte eine Gestalt, ein paar Bäume von mir weg, aus einem Busch hervor.

Mein Herzschlag erhöhte sich, als sich die Gestalt nährte. Es war ein kleines Mädchen. Ihr rosafarbenes Kleid war völlig zerrissen und dreckig. Sie war barfuß und als ich sie genauer betrachtete, fiel mir ihr Gesicht auf. Es war sehr blass. Das Mädchen wirkte völlig aufgelöst und weinte Tränen. Es waren nicht nur Tränen der Traurigkeit. Ich konnte einen Zorn in dem Mädchen spüren. Nicht mir gegenüber, aber er war definitiv da. Ich wollte ihr helfen, also streckte ich ihr meine Hand aus. Das Mädchen schaute erschrocken und rannte davon. Auf einmal verschwand sie einfach, innerhalb weniger Sekunden.

Es war nicht zu erklären, aber was auch immer dieses kleine Mädchen war, sie wollte mir etwas mitteilen. Daher verspürte ich auch keine Angst, als ich den Rückweg zu unserer Hütte antrat. Sofort erzählte ich Lisa von meiner mysteriösen Begegnung und zu meiner Verwunderung glaubte sie mir. Sie hatte auch so ein Gefühl, dass irgendetwas in diesem Wald passiert. Wir planten gemeinsam in der nächsten Nacht den Weg entlang zulaufen, auf dem ich gestern das Mädchen gesehen hatte.

Der Mond leuchtete noch heller und dazu gesellte sich Nebel. Lisa hielt sich an mir fest, als wir uns durch den Wald begaben. Ich war erstaunt und begeistert von ihrem Mut. Es war sehr still und ich spürte Lisas Anspannung. Meine eigene konnte ich noch ganz gut verbergen. Da hörte ich auf einmal ein Weinen. Lisa drehte sich erschrocken zu mir. “Du hast das auch gehört, oder?”, fragte sie mich mit Zittern in der Stimme. Ich nickte.

Dann rannte plötzlich das Mädchen von gestern auf uns zu. Ihre zornigen Augen zeigten Entschlossenheit und ihre Tränen waren immer noch deutlich zu sehen. Sie winkte in eine bestimmte Richtung. Es schlichen zwei weitere bleiche Mädchen in zerrissenen Kleidern aus dem Wald heraus. Zu dritt führten sie uns nun weiter den Weg entlang. Nicht lange und wir gelangten zu einer Holzhütte. Die Mädchen zeigten zornig auf sie. Ich musterte sie einen Moment. Es war die Hütte von George.

Verwundert drehte ich mich zu den Mädchen, doch sie waren verschwunden. Lisa drückte sich an mich. “Die Mädchen… Sie sind tot, oder?”, fragte sie mich. “Ich glaube leider ja. Auch wenn ich es mir nicht erklären kann. George muss etwas über ihren Tod wissen. Fragen wir ihn doch.” “Jetzt? Mitten in der Nacht?”, flüsterte Lisa ängstlich. “Keine Sorge, ich gehe voraus.”

Vorsichtig klopfte ich an die Tür der Hütte. “George? Sind sie da? Wir haben etwas Wichtiges zu besprechen.” Es herrschte Stille. Plötzlich fiel ein Schuss. “Diese Mädchen haben es verraten! Verdammt!”, schrie George aus der Hütte. Ich zog Lisa hinter einen Busch. “Oh Gott Daniel, er hat eine Waffe!”, bebte Lisas Stimme voller Angst.

George stapfte nun aus der Hütte. “Ich werde mich nicht stellen. Um die Mädchen habe ich mich immer gut gekümmert. Sobald ich euch erwische, kann ich mich um dich kümmern, Lisa!”. Wir hielten beide den Atem an. George näherte sich unserem Versteck. Die Schrotflinte in der Hand. Plötzlich hörten die beiden etwas. Die Schrotflinte von George wurde ihm plötzlich aus der Hand gerissen. Ein Schuss löste sich.

“Aargh!”, schrie er schmerzerfüllt. Ich spähte vorsichtig aus dem Busch heraus. George blutete aus seinem Auge. “Oh Gott, so helft mir doch”, schrie er gequält.

Das taten wir, indem wir die Polizei riefen. Schwer verletzt wurde George abgeführt. Kurz wendete sich einer der Polizisten zu uns. “Wir suchen diesen Mistkerl seit Jahren, für den Mord an drei Mädchen. Wie haben sie ihn erwischen können?”

Ich schaute in den Wald und nahm drei kleine Silhouetten wahr, dann blickte ich zu Lisa und lächelte. “Wir haben auf unser Gefühl gehört”.

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