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Das Haus welches nur an Halloween existiert

Es war Halloween und ich ging mit meinem kleinen Bruder Sam und dem Nachbarsjungen Tom von Tür zur Tür, um nach Süßigkeiten zu fragen. Sam und ich kannten uns noch nicht gut aus, weil wir erst vor kurzem wegen des neuen Jobs unseres Vaters in diese Nachbarschaft zogen. Wir hatten uns so weit gut eingelebt, aber kannten die meisten Leute noch nicht. Natürlich kannte sich Tom dahingehend besser aus als wir, aber das war nicht so schlimm.

Als wir die Straße, wo wir lebten, abgeklappert hatten, wechselten wir auf die gegenüberliegende Straße und dort bekamen wir auch ein wenig Süßigkeiten. Das Haus mit der Hausnummer 13 könnte man förmlich als ein Halloween-Horrorhaus bezeichnen. Überall waren die unterschiedlichsten Halloween-Dekoration aufgebaut. Es war ein altes, eher rustikales Haus, mit einem kleinen Vorgarten, welcher mit einem schmalen Holzzaun umrundet war. An dem Zaun waren die verschiedensten Knochen, welche aus Plastik waren, mit Lederriemen befestigt und hinter dem Zaun, im Garten standen Grabsteine. Manche aus Plastik, andere aus Ton und wieder andere aus Stein. Mit dickflüssiger, roter Farbe stand auf allen “Rest in Peace” drauf. An der dunklen Häuserfassade hingen Papiergeister und Kunststofffledermäuse. Vor der Tür stand ein großer, runder geschnitzter Kürbis, welcher uns mit seinem breiten und gruseligem Gesicht direkt ansah.

Das Verstörendste aber war eine über zwei Meter große, aus Holz geschnitzte Statur in Gestalt eines Vampirs, die ein paar Meter rechts neben der Eingangstür stand. Sie trug ein schwarz-rotes aus Stoff gefertigtes Gewand mit einer grau-silbrigen, leicht glänzenden Perücke. Das schlimmste war, dass aus ihrem Mund eine rote Substanz lief, die auch in ihren beiden Händen zusehen war. Stark erinnerte diese an Blut. Je länger ich diese Skulptur betrachte, wurde ein ungutes Gefühl in meinem Körper immer stärker. Tom und Sam schien es ähnlich zu gehen. Als wir vor dem Gebäude standen, breitete sich langsam ein cremiger Nebelschleier aus. Dieser Nebel war bei den anderen Häusern und der umliegenden Umgebung nicht zusehen, also schlussfolgerten wir, dass der Besitzer des Hauses Nebelmaschinen für diesen schaurigen Effekt einsetzte. Tom meinte dann plötzlich, dass er dieses Haus noch nie gesehen hat, auch keine Baustelle, die dieses Haus hätte bauen können. Er kannte auch kein Haus, welches sich allgemein so auf Halloween fokussierte und den Ort in ein Horrorkabinett verwandelte. Diese Worte verunsicherten Sam und mich sehr stark. Mein kleiner Bruder Sam war dennoch mutig und klingelte.

Die Tür schlug mit einem lauten Knall schlagartig auf und wir erschraken uns. Beunruhigend war, dass die Tür von selbst aufschlug und niemand in der Nähe war, der die Tür hätte öffnen können. Das fanden wir seltsam, doch vielleicht versucht nur jemand Leute auf diese Weise zu verunsichern oder gar zu erschrecken. Bevor wir den Spruch “Süßes, sonst gibt es Saures” gerufen hatten, entgegnete uns eine tiefe, kratzige und gruselige Stimme “Wenn ihr Süßigkeiten haben wollt, müsst ihr in mein Haus eintreten”. Wir waren uns nicht einig, ob wir wirklich wegen ein paar Naschereien in ein fremdes Haus hineingehen sollen. Nach einer mehr oder weniger langen Diskussion taten wir es dennoch.

Nachdem wir alle ein Schritt ins Haus gesetzt hatten, schloss sich ruckartig und laut wieder von selbst die Tür. Danach passierte erstmal nichts. Wir sahen uns im Haus um, aber rührten uns nicht von der Stelle, bis wir im hinteren Teil des Hauses, in der Dunkelheit stehend eine alte Frau in einem schwarzen Gewand sahen. Mit einer Handbewegung deutete sie an, dass wir zu ihr kommen sollten. Wir schrien und hatten Panik. Tom versuchte die Tür wieder zu öffnen, damit wir rauskommen können, aber sie war verschlossen. Sie ließ sich einfach nicht öffnen, egal was wir taten. Wie war das möglich? Die Tür verschloss sich automatisch! Doch wie durch ein Wunder fanden wir auf einer Kommode einen Bronzeschlüssel. Hastig steckten wir ihn ins Schlüsselloch und er passte. Wir öffneten schnell die Tür und rannten nach draußen. Doch Tom wurde wieder in Haus eingesogen, wie durch eine magische Kraft. Die Tür schloss sich, nachdem Tom im Inneren des Spukhauses war. Ich rannte zur Tür, um mit dem Schlüssel die Tür zu öffnen und Tom zu retten, doch der Schlüssel passte plötzlich nicht mehr. Die Tür ließ sich nicht mehr öffnen. Vor ein paar wenigen Sekunden konnten wir so aus dem Haus flüchten und jetzt wurde das Schloss auf einer magischen Art und Weise getauscht. Sam und ich rannten schnell, hektisch, panisch und einfach angsterfüllt nachhause. Den Schlüssel ließ ich unterwegs fallen.

Wir erzählten unseren Eltern was passiert war und sie riefen die Polizei. Zudem wurden Toms Eltern kontaktiert. Am selben Abend wurde großflächig nach Tom gesucht, leider vergebens. Ein paar Tage später suchte man noch einmal nach Tom und man suchte auch nach diesem Halloween-Horrorhaus, mit der mysteriösen Dame, erneut alles vergebens. Ich recherchierte ein wenig und fand eine Legende von einem Haus, welches nur an Halloween existiert. Es taucht an mehreren Orten auf und versucht Kinder ins Innere zu locken. Was mit den entführten Kindern passiert, wurde nicht beschrieben. Es schien so, als wäre diese Legende tatsächlich wahr.

Tom wird immer noch vermisst. Seit diesem Vorfall gehe ich noch ein paar mal an die Stelle, wo es geschah. Doch dort ist nichts. Auch keine Anzeichen, dass dort mal ein Haus stand, einfach nur eine leere Fläche voll Beton.

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