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Die Backrooms

Die Hinterzimmer einer anderen Realität

Ungefähr um 12.15 Uhr betrat ich die Gesundheitsklinik von Johnson County. Den Termin hatte ich schon vor Wochen vereinbart, eine reine Routineuntersuchung. Es war kein völlig neuer Ort für mich; ich war schon ein paar Mal dort gewesen. Dennoch hatte ich das Gefühl, als wäre es eine Einrichtung aus meiner Kindheit, ohne dass ich genau sagen konnte, was dieses Gefühl war oder woher es kam.

Beim Betreten überkam mich ein überwältigendes Gefühl eines Déjà-vu. Das Summen der fluoreszierenden Leuchtstoffröhren, die weißen Kacheln auf dem Boden, die matt-beige Farbgebung, mit der die Wände gestrichen waren. Ich bemerkte, dass in der Ecke ein kleinerer Flachbildschirm angebracht war, auf dem in einer Schleife eine kurze PowerPoint-Diashow mit Anzeigen und Veranstaltungen der Klinik abgespielt wurde. Ich passierte den leeren Wartebereich – ein kleiner Abschnitt des Hauptsaals mit Zeitschriften, Kinderspielzeug und blauen gepolsterten Stühlen – und näherte mich der Frau an der Rezeption. Sie saß in ihrem blaugrauen Bürostuhl und schaute auf eine Tabelle auf demselben Windows-XP-Desktop, der seit 2008 im Einsatz ist. Auf dem Tresen vor mir lag ein Anmeldeformular.

“Ich habe einen Termin bei Dr. Pebins?”, fragte ich sie zunächst, wobei ich sie ein wenig unbeholfen musterte, ihr jedoch trotzdem ein kleines, freundliches Lächeln zur Begrüßung entgegenbrachte.

“Zu welcher Uhrzeit hatten Sie ihren Termin?”, wollte die Empfangsdame wissen, die abwechselnd auf ihren Computerbildschirm und dann auf mich blickte und einen leicht steifen Gesichtsausdruck hatte.

“12:30 Uhr”, antwortete ich knapp.

Sie fing an, etwas in ihre Tastatur zu tippen und verstummte für wenige Sekunden, während sie sorgfältig die Patientenliste und deren Termine abrief.

“Ah, ja”, antwortete sie, “Gary Johnston, ist das richtig?”

“Äh, ja! Genau. Das bin ich.”, erwiderte ich fast unwillkürlich und ertappte mich dabei, wie ich etwas verkrampft war. Ich war noch nie gut im Umgang mit Menschen, aber das war nicht der Grund, warum mich die Anspannung so plötzlich überfiel. Dieses Summen, dieses unnatürliche, helle Licht. Allmählich begann ich Kopfschmerzen zu bekommen, ähnlich wie bei einer Migräne und fing etwas zu schwitzen an. Dieses Déjà-vu hindert mich daran, meine rationalen Gedankengänge auszutragen.

“Ja, ich werde es dem Doktor sagen. Bitte füllen Sie dies aus und bleiben Sie einen Moment im Wartebereich. Danach werden Sie aufgerufen. Den Ablauf kennen Sie ja schon.”

Sie reichte mir ein Klemmbrett mit einem einfachen Formular zum Ausfüllen. Ich ging zurück in den Wartebereich, nahm Platz und begann, das Formular auszufüllen.

Als ich etwa zur Hälfte mit dem Ausfüllen fertig war, ließ ich mich in meinem Stuhl zurückfallen. Ich hatte in der Nacht zuvor nicht viel Schlaf bekommen und war völlig erschöpft. Während ich mich zurücklehnte, bemerkte ich etwas sehr Merkwürdiges – mein Kopf stieß nicht gegen die Wand. Es fühlte sich sogar so an, als würde er IN die Wand fallen. Erschrocken stand ich auf und blickte auf die Wand.

Nichts.

Nicht ein einziges Loch oder eine Delle hatte mein Kopf in die Wand gestoßen.

Dies mag das Ergebnis meines erschöpften Geistes, des Schlafmangels, der Anspannung, der Umgebung und des beklemmenden Bildes einer nicht sehr ästhetischen Wandgestaltung gewesen sein. Ich wurde von einem Gefühl überwältigt, das einer Reizüberflutung ähnelte.

Deshalb streckte ich meine Hand aus, um die Wand zu berühren – und meine Finger gingen durch sie hindurch.

Meine Finger glitten durch diese verdammte Wand, als ob sie aus keinerlei solider Materie bestünde.

Erschrocken zuckte ich zurück. “Was zur Hölle war das denn?”, dachte ich, als ich die Wand erneut berührte, nur um festzustellen, dass sich meine Finger erneut durch die Wand geschoben hatten.

In Unkenntnis dessen, was sich unmittelbar in meinem Radius befand, trat ich erschrocken einen Schritt zurück, nur um von einem Stuhl hinter mir abgebremst zu werden und drohte, mit diesem auf dem Boden zu kollidieren. Um das Gleichgewicht im letzten Moment zu halten und einen Sturz zu vermeiden, gelang es mir jedoch, mich in letzter Sekunde nach vorne zu hieven.

Ich lenkte mich in die andere Richtung, stolperte und fiel mit dem Gesicht durch die Wand. Mit dem Gesicht voran landete ich auf einem schmutzigen hellbraunen Teppich, auf dem ich wieder stand, als ich merkte, dass ich mich in einem völlig anderen Raum befand. Jedoch, nicht wirklich ein Raum, sondern eher eine Reihe von Räumen, die alle durch Durchgänge miteinander verbunden waren. Die Wände waren mit einer ekelerregenden hellbraunen Mustertapete bedeckt, noch unangenehmer als die Wände in der Klinik. Zudem herrschte ein penetranter Gestank von feuchtem Teppich in der Luft.

Ich wandte mich um und versuchte, meine Hand wieder durch die Wand zu führen, aber sie wollte nicht hindurchgehen. “Okay, was ist jetzt los?”, murmelte ich vor mich hin. Dann blickte ich zurück in den Raum. Es gab keine Fenster, keine Türen, nichts war an den Wänden – außer dieser ekelhaften Tapete natürlich – es war vollkommen leer bis auf einen einzigen blauen Plastikschulstuhl. Zu diesem Zeitpunkt war das Einzige, was mir durch den Kopf ging, Angst und der immer wiederkehrende Gedanke “Ich muss hier raus”, der in meinem Kopf in einer Schleife ablief. Ich begann, durch die Räume zu rennen und verzweifelt zu versuchen, einen Ausgang zu finden, aber ohne Erfolg. Einen Ausgang gab es nicht.

War dies nun mein endgültiger Aufenthaltsort, bis ich sterben würde? Nein, es musste einen Ausweg geben! Ich konnte doch nicht einfach hier zurückbleiben, oder? Irgendwann würde jemand bemerken, dass ich verschwunden war!

Aber das tat niemand.

In der Ferne hörte ich plötzlich Schritte, aber nicht die eines Menschen – zumindest nicht eines normalen Menschen. Parallel dazu ertönte ein gurgelndes Knurren, das wie das eines aufgebrachten Tieres klang.

Dann begann ich zu rennen. So schnell ich konnte, rannte ich vor dem, was sich mir näherte. Mit dem wollte ich nichts zu tun haben, und schon gar nicht wollte ich mich mit etwas anlegen, dessen Temperament nicht herausgefordert werden sollte.

Es kam mir wie eine Ewigkeit vor, aber ich kehrte immer wieder in denselben Raum zurück, von dem ich losgelaufen war. Zumindest schien es derselbe Raum zu sein. Nicht, dass ich sie auseinanderhalten konnte oder so, das war schlichtweg unmöglich.

Völlig erschöpft, besiegt und hoffnungslos, setzte ich mich einfach auf den nassen, stinkenden Boden. Ein Gefühl des Grauens erfüllte meinen Körper und ich brach in Tränen aus. Ich würde hier sterben, wenn ich nicht irgendwo einen Ausgang finden würde. War ich allein? Gab es noch andere Menschen an diesem Ort? Und was bedeutete dieses animalische Knurren?

Doch ich bin immer noch dort. Ich habe den Ort nicht verlassen. Ich akzeptiere mein Schicksal. Oh Gott, diese Kopfschmerzen. Ich fühlte mich, als würde mein Schädel jeden Moment platzen, als wäre ich nur einen Lidschlag davon entfernt, den Verstand zu verlieren.

Außerdem kann ich wieder Schritte hören. Ich frage mich, wer das wohl sein könnte …

 

 

 

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