LangMord

“Betreten verboten!”

Eine gute Idee?

“Seid ihr sicher, dass das ‘ne gute Idee ist?”

“Ach, sei kein Schisser! Was soll schon passieren?” Marcus wirkte so sicher und arrogant wie eh und je.

“Na dann mal los”, sagte Mandy darauf und musterte den Zaun vor sich. “Sollte kein Problem sein, hilf mir mal kurz!” Der angesprochene Marcus kam sofort herbei und gab ihr Hilfestellung. damit sie über den Zaun klettern konnte. Oben angekommen, sprang sie auf der anderen Seite wieder hinab. “Jetzt ihr.”

Vince kletterte kommentarlos und ohne Hilfe über den Zaun. Drüben angekommen musterte er die Umgebung und drehte sich kurz darauf wieder um. Ein knappes Nicken bestätigte Melissa das alles in Ordnung zu sein schien, auch wenn sie immer noch ein ungutes Gefühl bei der Sache hatte.

“Hey, wird’s bald?”, drang Marcus Stimme zu ihr durch.

Sie musterte ihn und erkannte, dass er bereits auf sie wartete, um ihr ebenfalls rüber zu helfen. Melissa spürte regelrecht den brennenden Blick von Mandy auf sich, sie musste nicht einmal zu ihr herübersehen.

“Nein schon gut, ich schaff das auch alleine”, antwortete sie und ging auf den Zaun zu. Bevor sie jedoch rüber kletterte, fiel ihr Blick ein letztes Mal auf das Schild an dem Zaun:

Betreten verboten!, sagte es klar und deutlich.

Worauf habe ich mich da nur eingelassen…, dachte sie nicht zum ersten Mal an diesem Abend. Dennoch kletterte sie ohne weiteres Zögern mühevoll über den Zaun und sprang auf der anderen Seite wieder hinab. Gleich darauf landete Marcus neben ihr.

“Dann lasst uns mal gehen”, sagte dieser mit einem fetten Grinsen auf dem Gesicht und ging selbstsicher auf das alte, baufällige Gebäude zu. Mandy folgte ihm auf Schritt und Tritt.

Melissa sah sich nach Vince um, bevor sie den beiden Turteltäubchen folgte. Er stand immer noch an selber Stelle und musterte die alte Schule, die sie erkunden wollten. “Alles ok bei dir?”

“Sicher”, antwortete der wortkarge Vince und ging an ihr vorbei. “Und bei dir?”

“Ja, natürlich”, erwiderte sie, ohne es selbst zu glauben. Vince nickte und auch wenn Melissa sich nicht sicher sein konnte, hatte sie das Gefühl, das er ganz genau wusste, dass nicht alles in Ordnung war.

Anfangs hatte Melissa noch gedacht, dass es eigentlich nach gar keiner so üblen Idee klang. Zu viert eine alte, lange verlassene Schule zu erkunden, versprach interessant zu werden. Es war Marcus Vorschlag gewesen, er hatte sie erst vor drei Tagen geäußert und Heute standen sie schon hier und zogen es tatsächlich durch. Sie konnte den Kerl zwar nicht ausstehen, aber er war nun mal der Freund von Mandy und diese ihre beste Freundin. Zumindest hoffte Melissa, das dem noch so war. Sie kannten sich seit Jahren, aber seit ihre Freundin Marcus kennen gelernt hatte, hatte sie sich verändert.

Na ja, wenigstens einer wird sich nie verändern, dachte sie und blickte Vince dabei hinterher, der einige Schritte vor ihr lief. Auch ihn kannte sie schon seit einigen Jahren, war sich allerdings bis heute nicht sicher, in welcher Beziehung sie zueinanderstanden. Sie unternahmen zwar viel zusammen, aber der junge Mann war wegen seiner stillen und ruhigen Art schwer zu deuten. Warum er sich bereiterklärt hatte heute mit zu kommen, wusste Melissa auch nicht. Soweit sie es beurteilen konnte, konnte er Marcus ebenfalls nicht ausstehen und mit Mandy hatte er eher wenig zu tun.

Er wird seine Gründe haben, wer kann schon sagen, was in seinem Kopf vor sich geht…, dachte sie leicht frustriert.

Heute Morgen war sie noch voller Vorfreude auf den Abend gewesen, doch nun da sie tatsächlich auf die alte Schule zugingen, war sie sich ihrer Sache nicht mehr so sicher. Sie hatte das Gebäude schon oft bei Tag gesehen und sich immer gefragt, wie es im Inneren wohl aussehen mochte. Doch nun hatte sich die Schwärze der Nacht über das Land gelegt und Melissa’s Neugier über das Innenleben der Schule, war deutlich geschrumpft.

Sie hatte keine wirkliche Angst, weder vor der Dunkelheit, noch davor das jemand oder etwas in der Schule auf sie lauern könnte, aber aus irgendeinem Grund hatte sie einfach ein schlechtes Gefühl. Ihr Magen verkrampfte sich, je näher sie der Schule kam – der Hof wirkte bei Nacht wesentlich größer, als Melissa ihn in Erinnerung hatte – sie hatte, das Gefühl die Fenster des Gebäudes würden sie anstarren, sie glaubte, zwischen dem hochgewachsenem und lange nicht mehr gestutztem Unkraut um sich herum Schemen erkennen zu können.

Mach dich nicht selbst verrückt!, ermahnte sie sich und zog ihr Tempo etwas an um mit Vince aufzuholen.

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