
Der Zaubertrick – Mit einem Paukenschlag!
ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT
Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.
Was sie ihm eingeflößt hatten, mochte er sich gar nicht vorstellen. Aber die Welt fühlte sich nun an wie Watte und die Zwangsjacke, die wegen der Wunde doch recht locker angelegt war, tat ihr übriges, um seinen Eindruck vom Wahnsinn noch zu verstärken, wenngleich er zugeben musste, dass die Medikamente alles weniger schlimm machten. Und die weichen Wände waren an sich auch ganz bequem, wie Matratzen. Es gab zwar keine Fenster, aber egal wie er hinfallen würde, nie täte es weh.
Vor allem kam er etwas zur Ruhe, konnte atmen.
Sie hatten ihm nicht geglaubt. Sie hatten gedacht, er hätte das Taschenmesser vorher schon eingeschleust. Wie denn, hatte er gefragt und sie hatten keine richtige Antwort gewusst. Natürlich, weil es keine Antwort gab, die das erklärte, weil er die Wahrheit gesagt hatte. Aber eine unglaubliche Wahrheit war wie eine Lüge. Das wusste er.
Jesper dachte, dass er es wohl auch so machen könnte wie die Ärzte. Er könnte auch an die einfachste Erklärung glauben und sich dann darauf einlassen; demnach würde er wohl bekennen, verrückt zu sein, Aufmerksamkeit zu wollen und ja, vermutlich war es nur eine aufgestaute Reaktion wegen Judys Geburt vor …. Wie alt war Judy doch gleich? Man kann so schlecht nachdenken, wenn sich einem ein Spuckefaden abseilt. Wie alt war seine Schwester?
Er ließ sich auf den Rücken fallen. Die Polster waren gut, es machte richtig Spaß, zu fallen, ohne es zu merken. So spaßig, dass er sogar dümmlich lachte.
Doch dann erschauderte er, denn der Schmerz kehrte zurück. Er spürte die Feuchtigkeit an seiner Seite. Er zitterte, bekam Angst und nicht einmal die Medikamente konnten das im Zaum halten. Etwas riss! Wohl die Naht schon wieder, wohl der Verband, ein Stück Zwangsjacke bestimmt auch. Er wand sich auf dem Boden und wusste auch ohne hinzusehen, dass die Hand ein neues Werkzeug hatte, mit dem sie sich noch einmal hervor kämpfte. Jesper brüllte um Hilfe. Er mochte die Ärzte und Schwestern zwar nicht, da sie ihm nicht glaubten, doch jetzt brauchte er sie, er brauchte ihre Hilfe und er hoffte, dass sie diesmal schneller kämen. Und es vor allem sahen!
Schnell hatte sich die Hand freigeschnitten und hielt diesmal eine Haushaltsschere in den Fingern. Jesper schrie und stierte darauf. Seine Stimme war nunmehr ein Krächzen. Er schickte sich an, der Schere auszuweichen, die unkontrolliert umher schlug, ihn fast dabei erwischte. Knapp konnte er ausweichen, kassierte jedoch dabei ein, zwei Schnitte im Gesicht, über die er froh war, denn wie hätte er sich diese selbst zufügen sollen? Irgendwann war der Moment günstig und er schnappte mit den Zähnen zu und biss fest in die Hand, die die Schere fallen ließ. Von irgendwo erklang ein erstickter Schrei.
Dann öffnete sich endlich die Tür und ein Pfleger fragte, was denn los sei und musste dann zwangsläufig sehen, wie Jesper eine fremde Hand mit seinem Mund festhielt und blutete, schon wieder blutete.
„Teufel noch eins!“, rief der Pfleger und rief in den Gang, dass er Hilfe bräuchte. Der Mann, der bullig und groß war, kniete sich vor Jesper, dem er die Hand aus dem Mund reißen musste, sich dann aber nur Jesper zuwandte und versuchte, ihn etwas zu beruhigen. Zur selben Zeit tastete die dritte Hand umher und fand die Schere wieder. Ohne Augen, die sie hätten führen können, stach die Hand mit der Schere auf die Luft ein. Der Pfleger schrie:
„Was tust du denn?!“
Aber da hatte ihn die Schere schon gefunden und schlug auf ihn ein, traf ihn ins Auge. Der Mann schrak zurück und presste seine große Hand auf das auslaufende Auge, dann folgte ein weiterer Stich in seinen Arm, welcher ihn nach vorn rucken ließ, wo ihn dann der dritte und letzte Stich in den Hals traf. Er gurgelte auf und das Blut schoss wie aus einem Hydranten. Es spritzte überall hin, auch auf Jesper. Er sah nur noch purpurrot. Alles war rot und er begann zu schreien. Er spürte seine Beine kaum, die sich dem Impuls zur Flucht hingaben und seinen schweren Körper hochrissen, ihn trugen, aus der Zelle heraus und den Gang entlang. Die Hand war noch da und hielt die Schere, das Blut floss noch immer und Jesper zitterte am ganzen Leib.
Wohin es ging, wusste er kaum festzustellen. Er stürmte durch weiße Gänge, die so leer waren, wie es sich von seinem Zimmer aus immer angehört hatte. Er wählte, als er Schritte hörte, den Weg zur Feuertreppe. Die Tür, die sich ihm davor in den Weg stellte, konnte er leicht mit einem Drückschalter öffnen. Der Alarm der Tür tönte entsetzlich auf und wie erstört, begann die Hand mit der Schere wild in die Luft zu stechen, wobei sie ein paarmal die Scheibe traf. Die Tür schwang nach außen auf und Jesper eilte die Treppe hinab. Er war barfuß und das Metall war kalt und hatte eine unangenehme Struktur. Aber er rannte weiter, ihm war schlecht, er wollte fallen, aber er rannte weiter, bis er unten war und über einen Kiesweg, der noch schlimmer als die Treppe war, sprintete. Er rannte bis auf den Parkplatz, auf dem nur wenige Autos standen, normal für einen Vormittag unter der Woche. Jesper fühlte sich so schlecht, wie noch nie zuvor und schleppte sich gerade noch zwischen einige Autos, wo er sich mit dem Rücken gegen die Tür eines blauen Wagens lehnte und gleichzeitig hechelte und heulte. Keinen Schritt würde er mehr schaffen, das war klar. Ihm war unglaublich übel und er hatte einen Mann blutend zusammenbrechen sehen.
Das Blut klebte an ihm. Sicherlich würde man glauben, dass er es war. Ganz sicher.
Es ratschte. Die Schere hatte die Zwangsjacke nun so großzügig aufgeschnitten, dass er seinen Arm herauswinden konnte. Er tat es und ließ ihn dann schwer neben seinem Körper liegen. Er hatte keine Kraft mehr, er blutete, er … hatte eine verrückte Idee.
Seine zitternde Hand, die weiß war und nicht wirklich zuverlässig, wenn er seinen Zustand richtig einschätzte, führte er vorsichtig, an der anderen Hand vorbei, durch den Schnitt in seiner Haut hinein ins Innerste. Er fühlte etwas Weiches dort drüben, Stoff. Er setzte langsam einen Finger darauf und schrieb mit dem Blut, welches an ihm haftete: SOS Franklyn Spital Kingston.