GeisterKonversationenKurz

Philosophieunterricht

Warnung vor Creepypasta

ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.

Die Sonne war noch nicht mal richtig aufgegangen. Und ich
saß schon in der Schule. Echt großartig. Erste Stunde Philosophie. Immerhin
gut, um etwas verlorenen Schlaf nachzuholen. Mein Schädel brummte und ich starrte
griesgrämig die Wand an, während alle anderen um mich herum noch in ihre
Gespräche vertieft waren. Wie immer stand Frau Astmann, unsere Lehrerin, schon
einige Minuten vor Unterrichtsbeginn der Klasse gegenüber und wartete, dass es
ruhig wurde. Was natürlich nie wirklich passierte. Sie wurde einfach nicht
ernstgenommen, die kleine, etwas rundliche Endzwanzigerin mit der piepsigen
Stimme. Ihre Haare hingen ihr fettig wie immer über die Schultern und in ihrem
Gesicht zeichneten sich kleine Pickel unterhalb der Schweinsnase ab. Allein ihr
Aussehen war schon Grund genug für alle Schüler, sie einfach zu ignorieren. Und
ihre einschläfernde Unterrichtsart machte wirklich gar nichts besser. Warum
mussten solche Leute Lehrer werden?

„So Kinder“, schrillte sie durch den Raum,
„Heute haben wir ein ganz besonderes Thema.“ Sie blickte
erwartungsvoll in die Runde. Zurück blickte wahrscheinlich niemand.
Mittlerweile lag mein Kopf auf dem Tisch, doch ihre Stimme machte das Ausruhen
quasi unmöglich. Was konnte diese Frau denn eigentlich? „In dieser Stunde
werden wir uns der menschlichen Psyche zuwenden. Oder besser einem Thema, das
ihr sicherlich alle kennt: Selbstmord.“ Bei jedem anderen Lehrer hätte ich
jetzt vermutlich meinen Kopf gehoben, hier gab ich lediglich ein unbestimmbares
Grunzen von mir. „Was glaubt ihr muss einem Menschen widerfahren, um sich
zu diesem drastischen Schritt zu entscheiden?““Ihr Unterricht.“,
rief irgendjemand aus den hinteren Reihen. Die Klasse johlte. Nun hob ich
meinen Schädel doch etwas. Ich wollte Schweinchen Dicks Reaktion darauf
eigentlich nicht verpassen. Ein enttäuschter Gesichtsausdruck auf dem Gesicht
eines Lehrers war immer wieder etwas Schönes. Doch sie zeigte keinerlei Regung.
Hatte sie sich mittlerweile also an diese Kommentare gewöhnt? Wie langweilig.

„Haha, sehr lustig Kevin.“, gab sie mit trockener
Stimme zurück, „Vielleicht jemand mit etwas mehr als einer
Hirnzelle?“ Ein raunen ging durch die Klasse. Anscheinend waren alle
ziemlich überrascht. Ich auch. So viel Schlagfertigkeit hatte ich ihr gar nicht
zugetraut. Sie ließ ihren Blick durch die Klasse schweifen. „Mike? Wärst
du vielleicht so gütig?“ Es dauerte einen Moment, bis ich realisiert
hatte, dass sie meinen Namen gesagt hatte. „Äh, sicher.“ stammelte
ich, „Vielleicht der Tod eines nahen Angehörigen?““Du würdest
dir also die Kugel geben, wenn deiner Omi ein Unglück widerfahren würde, hm?“,
fragte sie höhnisch. Einige in der Klasse lachten sogar. Über ihre Witze. Ihre!
Was war hier los? „Aber du hast recht. Noch andere Ideen?“ In diesem
Moment passierte ein Wunder. In ihrem Unterricht meldete sich jemand!
„Jessy?““Ähm…Liebeskummer?““Ach, ist die Dame so
zart besaitet? na gut, meinetwegen auch das.“ Erst jetzt fiel mir auf,
dass sie noch gar nichts an die Tafel geschrieben hatte. „So Kinder, alle
guten Dinge sind drei. Noch was?““Ich hab doch auch was
gesagt!“, grölte Kevin aus der letzten Reihe. „Na gut, Nummer drei:
Deine dämlichen Kommentare.“ Dieses Mal lachten alle. Alle außer mir. Mir
wurde das ganze langsam unheimlich.

„So, eure ganzen Ideen waren ganz gut.“, piepste
sie. Aber irgendwie mit mehr Autorität. „Aber ich verrate euch jetzt den
häufigsten Grund, aus dem sich Menschen umbringen. Es sind Probleme am
Arbeitsplatz. Viele kommen mit dem Stress nicht klar, doch der wohl häufigste
Auslöser ist Mobbing. Die tägliche Schikane bringt einen Menschen an den Rand
der Verzweiflung, und ich schließlich sogar noch weiter hinaus. Denn wenn man
jeden Tag sein eigenes Ich attackiert sieht, wird man sich irgendwann nicht
mehr zu helfen wissen. Das ganze Leben, so glaubt man, wird bald unter dem Druck aller anderen zusammenbrechen. Doch diese Genugtuung will man ihnen nicht geben, also nimmt man die ganze Sache vorweg. Wie tausend kleine Nadelstiche treffen die täglichen Demütigungen einen Menschen, welcher sich auch noch in dem Wissen befindet, dass er der Situation nicht entfliehen kann, ohne sich mit anderen Problemen konfrontiert zu sehen. es ist ein leichtes, daran zugrunde zu gehen. Und oft wissen die Peiniger nicht einmal, was sie da angerichtet haben. Puh. Ich habe ein paar Arbeitsblätter vorbereitet, ich hole
sie kurz. In der Zwischenzeit macht ihr euch bitte Gedanken darüber, wo ihr
schon jemanden gemobbt hat, was dessen Reaktion darauf war und was ihr an eurem
Verhalten eventuell ändern könntet. Vor allem aber denkt drüber nach, warum ihr das getan habt und wie nichtig die Gründe eigentlich waren. Ich bin gleich wieder da.“

Doch das war sie nicht. Wir diskutierten eine ganze Weile,
mehr über das neue Verhalten unserer Lehrerin anstatt über die eigentliche
Aufgabe. Als sich die Tür dann wieder öffnete, drehten wir uns um, doch anstatt
in ihr Gesicht blickten wir in das unseres Rektors. Dieser sagte nur einen
Satz, der uns dazu brachte, für immer über die Aufgabe, die sie uns gegeben hatte,
nachzudenken:

„Der Unterricht findet heute nicht statt. Es tut mir
Leid euch mitteilen zu müssen, dass Frau Astmann heute Nacht verstorben ist.
Sie hat sich selbst umgebracht.“

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