KurzObjekte

Das Foto [German Creepypasta]

„Pff.“
Mir schaut ein lachendes Mädchen auf einem eingeflochtenen Haflinger entgegen. Beide blond und in Turnierkleidung. Ich gehe mit meinem Gesicht nah heran und schüttle dann den Kopf. Die beiden sehen mir und meinem Pferd verdammt ähnlich, aber sie sind eben nur fast wir.
„Warum haben dich meine Eltern abfotografiert und hier hingestellt?“, murmle ich vor mich hin und kratze mich verwirrt am Kopf. Dann jedoch zucke ich die Achseln und angle nach meinen Reitstiefeln, die ich mir eigentlich anziehen wollte, bevor mir das Foto aufgefallen war. Doch, als ich dem Ding meinen Rücken zudrehe, stellen sich meine Nackenhaare auf, als würde mich jemand ansehen.
Ich blicke zurück, doch natürlich lacht das Mädchen nur in die Kamera. Trotzdem kippe ich den schönen Silberrahmen um, bevor ich aus dem Zimmer gehe. Die Fahrt zum Stall verbringe ich in Gedanken. Selbst am Stall angekommen, werde ich dieses seltsame Gefühl nicht los, irgendetwas würde nicht stimmen. Als ich aussteige, hat es selbst mein Auto befallen. Ein dunkelblauer VW Golf, von der Fahrt auf den matschigen Straßen zum Stall ein gutes Stück verdreckt. Es stimmt alles, doch irgendwie ist es auch doch nicht mein Auto. Ich überprüfe das Nummernschild und zucke wieder mit den Schultern. Es ist mein Auto und mein Vater hat mich einfach mit jemand anders verwechselt, als er das Foto ausgedruckt hat. Er muss ja auch immer wirklich jeden fotografieren. Alles in Ordnung. Ich schiebe die schwere Tür zur Stallgasse auf und schlendere hinein.
„Siehst du?“, murmle ich mir selbst zu, als mir die freundlichen Pferdegesichter entgegensehen.
Alle sind sie mir bekannt und bei keinem einzigen habe ich auch nur den leisesten Verdacht, es könnte falsch sein. Bis ich dann an mein Pferd komme.
Prompt fällt mir der Reithelm aus der Hand, als mir schier das Herz stehen bleibt.
„Du bist nicht Gustav!“, keuche ich, schüttle den Kopf und gehe zwei Schritte rückwärts.
Das Pferd von dem Foto dreht sich völlig ruhig zu mir um und schnaubt mich an. Panik wallt in mir auf. Ich fasse mir ins Gesicht, doch natürlich bringt das nichts. Den Helm lasse ich links liegen, genauso wie dieses fremde Pferd und laufe die Stallgasse entlang, wieder hinaus und auf den staubigen Parkplatz. Gerade überlege ich mir, zu der Stallbesitzerin zu gehen und sie zu fragen, ob sie Gustav umgestellt hat. Oh, Gott! Lass sie bloß „Ja“ sagen! Doch da fällt mein Blick in den Rückspiegel meines Autos. Ein kalter Wind umweht mich plötzlich, als ich mein Gesicht erblicke. Dieses Mädchen von dem Foto schaut zurück.

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