
Der Zaubertrick – Mit einem Paukenschlag!
ACHTUNG: VERSTÖRENDER INHALT
Bitte beachten Sie, dass es sich bei dem folgenden Text um eine Creepypasta handelt, die verstörende Themen beinhalten kann, wie zum Beispiel Gewalt, Sexualisierung, Drogenkonsum, etc. Creepypastas sind fiktive Geschichten, die oft dazu gedacht sind, Angst oder Unbehagen zu erzeugen. Wir empfehlen Ihnen, diesen Text nicht zu lesen, wenn Sie sich davon traumatisiert oder belästigt fühlen könnten.
Ultraschall. Röntgen. Bluttests. Allein in kalten klinischen Räumen und es war Jesper, als ob er jeden Moment zu heulen anfangen würde. Er kam sich verlassen und gemieden vor, vor allem jetzt, wo er in diesem Untersuchungsraum auf einer Pritsche saß, bekleidet in eines dieser Krankenhaushemdchen, bei denen der Hintern frei war, als ob die Ärzte ein Interesse daran hätten, die Ärsche der Patienten abzuchecken.
Mom und Dad sprachen mit dem Arzt im Nebenzimmer und er musste warten, bis seine Eltern Bescheid wussten und entschieden hatten, wie ihm die Ergebnisse der Untersuchung beigebracht werden sollten. Vielleicht war ein Alien in ihm drin? Aber dann wären sicherlich die Idioten von MIB bereits angetanzt und nicht Schwester Breitarsch, die ihm Blut abgenommen und ein Kinderpflaster drauf gekleistert hatte.
Trotzdem machte ihn die ganze Sache recht unruhig, auch wenn seine Gedankenwelt versuchte, es lächerlich zu machen. Es war besorgniserregend und das Schlimmste war, dass seine Familie es gesehen hatte. Mit eigenen Augen.
Die Tür öffnete sich und Mom und Dad nebst dem Arzt kamen zu ihm und ihre Gesichter wirkten nicht gerade freudestrahlend oder tiefbetrübt. Jedenfalls nicht so, wie man die übliche Reaktion auf eine Krankheitsdiagnose erwarten würde. Jesper nagte an seiner Unterlippe und schaute erwartungsvoll.
Es schienen Ewigkeiten zu verstreichen, ohne dass jemand etwas sagte und langsam wurde es sehr unbehaglich – oder lag das an seinem nackten Hintern?
„Was ist?“, fragte er schließlich, „Warum sagt ihr nichts?“
Dad war der erste, der es wagte, die Frage zu beantworten.
„Dass du deinen Spaß haben willst, ist eine Sache, aber uns in Angst und Schrecken zu versetzen, nur um dich wichtig zu machen-“
„WAS?“, entfuhr es Jesper und er kam sich wie vor den Kopf gestoßen vor.
„Du hast mich schon verstanden! So einen Trick abzuziehen, nur um andere zu erschrecken! Du bist im Krankenhaus! Leute haben zig Tests an dir durchgeführt im Glauben, dass dir was fehlt! Und du sagst nichts!“
„Was hätte ich denn sagen sollen?“, fragte Jesper verwirrt und zornig zugleich.
„Dass du dir nur einen Scherz erlaubt hast, zum Beispiel! Jesper, ich nehme dich sonst immer weitgehend in Schutz, aber diesmal bist du zu weit gegangen, mein Freund! Das wird Konsequenzen haben!“, sagte Mom.
„Aber Mom!“, versuchte Jesper verzweifelt zu erklären, „Ihr habt es doch gesehen! Meine Hände waren auf dem Tisch, alle beide. Wie hätte ich denn-“
„Ein Zaubertrick.“, mischte sich nun der Arzt ein, „Viele Jungs geben es in deinem Alter nicht gern zu, aber sie eignen sich doch den ein oder anderen Kniff an, um Streiche zu spielen oder wegen der Mädchen. Das kommt oft vor.“
„Mom! Dad! Ich würde doch nie-“
„Zieh dich an!“, herrschte Dad ihn an. Er war gereizt, weil er sich zwei Tage hatte freinehmen müssen, nur um zu erfahren, dass sein Sohn ihm und dem ganzen Krankenhauspersonal einen Bären aufgebunden hat.
Jesper zog seine Unterhose, dann die Jeans an, um nicht vollkommen nackt da zu stehen, wenn er das Krankenhaushemd auszog. Als er sich dieses über den Kopf zog und dabei einen Buckel machte, spürte er plötzlich die Hand des Arztes an seiner Seite. Er fuhr zusammen, als der Mann seine Narbe betastete.
„Das sieht sehr interessant aus. Woher stammt diese Narbe?“, fragte er. Jesper blickte zu seinen Eltern, da er nicht antworten konnte.
„Irgendwas als er klein war. Wir wissen es selbst nicht mehr genau. Ihr Kollege hatte uns vorhin auch schon darüber ausgefragt.“, sagte Dad gleichmütig und klapperte unruhig mit den Autoschlüsseln.
„Scheint ja etwas Großes gewesen zu sein. Dass man sowas vergessen kann.“, sagte der Arzt.
„Ich wüsste nicht, was Sie das angeht. Jesper, bist du endlich fertig?“
„Ja, Dad.“
Widerstrebend hatte sich Jesper in höchster Eile fertig angezogen und lief im nächsten Moment seinen Eltern hinterher zum Auto. Die Fahrt war ein Desaster. Dad schimpfte auf ihn und Mom war auch nicht besser drauf. Sie zankten herum, erst über ihn, dann miteinander und irgendwann war sich Jesper nicht einmal mehr sicher, ob er den Kern des Gesprächs richtig erfassen konnte. Es lief alles an ihm vorbei. Zum einen Ohr rein, zum andern wieder raus.
Unvermittelt, nachdem das Auto in der Einfahrt gehalten hatte, wurde er auf sein Zimmer geschickt und konnte von dort aus noch genau den weiteren Verlauf des Streits verfolgen, der sich bis neun Uhr abends hinzog und Jesper sogar vergessen ließ, dass er ziemlichen Hunger hatte.
Vielleicht halb zwölf oder etwas später, garantiert aber noch vor Mitternacht, hielt er den Hunger nicht mehr aus. Sein Magen blökte wie eine Herde Schafe bei Gewitter und da unten alles ruhig geworden war, konnte er es sich vielleicht ganz leise erlauben, sich ein schnelles kleines Sandwich in der Küche zuzubereiten. Es musste nicht gerade gegrillt sein, aber wenigstens dick genug belegt, um seinen Hunger zu stillen, damit er die Nacht überstand. So schlüpfte Jesper aus seinem Zimmer und ging auf Samtpfoten in die Küche, in der es schwarz war wie zur Geisterstunde. Er knipste das Licht an und steuerte hinüber zum Kühlschrank. Seine Cola stand noch darin und er wäre ein Schwein gewesen, wenn er nicht wenigstens einen Schluck davon getrunken hätte. Dann suchte er sich etwas Käse und Schinken, Mayonnaise, ein paar Gurken und das Weißbrot und legte alles auf die Arbeitsfläche. Seine Gedanken waren bei dem leckeren Imbiss, den er sich eben bereitete und wagten sich gar nicht zu schweifen, als es plötzlich wieder da war, intensiver denn je.