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Der Mord in der verlassenen Villa

Warnung vor Creepypasta

ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.

Ich weiß nicht, was mich dazu getrieben hatte, mit einem Hexenbrett in eine alte verlassene Villa zu gehen. Wahrscheinlich war es das Abenteuer. Um dieses Haus ranken sich Geschichten von einem Spuk und ich wollte dem auf den Grund gehen. Ein Mann und eine Frau sollten hier ihr Unwesen treiben. Besser gesagt das, was nach dem Tod von ihren Seelen übrig blieb. Dabei musste die Frau ihren eigenen Tod jede Nacht immer wieder durchleben. So die Legende. Doch schon bald musste ich feststellen, dass es mehr als eine gewöhnliche Urban Legend war. Keine von denen, die sich Jugendliche ausgedacht haben, um pubertäre Mädchen zu erschrecken. Sondern eine von denen mit einem wahren Kern. Es war eine schwere Zeit für mich. Nach einer Beziehung, die zu Bruch ging und Umwälzungen in meinem Privatleben, suchte ich nach etwas Höherem. So etwas wie Gott oder einem Sinn im Leben. Möglicherweise suchte ich hier eine Antwort auf meine Fragen. Vielleicht war ich mutig, vielleicht einfach nur dumm, vielleicht aber hatte mich das Schicksal dorthin geführt. Die Villa lag etwas abgelegen am Stadtrand. Der Garten musste einst wunderschön gewesen sein: Ein zerfallener Pavillon und einzelne Statuen im griechischen Stil zeugten von uralter Pracht. Selbst jetzt, wo sie von Moos und Unkraut überwuchert wurden und der Garten voller Gestrüpp war. Es war eine anstrengende Angelegenheit, sich dort durchzukämpfen. Das Haus selbst wurde im neugotischen Stil erbaut. Steinerne Säulen trugen einen runden Bogen über dem Eingangstor, der aus massivem Holz gefertigt war. Durch die Verwitterung wirkte er schon fast schwarz. Die Fenster waren mit aufwendigen Verzierungen umrahmt. Die alten Wände wirkten beinahe unberührt; Graffiti suchte man vergebens, was ungewöhnlich für einen Lost Place wie diesen ist. Selbst jetzt, verlassen und fast baufällig, wertet dieses Gebäude die Umgebung auf. Trotz der Tatsache, dass sich Ranken um das gesamte Haus schlängelten, als sei es ein Schloss im Dornröschenschlaf. 

Als ich mich durch das Gestrüpp kämpfte, hielt ich stets nach einer Kellertür ausschau. Sie sollte der einzige komfortable Eingang sein, hörte ich. Eine Alternative wäre eines der zerstörten Fenster gewesen. Doch soweit musste es nicht kommen, denn ich fand schließlich die Tür. Besser gesagt den Türrahmen, aus dem ein vermoderter Geruch in meine Nase drang. Meine Schuhe klebten im feuchten Matsch, als ich mich schleppend durch den Eingangsbereich bewegte. Das Gerümpel, welches meinen Weg versperrte, machte das Fortkommen nicht einfacher. Umso froher war ich, als im Schein meiner Taschenlampe eine Treppe auftauchte. Vorsichtig! dachte ich mir, als ich die hölzerne Treppe hinaufstieg. Das Holz knackte und bei jedem Schritt hatte ich Sorge, einzustürzen. Mein Puls begann sich erst wieder zu beruhigen, als ich oben ankam. Ich schien in der Küche herausgekommen zu sein. An den Wänden konnte ich im sanften Schein der Lampe alte Küchenutensilien erkennen. Von dort aus kam ich direkt ins Esszimmer. Ein mulmiges Gefühl tat sich in mir auf, als ich die Stühle sah: Wie wild waren sie um den Tisch in der Mitte verteilt. Nur ein Stuhl befand sich jeweils an einem Ende, als würden sie noch genutzt werden. Von dort aus führte eine große offene Tür in den Eingangsbereich, es war majestätisch, was ich sah: Ein großes Foyer mit einer Holztäfelung, umrahmt von zwei Treppen, die nach oben führten. Über allem thronte ein Kronleuchter in der Mitte des Raumes. Ich war überrascht, dass er immer noch von der Decke baumelte. Daher kam also das Geräusch von klirrendem Metall. Endlich konnte ich meine Taschenlampe ausmachen, denn der Mondschein erhellte den Saal beinahe komplett. Doch plötzlich, als ich den Knopf ausknipste, erschrak ich: War da gerade etwas? Ich sammelte mich und schaute noch einmal hin. Da war ein … Gesicht. Aus einem Nebenraum lugte ein blasses Antlitz hervor. Ich zuckte laut kreischend zusammen, dann hörte ich den Schrei einer weiblichen Stimme. Wie erstarrt blieb ich stehen, als die Gestalt hervorkam. Meine Angst legte sich langsam, als ich in ihrem Gesicht denselben Schrecken erkannte, der wohl auch in meinem zu sehen war.  Der Schock wandelte sich alsbald in Erleichterung um und wir begannen beide laut loszulachen.

“Du hast mich erschreckt!”, sagte ich. 

“Du hast mich erschreckt!”, entgegnete die junge Frau. 

Wir näherten uns. 

“Was machst du hier?” 

“Dasselbe wie du, schätze ich”, antwortete sie.

Jetzt, als sie näher kam, betrachtete ich sie genauer. Dunkle Haare umrahmten ein schönes, junges Gesicht. Sie trug ein rotes Holzfällerhemd, darunter ein schwarzes Top und dazu blaue Jeans.

“Also ich bin hier, um eine Ouija-Sitzung zu machen”, sagte ich und griff nach meinem Rucksack.

“Du möchtest Geister beschwören?”, fragte sie ungläubig. “Glaubst du daran?”

“Du etwa nicht?”

“Ich…”, antwortete sie zögernd, “bin mir nicht sicher.“ Sie schenkte mir ein verschmitztes Lächeln. “Vielleicht sollten wir es ausprobieren.”

Ich war ehrlich gesagt froh, eine weitere Person bei meinem “Experiment” dabei zu haben und legte das Brett samt Glas auf den Boden vor uns.

“Und du erkundest gerade diesen Ort.”

“Genau, hier bin ich so … einsam. Mit mir selbst, irgendwie.”

Ich nickte, dann wechselte ich das Thema.

“Bist du bereit?”

Ich setzte mich hin. “In Ordnung”, antwortete das Mädchen zögerlich und setzte sich mir gegenüber. Wir stellten uns vor und sie gab sich als Celine zu erkennen.

“Wen wollen wir anrufen … oder was?”, fragte ich.

“Es soll hier ein Mord geschehen sein, in den 90ern”, antwortete sie.

Mir lief ein eisiger Schauer über den Rücken, dabei kannte ich doch die Legende. “Die Urban Legend meinst du?”, antwortete ich.

Ein verschmitztes Lächeln breitete sich über ihre Lippen aus, doch es wirkte erzwungen. “Ja,” antwortete sie, „hier traf sich einst ein Paar. Der Mann wollte Sex mit der Frau haben, diese weigerte sich jedoch, weil sie Jungfrau war. Es kam zu einem Streit. Als sei er besessen, legte er seine Hände um den Hals des Mädchens und schnürte ihre Kehle zu. Erst schrie sie, dann bekam sie nur noch ein Röcheln heraus, bis sie schließlich verstummte, weil alles Leben aus ihrem Körper gewichen war.”

Ihr Blick senkte sich, als sie die Geschichte erzählte. Diese Details – als wäre sie selbst dabei gewesen.

Ich nickte: “Deshalb die Geister, von denen man erzählt.”

“Vielleicht”, antwortete sie. Ihr Gesicht wurde ernst, fast nachdenklich. “Lass es uns herausfinden.”

Ich positionierte das Hexenbrett zwischen uns und stellte ein mitgenommenes Glas in die Mitte. Sofort legte Celine ihre Finger darauf. Ich spürte, wie meine Hände zitterten, als ich ihr zögernd folgte. Unsere Blicke trafen sich und ich suchte in ihren Augen ein Zeichen der Angst oder zumindest der Spannung, damit ich mit diesem Gefühl nicht alleine war. Zu meiner Erleichterung sah ich einen Anflug von Nervosität in ihren Augen und ihre Lippen bebten leicht. 

“Ist … ist da jemand?” sagte sie schließlich.

Die nachfolgenden Sekunden schienen wie eingefroren, so angespannt war die Atmosphäre. Die Stille der heruntergekommenen Villa, der Geruch des vermoderten Holzes und die Dunkelheit taten ihr Übriges. 

“Wenn da jemand ist, gebe uns ein Zeichen”, wiederholte ich unseren Kontaktversuch mit dem Reich auf der anderen Seite. Ein Reich, dessen Tore in einen Strudel von Dunkelheit führen, wie ich später herausfinden musste. Ich spürte, wie sich die Haare auf meinen Armen aufstellten, als sich das Glas bewegte. 

“Ja.”

Noch nie hatte ich solch eine Gänsehaut. Ich schaute zu Celine auf und ihrem Blick konnte ich ebenfalls einen Hauch von Anspannung entnehmen. Wir schauten uns an, als wollten wir stillschweigend unseren nächsten Schritt beraten. 

“Wie heißt du?”, stellte ich schließlich meine nächste Frage. 

“V”…”I”…”N” – 

Vin! Wahrscheinlich hieß der Geist oder diese irgendwie geartete Entität Vincent.

“Hi, Vin.” antwortete ich zögernd. 

Mein Blick traf wieder den von Celine. War das echt? Stellte sie mir vielleicht einen Streich? Plötzlich bewegte sich das Glas erneut. Diesmal deutlich, wie von alleine. 

“H”…”I”…”L, u, k, e” – “Hi, Luke” 

Ich erstarrte für einen kurzen Moment: Das war mein Name! Nachdem ich mich gefasst hatte, schaute ich zu Celine, in Erwartung, dass sie mich gleich angrinst, weil sie mir einen Streich spielt. Doch ihr Blick war ähnlich überrascht wie meiner. Spielte sie es oder hatte sie wirklich nichts damit zu tun? Was ich als nächstes sah, räumte all meine Zweifel aus dem Weg: Im Augenwinkel sah ich etwas. Hinter Celine im anderen Zimmer saß jemand am Tischende und starrte in meine Richtung. Ich erkannte dunkle Haare, die einem blassen jungen Mann ins Gesicht fielen. Das Licht, welches von draußen in den Speisesaal fiel, ließ es mir zwar nur zu, ein Schema zu erkennen. Doch es war genug, um zu sehen, wie mich die Gestalt arrogant angrinste, als stünde mir ein Raubtier entgegen. 

“Hi, Luke!”, wiederholte er.

Diesmal war es eine echte Stimme. Keine Buchstaben auf einem Ouija-Board, sondern eine tiefe männliche Stimme in einem Tonfall, der so bösartig war, dass es mich erschaudern ließ. Es war die Stimme eines kaltblütigen Mörders, der bereit war, sein Werk zu tun. Ehe ich mich versah, saß er nicht mehr an dem Tisch, sondern stand direkt hinter Celine. Ich las es an ihren weit aufgerissenen Augen ab, die mich in dem Moment flehend ansahen: Sie spürte seine Präsenz. Doch ich konnte ihr nicht helfen, es ging alles Schlag auf Schlag. Im nächsten Moment packte der Mann ihren Hals und würgte das Mädchen. Sie begann zu röcheln und versuchte zu schreien. Doch ich konnte aus Schock nur zuschauen. Zu surreal war das, zu unbekannt die Gefahr, der ich mich gegenüber sah. Als ich es schaffte, mich zu sammeln, ließ ich schließlich das Glas los – meine Finger waren bis dahin wie angeklebt – sprang auf und holte zu einem Schlag gegen die Gestalt aus. Aber meine Fäuste glitten durch den „Körper“, als handele es sich um ein Hologramm. Daraufhin schmiss Vin das Mädchen gegen die Wand und wandte sich mir zu. Jetzt würgte er mich und presste meinen Körper zu Boden. Celine rappelte sich auf und ging auf die Gestalt los. Viel bekam ich nicht mit, weil ich um Atem ringend am Boden lag. Was war das für ein übernatürlich starker Griff? Als ich mich wieder aufrichtete, sah ich, dass Vin wieder am Tisch Platz genommen hat. Wie gefesselt saß Celine ihm gegenüber. 

“Luke, bete für mich!”, sagte sie. 

“Was? Beten?”, dachte ich mir, “Wie kommt sie darauf?”. 

Ich schenkte dem wenig Beachtung, stattdessen näherte ich mich dem Tisch, an dem die beiden saßen. Ich hätte auch weglaufen können, doch irgendetwas in mir wollte dieses Mädchen nicht alleine lassen. 

“Luke, du hättest nicht herkommen sollen”, sagte Vin, stand auf und stellte sich hinter sie, um ihr wieder die Kehle zuzudrücken. 

“Luke, bete für mich!” wiederholte Celine flehend. 

Ok, dachte ich mir und begann, das Vater Unser zu beten. Ich kannte es noch auswendig. Während meiner Konfirmation hatte ich ein kurzes Aufflackern des Glaubens und betete es jeden Abend. Sofort spürte ich, wie sich die Wut der übernatürlichen Gestalt erneut gegen mich richtete. Vin stürmte auf mich zu und schlug mich gegen die Wand. Da sprudelte es aus mir heraus, als führte eine unsichtbare Macht meine Lippen: “Im Namen Jesu Christi, weiche von mir Vin.” 

Es schien ihn wirklich aufzuhalten: Es war, als hinderte ihn eine unsichtbare Wand daran, sich mir zu nähern. Ich sammelte all meinen Mut, stand auf und fuhr fort: „Du hast keine Macht vor dem Namen dessen, der dich geschaffen hat, denn er ist Herr über alles und jeden.“ Wütend wendete er sich wieder Celine zu. Doch ich ließ nicht von ihm los: “Verlasse diesen Ort, im Namen des Herrn, Vin”, sprudelte es aus mir heraus. “Ich verbanne dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes – Amen!” 

Damit verschwand er so plötzlich, wie er gekommen war. In der Ecke des Raumes sah ich Celine liegen. Erst jetzt erkannte ich die goldene Kreuzkette um ihren Hals. Sie atmete heftig ein und aus, doch als sie meinen Blick bemerkte, verformten sich ihre Lippen zu einem Lächeln. “Ich habe doch gesagt, du sollst beten.” 

Wir nahmen das Hexenbrett und verbrannten es im Kamin, bevor wir uns zusammen Richtung Ausgang bewegten. Aber als ich das Tor zur Straße hinausging, blieb sie im Torbogen stehen. Überrascht davon, dass sie nicht mehr weiterging, drehte ich mich zu ihr: “Möchtest du nicht nach Hause?” Sie schaute mich nur mit einem breiten Lächeln an, das Zufriedenheit und Dankbarkeit ausstrahlte: “Ich bin doch schon zuhause.”

Mir blieb nichts anderes übrig, als wie angewurzelt stehen zu bleiben, da ich nicht wusste, was ich entgegnen oder wie ich das einordnen sollte. Celine kicherte nur, näherte sich und presste ihre Lippen auf meine, zu einem sanften Kuss. Es war liebevoll, doch sie fühlten sich kalt an. Nicht wie in einer kühlen Winternacht, sondern kälter. Unsere Lippen berührten sich nur hauchzart, als könnte die kleinste Bewegung sie aneinander vorbeigleiten lassen.

“Danke!” Mit diesen Worten und einem letzten Lächeln drehte sie sich um, lief in Richtung des Hauses und verschwand. 

Als ich zu Hause war, musste ich zuerst alles verarbeiten. Nachdem ich schließlich realisierte, was geschehen war, faltete ich meine Hände und dankte Gott dafür, dass er mich da rausgeholt hatte. Seit diesem Abend bete ich jeden Tag, denn ich weiß, dass jemand über mich wacht. Nach ein paar Tagen fand ich im Archiv unserer regionalen Tageszeitung einen Beitrag von 1993. Es war genau die Geschichte, die das Mädchen in der verlassenen Villa erzählt hatte. Ihr Mörder wurde später im Gefängnis erstochen. Als ich ein Bild der beiden sah, überkam mich ein Schauer. Ruhe in Frieden, Celine.

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