KurzPlottwitst

Der rechte Weg

„Ich habe eine Aufgabe zu erfüllen, doch wie soll ich den rechten Weg einschlagen, wenn ich nicht einmal weiß, wohin die Reise führt…“

“Ich habe eine Aufgabe zu erfüllen, aber wie kann ich den richtigen Weg einschlagen, wenn ich nicht einmal weiß, wohin die Reise geht?”

Ich schlage meine Augen auf. In meinem Körper herrschen keine Gefühle, nur ein unbeschreibliches Gefühl einer tief verwurzelten Urangst. Alles ist düster, kalt und leer. Ich erblicke einen Korridor, in dem ich stehe. Schmale Wände umgeben mich, ich habe nicht die Spur einer Vorstellung, wo ich bin. Und wieso ist alles so dunkel? Ich empfinde keinerlei Regungen in meinen Gliedern, in meinem Körper. Nur bedrückende Angst und Verzweiflung angesichts dieser Umstände bedrängen mich von innen. Wohin bin ich hier gelandet?

Also beschließe ich, weiterzugehen und einen Ausweg zu suchen. Es gab nur zwei mögliche Wege. Nach links oder nach rechts. Ich gehe weiter, mit beiden Händen an der Wand nach rechts, und alles ist so schwarz, so grau. Ich gehe ein paar Meter weiter, bis plötzlich etwas diese Stille durchbrach und mich aufblicken ließ: Ein Mann tritt aus der Dunkelheit heraus. Mein erster Gedanke: Flucht, bin ich entführt worden? Angst und Panik überlief mich, aber … ich konnte nichts tun, rein gar nichts. Etwas hält mich fest, lässt mich in regungsloser Bange erstarren. Der Mann besaß rotes, lockiges Haar. Er trägt eine Art Rüstung. Eine Rüstung, golden, glänzend. Sie erinnert mich an römische Legionäre. Er kommt mit leichten, schwungvollen Schritten auf mich zu, und mit jedem stolzierenden Schritt stieß meine Panik nur noch mehr in meinen Kopf hinein. Doch auf einmal spricht er mich an, mit ruhiger, sanfter Stimme, die sich an mein Ohr schmiegte wie Balsam: “Hallo. Komm, ich bringe dich hier raus.” Sanftmütig lächelte er mir zu. “Du brauchst doch keine Angst zu haben”.

Doch irgendwas stimmt nicht. Zwar umgab diesen Mann augenscheinlich Ruhe und Wohlwollen, doch ich verspürte nichts anderes als absolute Bedenken und Misstrauen. Ich konnte nicht anders, als aufzuschreien: „Nein!“ und laufe weg. Ich sehe im laufen noch seinen Blick folgen. Ich laufe weiter, und blicke noch ein letztes mal in die leichte Dunkelheit: Er war verschwunden. Nun bekam ich es wirklich mit der Angst zu tun. Was um aller Welt passiert hier? Obwohl ich meine Gliedmaßen nicht mehr spüre, merke ich wie ich den Drang verspüre, mich hinsetzen zu müssen. Ich schränke die Arme zusammen und lege meinen Kopf auf die Knie. Diese Ruhe. Diese Dunkelheit. Diese Angst… Ich denke so darüber nach, wie ich wohl hier an diesen Ort gelangt sein könnte. Doch mir fällt es nicht ein. Doch dann schießt es mir durch Mark und Bein: Schritte aus der Dunkelheit, von links kommend. Aus der gleichen Richtung lief ich hier her.

Und sehe ihn. Dieser Mann, mit leichten, sanften Schritten, einem lächeln und einem sanften Blick kommt immer näher, und ich kann mich nicht mehr bewegen.„Nun stell dich nicht so an. Vertraue mir. Ich werde für dich sorgen, nur folge mir jetzt“. Hallt es in diesem Korridor, als er mir immer näher kommt.

Doch ich weigere mich. „Nein, ich will wissen, wo ich hier bin!“. Er grinst nur, und sagt mir: „Du würdest es nicht verstehen. Komm nun einfach mit.“ und er streckt seine Hand aus. „Nein!“. Schreie ich ihn an, und er dreht sich um. Sein Harnisch ist am Rücken zusammen gebunden, tiefe Narben sind oberhalb des Harnischs zu sehen. Als hätte man zwei mal mit einem riesigen Messer tiefe Schnitte in seinen Rücken gesetzt. Doch bevor ich überhaupt realisieren konnte, was diese Narben zu bedeuten hatten, sprach er wieder, mit dem Rücken zu mir: „Dann muss ich dich wohl zu deinem Glück zwingen“ kommt es diesmal, aber nicht mehr mit dieser engelsgleichen Stimme. Sondern mit einer fürchterlich dunklen, bösartigen Stimme. Er dreht sich um, und seine Augen glühten. Ich konnte mich wieder bewegen, so dass ich sofort flüchtete, nach rechts, immer weiter. Dann war alles ruhig.

Doch ich hatte immer noch das Gefühl, dass dieser Mann mich verfolgt. Und ich rannte weiter, obwohl ich nur noch sterben wollte. Diese ewige Dunkelheit raubt mir den Verstand. Diese Angst beißt sich in meinen Leib. Womit habe ich das verdient? Ich ging den Korridor entlang, immer weiter, immer weiter Richtung Finsternis. Bis ich an eine Tür gelangte. Eine riesige Stahltür. An der Tür ein Zettel in einer eigenartigen Sprache. Lateinisch?

Ich weiß es nicht. Ich traute mich nicht, die Tür auf zu machen, wusste ja nicht, was sich hinter dieser verbirgt. „Geh dort nicht hinein! Dort wird dich das Verderben erwarten, es ist die falsche Richtung.“ erklang es aus der Finsternis. „Mach diese Tür nicht auf!“ Dieser Mann trat aus dem Dunkeln. Er kam immer näher. „Soll ich ihm vertrauen?“ denke ich. „Doch was war das eben? Ist er gut, ist er böse? Ich weiß nicht, ob ich ihm vertrauen kann!“. Er kommt näher, bis er schließlich unmittelbar vor mir stand. Er lächelte, und sprach: „Geh dort nicht hinein, mach diese Tür nicht auf. Sie wird dein Untergang sein, doch erwartet dich das Ende.“

Er nahm meine Hand, hielt mich sanft fest. „Komm mit mir mit, ich helfe dir hier raus.“ Ich zögerte, blickte in sein wunderschönes, sanftes Lächeln, in seine Augen. Ich war verleitet mit zu gehen, doch dann mir fiel etwas auf: Bei genauerer Betrachtung sah ich, dass er keine Augenfarbe hatte. Er hatte schwarze Pupillen! Ich riss mich los, und sein sanftes Lächeln verwandelte sich in eine fürchterliche Fratze. Ich schrie, rannte zur Tür, und riss sie auf.

Dann blickte ich ins Licht. Es war gleißend hell. „Der Ausgang?“ dachte ich mir. Ich trat dem Licht entgegen. Und drehte mich um. Der Mann schrie im Licht, seine Haut begann zu glühen, förmlich zu qualmen. Ich konnte sehen wie er fürchterlich böse schrie und in der Finsternis verschwand. Und dann konnte ich mehr erkennen: Ich blickte in eine wunderbare Welt. Es war warm, die Sonne schien in einem wunderschönen, sanften Sonnenuntergang. Es war wunderschön. Eine völlige Erlösung durchströmte meinen Körper, ich war überglücklich, keine Sorgen, keine Angst.

Ich konnte viele Menschen sehen, die dem Sonnenuntergang entgegen schauten. Alle waren glücklich, es war fantastisch.

Ich sah mich um. Ich konnte sehen, dass die Tür, durch die ich in diese Welt trat, stand in mitten der Landschaft. Nichts war dahinter, nichts davor. Als würde man eine Tür mitten in die Natur stellen. Sie war geöffnet und man konnte den dunklen Korridor erkennen. Die Tür begann sich zu schließen. Ich schaute mich etwas um, eine innerliche Ruhe machte sich in mir breit. Ich wollte nie mehr dort weg.

Doch dann passierte etwas merkwürdiges. Etwas zog zunehmend stärker an meinem Rücken. Wie ein Windzug. Es wurde immer stärker, und ich drehte mich um. Ich sah die Tür, die sich zu öffnen begann. Ein unheimlicher Sog zog mich in Richtung dieser Tür. Ich wollte nicht wieder weg, doch dann kam wieder Angst über mich. Denn ich konnte etwas sehen, was mein Leben fortan veränderte:

In der Tür konnte ich zwei Autos sehen, die einen Unfall hatten. Sie krachten zusammen. Auf dem Boden: Eine Frau, die gerade von Ärzten reanimiert wird. Diese Frau war ich.

Ich wurde immer stärker in Richtung dieser Tür gezogen, bis ich letztendlich durch diese hindurch trat. Dann wieder dieses gleißend helle Licht…. ich schloss meine Augen.

Und öffnete sie wieder. Ich atmete tief ein. Den wohl tiefsten Atemzug meines Lebens, und blickte in das Gesicht eines Arztes. „Da haben wir sie gerade noch zurück geholt, sie haben riesiges Glück gehabt.“ sprach er.

Nun wurde mir klar, wo ich wirklich war… Erst in der Welt vor dem Tod, und dann im Paradies… Und dieser Mann war der Teufel, der mich in sein Reich locken wollte…..

 

Original
Autor: Jacksully


Bewertung: 0 / 5. Anzahl Bewertungen: 0

Bisher keine Bewertungen! Sei der Erste, der diesen Beitrag bewertet.

Ähnliche Artikel

Schreibe einen Kommentar

Überprüfen Sie auch
Schließen
Schaltfläche "Zurück zum Anfang"